Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?28736

"Bogen der Vielfalt"

Kiew: Neonazis stoppen Eurovision-Regenbogen

Aktivisten des "Rechten Sektors" störten die Bemalung des Bogens der Völkerfreundschaft zum Song Contest und beklagten "LGBT-Propaganda".


Die rechten Störer riefen die Polizei, um die Werbung für Vielfalt zu unterbinden. In einer Online-Umfrage des Portals nv.ua fand die ESC-Version des Regenbogens allerdings rund 90 Prozent Zustimmung

Als hätte man sie bestellt: Neonazis des "Rechten Sektors" und der Partei "Swoboda" haben am Donnerstag in Kiew die Umwidmung des Bogens der Völkerfreundschaft zu einem Symbol für Vielfalt vorübergehend stoppen können. Erst am Vortag hatten die Arbeiten an dem Wahrzeichen der ukrainischen Hauptstadt begonnen.

Anlass für die Verkleidung des 1982 errichteten Symbols der ukrainisch-russischen Völkerfreundschaft in Regenbogenfarben ist der Eurovision Song Contest, der Mitte Mai in Kiew abgehalten wird und unter dem Motto "Celebrate Diversity" steht. Eine mit PR für den Wettbewerb beauftragte Firma wollte das Motto mit dem vorübergehenden "Bogen der Vielfalt" umsetzen, der mit rund 60 Metern Durchmesser der größte Regenbogen der Welt sein soll.

Am Donnerstag erschienen dann allerdings mehrere Neonazis, forderten einen Stopp der Aktion, riefen die Polizei und stellten Strafanzeige wegen einer angeblich illegalen Nutzung. Die "versteckte Propaganda für LGBT-Menschen" sei nicht mit der Bevölkerung abgesprochen, sondern eine Entscheidung des Bürgermeisters, um Europa zu gefallen, meinte Artem Skoropadsky, Sprecher des "Rechten Sektors".


Der Regenbogen war am Donnerstag schon fast fertig gestellt und von weitem zu sehen. Bild: Gennadiy / facebook

Skoropadsky empörte sich weiter: "Wir sind nicht glücklich über diese LGBT-Propaganda, wenn eine große Anzahl von Menschen aus ganz Europa hierher kommt. Die Behörden von Kiew wollen die Ukraine und die Hauptstadt der Ukraine als Hauptstadt der Ausschweifung positionieren. (…) Wir werden das nicht zulassen. Hier werden keine LGBT-Symbole verbleiben." Wenn die Behörden den Bogen zum ESC schmücken wollen, sollten sie Volksornamente zeigen.

Die mit der Regenbogen-Verzierung beauftragte Firma stoppte am Donnerstag zunächst die Arbeit und will sie am Freitag nach Rücksprache mit der Stadtverwaltung wieder aufnehmen.

Drohungen gegen CSD

Der absurde Auftritt ist nicht das erste Mal, dass sich der "Rechte Sektor" und Skoropadsky mit der Vielfalt anlegen. So drohte der Neonazi im Vorfeld des letztjährigen CSD in Kiew den Teilnehmern mit einem "Blutbad": Es gelte, den Marsch "unmoralischer Freaks" und eine "sodomitische Ansteckung der Ukraine" zu verhindern (queer.de berichtete).

Auch hatte der "Rechte Sektor" Bürgermeister Vitali Klitschko angeschrieben mit der Forderung, den CSD zu verbieten. Nachdem er in den Vorjahren die Veranstalter mehrfach aus Sicherheitsgründen um eine Absage gebeten hatte, setzte er 2016 auf ein mit den Veranstaltern erarbeitetes Sicherheitskonzept: Tausende Polizisten schützten einen weitgehend friedlichen Pride, an dem erheblich mehr Menschen teilnahmen als erwartet – auch viele Heterosexuelle wollten ein Zeichen gegen die rechte Hetze und Gewalt setzen (queer.de berichtete).


Das Logo des diesjährigen KyivPride

Der "March of Equality" ist in diesem Jahr für den 18. Juni geplant – mit einem Logo, das ebenfalls den Bogen der Völkerfreundschaft in Regenbogenfarben zeigt (anders als die Kunstinstallation auch in den korrekten sechs Farben). Bei seinem Auftritt am Donnerstag beschuldigte Skoropadsky mehrere CSD-Organisatoren namentlich, hinter dem Regenbogenprojekt zum ESC zu stecken.

