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Entgleisung auf Facebook

AfD-Kandidat verhöhnt lesbische NS-Opfer

"Ob es wohl auch bald eine Gedenkstätte für Linkshänder gibt, die im KZ umgekommen sind?", kommentierte David Christopher Eckert einen geplanten Gedenkort für homosexuelle Frauen.


Der Student David Christopher Eckert ist stellvertretender Sprecher des AfD-Bezirksverbands Düsseldorf und Direktkandidat bei der Landtagswahl am 14. Mai (Bild: AfD Düsseldorf)

Mit einem Facebook-Post hat der Düsseldorfer AfD-Politiker David Christopher Eckert am Donnerstag einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der stellvertretende Sprecher des Bezirksverbands und Direktkandidat für die Landtagswahl im Wahlkreis Düsseldorf III teilte einen rbb-Bericht über einen geplanten Gedenkort für lesbische NS-Opfer im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück mit der Frage: "Ob es wohl auch bald eine Gedenkstätte für Linkshänder gibt, die im KZ umgekommen sind?"


Screenshot des mittlerweile gelöschten Facebook-Posts

Nachdem die "Bild"-Zeitung über die Entgleisung berichtete, löschte der 25-jährige AfD-Politiker seinen Facebook-Post und veröffentlichte stattdessen eine Erklärung: "Ja, der Kommentar war spitz formuliert und mag vielleicht für den einen oder anderen als anstößig empfunden worden sein", schrieb Eckert. "Aber der Kern der Kritik bleibt richtig. Warum werden die Opfer des NS beim Gedenken differenziert? Indem man einzelnen Gruppen, die ermordet wurden, ein eigenes Denkmal widmet und dieses anderen wiederum verwehrt, relativiert sich das Gedenken insgesamt."

Zweitägiges Symposium in der Gedenkstätte Ravensbrück


Brandenburgs Frauenministerin Diana Golze will die Geschichte der lesbischen NS-Opfer aufarbeiten

Die Antwort hätte der AfD-Kandidat am Donnerstag und Freitag bei einem Symposium in der Gedenkstätte Ravensbrück erhalten können. Anlässlich des 72. Jahrestags der Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers im April 1945 durch die Rote Armee beschäftigten sich Historiker und Aktivisten mit der Frage "Identitätspolitik und Gedenken. Schwul-Lesbische Erinnerungskulturen in der Diskussion". Brandenburgs Frauenministerin Diana Golze (Linke), die die Veranstaltung mit Lotto-Mitteln förderte, sprach sich dort für einen eigenen Gedenkort für homosexuelle Frauen aus.

"Für lesbische Frauen und Mädchen brauchen wir einen Raum für Trauer und Erinnerungen", erklärte Golze dazu in einer Pressemitteilung. "Denn sie starben zu Tausenden in Konzentrationslagern wie Ravensbrück und waren doch unsichtbar. Gebrandmarkt als 'asozial', 'Politische' oder 'geistig verwirrt' verschwanden sie lautlos in den Akten und Lagern". Weiter betonte die Ministerin: "Dieses 'unsichtbar sein' dürfen wir nicht hinnehmen, wir müssen den Frauen und Mädchen einen Raum zum Weiterleben geben. Dazu ist es wichtig, die Geschichte dieser Frauen schonungslos aufzuarbeiten."

Auch Brandenburgs Gleichstellungsbeauftragte Monika von der Lippe (Linke) unterstützte die Initiative: "Wir wissen, dass viele lesbische Frauen und Mädchen auch in Konzentrationslagern umkamen. Wie ihre gesellschaftlich akzeptierte Diskriminierung und Verfolgung genau funktionierte, ist bislang kaum erforscht. Hier müssen wir dringend Licht ins Dunkel bringen. Und wir müssen einen Ort für Erinnerungen schaffen, der alle betroffenen Opfer aufnimmt."

Eckert sorgte bereits vor einem Jahr für Wirbel

Bereits im vergangenen Jahr hatte es in Düsseldorf einigen Wirbel inklusive Polizeieinsatz um David Christopher Eckert in seiner Funktion als Vorsitzender der AfD-Hochschulgruppe gegeben. Der Student war trotz Hausverbots zum traditionellen Sektempfang des Schwulenreferats von Uni und FH erschienen. Monate zuvor hatte er öffentlich eine Abschaffung des Referats gefordert, weil es nur die Interessen einer Nische vertrete (queer.de berichtete).



