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Grand Prix aus Kiew

Zweites ESC-Halbfinale: Das sind alle Teilnehmer

Eurovision-Experte Jan Gebauer bewertet für queer.de die 18 Songs des zweiten Halbfinales. Wer zieht in das Finale ein und singt am Samstag neben Levina?


Brendan Murray (Irland), Jacques Houdek (Kroatien) und Nathan Trent (Österreich) treten am Donnerstag mit 15 weiteren Ländern an – nur zehn kommen weiter

Weiter geht es mit dem großen Eurovisionsspektakel aus Kiew – endlich dürfen nun auch die deutschen Zuschauer abstimmen! Nach dem ersten Halbfinale sind bereits zehn Länder ins Finale eingezogen (acht hatten wir richtig getippt). Die zweite Show wird wieder live im Fernsehen auf One (ehemals Einsfestival) und natürlich im Live-Stream auf eurovision.de übertragen. Als Kommentator darf erneut Peter Urban ran. Folgende 18 Kandidaten sind dabei:


Serbien: Tijana Bogićević – "In Too Deep"


Bild: Andreas Putting

Nach dem ersten Halbfinale startet auch das zweite mit Elektro-Pop aus Schweden: Serbiens Komposition wurde mit schwedischer Unterstützung erarbeitet und das hört man auch deutlich. Eine professionelle Hochglanznummer, sehr an den Charts orientiert, aber auch eine Spur beliebig. Irgendwie schade, gerade die Serben setzten in der Vergangenheit oftmals auf traditionellere Klänge. Tijana ist eine gute Sängerin, aber auch niemand, der einen über die Maßen umhaut. Zudem ist sie die x-te Teilnehmerin im weißen Gewand. Das wird äußerst knapp für die Serben.

Österreich: Nathan Trent – "Running on Air"


Was haben die Beiträge aus Österreich, der Schweiz und Deutschland gemeinsam? Nicht mal im eigenen Land will man die Songs haben. Bislang verpasste der knuffige Sänger Nathan Trent ebenso wie die Schweizer Vertreterin den Charteinstieg, Levina flog nach einer Woche auf Platz 28 wieder raus. Bei Nathan liegt es wohl am müden Plätscherliedchen, das von seinem Charisma enorm aufgewertet wird. Ein klassisches Beispiel für einen Sänger, der in drei Minuten aus dem Nichts über sich hinauswächst. Zur Sicherheit trägt er die Modefarbe des Jahres, Weiß, besteigt einen Halbmond und könnte als Überraschung glatt ins Finale einziehen.

Mazedonien: Jana Burčeska – "Dance Alone"


Bild: Andreas Putting

Zurück in die Achtzigerjahre und jepp, hier gibt es wieder Elektro-Pop à la Robyn zu hören. Hatten wir auch schon einige Male. Nichts dagegen, der Song ist auch eingängig und hübsch, leidet aber unter der schwachen Sängerin, die auf der Bühne wie die kleine Schwester von Georgia Fleur wirkt und sich ebenso bewegt. Tanzen sieht anders aus. Dauernd hängen ihre Haare im Gesicht, was wohl lasziv und sexy wirken soll, aber eher ungepflegt rüberkommt. Und sie bleibt völlig "alone" – nicht mal ein paar nackte Tänzer am Start. Müde!

Malta: Claudia Faniello – "Breathlessly"


Bild: Andreas Putting

Man muss nur oft genug am Vorentscheid teilnehmen, dann klappt es auch irgendwann mit einer Teilnahme beim großen Wettbewerb. Das wusste auch schon Sanna Nielsen, die erst beim siebten Versuch erfolgreich war. Das kann Claudia Faniello noch toppen, denn sie nahm dieses Jahr schon zum neunten Mal am maltesischen Vorentscheid teil. Sie gewann mit einer altmodischen Ballade im Stile bekannter Disney-Schnulzen. Claudias Song erinnert dann auch an "Colors of the Wind" aus "Pocahontas". Die Farbe des Windes ist – ganz große Überraschung – weiß! Passend zur klassischen ESC-Ballade wählte Claudia eine Art Glitzerhochzeitskleid und lässt sich dazu von einer Windmaschine verwehen. Die Wetten sehen sie allerdings nicht vor dem Altar: Nur San Marino steht noch schlechter da.

Rumänien: Ilinca feat. Alex Florea – "Yodel It!"


