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"Er wird nie wieder auf der Bühne stehen"

Jürgen Marcus schwer erkrankt

Der schwule Star der Siebziger nimmt wegen einer Lungenerkrankung Abschied vom Showgeschäft.


Jürgen Marcus auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Ein Plattencover aus dem Jahr 1975

Jürgen Marcus wird wegen einer Erkrankung seine künstlerische Laufbahn beenden. Das erklärte sein Manager und Lebenspartner Nikolaus Fischer nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa. "Er wird nie wieder auf der Bühne stehen und seinem Beruf nachgehen", so Fischer am Mittwoch.

Bereits seit 2002 leide der heute 68-Jährige an COPD, einer chronischen Erkrankung der Lunge. Vor fünf Jahre habe sich der Gesundheitszustand massiv verschlechtert, daher habe sich der Sänger bereits damals aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Mit der Bekanntgabe der Krankheit wolle das Paar "wirre Spekulationen" beenden, die in der Öffentlichkeit kursierten. Fischer bat darum, die Privatsphäre des Sängers zu respektieren. Fischer und Marcus sind seit 1995 ein Paar und leben in München.

Star der Siebzigerjahre

In den Siebzigerjahren gehörte Marcus, ein gelernter Maschinenschlosser aus Herne, zu den erfolgreichsten deutschen Schlagersängern und war Dauergast in der ZDF-Hitparade. Zu seinen größten Erfolgen zählen "Ein Festival der Liebe", "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" und "Ein Lied zieht hinaus in die Welt". 1976 nahm er mit dem französischsprachigen Lied "Chansons pour ceux qui s'aiment" für Luxemburg am Eurovision Song Contest teil und erreichte Platz 14.

Direktlink | "Ein Festival der Liebe" gehört zu den größten Hits von Jürgen Marcus. Hier ein Auftritt aus dem Jahr 1973 (in der ZDF-Sendung "Disco")

In den Achtzigerjahren war sein Heile-Welt-Schlager mit dem Aufkommen der Neuen Deutschen Welle allerdings nicht mehr gefragt. Marcus versuchte vergeblich, mit Chansons oder englischsprachigen Titeln an alte Erfolge anzuknüpfen.

Marcus sprach sich gegen Ehe-Öffnung aus

Marcus hatte sich nach dem Niedergang seiner Karriere in den Neunzigerjahren geoutet. Ein schwules Aushängeschild wollte er jedoch nie sein, auch weil er seine sexuelle Orientierung nur schwer mit seinem katholischen Glauben in Einklang bringen konnte. Das führte etwa dazu, dass er sich öffentlich gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht aussprach – und gleichgeschtliche Paare, die heiraten wollen, in der "Bild"-Zeitung als "lächerlich" bezeichnete. "Nikolaus und ich haben uns mit dem Herzen verpflichtet", so Marcus damals. "Ich finde es lächerlich, wenn Schwule heiraten. Man sollte Respekt haben vor der christlichen Institution der Ehe. Heiraten sollte nur, wer zusammen Kinder haben möchte – und haben kann!"

2013 geriet Marcus erneut in die Schlagzeilen, als er Privatinsolvenz anmelden musste. Damals sagte der Sänger, er habe sich mit einem gekauften Mietshaus in Berlin übernommen, weil die Mieter nicht zahlen würden. (dk)



#1 AufrechtgehnAnonym
  • 20.04.2017, 13:17h
  • Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich Jürgen Marcus schon 1975 in der Bild geoutet hat?
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#2 MarekAnonym
  • 20.04.2017, 13:53h
  • "Marcus sprach sich gegen Ehe-Öffnung aus"

    Ich wundere mich immer wieder, wie Leute ihre eigene Meinung über die Gleichstellung von anderen stellen können.

    Wenn er nicht heiraten will - bittesehr. Aber wieso will er das dann auch anderen verbieten?!

    Hape Kerkeling hat das ja früher auch abgelehnt, aber mittlerweile seine Meinung geändert.

    Nichtsdestotrotz wünsche ich Jürgen Marcus natürlich alles Gute und dass er gesundheitlich wieder einigermaßen klar kommt und noch viele glückliche Jahre genießen kann.
    .
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#3 suppiAnonym
#4 DedidAnonym
  • 20.04.2017, 15:28h
  • Ich stimme auch nicht der Meinung von Marcus zur Ehe für alle überein, die er da 2006 geäußert hat. Deshalb wünsche ich ihm, nur basierend auf dieser einen Äußerung, aber kein kurzes Leben. Im Gegenteil, vielleicht findet er im weiteren Leben ja noch Zeit, die Meinung zu überdenken.

