Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?28696

Spitzenduo mit Alexander Gauland

AfD-Wahlkampf zum Bundestag: Mit Alice Weidel für die "traditionelle" Familie

Der Parteitag in Köln wählte die Politikerin, die mit ihrer Partnerin zwei Söhne aufzieht, zur Spitzenkandidatin – und stimmte für ein Wahlprogramm, das sich u.a. gegen Regenbogenfamilien wendet.


Alice Weidel bei einer kurzen Ansprache nach der Aufstellung zur Spitzenkandidatin

Die "Alternative für Deutschland" hat am Sonntag bei ihrem Bundesparteitag in Köln zur Bundestagswahl im Herbst ein Spitzenduo aus der baden-württembergischen Ökonomin Alice Weidel und Parteivize Alexander Gauland aufgestellt. Zuvor hatte Parteichefin Frauke Petry ihren Verzicht auf eine Spitzenkandidatur erklärt.

Petry war mit dem Versuch gescheitert, die Partei zu einer Kursklärung und einer Distanzierung von extremen Flügeln zu bringen. Zugleich hatte sie das in Köln beschlossene Wahlprogramm mitgetragen, das u.a. auf rigorose Maßnahmen in der Flüchtlingspolitik, einen Anti-Islam- und Anti-Euro-Kurs, die Rücknahme der Energiewende oder eine erzkonservative Familienpolitik setzt.

In einer kurzen kämpferischen und populistischen Rede sagte Weidel nach der Aufstellung zur Spitzenkandidatin, dass "politische Korrektheit auf den Müllhaufen der Geschichte" gehöre. Sie beklagte unter anderem, dass sie mit ihrer Familie Weihnachtsmärkte nicht mehr in friedlicher Atmosphäre genießen könne, weil diese christlichen Feste mit Polizei und Maschinengewehren geschützt werden müssten.

Wie der Öffentlichkeit erst durch eine "Maischberger"-Sendung bekannt wurde, lebt Weidel mit einer Frau zusammen und zieht zwei Söhne auf. Gegen homofeindliche Positionen ihrer Partei hatte sie sich bislang nicht spürbar öffentlich positioniert. Das in Köln beschlossene Wahlprogramm bezeichnete sie als "exzellent".

Wahlprogramm gegen Regenbogenfamilien und Homo-"Propaganda"

Dieses nun beschlossene Wahlprogramm der AfD wertet dabei Regenbogenfamilien wie die von Weidel klar ab: "Wir lehnen alle Versuche ab, den Sinn des Wortes 'Familie' in Art. 6, Abs. 1 Grundgesetz auf andere Gemeinschaften auszudehnen", schreibt die AfD darin und stellt sich damit sogar gegen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts – das hatte geurteilt, dass der Schutz des Grundgesetzes auch eine Familie etwa aus Mutter, Mutter und Kind umfasse. Die Politik müsse sich "am Bild der Familie aus Vater, Mutter und Kindern" orientieren, fordert hingegen die AfD, auch der Begriff "Ehe" sei rein "klassisch" zu verstehen.


Eines von drei Plakatmotiven zur Bundestagswahl, deren Aushang von AfD-Mitgliedern gespendet werden kann. Die AfD-Bundesvorständin Beatrix von Storch, von der Berliner Landespartei zur Bundestagswahl aufgestellt, hatte mit der "Initiative Familienschutz" und der zunächst angeschlossenen "Demo für alle" in den letzten Jahren Stimmung gegen LGBTI-Rechte gemacht

Zudem wehrt sich die Partei gegen eine "einseitige Hervorhebung der Homo- und Transsexualität im Unterricht", die einen "unzulässigen Eingriff in die natürliche Entwicklung unserer Kinder" und das Elternrecht darstelle und Kinder und Jugendliche "in Bezug auf ihre sexuelle Identität verunsichert, überfordert und in ihren Schamgefühlen verletzt". Kinder dürften nicht "zum Spielball der sexuellen Neigungen einer lauten Minderheit werden"; "Umerziehungsprogramme in Kindergärten und Schulen" mit dem angeblichen Ziel, "das bewährte, traditionelle Familienbild zu beseitigen", seien als "ideologisches Experiment der Frühsexualisierung" zu beenden, die Förderung von "Gender-Forschung" und Gleichstellungsbeauftragte seien abzuschaffen.

180-Grad-Wende zur heterosexuellen Mehrheitspolitik

Der Parteitag nahm am Samstag zudem noch einen Antrag an, das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend als "'Gedönsministerium' aus(zu)misten" und in ein "Bundesministerium für Familie und Bevölkerungsentwicklung" umzuwandeln. Die schriftliche Antragsbegründung betont, das bisherige Ministerium stehe für "die Genderclique mit Gleichstellung, Frühsexualisierung und anderen gravierenden Fehlentwicklungen".

