Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://www.queer.de/detail.php?article_id=28655
Home > Kommentare

Kommentare zu:
Gibt es "Sprechverbote" in der queeren Community?


#31 ursus
  • 18.04.2017, 15:24h
  • Antwort auf #20 von Laurent
  • "geht aus meinen Ausführungen eindeutig hervor..."

    mein kommentar sollte keine kritik an deinen aussagen sein oder dir etwas unterstellen. tut mir leid, wenn es so ankam. ich habe die antwortfunktion genutzt, damit klar wird, in welche nebendiskussion ich mich gerade einmische.

    "Fällt es eigentlich unter die von dir erwähnte Diskriminierung, wenn einer zu mir sagt: "Wenn du 10, 15 Jahre jünger wärst, ..."?"

    nein. wie ich schon schrieb, darf natürlich jede_r in "neutralem" ton klarstellen, wo die je eigenen grenzen erotischer wünsche liegen. das geht relativ leicht, ohne dabei beleidigend zu werden. ein nachgefügtes "ich stehe nicht auf opas" wäre für mich in deinem beispiel schon grenzwertig, weil mit einem deutlich abfälligen unterton.

    natürlich gibt es grauzonen, und ob etwas abwertend gemeint ist oder so aufgenommen wird, hängt in vielen fällen vom kontext ab. dass in vielen dating-profilen deutlich abwertende bis extrem beleidigende töne in die beschreibung der eigenen vorlieben einfließen, muss ich nicht wirklich konkret belegen, oder? und ich finde es nicht wirklich schwer, abwertungen zu vermeiden, wenn man einfach ein bisschen darauf achtet, was man schreibt.

    darum geht es hier aber nicht in erster linie. um zum thema von patsys buch zurückzukommen: ein beispiel für das von ihr kritisierte wäre es, wenn man jede öffentliche einschränkung des eigenen erotischen wunschorizontes schon als diskriminierung läse. ein extremfall (den es wirklich gegeben haben soll): wenn ein schwuler keinen sex mit frauen haben will, sei das frauenfeindlich und sexistisch. aber es gibt natürlich viele beispiele, die weniger spektakulär dumm sind.

    das problem ist hier wie dort einfach die mangelnde bereitschaft, sich in die perspektive anderer menschen hineinzuversetzen und eigene ressentiments in frage zu stellen.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #20 springen »
#32 MahmoudProfil
  • 18.04.2017, 18:32hDuisburg
  • Antwort auf #31 von ursus
  • Danke für Deinen Beitrag.

    Es war insbesondere ein Halbsatz von Dir, der mich hat aufhorchen lassen.

    Die "öffentliche Einschränkung des eigenen erotischen Wunschorizontes" ist tatsächlich keine bewusste Diskriminierung durch die Mehrheitsgesellschaft, sondern eine Alltagserfahrung von Schwulen, die zu Ausgrenzungserlebnissen führt.

    Und das wird sich auch nicht ändern.

    Das ist etwas, mit dem Schwule im Laufe ihres Erwachsenwerdens lernen müssen umzugehen. An diesem Punkt treffen sich auch verschiedene Minderheiteiten, egal, ob es nun die geschlechtliche Identität oder Ausrichtung betrifft.

    Wie aktut das Problem ist oder sein kann, macht man sich vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz klar:

    en.wikipedia.org/wiki/Healthcare_and_the_LGBT_community

    Das ist ein ganz reales Problem: Alltagserfahrungen mit der Mehrheitsgesellschaft, die als Disriminierung erlebt werden (können), Ausgrenzungserlebnisse, und Strategien, mit diesen Erlebnissen umzugehen oder sie zu umgehen.

    Tätsächlich wird so etwas in schwulen Medien aber so gut wie nie thematisiert.

    Stattdessen findet man ideologische Überhöhung und Lagerbildungen. Und das finde ich sehr schade, denn das Niveau leidet darunter ganz erheblich.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #31 springen »
#33 LarsAnonym
  • 19.04.2017, 14:39h
  • Antwort auf #32 von Mahmoud
  • Ein Schlüssel für das Verständnis des manchmal irrational scheinenden Festhaltens an Diskriminierungserlebnissen ist für mich eine Passage aus Saleem Haddads jüngst erschienenem Roman "Guapa", in der er einen Gedanken von Amin Maloouf zusammenfasst. Dieser meine, dass Identität etwas Formbares sei, dass den Launen der Gesellschaft unterworfen sei. : "Er war der Meinung, dass eine Person sich am stärksten mit dem Aspekt ihres Wesens identifiziere, der gerade angegriffen wird."

    Wenn man verinnerlicht hat, dass Diskriminierung das ist, was einen ausmacht, dann ist die Gefahr groß, sich an einen Schmerz zu halten, um etwas zu "sein".
  • Antworten » | Direktlink » | zu #32 springen »
#34 ursus
  • 19.04.2017, 15:05h
  • Antwort auf #14 von Anal2000
  • "würde mich interessieren, ob die Referenten denn selber Trans- oder Intersexuell (im engeren Sinn) sind"

    till randolf amelung, einer der autor_innen des buches, schreibt dort über sich selbst:

    "Hinweise zum Verfasser: Der Autor dieser Zeilen sieht aus wie ein weißer Mann. Jedoch werden die Leser_innen (unangenehm) überrascht werden, dass es sich dabei um einen homosexuellen Mann mit Menstruationshintergrund, mit Behinderung, aus nicht-akademischen, ökonomisch prekären Verhältnissen und mit sexualisierter Gewalterfahrung handelt. Deshalb ist Kritik natürlich pfui, solange nicht nachgewiesen ist, dass mehr Erfahrungswelten vorhanden sind, die auf strukturelle Marginalisierung zurückzuführen sind."
  • Antworten » | Direktlink » | zu #14 springen »
#35 LorenProfil
  • 19.04.2017, 15:20hGreifswald
  • Antwort auf #33 von Lars
  • Sie können in Kindergruppen häufig erleben, dass nicht alle gleichberechtigt an einem Spiel beteiligt werden. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem Kind dieser schmerzhafte Moment "Identitätsbildend" wirkt, dann gering, wenn es sich nicht um eine dauerhafte Zurückweisung handelt.
    Vielleicht sind dauerhafte Zurückweisungen, die zurückzuführen sind auf ein Merkmal, auf das das Kind keinen Einfluss hat, eher mit Traumatisierungen zu vergleichen und wirken daher tief in die Persönlichkeit. Das Kind wird dauerhaft verletzt und fühlt sich dem ohnmächtig ausgeliefert.
    Da kommen dann die Bewältigungsstrategien ins Spiel, die individuell die verletzte Persönlichkeit angehen und darüber hinaus den Prozess der dauerhaften Verletzung (Diskriminerung) stoppen.
    Wer sich gegen Diskriminierung der eigenen Person wehrt, heilt sich dadurch zwar nicht selbst, versucht aber, sich vor weiteren Verletzungen zu schützen.
    Nur so ein Gedanke.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #33 springen »
#36 herve64Profil
  • 19.04.2017, 21:53hMünchen
  • An dieser Stelle zitiere ich gerne mal Tom robinson: "Forget the oppression from anywhere else while we still do the wonderful job in oppressing ourselves."

    Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.
  • Antworten » | Direktlink »

» zurück zum Artikel