Der Vorfall lässt rechtsextreme Störaktionen auch beim Song-Festival befürchten, dessen Proben an diesem Wochenende beginnen und das bis zum Finale am 13. Mai zehntausende Fans nach Kiew lockt, viele davon schwul – der Pride hat für sie einen eigenen Stadtplan aufgelegt.

Rechtsextreme und Hooligans hatten in den letzten Jahren in der Ukraine immer wieder LGBT-Veranstaltungen gestört, verhindert oder angegriffen, im letzten Oktober etwa eine Filmvorführung in Czernowitz (queer.de berichtete) und ein "Equality Festival" in Lwiw (queer.de berichtete). 2015 hatten Aktivisten des "Rechten Sektors" mehrere CSD-Teilnehmer und Polizisten verletzt (queer.de berichtete), ein Jahr zuvor hatten nationalistische Jugendliche am Wochenende des abgesagten CSD einen Schwulenclub an zwei Abenden hintereinander überfallen (queer.de berichtete).

Nicht immer ist dabei eine Fremdsteuerung auszuschließen: So kam es vor der Revolution zu gefälschten CSD-Demos mit bezahlten Schauspielern, die ganz im pro-russischen Propagandasinn den Eindruck verstärken sollten, dass eine EU-Annäherung dem Land LGBT-Rechte aufzwinge (queer.de berichtete).

Direktlink | Drohnen-Eindrücke vom Regenbogen während seiner Entstehung. Eine Petition auf der Webseite der Stadt, die Farben nach dem Contest beizubehalten, hat bereits über 500 Unterschriften

Ein Wort in eigener Sache
Hinter gutem Journalismus stecken viel Zeit und harte Arbeit – doch allein aus den Werbeeinnahmen lässt sich ein Onlineportal wie queer.de nicht finanzieren. Mit einer Spende, u.a. per Paypal oder Überweisung, kannst Du unsere wichtige Arbeit für die LGBTI-Community sichern und stärken. Abonnenten bieten wir ein werbefreies Angebot. Jetzt queer.de unterstützen!


#1 andreAnonym
  • 28.04.2017, 06:30h
  • Genau das meinte ich, mit meinem Beitrag im vorigen Artikel. Papier und Regen wird das kleinste Problem sein. In der Ukraine ist Homophobie, genau so verbreitet wie beim Nachbarn. Man will sich nur, recht krampfhaft, weltoffen geben. Aber wo soll es auch herkommen, als ehemaliger Teil der Sowjetunion.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 PeerAnonym
#3 BuntUndSchoenEhemaliges Profil
  • 28.04.2017, 11:06h
  • Jetzt komm ich etwas durcheinander:
    der erste Artikel sagte aus, dass Papier an den Bogen angebracht wurde. Und nun heißt es, dass Farbe angebracht wurde.
    Was stimmt denn jetzt??
    Und wenn das mit der Farbe stimmt, was war das dann mit dem Papier?
    Ein Versuch? Ein Scherz?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 wiking77
  • 28.04.2017, 11:47h
  • " sondern eine Entscheidung des Bürgermeisters, um Europa zu gefallen, meinte Artem Skoropadsky, Sprecher des "Rechten Sektors". "

    und da hat er objektiv sicherlich recht. Vermutlich ist der Bürgermeister selbst gar keine überzeugter Schwulenfreund, biedert sich aber dennoch mit dieser Aktion an "Europa" an, ein Opportunist also. Und es zeigt mal wieder die Abgehobenheit mancher politisch Verantwortlichen, die es in ihrer Großmannsucht noch meinen den Plebs erziehen zu wollen. Tja , sowas kann halt auch mal daneben gehen. Wer selbstgerecht und mit viel aplomb herablassend bei anderen an das "Gute" appelliert, bewirkt manchmal das Gegenteil (So wie Hillaria in den USA - wo dann der böse Trump das Feld als Platzhirsch behauptet hat).
  • Antworten » | Direktlink »
#5 auf die fresseAnonym
#6 wiking77
  • 28.04.2017, 15:58h
  • Antwort auf #5 von auf die fresse
  • Denkst Du, dass es Dir selber guttut, wenn Du hier aggressiv andere User angehst; obendrein hat Dein Beitrag wenig bis garkeine Substanz. Du tust mir wirklich und aufrichtig leid!