Bild: Andreas Putting

Aus dem kleinen Einmaleins für ESC-Hits: Ein starker Hook ist von Vorteil, um in Erinnerung zu bleiben! Den haben die Rumänen bei ihrem "Yodel It", der wie der Titel schon andeutet, mit Jodeleinlagen daherkommt. Da werden Erinnerungen an Margot und Maria Hellwig wach, wenn Ilinca loslegt, und so oft gab es das in Verbindung mit Popmusik auch noch nicht. Die Ohrwurmqualitäten von "Yodel It" lassen sich nicht abstreiten und genau diese werden die Rumänen – nach der Disqualifizierung 2016 – erneut ins Finale einziehen lassen. Gehört darüber hinaus zum erweiterten Favoritenkreis.

Niederlande: OG3NE – "Lights And Shadows"


Bild: Thomas Hanses

Gerade haben Wilson Phillips angerufen, die wollen ihre Harmonien und den Song zurück! Erinnert sich überhaupt noch jemand an die drei Sangesschwestern, deren Daddys bei den Beach Boys und Mamas & Papas geträllert haben? 1990/91 hatten die mit luftig-leichtem Adult-Pop und geschliffenen Harmonien einen Nummer-eins-Hit nach dem anderen. Hierzulande längst vergessen, setzen OG3NE aus den Niederlanden trotzdem auf die damaligen Vorzüge: Sinnlicher Pop mit viel "Lights" und wenig "Shadows", ausgefeiltem Gesang und starker Familienbande; der Vater der Schwestern hat den Song geschrieben. In den Niederlanden haben die Mädels viel erreicht, unter anderem den Sieg bei "The Voice of Holland". Toller Gesang gibt Pluspunkte: Den Sieg beim ESC werden sie wohl verpassen, für das Finale reicht es trotzdem.

Ungarn: Joci Pápai – "Origo"


Bild: Andreas Putting

Romamusik trifft Rap: Ungarn ist immer für eine Überraschung gut, so auch dieses Jahr. Der mit Ethno-Elementen angereicherte Dance-Song besticht durch ein geschicktes Arrangement, das einen sofort einnimmt. Hinzu kommt, dass Ungarn einen der wenigen Songs in Landessprache präsentiert. Das gibt "Origo", das bereits ein großer Hit in Ungarn ist, das gewisse Etwas. In den Proben gab es Soundprobleme – war es das Mikro oder die Stimme? Im Halbfinale hat Joci das sicher im Griff. Kommt weiter!

Dänemark: Anja Nissen – "Where I Am"


Bild: Thomas Hanses

Ein Beitrag, der bei Fans und Wettbüros gleichermaßen gut ankommt. Die hübsche Blondine mit keckem Diastema hat in Australien "The Voice" gewonnen und stand dort auch schon irgendwo ganz hinten in den Charts. "Where I Am" ist ein modernes Radio-Lied im gefälligen Midtempo, das zunächst nicht groß auffällt, aber durch den starken Auftritt Anjas aufgewertet wird. Sie gehört auf jeden Fall zu den besten Sängerinnen des zweiten Semifinals und kann damit auch einen sehr guten Platz im Finale belegen.

Irland: Brendan Murray – "Dying to Try"


Ist das süß! Ein kleiner Junge singt von der großen Liebe, für die es sich zu kämpfen lohnt. Dargeboten im Rahmen einer Schmalzballade à la Boyzone oder Westlife. Kein Wunder, denn Brendan (20) arbeitet mit Louis Walsh ("The X Factor") zusammen, der die besagten Bands und sogar Jedward managte. Was diese Ballade besonders macht? Brendans zunächst klein erscheinende Stimme ist erstaunlich geschlechtsneutral, aber dennoch sehr gefühlvoll. Mit geschlossenen Augen lässt sich nicht ausmachen, ob hier nun ein Mädchen oder ein Junge schmachtet. Egal, selbst die schwierigen Höhen seines Liedes meisterte Brendan bislang hervorragend, zudem fleht er jede Sekunde in die Kamera, so dass es knapp für das Finale reichen könnte, wenn genug kleine und große Mädchen beiderlei Geschlechts anrufen.

San Marino: Valentina Monetta & Jimmie Wilson – "Spirit of the Night"


Bild: Thomas Hanses

In Ermangelung professioneller Sänger scheint man in San Marino auf eine alte Geheimwaffe zurückzugreifen. Nach drei Jahren Pause tritt Valentina Monetta zum vierten Mal für ihre Heimat an – das ist ein Rekord, den sie sich noch mit anderen Interpreten, darunter Elisabeth Andreasson und Peter, Sue & Marc teilen muss. Natürlich wurde "Spirit of the Night" wieder von Ralph Siegel geschrieben, der zum 24. Mal (!) beim ESC dabei ist. Valentinas diesjähriger Beitrag ist nicht so grässlich wie der "Social Network Song", bleibt aber auch deutlich hinter "Maybe" und vor allen Dingen "Crisalide" zurück. Das ist halt nichts weiter als belangloser Dance-Schlager der späten 1990er Jahre, den auch die Wettbüros mit großem Abstand auf dem letzten Platz sehen. Zudem tragen beide scheußliche Lederklamotten im Bikerstil. Schade um die sympathische Valentina und ihren muskulösen Co-Sänger.

