Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?28768

Konservative kritisieren Stephen Colbert

Homophobie-Vorwürfe gegen Late-Night-Talker

Mit Stephen Colbert muss sich einer der beliebtesten Comedians mit Homophobie-Vorwürfen auseinandersetzen – die Vorwürfe kommen allerdings insbesondere von Personen, die selbst vor der "Gay Agenda" warnen.


Die Trump-Kritik von Stephen Colbert ging einigen zu weit (Bild: CBS)

Ein bizarrer Homophobie-Streit hat das US-Fernsehen ergriffen: Der Late-Night-Talker Stephen Colbert, der 2015 die "CBS Late Show" des legendären David Letterman übernommen hatte, wird beschuldigt, in seiner Sendung am Montag einen homosexuellenfeindlichen Witz gemacht zu haben.

Die Beschwerden über den Witz kamen allerdings kaum von LGBTI-Aktivisten, sondern insbesondere von Republikanern und konservativen Kommenatoren, die sich auch darüber echauffierten, dass der Witz gegen Präsident Donald Trump gerichtet war.

Der Stein des Anstoßes: Colbert kritisierte in seinem Monolog am Montag gut zehn Minuten lang die Amtsführung des Präsidenten: "Herr Trump, ich liebe Ihre Präsidentschaft. Ich nenne sie Schande der Nation". Trump sei ein "Pricktator" (Wortspiel aus Diktator und "prick", hier abwertend im Sinne von Arschloch genutzt) und locke mehr Skinheads an als eine kostenlose Verteilung des populären Haartwuchsmittels Regaine. Colbert weiter: "Gegen Sie demonstrieren mehr Menschen als gegen Krebs. Sie sprechen wie ein Gorilla, der die Zeichensprache erlernt hat und einen Schlag gegen den Kopf bekam. Das einzige, wofür Ihr Mund taugt, ist, 'Schwanzhalter' für Wladimir Putin zu sein."

Colbert benutzte dabei das Wort "cock holster", das im amerikanischen Slang gerne für Oralsex verwendet wird. Die meisten Zuschauer werden davon allerdings nichts mitgekriegt haben: Obwohl die Show kurz vor Mitternacht ausgestrahlt wird, unterlegte der Sender CBS das "obszöne" Wort "Cock" mit einem Piepser.

Direktlink | Der "cock holster" kommt in der letzten Minute

Dennoch zeigten sich insbesondere Konservative empört über den "homophoben" Schwanzhalter-Satz des aus Charleston (South Carolina) stammenden Comedians und starteten den Hashtag #FireColbert. Die Republikaner in Tennessee, die mehrfach mit homophoben Gesetzesinitiativen für Empörung gesorgt hatten, kritisierten den "homophoben Ausbruch". Kritik kam unter anderem auch von Ari Fleischer, dem Ex-Sprecher von Präsident George W. Bush, sowie weiteren Kritikern der "Gay Agenda". Einige Kommentatoren beschwerten sich, dass konservative Komiker für derartige Witze zurücktreten müssten – da Colbert aber als linksliberaler Kritiker von Trump und als äußerst LGBTI-freundlich gelte, erhalte er einen Freischein.

Kritik außerhalb des konservativen Milieus gab es eher selten. Einer der wenigen, die den Witz für homophob hielten, war der schwule Journalist Glenn Greenwald, der durch die Snowden-Affäre bekannt geworden ist. Er beklagte sich auf Twitter, dass homophobe Trump/Putin-Witze unter Linksliberalen hoffähig geworden seien, und erklärte: "Homophobie für die gerechte Sache und mit der richtige Zielscheibe ist offenbar gute Homophobie."

Twitter / ggreenwald

Mehrere Stars verteidigten jedoch Colbert, darunter auch der schwule Schauspieler George Takei (Sulu aus "Star Trek"). Seiner Meinung nach werde Colbert nur von Trump-Fans kritisiert, weil er sich über den "König der Trolle" lustig gemacht habe; der 80-Jährige gab den Protesten keine Chance auf Erfolg.

