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Interview mit So. Digi. Pop.

Ralf König: "Der Großteil der Welt ist homophob"

Der Comiczeichner sieht weiterhin einen Bedarf an queeren Filmen – und veröffentlicht im Juni ein neues Buch über älterwerdende Schwule.


Ralf König veröffentlichte Anfang der Achtzigerjahre seine ersten "Schwulcomix" (Bild: Raimond Spekking / wikipedia)

Der Comiczeichner Ralf König ("Der bewegte Mann") hat im Interview mit dem neuen Online-Magazin So. Digi. Pop. erklärt, dass es weiterhin Bedarf an Filmen mit schwulen Thematiken gibt: "Der Großteil der Welt ist homophob. Da ist es wichtig, dass Regisseure diese Geschichten verfilmen", so König. Er selbst sei zwar aus dem Alter raus, "dass einem das etwas Neues sagt. Aber natürlich gibt es ein immer wieder nachwachsendes junges Publikum, das diese Geschichten zur Identität braucht."

Mit "Der bewegte Mann" hat König vor mittlerweile 30 Jahren eines seiner wohl bekanntesten Werke veröffentlicht, rückblickend zeigt er sich aber durchaus selbstkritisch: "Ich finde, ich habe in den letzten Jahren sehr viel bessere Bücher geliefert als 'Der bewegte Mann', aber das war eben die richtige Story zur richtigen Zeit."

Neuer Comicband "Herbst in der Hose"

In seinem neuen Buch "Herbst in der Hose", das am 23. Juni bei Rowohlt erscheint, geht es um älterwerdende Schwule – ein Thema, das im Hinblick auf den demographischen Wandel immer mehr an Bedeutung gewinnt: "Mein Buch handelt zwar von schwulen Männern, weil ich nun mal schwul bin, und ich bilde mir ein, dass Schwule mit dem Thema etwas anders umgehen als Heteros. In meinem Freundeskreis wird jedenfalls mehr über die Zustände gewitzelt oder sarkastisch gejammert."

Für sein Lebenswerk wird Ralf König am 1. November mit dem Wilhelm-Busch-Preis ausgezeichnet (queer.de berichtete). (ots/cw)



#1 Homonklin44Profil
  • 28.04.2017, 01:26hTauroa Point
  • So erlebe ich das auch. Ich schätze zwar, dass es davon abhängt, wo man sich bewegt, oder aus welcher Perspektive man sein Umfeld und "die Welt" beobachtet. Homophobe Haltungen, Ansichten,Äußerungen, Aspekte in Gesprächen und Verhalten von Leuten, das ist aber etwas, das man mit der entsprechend gewachsenen Antenne aus der Umgebung auffängt, wenn man nicht ganz abgestumpft oder durch die rosa Brille zugedünselt durch die Gegend latscht.

    Das wird wohl erst dann nachlassen, wenn die Generation erreicht ist, welche mit Selbstverständnis um die Variantenvielfalt in der Natur aufwachsen darf, und die eine vollständige Gleichstellung als üblich kennen wird.

    Schwule beim älter werden - ja, eine gerade im Bezug auf soziale Themen wichtige und brisante Sache. Wo bleibt man(n), wenn es keine Familiengründung, keinen Nachwuchs, keine verbindlichen sozialen Strukturen gibt. Schön für Jene, die das auch erreichen. Auf der anderen Seite die allmähliche Vereinsamung derer, die das nicht erreichen. Und später dann, im Seniorendomizil, wieder allein? Wieder die Minderheit ... oder Senioren-WG für LGBTIQ spezifisch? Da kann man auf die Auseinandersetzung mit einem vielschichtigen Lebensbereich gespannt sein.
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#2 LarsAnonym
  • 28.04.2017, 09:14h
  • Ich sehe das Werk von Ralf König kritisch. Positiv finde ich, dass seine Typen optisch nicht idealisiert sind und auch charakterlich mit liebenswerten und menschlichen Brüchen versehen sind. Andererseits haben seine Szenewelten, die er zwar salonfähiggemacht hat, auch ein bestimmtes Klischee von schwuler Identität geprägt, in dem sich viele Schwule nicht repräsentiert sehen und für die diese inszenierte Identität eher eine Last als Befreiung war. Ich erinnere mich an die Welle von Toleranz, als die Verfilmung von der "bewegte Mann" heraus kam. Eine Freundin meinte damals, der Film sei ja gut und schön, aber im Grunde doch eine liebevolle Verarschung der Szeneschwulen. Ralf König konnte man auch als Hetero gut finden, weil er einem die skurrilen Schwulen so schön vom Leibe hielt.
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#3 IndividualistAnonym
  • 28.04.2017, 10:03h
  • Antwort auf #2 von Lars
  • Ich kann dieses Gejammer sogenannter "Normalschwuler" über die ach so bösen, lästigen und emanzipatorisch angeblich nicht hilfreichen "skurrilen" Schwulen langsam wirklich nicht mehr hören.

