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Methodistenkirche

Wegen Homosexualität: Wahl von Bischöfin ungültig

Die Wahl einer lesbischen Bischöfin in der zweitgrößten protestantischen Konfession in den USA führt zu einem heftigen Streit.


Karen Oliveto darf nach dem Urteil vorläufig im Bischofsamt bleiben

Die amerikanische Methodistenkirche ringt mit ihrem Umgang mit Homosexuellen: Ein Kirchengericht hat am Freitag mit sechs gegen drei Stimmen die Wahl der lesbischen Geistlichen Karen Oliveto zur Bischöfin für ungültig erklärt. Laut dem Judicial Council, dem höchste Gericht der Methodisten, kann die Bischöfin vorerst in ihrem Amt bleiben. Über ihr Schicksal müsse nun in einem Disziplinarverfahren vor Ort entschieden werden.

Oliveto war im vergangen Juli zur Bischöfin des "Mountain Sky"-Bezirks im Westen der USA gewählt worden. Sie steht damit 400 Gemeinden in Colorado, Utah, Wyoming, Montana und Idaho vor.

Die Richter entschieden, dass die Wahl einer offen lesbischen Frau gegen die Richtlinien der Kirche verstoße. Diese verbietet nach einer 1972 beschlossenen Regel, dass "selbsterklärte praktizierende Homosexuelle" geweiht werden dürfen. Homosexualität sei "unvereinbar mit der christlichen Lehre", so die nach wie vor aufgeführte Begründung.

Oliveto hofft auf einen Meinungswandel

Oliveto erklärte als Reaktion auf das Gerichtsurteil, sie hoffe, dass sich die Diskussion schon aufgrund ihrer Anwesenheit ändern werde: "Es macht einen Unterschied, wenn [eine offen homosexuelle Person] im Raum ist."

Die Entscheidung, Oliveto zunächst im Amt zu belassen, führte zu scharfer Kritik von evangelikalen Teilen der Kirche, die nun offen mit einer Abspaltung drohen. Die evangelikale Methodisten-Gruppe "Good News" erklärte etwa in einer Pressemitteilung, die Entscheidung führe zu "Verwirrung". "Viele Methodisten werden daraus schließen, dass die Kirche nicht bereit ist, die biblischen, altehrwürdigen und fundierten Lehren über sexuelle Praktiken und die Ehe zu verteidigen."

Direktlink | Gläubige sagen, warum sie Karen Oliveto unterstützen

Die Methodisten sind mit 7,4 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte protestantische Konfession ("denomination") in den USA. Weltweit gibt es zwölf Millionen Methodisten, in Deutschland sind es 34.000.

Politisch gilt die Kirche in den USA als relativ liberal; sie setzt sich etwa für die Reglementierung von Waffenbesitz ein oder erkennt die Evolutionstheorie an. Beim Thema Homosexualität ist sie allerdings noch abwartend: Erst 2012 wurde bei einer Synode das Verbot von Ehezeremonien und Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare von der Mehrheit der Delegierten bestätigt. Bei der nächsten Synode im Jahr 2019 steht das Thema erneut auf der Tagesordnung.

Trotz des Homo-Verbots im Priesteramt werden offen homosexuelle Pfarrerinnen oder Pfarrer geduldet und Kandidaten für geistliche Ämter nicht nach ihrer sexuellen Orientierung befragt. Erst im vergangenen Jahr gab es ein Massen-Coming-out von mehr als 100 Amtsträgern (queer.de berichtete).

Das Thema Homosexualität ist auch in anderen evangelischen Kirchen der USA hoch umstritten: So schwelt seit über zehn Jahren ein Streit in der anglikanischen Episkopalkirche, die sich an der Wahl von Gene Robinson zum Bischof von Massachusetts im Jahr 2003 entzündet hatte (queer.de berichtete). Der Streit konnte bislang nicht beigelegt werden. Erst im vergangenen Jahr beschlossen die Anglikaner Sanktionen gegen die US-Kirche wegen ihrer homofreundlichen Haltung (queer.de berichtete). (dk)

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    Ergebnis der Umfrage vom 02.05.2017 bis 08.05.2017


#1 Paulus47Anonym
  • 02.05.2017, 13:40h
  • Leider unvollständig der Bericht...

    1) Zu den Anglikanern sei hinzugefügt:

    Die Anglican Church of Canada hat öffentliche Segnungsgottesdienste kirchenrechtlich erlaubt. Und offen homosexuelle Bischöfe wie Kevin Robertson in Toronto wurden ordiniert, ohne das es diesbezüglich "grossen Stress" gab.

