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Diskriminierung selbst nach dem Tod

Bestattungsinstitut will Schwulen nicht beerdigen

Aus Homophobie soll sich ein Bestattungsinstitut in den USA geweigert haben, das Begräbnis eines schwulen Mannes zu organisieren. Sein Witwer hat nun Klage eingereicht.


Jack Zawadski verklagt ein Bestattungsinstitut in seiner Heimatgemeinde (Bild: Lambda Legal)

Ein besonderer Fall von Diskriminierung gegen Homosexuelle beschäftigt ein amerikanisches Gericht: Der 83-jährige Jack Zawadski hat ein Bestattungsinstitut in Picayune (US-Bundesstaat Mississippi) verklagt, dessen Mitarbeiter sich geweigert haben sollen, seinen im Alter von 86 Jahren verstorbenen Ehemann Bob Huskey zu begraben.

Laut der Anklageschrift (PDF) lautete die Begründung des Bestattungsinstituts "Brewer Funeral Services", dass man "mit solchen Leuten", also Homosexuellen, nichts zu tun haben wolle.

Ursprünglich hatte sich das Bestattungsinstitut gegenüber dem Neffen des Witwers bereit erklärt, für 1.795 Dollar (1.650 Euro) die Leiche einzuäschern und die Beerdigung zu organisieren – die Gebühr war bereits bezahlt worden. Als die Eigentümer aber in der gefaxten Auftragserteilung erfuhren, dass der Verstorbene einen Ehemann hatte, sei der Auftrag laut der Anklageschrift storniert worden.

Der trauernde Ehemann konnte die Ablehnung kaum glauben: "Ich war am Boden zerstört" sagte der 83-Jährige. "Es war so, als ob mir jemand einen Arm ausreißen und ihn auf den Müll werfen würde." Sein Ehemann, mit dem er über 50 Jahre verbrachte, sei sein Leben gewesen. "Und dann, in einem Augenblick voll Schmerz, dass mir so etwas angetan wird – dass uns so etwas angetan wird – ich konnte es einfach nicht fassen. Niemand sollte das durchmachen müssen."

Seit 1965 unzertrennlich

Zawadski und Huskey hatten sich 1965 im kalifornischen Anaheim getroffen und Hals über Kopf ineinander verliebt. Sie verbrachten daraufhin fast jede freie Minute miteinander und zogen von Kalifornien nach Colorado, anschließend nach Wisconsin und ließen sich vor 20 Jahren in Picayune nieder – zu einer Zeit, als Homosexualität in dem konservativen Südstaat Mississippi laut Gesetz noch mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden konnte. In der 11.000 Einwohner zählenden Gemeinde waren sie aber laut Huskey glücklich und akzeptiert.

Nur drei Wochen nach der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA heiratete das Paar am 17. Juli 2015. Am 11. Mai 2016 verstarb Huskey nach einer langen Krankheit.


Bob Huskey (li.) and Jack Zawadski in einem Foto aus der Zeit, in dem sich die beiden getroffen hatten (Bild: Lambda Legal)

Das Bestattungsinstitut wies alle Beschuldigungen zurück. In Gerichtspapieren nannte der Anwalt der Besitzer Ted und Henrietta Brewer die Klage "unseriös" und erklärte, das Institut habe nie jemanden aufgrund der sexuellen Orientierung diskriminiert. "Das hat nichts mit Grundrechten zu tun und ist auch kein Fall von Diskriminierung", heißt es schlicht.

Lambda Legal unterstützt Klage

Zawadski wird in seiner Klage von Lambda Legal unterstützt. Beth Littrell, eine Anwältin der LGBTI-Organisation, erklärte, man habe das erste Mal von einer derartigen Diskriminierung erfahren. Mit der Klage wolle man andere Homo-Hasser abschrecken und sicherstellen, dass keine andere Person dasselbe durchmachen muss.

Als rechtliche Grundlage wird nicht die Diskriminierung Homosexueller angeführt, da es in Louisiana – wie in der Hälfte der US-Bundesstaaten – kein Gleichbehandlungsgesetz auf der Grundlage der sexuellen Orientierung gibt. Daher lautet die Klage auf Vertragsbruch und auf daraus resultierenden emotionalen Stress.

