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Ab Donnerstag im Kino

Der knallharte Macho, der für seinen Liebsten spart

Martin Hawies Schwarzweiß-Drama "Toro" erzählt von einem Callboy, der versucht seine Homosexualität hinter einer Macker-Fassade zu verstecken.


Die Drogensucht seines Freundes Victor reißt Piotr in einen Strudel aus Gewalt und Verbrechen (Bild: missingFILMs)

Piotr ist ein bulliger Kerl, der passenderweise von allen nur "Toro" genannt wird und auf den ersten Blick einfach gestrickt ist. Er boxt, um sich fit zu halten, und fickt mit Frauen, um Geld zu verdienen.

Doch hinter der kühlen Macho-Fassade des Callboys verbergen sich geheime Sehnsüchte und Wünsche: Denn der Pole spart schon seit Jahren, weil er Deutschland hinter sich lassen und in seine Heimat zurückkehren will. Teil dieses Traums ist auch Victor, ein Kumpel, für den Toro mehr als bloß Freundschaft empfindet und den er am liebsten mit nach Polen nehmen würde.

Aber nicht nur das Hadern des Sexarbeiters mit seinem Schwulsein steht diesem Traum im Weg, sondern auch Victors Drogensucht. Trotz aller Bemühungen seines Freundes gerät Victor immer tiefer in die Abhängigkeit und reißt Toro schließlich mit in einen Strudel aus Gewalt und Verbrechen.

Finsteres Drama ohne Lichtblicke


Poster zum Film: "Toro" startet am 27. April 2017 in deutschen Kinos

"Toro" ist ein Film, der es ernst meint: Die Schwarzweiß-Aufnahmen von Kameramann Brendan Uffelmann machen aus dem Kölner Schauplatz einen grimmigen Moloch aus dunklen Gassen, verlassener Industrie und lauten Techno-Clubs.

Mit ähnlich düsterer Konsequenz folgt auch die von Regisseur Martin Hawie und seiner Ko-Autorin Laura Harwarth entworfene Handlung ihrem Lauf. Unbeschwerte Momente oder Lichtblicke gibt es in diesem Drama keine, stattdessen verfinstert sich die Situation für den Titelhelden von Szene zu Szene mehr.

Dabei hat "Toro" dasselbe Problem wie sein Protagonist: Denn so, wie der Callboy entgegen seiner Neigung dem in Trockenübungen geprobten Sex mit Frauen nachgeht, so erscheint auch Hawies Film bisweilen als allzu verbissen eingeübtes Handwerk – dem Drama wie auch dem gleichnamigen Helden mangelt es dabei spürbar an Sensibilität und Finesse, um wirklich überzeugen zu können.

Figuren ohne Eigenschaften

Der wenig innovative Plot wirkt wie abgespult und verpasst die Chance, innezuhalten sowie besondere Augenblicke zu schaffen, die dem Film Leben einhauchen. Der größte Schwachpunkt von "Toro" sind allerdings die Figuren, die so flach gezeichnet sind, dass sie mit wenigen Worten bereits umfassend charakterisiert sind. Vor allem die Nebenfiguren – wie Victors Schwester oder ein junger Bewunderer Toros – bleiben Abziehbilder ohne individuelle Eigenschaften.

So lässt "Toro" trotz seiner kunstvollen Oberfläche und der sich überschlagenden Dramatik letztlich kalt. Bedauernswert ist das in erster Linie, weil der Hauptdarsteller Paul Wollin hier zwar so engagiert gegen die Schwächen von Drehbuch und Inszenierung anspielt, aber dem eintönigen Drama dennoch nicht genug Nuancen abringen kann.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Toro. Spielfilm. Deutschland 2015. Regie: Martin Hawie. Darsteller: Paul Wollin, Miguel Dagger, Leni Speidel. Laufzeit: 84 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. FSK 16. Verleih: missingFILMs. Kinostart: 27. April 2017
Galerie:
Toro
10 Bilder


#1 EulenspiegelAnonym
  • 24.04.2017, 13:15h
  • Danke für das Review.

    Versteckte Homosexualität, Persönlichkeitsentwicklung, Coming Out, Sexarbeiter, Drogen, Migration alles in einem Film darstellen zu wollen ist ein Projekt das das Medium doch überfordert.
    Und wenn man einen Film über den Menschen in Deutschland macht, dem es am allerschlechtesten geht wird sich das außer ein paar Masochisten niemand ansehen.

    Lieber einen leichten Film, der eines dieser Themen mit aufarbeitet und dabei tiefgründiger bearbeiten kann als so eine Generalabrechnung.
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#2 Homonklin44Profil
  • 24.04.2017, 14:57hTauroa Point
  • Bei der abwertigen Kritik hat sich das Interesse auf den Film geweckt.

    Ich bin kein Masochist :o)
    Mich faszinieren die komplizierten Lebensläufe oder Fiktion über solche.
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#3 Patroklos
  • 24.04.2017, 18:25h
  • Ich kann die negative Kritik nicht nachvollziehen. Ein Film, der nichts für zarte Gemüter ist und auch der Trailer ist vielversprechend!
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