    Ansonsten kam er mir auch immer recht symphatisch vor, zumal er sich ja in der konserativ geprägten Schlagerszene sich schon vor vielen Jahren geouetet hat, als Homosexualität noch weitaus weniger toleriert wurde. Das hätte auch sein Karriereende sein können. Andere "Frauenschwärme" (oder auch "Männerschwärme"), was Marcus vor 40 Jahren ja durchaus war, wie Rex Gildo haben dazu nie den Mut aufgebracht.

    Wobei ich mich bei seinen Auftritten schon wundere, dass er nicht schon in den 70ern für schwul gehalten wurde. Aus heutiger Sicht ist es schon offensichtlich.
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#5 Julian SAnonym
  • 20.04.2017, 16:00h
  • Antwort auf #2 von Marek
  • Das Problem haben viele LGBTI:
    nur weil sie selbst nicht heiraten wollen oder gar die Ehe ablehnen, lehnen sie auch die Eheöffnung ab.

    Aber nur weil die Ehe geöffnet wird, heißt das ja nicht, dass man heiraten muss. Sondern nur, dass man das kann, wenn man möchte.

    Ich selbst finde die Ehe auch ziemlich antiquiert. Aber ich würde niemals gegen die Eheöffnung sein, denn andere wollen dies halt. Und auch wenn ich es selbst nicht will, fühle ich mich dennoch diskriminiert, da ich es auch gar nicht dürfte.

    Solange es die Ehe gibt, muss sie auch jedem gleichermaßen offen stehen.

    Und ganz ehrlich:
    es lohnt sich alleine schon, um die Gesichter der ganzen Religioten, fanatischen Politiker und anderer Ewiggestriger zu sehen, wenn sie realisieren, dass sie auf ganzer Linie gescheitert sind.

    Zu Jürgen Marcus:
    Schade, dass er gerade als Promi seinen Status nicht nutzt, sich für unsere Rechte einzusetzen oder wenigstens zu schweigen, statt sich dagegen auszusprechen.

    Aber etwas schlechtes wünsche ich ihm dennoch nicht. Er stammt halt aus einer Zeit, wo wir noch mehr als heute unterdrückt wurden und dass sowas nicht ohne psychische Spuren geht, ist klar. Er hat wohl einen gewissen Selbsthass dermaßen internalisiert, dass er das völlig normal findet, nicht die gleichen Rechte wie andere Menschen zu haben.

    Das finde ich traurig und da tut er mir eher leid.

    Ich hoffe, dass er sich vielleicht doch noch selbst "befreien" kann und sieht, wie falsch es ist, Diskriminierung (egal aus welchem Grund) zu rechtfertigen oder gar befürworten. George Takei hat ja auch erst im Alter den Mut gefunden, zu sich selbst zu stehen. Ich wünsche Jürgen Marcus, dass er diesen Mut auch findet.
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#6 MartinEdenProfil
  • 20.04.2017, 16:10hNürnberg
  • Ein Glück, dass man in den letzten Jahren so wenig von ihm gehört hat und hoffentlich bald gar nichts mehr von dieser Person erfahren wird. Wer die gleichberechtigte Homo-Ehe so in den Schmutz zieht, sollte seinen Mund halten. Gerade der Ex-Schnulzensänger hat es nötig, gegen Gleichgesinnte so auszuteilen. Von wegen die Ehe ist heilig und nur zur Nachwuchszüchtung da.

    Wieviele Ehepaare haben keine Kinder? Wieviele Scheidungen gibt es? Ich mochte seine Schnulzenmusik nie und Jetzt auch den Menschen nicht mehr. Im Gegenteil; für so eine Einstellung habe ich nur Verachtung übrig.
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#7 kuesschen11Profil
  • 20.04.2017, 20:13hDarmstadt
  • Jürgen Marcus hat sich in den Medien meistens mit seiner sexuellen Orientierung bedeckt gehalten und seine Partnerschaft als rein privat angesehen.

