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All-Out-Petition "Chechen 100"

Moskau: LGBTI-Aktivisten vor Petitionsübergabe festgenommen

Die Aktivisten wollten der Staatsanwaltschaft eine Unterschriftensammlung übergeben, mit der Ermittlungen zur Schwulenverfolgung in Tschetschenien gefordert werden.


Erste Bilder der Festnahmen, in sozialen Netzwerken von der Moskauer LGBT-Organisation "Stimul" gepostet

Die Moskauer Polizei hat am Donnerstag mehrere LGBTI-Aktivisten auf offener Straße festgenommen. Die Aktivisten hatte die Übergabe von Unterschriften einer weltweiten Online-Petition an die Generalstaatsanwaltschaft geplant.

Ersten Berichten zufolge hatten sich die Aktivisten in der Nähe einer Metrostation getroffen, um sich zu sammeln und die noch leeren, aber mit dem Motto der Unterschriftenaktion bedruckten Kartons mit Unterschriftenlisten zu füllen. Polizeibeamte sahen darin einen unangemeldeten Protest und nahmen die Aktivisten fest, die dann in Mannschaftsbussen zu einer Polizeistation gebracht wurden.


In inzwischen alter Tradition posteten die Aktivisten Bilder von sich im Polizeibus

Offenbar wurden insgesamt fünf Menschen festgenommen, darunter auch der italienische Aktivist Yuri Guaiana, der Aktionen der Online-Plattform All Out koordiniert. In der Regel werden Festgenommene von der Moskauer Polizei nach einigen Stunden Wartezeit auf der Wache und der Feststellungen der Personalien wieder freigelassen.

Die Festnahme erfolgte kurz nach elf Uhr Ortszeit, gegen 14 Uhr wollten die Aktivisten die Unterschriften zu mehreren Petition übergeben, mit denen die föderalen russischen Behörden aufgefordert werden, die Berichte über die Verschleppung und Tötung schwuler Männer durch tschetschenische Sicherheitskräfte zu überprüfen und Verantwortliche vor Gericht zu bringen.

Auch in deutscher Sprache forderte die Petition der internationalen Organisation All Out Aufklärung. Insgesamt wollten die Aktivisten am Donnerstag die Unterschriften von mehr als zwei Millionen Menschen überbringen, mehr als Tschetschenien Einwohner hat. Nach Angaben von change.org umfasste das auch ihre Petition zur Schwulenverfolgung in der teilautonomen Republik Russlands.

Der internationale Druck schien bereits zu wirken: Ende der letzen Woche hatte der Kreml auf seiner Webseite ein Gespräch des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit der Menschenrechtsbeauftragten Tatjana Moskalkowa veröffentlicht, in dem er ihr die Unterstützung der Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung der Berichte "oder Gerüchte" versprach – während Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow die Vorwürfe am gleichen Tag erneut zurückwies (queer.de berichtete). Wenige Tage zuvor war Putin von Bundeskanzlerin Angela Merkel und mehreren EU-Außenministern zur Aufklärung aufgefordert worden.


Das englische Motto der Petition forderte "Gerechtigkeit für die 100 Tschetschenen"

Mehreren Medienrecherchen und Augenzeugenberichten zufolge waren in Tschetschenien in den letzten Monaten über hundert Männer wegen angeblicher Homosexualität in bis zu sechs außergesetzliche Gefängnisse gebracht und dort – neben weiteren Gruppen von Verschleppten – festgehalten, verhört und gefoltert worden; mehrere Männer starben durch die Prozedur oder wurden von Verwandten umgebracht. Das russische LGBT Network konnte bislang über 40 Personen bei der Flucht helfen und ruft dazu weiter zu Spenden auf. Aus einer Notunterkunft der Organisation in Moskau hatten einige Betroffene der internationalen Presse auch erste Interviews geben können.

Die Festnahmen am Donnerstag sind nicht die ersten in Russland zum Thema: Am 1. Mai hatte die Polizei in St. Petersburg mehrere LGBTI-Aktivisten festgenommen, die im Rahmen der traditionellen großen Demonstration zu dem Feiertag auf die Situation der schwulen Männer in Tschetschenien aufmerksam machen wollten. Mehrere Aktivisten wurden sogar über Nacht festgehalten (queer.de berichtete).


Eine der Festnahmen vom 1. Mai

 Update  16.15h: Aktivisten freigelassen

Die fünf am Donnerstag festgenommenen Aktivisten wurden am Nachmittag rund vier Stunden nach ihrer Festnahme freigelassen.



#1 orchidellaProfil
  • 11.05.2017, 14:23hPaderborn
  • Soviel zum Thema «Beitrag der russischen Zentralregierung zur Aufklärung den Massenverbrechen an Schwulen in Tschetschenien». Was muss noch passieren, damit diese Farce «Moskau klärt auf» aufhört und der Fall von einer unabhängigen Kommission des UN-Menschenrechtsrats behandelt wird?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 StretchingmasterProfil
  • 11.05.2017, 16:19hEssen / Holsterhausen
  • Die Aktivisten wurden wieder freigelassen. Das ist die gute Nachricht. Aber was ist mit den Petitionen? Wohin sind die verschwunden?
    Wurden diese noch übergeben oder sollen noch übergeben werden?
    Oder wurden sie vernichtet?

    Das interessiert mich brennend...

    Schönen Tag noch
  • Antworten » | Direktlink »
#3 seb1983
#4 Patroklos