    Die anglikanische Episkopalkirche der Vereinigten Staaten ist bereits "ein Stück" weiter, als der Bericht es wiederspiegelt; nicht nur Gene Robinson auch weitere anglikanische Bischöfe, die offen homosexuell sind, wurden mittlerweile ordiniert (Mary Douglas Glasspool;).

    2) Es gibt eine Reihe weiterer christlicher Kirchen, die in den USA homosexuelle Paare öffentlich segnen ("ein Ehesakrament gibt es bekanntlich seit der Reformation in den protestantischen Kirchen nicht"). Zu nennen sind unter anderem Metropolitan Community Church, United Church of Christ, Moravian Church (Herrnhuter Brüdergemeine), Church of Christ (Disiples of Christ), Unity Church, Quäker. Als letzte bedeutende christliche Kirche folgte vor drei Jahren dann die Presbyterian Church (USA), die sich homosexuellen Paaren öffnete und Segnungsgottesdienste ermöglichte.

    3) Zu den Methodisten:

    Dort "tobt" der Streit um die Anerkennung seit Jahren mittlerweile am Stärksten, weil die Methodisten eine gemeinsame religiöse Herkunft mit den Anglikanern haben ("die Methodisten sind eine Abspaltung von den Anglikanern"). Das Problem der UMC ist, dass dort nicht nur US-amerikanische Bischöfe auf Kirchenebene mitabstimmen, sondern auch afrikanische Bischöfe der UMC, wo die Methodisten missioniert haben.

    Es bleibt abzuwarten, ob sich die Methodisten den anderen "mainline" Kirchen anschließen, was LGBT-Rechte angeht.
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#2 LorenProfil
  • 02.05.2017, 14:00hGreifswald
  • Antwort auf #1 von Paulus47
  • "Das Problem der UMC ist, dass dort nicht nur US-amerikanische Bischöfe auf Kirchenebene mitabstimmen, sondern auch afrikanische Bischöfe der UMC, wo die Methodisten missioniert haben."

    Wenn das der Fall sein sollte (was ich nicht beurteilen kann), stellt sich mir die Frage, mit welchen christlichen Inhalten dort "missioniert" wurde. Ansonsten kennen Sie als Lutheraner das Problem aus eigener Anschauung, da Sie ja selbst mit homofeindlichen Kräften Ihres eigenen Lutherischen Weltbundes aus freien Stücken durch die Weltgeschichte segeln.

    P.S. Wenn die Anerkennung der Evolutionslehre als Ausweis der Liberalität einer Glaubensrichtung angeführt werden muss, wie dies im Artikel geschrieben wird, so mag man sich vorstellen, wie es um die inhaltliche Ausrichtung ansonsten bestellt sein könnte. Das im Artikel Berichtete gibt da auch Anhaltspunkte.
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#3 Paulus47Anonym
  • 02.05.2017, 14:02h
  • Antwort auf #1 von Paulus47
  • Achso vergessen habe ich selbstverständlich die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika (ELCA) und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kanada (Evangelical Lutheran Church in Canada) (ELCiC), die beide öffentliche Segnungsgottesdienste erlaubt haben und wo es offen homosexuelle Geistliche gibt.
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#4 Paulus47Anonym
  • 02.05.2017, 14:30h
  • Antwort auf #2 von Loren
  • @Loren
    "Wenn das der Fall sein sollte (was ich nicht beurteilen kann), stellt sich mir die Frage, mit welchen christlichen Inhalten dort "missioniert" wurde. Ansonsten kennen Sie als Lutheraner das Problem aus eigener Anschauung, da Sie ja selbst mit homofeindlichen Kräften Ihres eigenen Lutherischen Weltbundes aus freien Stücken durch die Weltgeschichte segeln."

    --> Bei der Liberalsierung haben es christliche Kirchen, die auf Länderebene organisiert sind, leichter als Kirchen, die auf Weltebene organisiert sind., wenn sich die jeweilige Kirche in einer Weltregion befindet, die in Nordamerika, Nord-West-Südeuropa und Australien/Ozeanien befindet.

    So haben beispielsweise die skandinavischen LUTHERISCHEN Kirche von Schweden (Schwedische Kirche), von Norwegen (Norwegische Kirch), von Dänemark (Dänische Kirche) oder auch von Island (Isländische Kirche) offen homosexuelle Geistliche/Bischöfe erlaubt und Trauungen kirchenrechltich ermöglicht, weil sie diese christliche Kirche sich halt in den liberal geprägten Ländern Nordeuropas befinden.

    In der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania schaut es leider anders aus, weil sich diese Lutherische Kirche in Ostafrika befindet (einstmals von deutschen Lutheranern missioniert, als Tansania von rund 1880 bis 1918 Deutsch-Ostafrika war).