    Ich bin erstaunt, dass er sich so negativ und abwertend über die Ehe für Alle geäußert hat. Aber der katholische Glaube erklärt ja wohl vieles über seine indoktrinierte Einstellung. Er trug die Diskriminierung gegen LGBTs die Jahrzehnte mit hindurch und half mit, die Gleichstellungsrechte vor dem Gesetz auszubremsen. Das ist sehr schade. Vielleicht findet Jürgen Marcus innerlich zu einer Wandlung in seiner Meinung.

    Als Kind hatte ich mal Schallplatten von ihm, dennoch hat mich seine Schlagermusik nie so richtig angesprochen. Irgendwie alles zu glattgebügelt und angepasst.
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#8 Patroklos
  • 20.04.2017, 21:05h
  • Antwort auf #3 von suppi
  • Das gebietet aber der Anstand, jemandem ein langes und glückliches Leben zu wünschen, auch wenn er gegen die "Ehe für Alle" ist.

    Ich wünsche niemandem diese Krankheit, an dem ein Lebenspartner meiner Mutter verstarb. Auch bei meinem Mann wurde diese schlimme Krankheit diagnostiziert. Da sie rechtzeitig erkannt wurde, ist er medikamentös gut eingestellt.
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#9 Miguel53deProfil
  • 20.04.2017, 21:31hOttawa
  • Irgendwann in den fruehen 70ern fuhr ich mit meinem aeltesten Bruder und seiner Frau nach Duisburg, um das Musical "Hair" zu sehen. Einer der Hauptdarsteller, jung und sehr blond, gab den Claude - und fiel durch seine bemerkenswerte Stimme aus dem sonstigen Rahmen.

    Das war Juergen Marcus.

    Viel spaeter sag ich durch Zufall, wie er im Fernsehen seinen neuen Schlager "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" vorstellte.

    Der Erfolg im Studio war einzigartig. Jungs und Mädels tobten. Marcus wurde ganz offensichtlich "aphrodisiert". Nicht nur, dass er immer sicherer wurde und sich die Seele aus dem Leib sang.

    Unuebersehbar tat sich etwas in der Hose seines himmelblauen Anzuges. Etwas wurde hart und wanderte nach oben. Damals waren die Sendungen ja live. Und so stand "Winny Marcus", wie wir ihn schon damals nannten, in voller Erregung vor den Kameras der ZDF-Hitparade und zeigte der Nation, dass er es nicht nur in der Kehle, sondern auch in der Hose hatte.

    Beides kraeftig.

    Seine Krankheit ist leider unheilbar. Meine Zwillingsschwester leidet ebenfalls darunter. Wie es bei ihm ist, weiß ich nicht. Aktuelle Bilder schauen gar nicht gut aus. In der Regel muessen die Patienten 24 Stunden tagtaeglich an Sauerstoff angeschlossen sein. Bis sie irgendwann dennoch elendig ersticken.

    Das kann man niemandem wuenschen.

    Seine Einstellung ist ein trauriges Beispiel fuer den Einfluss der Religion. Und der davon beeinflussten Politik. Menschen wie Marcus tun mir einfach nur leid. Er hat ja zum Glück keinerlei Einfluss.

    Anders war das bei Westerwelle oder auch Kerkeling, die entweder großen oder sogar direkten Einfluss auf die Gesellschaft hatten.

    Was bleibt? Nicht viel. Mit seiner Krankheit ist die Lebenszeit sehr begrenzt. Manchmal dauert es. Manchmal geht es sehr schnell.
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#10 herve64Profil
  • 21.04.2017, 07:36hMünchen
  • Jüngere Communauten werden sich jetzt sicherlich fragen, wer denn nun Jürgen Marcus ist.

    Und diejenigen, denen der Name noch ein Begriff ist, werden sich nur kopfschüttelnd wundern: jahrzehntelang hat man nichts mehr von ihm gehört oder gesehen, also fragt man sich ernsthaft, wo nun eigentlich das öffentliche Interesse besteht, über ihn noch großartig zu berichten unabhängig von negativen Äußerungen seinerseits über die "Homo-Ehe" oder seiner Mitklatsch-Schmonzetten von anno dazumal.

    Was seine Erkrankung angeht: ja, sie ist tragisch, aber dieses Schicksal tragen auch andere, die nie im Rampenlicht standen, aber wohl ebenso wenn nicht sogar noch schlimmer daran leiden. Falls es dem Autoren also darum gehen sollte, den Fokus darauf zu legen, war das der falsche Ansatz.
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