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Mehr Impfungen empfohlen

Berlin: "Außergewöhnlicher" Hepatitis-A-Ausbruch unter Schwulen

Männern, die Sex mit Männern haben, wird empfohlen, sich gegen Hepatitis impfen zu lassen.


Eine Impfung ist in Deutschland für Männer, die Sex mit Männern haben, kostenlos. (Bild: Naval Surface Warriors / flickr)

Aus Berlin wird seit Mitte November eine akut angestiegene Zahl von Hepatitis-A-Fällen unter Männern, die Sex mit Männern haben, gemeldet. Es seien nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von November bis März 80 neue Fälle gemeldet worden, weit mehr als üblich. Dieser Ausbruch sei nach Angaben von RKI-HIV-Expertin Viviane Bremer "sehr außergewöhnlich". Bei einem Drittel der neuen Fälle seien HIV-Positive betroffen.

Laut RKI sei ein Grund für den Ausbruch laut bisherigen Untersuchungen, dass die bei schwulen und bisexuellen Männern empfohlene Hepatitis-A-Impfung noch nicht ausreichend umgesetzt wurde und Impflücken bestünden. Das Institut richtete daher bereits einen Appell an Ärzte: "Um den Ausbruch bald zu beenden, bitten wir die Berliner Ärzte, bei Personen mit sexuellen Risiken den Impfstatus zu überprüfen und ggf. eine Hepatitis-A-Impfung durchzuführen."

Europaweiter Ausbruch

Das Problem ist dabei nicht nur auf Berlin begrenzt, wie das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) bereits im Februar mitteilte (PDF). Demnach habe offenbar die enge Vernetzung der schwulen (Sex-)Szene national wie international den Ausbruch mit großer Wahrscheinlichkeit begünstigt. Auch das RKI spricht von "epidemiologischem Zusammenhängen zu Fällen in anderen deutschen und europäischen Städten".

Bei Hepatitis A handelt es sich um eine Leberentzündung, die auch als "Reise-Hepatitis" bezeichnet wird. Sie wird insbesondere durch verunreinigtes Wasser und Nahrungsmittel, aber auch durch Urin oder Kot übertragen – bei Sexspielen wie Rimming ist die Gefahr der Ansteckung daher sehr groß.

Für Männer, die Sex mit Männern haben, ist eine Impfung empfohlen. Diese kann in Kombination mit der Hepatitis-B-Impfung durchgeführt werden – Hepatitis B ist ebenfalls unter Schwulen verbreitet und wird durch Sex übertragen. Die Impfung ist für sexuell aktive Schwule sowie für bisexuelle Männer kostenlos, braucht aber seine Zeit: Zur vollständigen Immunisierung gehören drei Impfungen innerhalb von sechs Monaten.

Eine akute Infektion führt zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber oder Unwohlsein. Mit steigendem Alter steigt das Risiko eines schweren Verlaufs der Krankheit, die aber normalerweise – im Gegensatz zu Hepatitis B und C – von allein rasch abheilt und nie chronisch wird. Dennoch ist die Belastung insbesondere für geschwächte Menschen sehr groß.

Personen mit schwachem Immunsystem sind anfälliger für eine Infektion. Impfungen sind besonders für HIV-Positive empfehlenswert, da Hepatitis eine zusätzliche Belastung der Leber darstellt. (cw)



#1 SebiAnonym
  • 18.04.2017, 14:44h
  • Impfungen gegen übertragbare Krankheiten (egal ob sexuell übertragbar oder anders) sind generell immer empfehlenswert.

    Man kann froh sein, dass es wenigstens einige Krankheiten gibt, gegen die man sich impfen lassen kann. Dann sollte man das auch in Anspruch nehmen und nicht aus Bequemlichkeit, unbegründeter Angst, etc. darauf verzichten.

    Würden sich genug Menschen impfen lassen, könnte man manche Krankheiten vielleicht sogar ganz ausrotten. Aber auch für den eigenen Schutz ist es natürlich essentiell...
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#2 marlusbln11Anonym
  • 18.04.2017, 16:01h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Jawoll, so ist's. Sebi hat recht.

    Last euch impfen. Bei hochrisikogruppen trägt das auch die kasse. Man schützt sich und andere damit.

    Lasst uns den arztbesuch das wert sein.
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#3 MahmoudProfil
  • 18.04.2017, 18:53hDuisburg
  • Antwort auf #2 von marlusbln11
  • Schwule sind keine Hochrisikogruppe.

    Mit dieser Argumentation wird Schwulen heute immer noch das Blutspenden verwehrt.

    Es gibt Risikoverhalten bei bestimmten Erkrankungen, deren Erreger sich ihre Opfer nicht aussuchen. Dieses Verhalten legen sowohl Hetero- wie auch Homosexuelle an den Tag.