    ----------------------

    Was meinst Du wohl, warum die Liberalisierung im Vatikan so schwierig ist ? Antwort: WEIL die Katholische Kirche so wie die UMC als Weltkirche STRUKTURIERT ist. Als vor drei Jahren die Reformdebatte nach dem Antritt von Papst Franziskus "tobte" (Stichwort: BARMHERZIGKEIT), lag es nicht in erster Linie an Franziskus, der Lebenspartnerschaften homosexuller Paare seit seiner Zeit in Argentinien pragmatisch akzeptiert (siehe Artikel der New York Times), sondern vor allem an AFRIKANISCHEN römisch-katholischen Bischöfen (Francis Arinze aus Nigeria; usw.), die angedachte Reformen (siehe deutsch, österreichisch, schweizerisches Theologenprofessorenmemorandum von 2011) mit aller Macht blockierten und sabotierten. Das Problem von christlichen Weltkrichen wie UMC oder römisch-katholische Kirche ist , dass dort auch Vertreter aus Drittwelstaaten Afrikas "mitmischen".

    So stellt sich mittlerweile bekanntlich auch die Frage, WER im 21. Jahrhundert WEN religiös MSSIONIERT (gilt für Christentum und Islam gleichermassen).

    Nicht Europa schickt noch groß Missionare "in die Welt", sondern von Afrika und Indien sowie Naher Osten kommen sowohl christliche als auch islamische Missionare nach UNS und versuchen jeweils hier EUROPA zu missionieren.

    Der Kontinent des 21. jahrhunderts, wo die Missionierung stattfinden wird, ist Europa. Das kannst Du an der Ausbreitung der Moscheen überall in Deutschland, Beneluxstaaten, Frankreich beobachten aber auch an den indischen katholischen Priestern, die du überall mittlerweil in katholischen Kirchengemeinden in den Bistümern Münster, Aachen oder auch Osnabrück finden wirst.
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#5 userer
  • 02.05.2017, 14:39h
  • Antwort auf #3 von Paulus47
  • Wahr bleibt: Auch evangelische Christen sehen Disziplinierungsbedarf für Homosexuelle, die sie offenbar für minderwertig erachten.

    Im Übrigen: Segnung ist nicht Trauung und daher fortgesetzte Diskriminierung und Verachtung.
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#6 Sven100Anonym
  • 02.05.2017, 14:52h
  • Bei der Metropolitan Community Church (MCC) handelt es sich um eine "Kirche (nicht nur) für Schwule und Lesben". Sie hat eine weltweite Verbreitung. In Deutschland gibt es Gemeinden in Hamburg, Köln und Stuttgart.

    Hier ein Gespräch zwischen Reverend Troy Perry, dem Gründer der MCC, und Sister Paula, einer bekannten transsexuellen Evangelistin.

    www.youtube.com/watch?v=i80c8bH0DiA
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#7 Sven100Anonym
  • 02.05.2017, 14:58h
  • Antwort auf #5 von userer
  • "Auch evangelische Christen sehen Disziplinierungsbedarf für Homosexuelle, die sie offenbar für minderwertig erachten."

    Das gilt aber nicht für die evang. Landeskirchen der EKD, sondern vor allem für Freikirchen wie die Methodisten, Baptisten oder Heilsarmee.
    Diese Kirchen sollte man nicht alle in einen Topf werfen.
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#8 BuntUndSchoenEhemaliges Profil
  • 02.05.2017, 15:02h
  • Ich drücke ihr die Daumen, dass sie als offen lesbische Bischöfin in langer Zukunft in ihrem Amt arbeiten darf.
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#9 LorenProfil
  • 02.05.2017, 15:16hGreifswald
  • Antwort auf #4 von Paulus47
  • Fakt ist, dass der Lutherische Weltbund aus Gründen der Einheit ausgesprochen homofeindliche Kräfte in seinen Reihen mittun lässt. Es bleibt jedem religionsmündigen Menschen hierzulande selbst überlassen, ob sie oder er freiwillig und mitverantwortlich dort Mitglied ist oder nicht. In Tansania "missionieren" übrigens auch weiterhin Christen aus Deutschland, wie Sie unschwer dem www entnehmen können. Das nur am Rande.
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#10 FaktencheckAnonym
  • 02.05.2017, 15:49h
  • Antwort auf #9 von Loren
  • "Fakt ist, dass der Lutherische Weltbund aus Gründen der Einheit ausgesprochen homofeindliche Kräfte in seinen Reihen mittun lässt."

    Fakt ist, dass genau das selbe für die EKD gilt.
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