Kroatien: Jacques Houdek – "My Friend"


Im Vorfeld gab es einige Negativschlagzeilen rund um Jacques um vor über zehn Jahren veröffentlichte homophobe Interviewaussagen (queer.de berichtete). Bei der ersten Pressekonferenz in Kiew befragte ihn ein australischer Kollege nach diesen Aussagen, wonach gleichgeschlechtliche Paare krank seien und eine rechtliche Anerkennung zu Sodom und Gomorra führen würde. Houdek stritt alles ab und sei traurig, dass er das Magazin nicht verklagt habe; er habe alle Menschen gleichermaßen lieb. Danach fiel ihm ein weniger kritischer "Journalist" weinend (!) in die Arme, um ihm mitzuteilen, wieviel ihm seine Ballade bedeute – und schon war das Thema vom Podium. Sein Lied "My Friend" kitscht ebenso schwülstig vor sich hin und bietet einen Text aus dem Poesiealbum eines Siebtklässlers. Ganz ohne Zweifel hat Jacques ein erstaunliches Stimmvolumen, es geht rauf und runter auf der Notenleiter. Er singt mit zwei verschiedenen Stimmen, also mit sich selbst im Duett. Das Gesamtpaket erinnert allerdings fatal an Axel Hirsoux, Belgien 2014, der mit "Mother" im Halbfinale scheiterte. Ebenso rundlich, ebenso gefühlsduselig. Und warum hat er sich bei San Marino die scheußliche Lederjacke, die ihm zehn Nummern zu klein ist, geklaut?

Norwegen: Jowst feat. Aleksander Walmann – "Grab the Moment"


Bild: Andreas Putting

Da hat jemand aber ganz eifrig Daft Punk gehört! Jowst ist ein absoluter Newcomer im Musikgeschäft und ist auf der Bühne als DJ nur mit Maske zu sehen. Am Mikro darf sexy Aleksander Walmann ran, der einst mit seiner leicht rauen Stimme einen zweiten Platz bei "The Voice Norge" ersang. "Grab the Moment" wird seinem Titel gerecht: Der Song ist auf den Punkt komponiert, hat einen äußerst druckvollen Beat und könnte auch locker im Formatradio laufen. Eine der modernsten Nummern im zweiten Halbfinale und nach den eher klassischen Liedern zuvor eine erfrischende Abwechslung. Sicherer Finalkandidat!

Schweiz: Timebelle – "Apollo"


Bild: Andreas Putting

Die Schweizer können es wie wir Deutschen nicht lassen und schicken erneut eine wenig bekannte Solistin ins Rennen um den ESC-Titel. Nicht ganz so stimmschwach wie die farblose Rykka im letzten Jahr, die den letzten Platz von allen Halbfinalbeiträgen ersang, ist Timebelle, die in ihrem Song trotzdem mit jeder Menge hoher Töne zu kämpfen hat. Die Eidgenossen gelten wie die Österreicher als Wackelkandidaten und kaum jemand hat sie wirklich auf der Rechnung. Ob es hilft, dass Timebelle in ihrem knallgelben Kleid aussieht wie Bibo und von einem Sockel mit Treppe hinunterstolziert? Vielleicht mal Cascada fragen?

Weißrussland: Naviband – "Story of My Life"


Bild: Andreas Putting

Hurra! Noch jemand singt in Landessprache. Damit enden die Pluspunkte aber auch schon. Der fröhlich präsentierte Folk-Song bleibt akustisch sperrig, zudem sind die Stimmen und die ewigen "Hey, Hey"-Rufe insbesondere gegen Ende nervig. Gilt bei vielen tatsächlich als Geheimtipp, aber drei Minuten können verdammt lang sein. Und bitte, nicht schon wieder ein weißes Kleid!