    MSN (Men that have Sex with Men) können sowohl Schwule, Heten als auch Bisexuelle sein. Je nach Tageslaune, sozusagen.

    Interessant an den Angaben des Robert-Koch-Instituts ist, dass PrEP (Tenofovir) zwar vor HIV und Hepatis B Übertragungen schützt, anscheinend jedoch nicht vor Hepatitis A.

    Was bedeuten würde, das man bei einem PrEP-bedingten Rückgang der HIV-Neuinfektion vermutlich mit einem Anstieg anderer Infektionserkrankungen rechnen muss.
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#4 ursus
  • 18.04.2017, 19:16h
  • Antwort auf #3 von Mahmoud
  • "Was bedeuten würde, das man bei einem PrEP-bedingten Rückgang der HIV-Neuinfektion vermutlich mit einem Anstieg anderer Infektionserkrankungen rechnen muss."

    das ist meines wissens bereits belegt und eine folge der derzeitigen situation, in der die PrEP von vielen menschen ohne zeitlich enge ärztliche kontrollen eingenommen wird.

    die antwort auf dieses problem ist der versuch, möglichst viele PrEP-nutzer zur regelmäßigen ärztlichen kontrolle zu bewegen (beispielsweise durch kostenlose ärztliche verschreibung). dann würden auch andere infektionskrankheiten rechtzeitig erkannt und deren weitergabe verhindert oder zumindest begrenzt, so dass auch in anderen bereichen die infektionsraten sinken könnten. auch dieser effekt ist meines wissens bereits untersucht und belegt worden (ich bin jetzt aber zu faul, die links wieder rauszukramen).
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#5 mannfredAnonym
  • 18.04.2017, 21:12h
  • Hoffentlich war das den 80 Betroffenen eine Lehre und sie lassen sich jetzt endlich impfen, damit sie das nicht noch einmal bekommen und andere nicht mehr anstecken können.
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#6 hu89Anonym
  • 18.04.2017, 21:19h
  • Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dies mit dem Trend von unsafer Sex, auch Prep zu tun hat. Auch wenn ich mir jetzt bestimmt wieder einiges anhören darf wie sicher die Prep ist und Empfehlungen der AIDS-Hilfe, aber Prep schützt korrekt eingenommen und regelmäßiger ärztlicher Beobachtung vor HIV , es gibt jedoch andere Virusarten, die sich eben durch die Prep nicht eindämmen lassen ähnliches gilt für Infektionen mit Bakterien anderen Mikroben, Pilzen und Parasiten. Also safe ist nur kein Sex oder zumindest Kondome und Handschuhe und eine gewisse Hygiene um zumindest die offensichtlichen Risiken weitestgehend zu minimieren, daher gerne Prep mit Kondom.^^
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#7 LaurentProfil
  • 18.04.2017, 21:44hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Mein Internist hatte mir die entsprechenden Impfungen bereits vor zehn Jahren empfohlen. Dieses Jahr steht die Auffrischung an.
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#8 Patroklos
#9 Matze0815Anonym
  • 19.04.2017, 08:23h
  • Hoffentlich ein Warnschuss an die Prep Fraktion. PreP und Schutz durch Therapie mag zwar gegen HIV hilfreich sein, jedoch nicht für die zahlreichen anderen STIs. Untersuchungen über den Anstieg von z.B. Syphilis bei Personen die PreP nehmen gibt es ja auch schon
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#10 markusbln11Anonym
  • 19.04.2017, 09:58h
  • Antwort auf #3 von Mahmoud
  • Sorry für die unbedachte wortwahl.

    Impfung für unsereins ist dennoch kostenfrei; wie die begründung auch sein mag. A propos. Gilt etwa auch für sanitäter, ärzte, pfleger und krankenhauspersonal - übrigens mit blutspenderecht, oder?

    Zur rettung durch prep. Vielleicht schützt die prep eben nicht vor syphillis und tripper. Frag deinen arzt mal, wieviele sexuell aktive unerkannt mit tripper rumlaufen. Wirst erstaunt sein.

    Ist aber kein aufwand, das los zu werden. Regelmässig testen und im hoffentlich seltenen eventualfall ein antibiothika. Aber man muss eben von der ansteckung wissen. Je mehr jungs das wissen, desto weniger stecken sich an!!

    Noch eins zum schluss. Schön, dass wir die hepathitis b mit prep bearbeiten können. Macht die impfung einfacher. Oder? Oder nicht!

    Und alles läuft auf den selben punkt hinaus. Nur bei richtiger nutzung der medizinischen vorsorge- und beratungsangebote durch uns sind sexuelle krankheitsrisiken minimierbar. Jeder hat hier verantwortung für den anderen.
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