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Nur acht Angeklagte vor Gericht erschienen

Nigeria: Prozess gegen 53 mutmaßliche Schwule beginnt

Ein Gericht hat Haftbefehl gegen mutmaßliche Schwule erlassen, die nicht zu einer Verhandlung erschienen waren. Den Männern wird die Teilnahme an einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit vorgeworfen.


Protestaktion gegen die staatliche Verfolgung von Homosexuellen in Nigeria (2014 in London) (Bild: Peter Tatchell Foundation)

Die meisten der vor gut drei Wochen festgenommenen 53 Männer, die angeblich an einer gleichgeschlechtlichen Eheschließung in der nordnigerianischen Stadt Zaria teilgenommen haben, sind nicht zu ihrem Prozess erschienen. Wie die nigerianische Zeitung "Daily Post" meldet, seien nur acht der Männer bei einer Gerichtsverhandlung am Montag aufgetaucht. Daher habe die Staatsanwaltschaft gegen die anderen 45 Männer, die auf Kaution freigekommen waren, Haftbefehl erteilt. Der Richter setzte einen neuen Verhandlungstermin für den 31. Mai fest.

Die Männer waren am 15. April in einem Hotel festgenommen worden, weil sie Gäste einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit gewesen sein sollen (queer.de berichtete). Darauf stehen in Nigeria bis zu zehn Jahre Haft.

Verteidiger Yunusa Umar, der mehrere der Beschuldigten vertritt, erklärte laut "Daily Post", die meisten Angeklagten seien Studenten und lebten weit entfernt. Einige von ihnen hätten angenommen, das Verfahren finde später statt. Ferner erklärte er, die Beschuldigten hätten nicht an einer verbotenen gleichgeschlechtlichen Ehe-Schließung teilgenommen, sondern an einer Geburtstagsfeier.

Bereits kurz nach der Festnahme hatte Umar scharfe Kritik an den Behörden geübt: So seien die meisten der Männer gesetzeswidrig für mehr als 24 Stunden festgehalten wurden, ohne dass ein Haftbefehl ausgesprochen wurde.

Aktivisten: Wer sich in Nigeria für LGBTI-Rechte einsetzt, wird verfolgt

Die Festnahme der Männer hatte zu scharfer internationaler Kritik geführt. So erklärte Maria Sjodin von der in New York ansässigen LGBTI-Organisation OutRight Action International, die Behauptung, die Männer hätten an einer gleichgschlechtlichen Eheschließung teilgenommen. sei eine "Ausrede für die Niederschlagung einer entstehenden LGBTQ-Bewegung" in Nigeria gewesen. "Nur die Polizei behauptet, es habe eine Hochzeitsfeier stattgefunden", so Sjodin gegenüber dem US-Sender NBC. "Die Polizei nutzt das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe als Vorwand für Massenverhaftungen. Vielleicht wollen einige Beamte damit auch Schmiergelder kassieren". Die Aktivistin kritisierte weiter: "Das nigerianische Gesetz geht viel weiter als bloß Homo-Ehen zu verbieten; jeder, der sich für die Bürgerrechte von sexuellen oder geschlechtlichen Minderheiten einsetzt, wird verfolgt."

Nigeria, mit 185 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas, hatte erst 2014 trotz scharfer internationaler Proteste seine Gesetze gegen Homosexuelle verschärft (queer.de berichtete). Unterstützt wird die Verfolgung von Homosexuellen im Land von einer großen Mehrheit der Bevölkerung. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2015 halten 87 Prozent der Nigerianer die Verfolgung von Schwulen und Lesben für gerechtfertigt. Auch die katholische Kirche unterstützt diese Politik (queer.de berichtete). (dk)



#1 FinnAnonym
  • 09.05.2017, 15:12h
  • "Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2015 halten 87 Prozent der Nigerianer die Verfolgung von Schwulen und Lesben für gerechtfertigt. Auch die katholische Kirche unterstützt diese Politik"

    Da sieht man wieder mal:
    dort wo die Katholiban ungehindert hetzen kann, tut sie das auch. Nur dort, wo das schlecht fürs Marketing ist, haben diese Hassprediger Kreide gefressen.
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#2 SebiAnonym
  • 09.05.2017, 15:13h
  • Was für ein Barbarenstaat, wo fast 90% der Bürger die Verfolgung auch noch gutheißen.
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#3 panzernashorn
  • 09.05.2017, 15:40h
  • Wenn solche kriminellen Auswüchse auch noch von dem Großteil der Bevölkerung gut geheißen werden, ist das ein perfekter Beweis für geistige Unterentwicklung und zugleich für dringend nötige BILDUNG!