Twitter / GeorgeTakei

In seiner Sendung am Mittwoch ging Colbert auf die Kritik ein und verteidigte seine Witze: "Ich würde es wieder tun, aber ich würde einige Worte ändern, die primitiver waren, als sie hätten sein müssen". Weiter sagte er in Richtung Weißes Haus: "Ich habe die Witze, er die Raketen-Codes, das ist also ein fairer Kampf." (dk)

Direktlink | Putin als Gay Icon: Vor einem Monat machte sich Colbert bereits über die Herrscher von Russland und den USA lustig – damals noch ohne Homophobie-Vorwürfe

Direktlink | Colbert versuchte im vergangenen Jahr auch, den Amerikanern den Eurovision Song Contest näher zu bringen



#1 HabukazProfil
  • 04.05.2017, 18:07h
  • Das Böhmermann Erdogan als schwul bezeichnet hat, wurde in Deutschland ja auch gefeiert, obwohl schwul darin eindeutig als Beleidigung ausgesprochen wurde. Nur weil die Beleidigung gegen einen Homophoben benutzt wird, macht es sie nicht weniger homophob.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Patroklos
  • 04.05.2017, 22:13h
  • Colbert hat einen eigenartigen Humor und darum sollte man da nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und George Takei hat mit seinem Kommentar recht.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 BuntUndSchoenEhemaliges Profil
  • 04.05.2017, 22:33h
  • So abartig wie ich Erdogan finde, so abartig war auch das Gedicht von Böhmermann!

    Was Colbert so äußert, ist überwiegend lustig, wenn es auch knallhart auf den Punkt ist.
    Nur ob er tatsächlich so LSBTTIQ freundlich ist wie es gesagt wird, da zweifele ich etwas.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Homonklin44Profil
  • 05.05.2017, 02:45hTauroa Point
  • Ich weiß nicht, ob es nicht etwas übertrieben ist, jede Art Zusammenhang, der in einem Gespräch oder Witz über Schwänze und männliche Münder entstehen kann, mit homophoben Motiven zu besetzen. Humoresk angedichtete Affären zwischen Präsidenten machen noch keine homosexuelle Bewandtnis aus.

    Davon, intelligente Wesen wie Gorillas mit Eigenschaften von The Donald zu vergleichen, halte ich weniger. Er selbst dürfte das 'unpresidented' anstatt unpleasant finden, hat ja seine eigene Sprache für solche Griffe ;o)

    Das mit den Glatzen bzw. 'Skinheads' und dem Haarwuchsmittel fand ich lustiger, als den Rest.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 RobinAnonym
  • 05.05.2017, 07:43h
  • Ich finde das überhaupt nicht homophob, sondern das richtet sich eher gegen Trump.

    Wenn sich LGBTI nicht darüber aufregen, aber Republikaner das "homophob" finden, sollte man hellhörig werden, da die ganz anderes im Sinn haben als uns zu schützen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 VeganPLProfil
  • 05.05.2017, 10:59hBerlin
  • jemandem als schwul zu bezeichnen, weil man ihm nicht mag, ist homophob und so ein depp zu verteidigen ist einfach bescheuert. und danach wollen wir nicht, dass in Schulhof schwul ein Schimpfwort ist? das lernen die doch in tv, dass das ok ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 rickAnonym
  • 06.05.2017, 10:39h
  • Antwort auf #5 von Robin
  • Mich regt das nicht auf, Weill ich mir bewusst bin, das auch die Liberalen homophob sein können. Die Liberalen sind offiziell politisch gegen Homophobie. Aber individuell - das ist eine andere Sache.
    Jedoch, wir tendieren den Liberalen homophobe Äußerungen zu verziehen wegen der Politik.
  • Antworten » | Direktlink »