    Du musst schreckliches erlebt haben, dass Du so einen Ton anschlagen musst. Nun: der Bürgermeister will "Europa"; aber wohl nur halbherzig, sonst hätte er sich mehr ins Zeug gelegt; aber mit den Bandera-Faschisten will er es sich nun doch nicht so ganz verscherzen. Er ist vermutlich ein Opportunist, der Homosexuelle im Rahmen des ESC instrumentalisieren möchte. Es kann sogar sein, dass er selbst garnicht so recht weiss, was die Regenbogenfahne bedeutet. Wenn er aber bei vollem Bewusstsein diese Regenbogenfarben-Linie fährt, hat er vermutlich bei der Majorität seiner Mitbürger, deren Stadtoberhaupt er ist kläglich Schiffbruch erlitten. Auch Leute, die mit nicht viel Hirnschmalz gesegnet sind, merken ja doch, dass man sie "erziehen" bzw. manipulieren will für irgendwelche politischen Spielchen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 wiking77
#8 torbensAnonym
  • 28.04.2017, 17:20h
  • Antwort auf #7 von wiking77
  • Wiking, deine Art ist einfach herablassend. Mit deinen Pauschalisierungen blendest einfach komplett aus, dass die LGBTI-Bewegung in der Ukraine einen harten Kampf führt, zwei Schritte vor, 1,5 Schritte zurück. Wenn du wirklich für die LGBTI-Rechte wärest, würdest du das auch anerkennen, statt nur Klischees zu bringen.

    Vor zwei Jahren haben erstmals in der Geschichte des Landes LGBT-Aktivisten und Reformkräfte - junge Leute, Hipster, vor dem Parlament zusammen demonstriert, lobbyiiert und eine Gesetzesänderung erreicht. Jetzt versuchen die Konservativen das wieder auszhebeln. Gleichzeitig konnte die Pride 2016 ohne Zwischenfälle stattfinden, auch nicht-LGBT Bevölkerung hatte sich nach Skorpadskis dummen Sprüchen solidarisiert.

    Und so ist das jetzt auch. Ja, es gibt noch viel Homophobie, ja, es gibt Rechte aber es gibt einen wachsenden Teil der Bevölkerung, der kein Problem mehr damit hat. Und es gibt mutige LGBT-Aktivisten. Und es ist sicher nicht angemessen, im Ausland zu sitzen, und Sprüche a la "ist halt Osteuropa" zu reißen - das ist so ausgelutscht, wie dumm.

    Wenns euch wirklich um LGBTI geht, nicht um Ressentiments, dann fahrt lieber mit auf die nächste KyivPride!

    Hier ein lesenswerter Beitrag zum Thema in ZDF Aspekte:
    www.zdf.de/kultur/aspekte/aspekte-vom-21-april-2017-100.html
    - mit allen positiven und negativen Seiten.

    Ein weiterer empfehlenswerter Beitrag ist das Gespräch mit dem jungen Transgender-Aktivisten von "Insight" LGBT:
    vimeo.com/114153153
  • Antworten » | Direktlink »
#9 torbensAnonym
  • 28.04.2017, 17:37h
  • Antwort auf #8 von torbens
  • Im Übrigen ist der Fakt, dass die Annäherung zur EU die Regierenden dazu zwingt - auch wenn es nur aus Opportunismus geschieht - auf die LGBT-Community zuzugehen, ja eben ein wunderbarer Beweis dafür, dass die EU-Annäherung der Ukraine ein unterstützenswerter Prozess ist.

    Wenn dadurch Prides ohne Tote und Verletzte ermöglicht werden, LGBT-Aufklärungs-Events, die mit Werbung in der Metro und im Stadtbild beworben werden können - dann fördert das das Umdenken auch bei denen, die bisher nur die alte homophobe Gedankenwelt unkritisch übernommen haben.

    In diesem Sinne sollten auch wir einen offen Kopf bewahren, und eine Hand ausstrecken. Im Interesse aller, die sich bisher verstecken mussten.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Tommy0607Profil
  • 28.04.2017, 18:03hEtzbach
  • Rechtspopulisten kennen nun mal keine Menschlichkeit und Toleranz . DIE sind nur Hass- und Gewalt geprägt . Sowas sind nur erkrankte , dumme , besorgte Bürger !
  • Antworten » | Direktlink »