Bulgarien: Kristian Kostow – "Beautiful Mess"


Bild: Andreas Putting

Ebenso wie Portugal gehörte Bulgarien bislang kaum zu den Favoriten beim ESC. Dieses Jahr ist das ganz anders und viele trauen Kristian nicht nur den Sieg im zweiten Halbfinale zu, sondern auch einen sehr guten Platz im Finale. Ganze fünf Songschreiber waren nötig, um die düster-melancholische Elektro-Ballade zu kredenzen. Wahrscheinlich kamen die Bulgaren nicht aus dem Quark und die hinzugezogenen Schweden sorgten für den Feinschliff. Es hat sich gelohnt, der Song ist stark und Kristian – erster ESC-Teilnehmer aus einem Geburtsjahr mit einer 2 vorne – ist zudem sehr sicher auf der Bühne. Die Lichteffekte im schwarzen Setting werden geschickt ausgespielt und überhaupt schreit alles nach Finaleinzug. Neben Dänemark übrigens der zweite Act mit auffallend kecker Zahnlücke.

Litauen: Fusedmarc – "Rain of Revolution"


Bild: Andreas Putting

Kaum ein Vorentscheid war so aufwendig wie der litauische. Eine zähe Vorrunde reihte sich an die nächste und weit über zwei Monate vergingen bis "Rain of Revolution" im März endlich als Sieger gekürt wurde. Hat sich die Mühe gelohnt? Ganz klar: NEIN! Bei diesem Beitrag passiert unheimlich viel, aber leider passt gar nichts zusammen. Leadsängerin Viktorija Ivanovskaja sieht mit Knödelzopf und rotem Kleid wie die kleine My aus der Zeichentrickserie "Die Mumins" aus. Drei Minuten kreischt sich Viktorija durch ihren unmelodiösen Dance-Song, der von der ersten Sekunde an nervt. Damit werden die Litauer keine Revolution losreißen und schon gar nicht ins Finale einziehen.

Estland: Koit Toome & Laura – "Verona"


Bild: Andreas Putting

Disco-Fox aus Estland? Koit Toome nahm bereits 1998 für Estland mit einer Schnarchballade namens "Mere lapsed" teil und erreichte am Piano sediert einen soliden zwölften Platz. Damals gab es aber auch noch kein Halbfinale und genau in diesem werden er und seine charmante Begleitung Laura Põldvere dieses Mal wohl hängenbleiben. Der Midtempo-Stampfer "Verona" klingt einfach zu altbacken, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, da helfen auch die guten Stimmen nichts. Und bitte irgendwer soll sich erbarmen und der spindeldürren Laura ein Stück Brot hinwerfen.

Israel: Imri Ziv – "I Feel Alive"


Eigentlich fehlt jetzt nach all den Dramen noch eine schöne Sommernummer, gerne auch mit heißen Tänzern und sexy Leadsänger. Genau dies bietet Israel beim Finish des zweiten Halbfinals. "I Feel Alive" bringt ordentlich Schwung in den Eurovisionskibbuz. Da stört es auch überhaupt nicht, das Imri kein großer Sänger ist. Seine Dance-Nummer macht Spaß, er rudert ordentlich mit seinen durchtrainierten Armen und zeigt etwas, das es ganz selten beim ESC zu sehen gab: Unrasierte Achseln!


Unsere Prognose: Weiter kommen Österreich, Rumänien, Niederlande, Ungarn, Dänemark, Irland, Kroatien, Norwegen, Bulgarien und Israel.

Playlist-Direktlink | Youtube-Playlist mit Eindrücken aus den Proben zu beiden Halbfinals, das zweite ab Lied 19

Wöchentliche Umfrage

» Was ist dein ideales Getränk für den Eurovision Song Contest?
    Ergebnis der Umfrage vom 08.05.2017 bis 15.05.2017


#1 Patroklos
  • 11.05.2017, 22:45h
  • Auch heute Abend wirds eine Überaschung geben: Estland qualifiziert sich fürs Finale!
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#2 PschoAngelProfil
  • 11.05.2017, 23:25hWesterstede
  • Ich muss ja sagen meine Sympathien liegen bei der Schweiz, Israel, den Niederlanden, Irland und Rumänien. Leider 2 davon nicht im Finale :( Und die Schweiz nun das 3. Jahr hintereinander nicht im Finale... ;(((
    Ich verstehe, den "Hype" um Portugal und Schweden überhaupt nicht, finde die Nummer von Schweden, viel zu eintönig und die Nummer von Portugal einfach kein bischen berührend sondern eher langweilig...
    Mit Montenegro ist im ersten Halbfinale schon einer meiner SiegFavoriten Raus geflogen und somit setze ich nun alles auf Italien und die Niederlande! :)
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#3 PeerAnonym
#4 Patroklos