Der Magdeburger Landtagsabgeordnete und homofeindliche Hetzer Hans-Thomas Tillschneider betonte in der Debatte, das Ministerium habe bislang "Gender-Mainstreaming-Maßnahmen" koordiniert, "die darauf abzielen, die normale Familie, die auf der Ehe aus Mann und Frau beruht, abzuwerten und gleichzustellen mit allen möglichen Formen des Zusammenlebens". Man brauche auf diesem Gebiet eine "politische Wende um 180 Grad".


Weidel mit Alexander Gauland nach der Bestätigung durch den Parteitag. Das einstige CDU-Mitglied Gauland hatte im Sommer 2015 beklagt, dass die Union über die Homo-Ehe debattiere, während Deutschland an einer überalternden Gesellschaft und an Kinder- und Fachkräftemangel leide

Zudem wurde ein Antrag angenommen, der das "vom Grundgesetz geschützte und bewährte Leitbild der Ehe und traditionellen Familie mit Kindern bewahren und stärken" soll. "Anerkannte Regeln zu Partnerschaft und Familie, Haushaltsführung, Lebensschutz und Kindererziehung" sollten in Schulbücher aufgenommen werden. Die Programmkommission befürwortete den Antrag in der Debatte als Bekenntnis zum "Leitbild Familie, Vater, Mutter, Kinder".

Einer der Antragsteller sagte in der Debatte, es gehe darum, "dass die traditionelle Familie immer weiter in den Hintergrund gedrängt wird durch das Gender Mainstreaming und anderen Unsinn, den man versucht, uns einzutrichtern. Wir wollen deswegen klarstellen, dass wir die traditionelle Familie … als ein Modell unter verschiedenen sehen, aber natürlich als das beste für die Kinder. Und das muss entsprechend so auch in der Schule kommuniziert werden."

Artikel wurde korrigiert: Wedel hat inzwischen zwei Söhne.

Ein Wort in eigener Sache
Hinter gutem Journalismus stecken viel Zeit und harte Arbeit – doch allein aus den Werbeeinnahmen lässt sich ein Onlineportal wie queer.de nicht finanzieren. Mit einer Spende, u.a. per Paypal oder Überweisung, kannst Du unsere wichtige Arbeit für die LGBTI-Community sichern und stärken. Abonnenten bieten wir ein werbefreies Angebot. Jetzt queer.de unterstützen!


#1 SebiAnonym
  • 23.04.2017, 15:18h
  • Dass eine Frau, die selbst in einer Regenbogenfamilie lebt, die "traditionelle" Familie "schützen" will, zeigt nur, wie verlogen die AfD'ler sind.

    JEDE Familie verdient gleichen Schutz: Hetero-Familien genauso wie Regenbogenfamilien.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 goddamn liberalAnonym
  • 23.04.2017, 15:31h
  • Frau Weidel lebt meines Wissens sogar mit Ihrer Frau in einer ELP.

    Sie profitiert also als Politikerin in einer Partei in NS-Tradition parasitär von einer Einrichtung, die sie politisch bekämpft.

    Das wäre ein Zeichen privater Geistesverwirrung, wenn es nicht für uns letztlich lebensgefährlich wäre.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 LorenProfil
  • 23.04.2017, 15:35hGreifswald
  • Frau Weidel zeigt, wie man kniend nach oben rutschen und sich dennoch einer Elite zugehörig fühlen kann. Da ist es bei den Rechtsradikalen der AfD wohl hilfreich, wenn man selbst auf Knien noch welche finden kann, nach denen man treten kann.
    Ich hoffe, ihr tragischer Fall wird bald folgen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 goddamn liberalAnonym
  • 23.04.2017, 15:39h
  • Antwort auf #3 von Loren
  • "Ich hoffe, ihr tragischer Fall wird bald folgen."

    Frau Weidel ist der Ernst Röhm der AFD.

    Dass sie wohl nicht so enden wird wie er, hat sie nicht ihren 'Parteifreunden', sondern der demokratischen Humaniät zu verdanken, die sie bekämpft.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 BuntUndSchoenEhemaliges Profil
  • 23.04.2017, 15:45h
  • Wie bescheuert dumm muss diese Weideltreiberin eigentlich sein, dass sie .... ich glaub es nicht :-O
    Überall gibt es Blindgänger/innen, zum Glück aber noch in der Minderheit!

    Exzellent, so, so - im Gerhirnverlust ist sie wohl exzellent - das ist aber auch schon alles! :-P
  • Antworten » | Direktlink »
#6 JustusAnonym
  • 23.04.2017, 15:50h
  • Genau wie Bernd Lucke, Frauke Petry und andere von ihrer Partei abserviert wurden, wird auch Alice Weidel früher oder später dieses Schicksal ereilen...

    Übrigens interessant, dass Sie ihrem Kind die volle Akzeptanz und auch die bestmögliche rechtliche Absicherung verwehren will. Dann ist sie wohl tatsächlich eines der wenigen Beispiele für ein Lesbenpaar, die tatsächlich nicht geeignet sind, Kinder großzuziehen.

