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Berührende Miniserie im Kino

Ein melancholischer Blick auf queeres Leben in Brasilien

Von verlorenen Brüdern und neuen Familien handelt die vierteilige Serie "Das Nest", die in diesem Monat in der Queerfilmnacht läuft.


Mit beiläufiger Leichtigkeit fängt "Das Nest" das ausgelassene Treiben einer queeren Clique in der brasilianischen Hafenstadt Porto Alegre ein (Bild: Edition Salzgeber)

Bruno ist auf der Flucht: Als der 19-Jährige in der Millionenstadt Porto Alegre ankommt, trägt er noch seine Militäruniform, doch die Armee will er eigentlich hinter sich lassen. Die zahllosen Grausamkeiten unter dem Deckmantel der sogenannten Kameradschaft, die der junge Mann in der Vergangenheit erdulden musste, ließen ihm keine andere Wahl als zu desertieren.

In einem kleinen Hotel inmitten der Hafenstadt findet der Soldat schließlich einen Unterschlupf. Von hier aus will er seine Mission beginnen, eine Herzensangelegenheit: Denn Bruno ist auf der Suche nach seinem älteren Bruder Leon, der bereits vor vielen Jahren das Elternhaus verlassen hat und seitdem nur noch schwer zu fassen ist.

Eine Spur führt in die queere Szene von Porto Alegre, und tatsächlich begegnet Bruno hier schon bald Leons Freunden – doch der große Bruder selber bleibt verschollen.

Alltäglich und bedeutsam zugleich


Poster zur Serie: Die Edition Salzgeber zeigt "Das Nest" im Mai 2017 mit deutschen Untertiteln in der Queerfilmnacht

Leons Schicksal sowie die Erinnerung an ihn bilden das rätselhafte Zentrum von "Das Nest", einer Zusammenarbeit der Regisseure Filipe Matzembacher und Marcio Reolon. Schon für die Ende März im Kino gestartete Coming-of-Age-Story "Seashore" hatten sich die brasilianischen Filmemacher zusammengetan und dort auf ganz ähnliche Weise ihre jugendlichen Helden porträtiert.

Während die Suche nach dem Bruder als erzählerischer Faden dient, sind es doch die Abschweifungen, kleinen Episoden und Momentaufnahmen die "Das Nest" letztlich ausmachen. Wie bereits in "Seashore" beweisen Matzembacher und Reolon erneut, dass sie über ein gutes Gespür für die Inszenierung ganz alltäglicher, aber zugleich bedeutsamer Augenblicke verfügen.

Schillerndes Porträt queeren Lebens

Mit beiläufiger Leichtigkeit fängt "Das Nest" das ausgelassene Treiben der queeren Clique um Bruno ein, begleitet sie auf Partys und auf Streifzügen durch die nächtliche Stadt. Aber auch ruhige Szenen, wie ein schüchterner Besuch bei einem einsamen Senioren, gehören genauso selbstverständlich dazu wie die homophoben Angriffe, denen sich die Protagonisten immer wieder ausgesetzt sehen.

Mit ihrer Miniserie ist Matzembacher und Reolon so ein schillerndes, vielfältiges Porträt gelungen. "Das Nest" bietet einen melancholischen Blick auf queeres Leben in Brasilien, der eine ebenso traurige wie beschämende Wahrheit nicht verschweigen will: Denn obwohl Brasiliens Rechtsprechung als liberal gilt, so ist der Hass auf Schwule, Lesben sowie Transmenschen gesellschaftlich weit verbreitet und schlägt oft in blinde Gewalt um.

"Das Nest" hält den Schmerz, den Diskriminierung auslöst, fest, aber überlässt ihm nicht die Bühne. Die gehört nämlich voll und ganz Bruno und seiner neugewonnenen queeren Familie: Besonders in den vielen wunderbaren Tanzszenen finden Identität und Sehnsüchte der Außenseiter Ausdruck und erwecken nicht etwa Mitleid, sondern Solidarität und Empathie.

Direktlink | Deutscher Trailer zur Serie

Infos zum Film

Das Nest. Miniserie in vier Teilen. Brasilien 2016. Regie: Filipe Matzembacher, Marcio Reolon. Darsteller: Nicolas Vargas (Bruno), Sophia Starosta (Stella), Lucas Riedl (Iggy), Felipe Paes (Kin), Guilherme Bassan (Ariel). Laufzeit: 4 x 26 Minuten. Sprache: portugisische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih. Edition Salzgeber. Im Mai 2017 in der Queerfilmnacht.
Galerie:
Das Nest
7 Bilder


#1 JustusAnonym
  • 07.05.2017, 10:23h
  • Bei 4 mal 26 Minuten hätte man daraus auch gut einen Film machen können.

    Hätte ich besser gefunden.

    Serien finde ich nur dort besser, wo wirklich so viele Episoden geplant sind, dass es als Film zu lang würde.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Praktischer BlickAnonym