Inzwischen ist Huskey beigesetzt worden, nachdem ihn ein Bestattungsinstitut im 120 Kilometer entfernten Hattiesburg eingeäschert hatte. Die geplante Trauerfeier musste aber aus Zeitgründen abgesagt werden. (dk)

Direktlink | Jack erzählt seine Geschichte



#1 userer
  • 04.05.2017, 12:17h
  • Hat das Bestattungsinstitut eine Begründung für seinen Hass auf Schwule geliefert? Sind es am Ende wieder einmal Christen, die sich für ihre Menschenverachtung auf ihren sogenannten "Glauben" berufen?
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#2 SebiAnonym
  • 04.05.2017, 12:25h
  • Hoffentlich ist die Klage erfolgreich und hoffentlich bekommt dieses Abschaum-Unternehmen eine ordentliche Strafe aufgebrummt.

    Ich finde es unerträglich, wie weit der Hass solcher Fanatiker geht. Die spucken sogar noch auf Leichen.

    Und sowas will Trump auch noch ganz offiziell erlauben.
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#3 Homonklin44Profil
  • 04.05.2017, 13:13hTauroa Point
  • Sind wohl nicht allein die Christlichen, aber da, wo sie ihre selektive Menschenverachtung ausspielen können, tun sie es mit sozialer Kälte. Der Ausdruck "mit solchen Leuten" sagt da alles.

    Wie man einen Menschen noch ob dieser schweren Zeit am Verlust so verletzen kann, zeigt auf, dass es sowohl Homophoben als auch Religioten gar nicht um ein Denken in der "Gemeinde" geht, oder um das Wohl von Menschen.
    Religioten und Homophobe leben in einem ausgesucht hochgeschlossenen Kreis.

    Ich bin froh, dass die Alternative der Plastination hierzulande solche Art Enwürdigung nicht beinhaltet. Fern von jeder religioten Art Schmähung wird nicht auf Geschlechtsidentität oder Orientierung geschaut, wenn es der Körperspender nicht ausdrücklich in seinen Wünschen verlangt.
    Kein Grab, kein Bestattungs-Ärger, kein Anspruch von irgend einem Knilche-Zirkel, und - für den Conveniece-Zweig moderner Kapitalisten wichtig - keine Kosten.
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#4 JustusAnonym
  • 04.05.2017, 13:46h
  • Wie kann man nur einen Menschen selbst nach dessen Tod noch so diskriminieren?!

    Und seinen Witwer damit noch so das Herz brechen?!

    Pfui!

    Dieses Unternehmen sollte seine Lizenz verlieren und nie mehr wiederbekommen!!!
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#5 UschiAnonym
#6 Patroklos
  • 04.05.2017, 22:07h
  • Was für ein würdeloses Schmierentheater, daß das Bestattungsinstitut da veranstaltet und ich drücke Jack Zawadski die Daumen, daß er den Prozeß auch gewinnt!
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#7 Laurent
#8 habemus_plemplem
  • 05.05.2017, 00:31h
  • Verdammt! Das ist so traurig! Wie schafft man es überhaupt, einem Trauernden so etwas ins Gesicht zu sagen?!

    Als Bestattungsunternehmer muss man emotional distanziert bleiben, sonst geht man an seinem Beruf zugrunde, ist klar. Trotzdem gehören Einfühlungsvermögen und Sensibilität - oder ersatzweise wenigstens Schauspieltalent - zu den Schlüsselqualifikationen in diesem Berufsbild! Diese vermissen zu lassen und stattdessen die trauernde Kundschaft auf schroffeste Art mit den hässlichsten Abgründen des eigenen Weltbilds zu konfrontieren, das ist in höchstem Maße unprofessionell! Möge es maximal geschäftsschädigend wirken!

    Man kann sich nur wünschen, dass man an so einen nicht gerät - schon gar nicht in einer solchen Situation!
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#9 RobinAnonym
  • 05.05.2017, 07:39h
  • Ein weiterer Beleg, wie wichtig es wäre, ein Anti-Diskriminierungs-Gesetz zu haben, dass sowas effektiv verhindert und mit hohen Strafen belegt.

    Hillary Clinton wollte das einführen, Bernie Sanders auch. Aber unter Trump ist das ja leider weiter weg denn je...

    Ich drücke die Daumen, dass es noch eine würdige Beerdigung geben wird und dass sein Witwer noch ein paar gute Jahre hat und sich an die schöne Zeit mit seinem Partner erinnert...
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#10 Sven100Anonym
  • 05.05.2017, 11:37h
  • Antwort auf #5 von Uschi
  • "Wieder mal ein Beispiel für die sogenannte christliche Nächstenliebe"

    In Mississippi sind die zwei größten Religionen die Evangelikalen und die afroamerikanische Sekten.

    Vor diesem Hintergrund kann ein homophobes Bestattungsinstitut davon ausgehen, dass viele in der konservativen Bevölkerung (heimlich) Beifall klatschten...
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