    "Wissen gegen Religiotie"

    Unglaublich, dass in der heutigen Zeit derartige Zustände noch möglich und sogar teilweise gefördert sind.
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#4 seb1983
  • 09.05.2017, 21:24h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Nigeria hat grob 52% Muslime, 48% Christen. Von den ca. 48 % Christen sind 74 % Protestanten, 25 % Katholiken und 1 % gehören anderen Konfessionen an.

    Macht also etwa 11bis 12% Katholiken auf die Gesamtbevölkerung gerechnet.
    Die Rolle der Katholischen Kirche ist zwar schmutzig, dürfte aber eher gering sein.
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#5 Patroklos
  • 09.05.2017, 22:35h
  • Das Gleiche wie in Tschetschenien: hier stehen "mutmaßliche" Schwule vor Gericht! Männer, bei denen nicht eindeutig klar ist, ob sie schwul sind oder nicht. Natürlich werden die Angeklagten die Vorwürfe abstreiten und ich hoffe, sie werden am Ende freigesprochen!
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#6 TheDadProfil
  • 10.05.2017, 00:09hHannover
  • Antwort auf #4 von seb1983
  • ""Die Rolle der Katholischen Kirche ist zwar schmutzig, dürfte aber eher gering sein.""..

    21.864.000 "katholische" Bürger sind nicht einflußlos..
    Ebensowenig wie die 64.717.440 "evangelischen" Bürger..
    Um die 52 % der Bevölkerung die zu den "Muslimen" gezählt werden, und die dann 94.744.000 Bürger sind nicht zu vergessen..

    Macht dann zusammen mit den 1 Prozent der "anderen Konfessionen" ?

    182,2 Millionen, und damit, oh Wunder, die Gesamtzahl der Bevölkerung ist Verdummbibelt..

    Da kommt man dann leicht auf 87 Prozent der Bevölkerung die ""die Verfolgung von Schwulen und Lesben für gerechtfertigt"" halten..

    Übrigens :
    ""2013 verschärft seine Regierung die Kriminalisierung homosexueller Handlungen und wird hierbei unter anderem von der katholischen nigerianischen Bischofskonferenz unterstützt""..

    de.wikipedia.org/wiki/Goodluck_Jonathan

    Inzwischen ist ein anderer Mann Präsident :

    de.wikipedia.org/wiki/Muhammadu_Buhari

    Und das war er schon einmal, nach einem Militärputsch 1983..
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#7 Homonklin44Profil
  • 10.05.2017, 04:37hTauroa Point
  • Ein Land, an dem man traurigerweise ansehen kann, was Religiotie durch Bildungsfeindlichkeit und Wirklichkeitsbekämpfung anrichtet, durch versagte Aufklärung und Dummbibelei ( Quranisierung einschließlich )
    Politische Instrumentalisierung verhasster Aspekte und solche Verwendung durch die Staatsorgane sinddann lediglich Auswüchse, die mit diesem Werkzeug arbeiten. Und dann trifft es Unschuldige, deren Geburtstagsfeier gerade passend kam.

    Zum Heulen! Internationale Anstrengungen können nur an der Geld-Schraube ansetzen. Wenn sich das Land durch Streichen von Hilfszuwendungen nicht beeindrucken lässt, für dort lebende LGBTIQ-Leute mehr oder weniger aussichtslos. Der Kampf kann blutig werden, die Welt schaut weg (?) Universelle "Gesetze" = Fehlanzeige.

    Die Macht der Kirchen / Religioten hält sich mehr Geld. :o(
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#8 seb1983
#9 TheDadProfil
  • 10.05.2017, 09:59hHannover
  • Antwort auf #8 von seb1983
  • ""Wie richtiger religiöser Einfluss aussieht kann man sich im Norden Nigerias ansehen, dort gilt die Scharia und Boko Haram treibt sein Unwesen.""..

    Inwieweit wäre das ein Einfluß auf die Gesetzgebung, die Regierung und den Präsidenten ?

    Sitzt diese Boko Haram dann ähnlich wie die "katholische Bischofskonferenz" mit am Tisch wenn Gesetze gegen Schwule verschärft werden ?

    Wo ist das denn nun eine "vergleichbare" Idee ?

    Die Einen sitzen am Tisch und reden dem Präsidenten und der Regierung ins Geschäft, die Anderen entführen Mädchen und drangsalieren die Bevölkerung vor Ort..
    Beides muß abgeschafft werden..

    Wer hier aber die Politik wirklich beeinflußt hat, steht doch wohl fest..
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#10 seb1983
  • 10.05.2017, 16:39h
  • Antwort auf #9 von TheDad
  • Im Norden Nigerias galt nicht immer die Scharia, inzwischen schon.
    Mission erfüllt, was soll man da noch den Präsidenten beeinflussen, der Islam regelt ohnehin schon das gesamte Leben. Schwule werden mit der Todesstrafe bedroht, wie sähe da deiner Meinung nach eine weitere Verschärfung aus? Vorher noch Foltern?
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