#1 Rosa SoliAnonym
#2 ImdruilAnonym
  • 22.04.2017, 14:24h
  • So ein glattrasiertes Bübchen erklärt uns jetzt die Welt.
    Unfassbar, was sich alles Politiker nennen darf!
    Vielleicht erstmal das Studium abschließen und in der realen Welt ankommen?
    Die Aussage ist unterirdisch, kann man da juristisch nicht was machen?
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#3 LorenProfil
  • 22.04.2017, 14:34hGreifswald
  • Der AfDler Eckert arbeitet sich ganz in Höcke-Manier an der sog. "Erinnerungskultur" ab. Widerlich, aber aufschlussreich um die Gesinnung dieser "Alternative" nachzuvollziehen.
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#4 UschiAnonym
  • 22.04.2017, 15:10h
  • Antwort auf #3 von Loren
  • Ordentlicher DEUTSCHER Scheitel.... Was trägt der in der Freizeit? Uniform? Welche? Solche Fressen sieht man in Filmdokumenten, die zwischen 1933 und 1945 angesiedelt sind. Wiederlich der Typ!
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#5 Garfield
  • 22.04.2017, 15:57h
  • Kann man den Mann nicht anzeigen?

    Ich bin kein Jurist aber mir würde § 189 StGB (Verunglimpfung des Andenkes Verstorbener) einfallen. Wenn ich richtig informiert bin, müsste der Strafantrag aber von Angehörigen kommen.
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#6 AnonymAnonym
#7 RobinAnonym
  • 22.04.2017, 16:29h
  • Wie die AfD Opfer des dritten Reichs verhöhnt ist an Perversität und Zynismus nicht mehr zu überbieten....
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#8 markusbln11Anonym
  • 22.04.2017, 16:30h
  • Lieber David,

    wir sind bürger dieses staates mit allen rechten und pflichten, zahlen unsere steuern. Unsere lgbt-communitues sind teil der deutschen gesellschaft. Forbears unserer communities wurden von einer deutschen regierung in KZ massenhaft ermordet.

    Es ist das recht unserer communities, eine individuelle trauerkultur zu leben, die sich des erlittenen leids annimmt. Wachruft. Tröstet.

    Und es ist die moralische pflicht des rechtsnachfolgers jenes mörder-regimes der jahre 33 - 45, also der deutschen bundesregierung, diese trauerkultur unserer communities zu ermöglichen und zu fördern.

    Unsere brüder und schwestern in den 30er und 40er jahren waren bürger dieses damals von der nsdap regierten staates, deutschland, der übriges mit der bundesrepublik deutschland völkerrechtlich identisch ist. Wir sind heute bürger dieses staates.

    Das ist ein geschichtlicher auftrag an unsere heutige generation, zu erinnern und trauer zu ermöglichen. Auch speziell innerhalb unserer communities. Und auch an dich als führungskraft dieser gesellschaft.

    Jede community hat ein recht auf trauer wider das vergessen, das recht, ihre ermordeten mitglieder zu betrauern, ihnen ehre zu erweisen, zu mahnen. Dem rechnung zu tragen ist der geschichtlich abzuleitende anspruch an jede politische führungsperson in diesem staat, übrigens auch anderswo.

    Und merke. Unsere forebears wurden ermordet. Das ist nichts Abstraktes, sondern realität für uns. Das trifft uns. Das als obsolet zu charakterisieren ist eine bodenlose frechheit.
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#9 Sven100Anonym
  • 22.04.2017, 16:32h
  • "Tausende von lesbischen Frauen wurden in KZs umgebracht"

    Das höre ich zum ersten Mal. Ich erinnere mich an den Streit und die Diskussion um das Homo-Monument in Berlin vor einigen Jahren.
    Die Schwulen wollte mit dem Monument nur an die getöteten Schwulen erinnern. Lesbische Frauen seien nicht von den Nazis umgebracht worden.

    Was stimmt den nun?
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#10 LorenProfil
  • 22.04.2017, 16:44hGreifswald
  • Antwort auf #9 von Sven100
  • "Lesbische Frauen wurden mit Vorliebe in die Lagerbordelle
    gesteckt, damit sollten sie der männlichen Gesellschaft
    wieder zugeführt werden. Oder sie kamen in separate Blöcke
    unter männliche Aufsicht. Die Aufseher durften im Regelfall
    keine Frauen bewachen, womit die Sonderstellung von
    Lesbierinnen im Konzentrationslager deutlich wird.
    Claudia Schoppmann kommt in ihrer Untersuchung zu dem
    Ergebnis, dass sich weder eine 'zahlenmäßige Schätzung',
    noch 'eine Beschreibung der spezifischen Lagersituation
    dieser Gruppe' aufgrund der Quellenlage leisten lässt. In
    vielen Überlebensberichten wurde der Begriff 'asozial' mit
    lesbisch gleichgesetzt. Es lässt sich nicht klären, ob es
    sich dabei um Lagerhomosexualität handelte oder ob zwischen
    Homosexualität und Verhaftung ein Zusammenhang bestand."

    webdoc.sub.gwdg.de/ebook/diss/2003/tu-berlin/diss/2002/schae
    fer_silke.pdf


    de.wikipedia.org/wiki/KZ_Ravensbr%C3%BCck
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