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Erste Liebe oder Missbrauch?

Der 15- und der 30-Jährige

In seinem autobiografischen Roman "Die Sache mit Peter" erzählt Max Meier-Jobst von seinem väterlichen Freund.


Von wegen wunderbare Jahre: Im Niemandsland zwischen Mann und Junge festzustecken ist ziemlich aufreibend – vor allem, wenn der erste Freund mehr als doppelt so alt wie man selbst ist (Bild: Fotolia.com/Yalana)

"Die Pubertät stirbt im vierten Jahr. Du wirst achtzig." So versucht der 30-jährige Peter, seinen mehr als anderthalb Jahrzehnte jüngeren, hormongeplagten Liebhaber aufzumuntern. Als ob das ganz normale Adoleszenzdrama eines Teenagers, der sich seiner eigenen Homosexualität bewusst wird, hier das einzige Problem wäre. Was ist das bloß für eine Beziehung, diese Liebschaft zwischen Junge und Mann: Missbrauch? Erste Liebe? Oder vielleicht sogar beides?

"Die Sache mit Peter" liefert darauf keine eindeutigen Antworten. Und genau darin liegt die Stärke des Romans. Weder verklärt er die problematischen Vorlieben des Älteren, noch verurteilt er ihn explizit dafür. Was dem Leser Raum für Interpretationen gibt – und einiges an Kopfzerbrechen abverlangt. Gerade die einfühlsam geschilderten, aber dennoch zutiefst verstörenden Sexszenen liefern gleichermaßen Erregungs- wie Skandalpotenzial.

Doch zunächst einmal ist "Die Sache mit Peter" die Geschichte einer Jugend, wie viele junge Schwule sie heute erlebt haben: Auf der einen Seite die schier unbegrenzten Möglichkeiten der Selbstentfaltung (und -befriedigung) im Netz, auf der anderen Seite die oftmals noch immer beschämend begrenzte Fähigkeit zu Toleranz und Akzeptanz von Eltern, Mitschülern, Gesellschaft.

Unerschrockener Tabubruch


"Die Sache mit Peter" von Max Meier-Jobst ist im Februar 2017 erschienen, er ist auch als Ebook erhältlich

Dem Autor gelingt das Kunststück, innerhalb weniger Absätze mühelos von der magisch-melancholischen Stimmung eines Coming-out-Romans, vergleichbar etwa mit der in Andreas Steinhöfels "Die Mitte der Welt", oder aktueller, Becky Albertallis "Nur drei Worte", hinab in die Abgründe menschlicher Perversion zu gleiten, so drastisch wie bei A.M. Homes in "Das Ende von Alice" und dabei beinahe so sozialkalt wie Édouard Louis in "Das Ende von Eddy."

Falls es überhaupt ein Etikett für eine solch wilde Mischung geben kann, dann wohl am ehesten das einer Coming-of-Age-Geschichte. Sicherlich kein Zufall, dass das lapidar anmutende, eingangs erwähnte Zitat fast identisch in David Mitchells monumentalem "Der dreizehnte Monat" zu finden ist, einem Roman, in dem es nur am Rand um Homosexualität, aber dafür um so mehr um die Suche nach der eigenen Männlichkeit geht, erschwert durch kollektives Versagen männlicher Vorbilder – allen voran des Vaters.

Dieses Motiv bestimmt auch "Die Sache mit Peter". Das schmerzhafte Anerkennungsvakuum, das mit dem Zerfall der Familie und dem schrittweisen Verlust sämtlicher kindlichen Bezüge und Bezugspersonen einhergeht, ist mehr als nur die Hintergrundmusik des Romans, sondern gibt den Ton an: Die Lücke, die der Vater hinterlässt, versucht der väterliche Freund einzunehmen.

Ein traditioneller Verlag hat sich an dieses Tabuthema nicht herangewagt, obwohl der Schreiber, der sich hinter dem Pseudonym Max Meier-Jobst verbirgt, ein Profi ist, der sein Handwerk versteht. Glücklicherweise hat er sich nicht einschüchtern lassen, weder von ängstlichen Verlagen noch vom Schrecken einer derart ambivalenten Jugend, und seine Geschichte in Eigenregie bei BoD herausgebracht. Die Pubertät mag für den Autor mittlerweile gestorben sein, seine literarischen Erinnerungen daran sind jedoch äußerst lebendig geraten. (cw/pm)

Infos zum Buch

Max Meier-Jobst: Die Sache mit Peter. Autobiographischer Roman. 348 Seiten. Paperback. Verlag: Books on Demand, Norderstedt 2017. 12,99 € (E-Book 4,99 €). ISBN 978-3-7431-4184-1


#1 NathanAnonym
  • 08.05.2017, 21:57h
  • Also bei aller Höflichkeit: Es gibt unzählige Verlage und auch genügend, die sich vor schwul-lesbischen Themen nicht scheuen. Ich bin selbst Autor und habe einige Bücher veröffentlicht. Der Grund warum ein Buch von einem Verlag nicht ins Programm aufgenommen wird ist zu 99% nicht, das sich "keiner traut ein schwules Thema" zu bringen, sondern dass das Buch einfach zu schlecht für den Markt ist. Und ich denke mal stark, dass das hier der Fall ist. Warum sonst soll man ein Buch in Eigenregie herausbringen? Ohne Verlagsdeckung? Ohne Vorschuss? Ohne Medienkampangen? Ohne Kritiken? Der Autor kann sich ja gerne mal melden und mich überzeugen, das sein Werk tatsächlich so gut ist, das es einen Platz im Verlagsprogramm verdient hat.
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#2 BerlinerProfil
#3 NathanAnonym
  • 11.05.2017, 21:54h
  • Antwort auf #2 von Berliner
  • Ich poste für Dritte anonym, der Autor kann sich bei mir melden (und wird auch wissen wie). Ich möchte nämlich nicht nochmals die Erfahrung machen müssen, von Manuskripten erschlagen zu werden, die nahezu alle -subjektiv seitens der Schreiber als toll und super- empfunden werden, aber für den Markt nicht taugen und bei solch emotionalen Sachen wie Autobiografien oder Dingen, die persönlich einem viel bedeuten, wird Sachlichkeit gerne vergessen und stattdessen beleidigt und was auch immer alles. Nicht auf queere-Themen spezialistert, können da durchaus rund 500 Manuskripte pro Woche eingehen, und davon fängt man vielleicht 10-20 an zu lesen und nach wenigen Seiten legt man die Hälfte auch weg, wobei dann noch großzügig 10 übrig bleiben, das Programm aber schon für sechs Monate gefüllt ist. Um zum Thema zurück zu kommen bzw. was das damit zu tun hat: Für ein sehr gutes Buch, springt man auch dazwischen und bringt es -egal wie- ins Programm hinein. Und das hat ja hier offensichtlich nicht geklappt. Und ob's am Buch liegt oder an anderen Gründen, das interessiert mich. Und nach aller Erfahrung, liegt es am Manuskript und nicht an anderen Gründen. Heutzutage kann man bei nahezu jedem Verlag auch ganz ganz schwierige Texte und Themen ins Programm bekommen.
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