    Dazu gehört schon eine gehörige Portion internalisierter Selbsthass und opportunistische Anbiederung, wenn sie die Parteilinie über ihre eigene Familie stellt. Das arme Kind...
  • Antworten » | Direktlink »
#7 felix-cgnAnonym
  • 23.04.2017, 15:57h
  • Gestern haben es die (zumeist nur männlichen*) Delegierten abgelehnt, sich mit Frauke Petrys Antrag (ihrer eigenen Vorsitzenden!) zu befassen, der im Grundsatzprogramm verankern wollte, dass in der AfD kein Platz für "rassistische, antisemitische, volkische und nationalistische Ideologien" ist. Und diese Partei führt Weidel nun in den Bundestagswahlkampf, ausgerechnet zusammen mit dem Gauleiter, der mit Pockenburg und Bernd (sic!) Höcke unter einer Decke steckt (ein Bild zum Würgen).

    Rückblick: Bewusst hatte sich die rechtsextreme Partei für dieses Wochenende den zentralsten Ort in NRWs größter Stadt für ihren Reichsparteitag ausgesucht hat. Gerade Köln, das für Vielfalt, gegenseitige Toleranz und Akzeptanz auch gegenüber LSBTI*Q steht. Das war nun eine der vielen gezielten Provokationen der blau lackierten Nazis. Scheinheilig entschuldigte sich die Kölner AfD in einer Zeitungsanzeige bei den Kölnern: es täte ihnen ja so leid, aber das Parteiengesetz würde nun mal so einen Bundesparteitag vorschreiben.

    Erinnern wir uns: Es fing mit den Pegida-Demonstrationen an, die sich versuchten auch außerhalb der sächsischen Nazi-Hochburg Dresden (und Umland) zu etablieren. Lesbische, schwule, bi, trans* und queere Menschen waren bei den Gegendemonstrationen mit dabei. Es war und ist klar, dass sich die Pegida-Gruppierungen aus dem braunen Sumpf gegen alles richten, was anders ist, was nicht weiß, hetero, deutsch, eindeutig männlich oder weiblich (Höcke will ja seine Männlichkeit zurück, kreisch.) usw.

    Weiland sieht sich ab heute in der Rolle der lesbischen Speerspitze des braunen Eisbergs. Es ist ihre Entscheidung. Ob sie diesen Widerspruch zwischen dem, was sie lebt und dem, was ihre Parteigenossen propagieren, aushält? Es scheint, als hätten wir das alles schon einmal mit dem rechtspopulistischen schwulen David Berger erlebt.

    Es werden also Frau Weidel einige Fragen zu stellen sein: zu ihrem Frauenbild, zu Sexismus, zu Feminismus, zur Pinkifizierung, zu Geschlechterrollen, über Mütter- und Väterrollen, zu Schulbüchern, in denen ihre Familie bis heute nicht widergespiegelt wird, zu Homophobie, die ihr Sohn (auch wenn hetero) stellvertretend für seine Mütter in der Schule wahrnehmen wird Dies alles auf Menschen von außen zu schieben, werden wir ihr nicht durchgehen lassen.
    Wir nehmen die Herausforderung an!
  • Antworten » | Direktlink »
#8 SanottheProfil
  • 23.04.2017, 16:08hRhüffel-Ostend
  • Als ich dieses Gesicht sah, musste ich unwillkürlich an die Irrenärztin aus Dürrenmatts "Die Physiker" denken. Sprich: da steckt einiges hinter dieser Fassade.

    "Fräulein Dr. h. c. Dr. med. Mathilde von Zahnd
    Die [...] Irrenärztin [...] ist die Besitzerin und Leiterin des Sanatoriums und das letzte, scheinbar einzig normale Mitglied einer alten Adelsdynastie von reichen und bedeutenden Irren. Zunächst spielt sie die großzügige, menschliche Ärztin. Am Schluss fällt jedoch ihre Maske der scheinbar mütterlich fürsorglichen Samariterin, und sie gibt sich als eine machtbesessene, skrupellose einzige wirklich Wahnsinnige zu erkennen."

    de.wikipedia.org/wiki/Die_Physiker#Charakterisierung_der_wic
    htigsten_Personen
  • Antworten » | Direktlink »
#9 JustusAnonym
  • 23.04.2017, 16:25h
  • Antwort auf #8 von Sanotthe
  • Frau Weidel ist extrem gefährlich, weil sie bei manchen den Glauben stärken könnte, dass LGBTI-Gleichstellung wirklich gefährlich ist, wenn sich selbst schon eine Lesbe dagegen ausspricht.

    Denn wie schlimm müssen wohl die Folgen sein, wenn sich sogar Betroffene dagegen aussprechen?

    Damit wird das Bild erzeugt, dass diejenigen LGBTI, die sich nicht diskriminieren lassen wollen, irgendwelche Radikalen seien, denen es um ganz andere Dinge ginge und die die Gesellschaft zerstören wollen.

    Ich weiß nicht, ob Frau Weidel das nicht durchschaut oder billigend in Kauf nimmt. Aber so oder so ist es pervers und macht sie extrem gefährlich.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Svetlana LAnonym