    "Da die Schwulen vom Spießer als krank und minderwertig verachtet werden, versuchen sie noch spießiger zu werden, um ihr Schuldgefühl abzutragen mit einem Übermaß an bürgerlichen Tugenden. Sie sind politisch passiv und verhalten sich konservativ als Dank dafür, dass sie nicht totgeschlagen werden."

    So ein "Normalschwuler" will ich nicht sein.
    Und auch nicht sein müssen.
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#4 userer
  • 28.04.2017, 11:01h
  • Antwort auf #2 von Lars
  • Es kann wohl auch nur jemand wie du, der so im Unreinen mit sich selbst ist, auf die Idee kommen, die schwulen Ralf-König-Comics wären als Informationsliteratur für mehr oder weniger interessierte Heteros gedacht.

    In erster Linie sind sie doch wohl für Schwule geschrieben, mit ironischem Seitenblick auf eine (!) von vielen Facetten schwulen Lebens.

    Wenn dir diese eine Seite schwulen Lebens so peinlich ist, dass du sie am liebsten zensieren würdest, wenn dein Leben nur irgendwie ein klein bisschen Macht und Bedeutung hätte, sagt das eine Menge über deine Existenz.

    Dass du gleich das gesamte "Werk" von Ralf König kritisch siehst, also u. a. auch seine unschwulen, pointiert religionskritischen Comics, passt da nur ins trübe Bild.
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#5 jochenProfil
#6 LarsAnonym
  • 28.04.2017, 11:26h
  • Antwort auf #3 von Individualist
  • Ich jammere nicht, sondern bin ganz entspannt. Eine kritische Aussage ist kein Gejammer und nebenbei wichtig in einer pluralen Gesellschaft, auch und gerade wenn es nervt. Dabei störe ich mich gar nicht so sehr am Werk von Ralf König - der hat halt seine (schwule) Welt, wie er sie sieht und erfahren hat ehrlich, farbig, aufrichtig und - ich betone es noch einmal - menschlich und liebens-würdig dargestellt. Ich halte nur seinen typisierenden Blickwinkel für begrenzt und seinen Nimbus als Repräsentant schwulen Lebensgefühls an sich oder als schwule Ikone für hinterfragbar. Dies habe ich auch begründet - übrigens, ohne ihm böse Absichten zu unterstellen. Einer kann ja nicht alles machen und gerade deshalb unterstütze ich seine Aussage, dass es einen Bedarf an bisher nicht erzählen Geschichten gibt.
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#7 TheDad
#8 LarsAnonym
  • 28.04.2017, 11:44h
  • Antwort auf #4 von userer
  • "Kritisch sehen" heißt nicht: "zensieren wollen". Du siehst mich auch kritisch, das ist o.K. Nicht o.K. finde ich, dass Du mir viele Motive, Absichten und Gefühle unterstellst, die sich aus meinem Kommentar nicht herleiten lassen.

    Dass sich Ralf König in seinen religionskritischen Büchern offensiv an der Religion und insbesondere am real existierenden Katholizismus abarbeitet, kritisiere ich gar nicht. Auch da spricht er vielen Schwulen mit einer vergleichbaren Sozialisation aus der Seele. Er erinnert mich da ein wenig an Jürgen von der Lippe, der auch immer wieder auf dieses Trauma zurückkommt und es mit rheinisch-lustvoll-sündigem Humor bewältigt. Aber auch das ist eben nur ein Ausschnitt aus der schwulen Welt.
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#9 Anti-Links-GroKodileAnonym
#10 LarsAnonym
  • 28.04.2017, 12:47h
  • Antwort auf #7 von TheDad
  • Humor ist, wenn man trotzdem lacht ... Man kann doch etwas komisch finden und gleichzeitig kritisch sehen? Bevor ich mich über die humorlosen Kommentare auf meinen ernsten Kommentar ärgere, stelle ich mir zur Entspannung vor, wie Ralf König jeden von uns jeweils anhand unserer Aussagen karikieren würde. :-D
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