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  • 01. Juni 2005, noch kein Kommentar

Viele Verlage bieten kostenlose Leseproben ihrer Neuerscheinungen im Internet an. Und alte Klassiker gibt es sogar komplett umsonst. Tipps für Leser.

Von Christian Scheuß

Einen prima Service finden homophile Leseratten auf immer mehr Verlagsseiten in Form von Leseproben. Nicht allein das Cover und der Klappentext sind die Entscheidungskriterien, ob man sich einen Roman zulegen wird. Auch die Story selber kann neugierig machen, wenn man mal kurz in sie reinlesen kann. Sowohl der Hamburger MännerschwarmSkript Verlag wie auch der Berliner Querverlag, bieten solche Häppchen. Erstere direkt auf der Webseite, die anderen als PDF-Dokument zum Download.

Auch die Autoren selbst sind daran interessiert, ihre Veröffentlichungen potenziellen Interessenten möglichst schmackhaft zu machen. Der Hamburger Eric Hegmann ist so ein spendabler Vielschreiber. 2004 veröffentlichte er im Eichborn-Verlag seine Geschichten über das seltsame Verhalten von Männern. "Jungs sind so!" versucht er bereits im Titel Männer und Frauen zu beruhigen, die sich über Stehpinkler, Angeber und Weicheier aufregen. Hegmann führt die vergnüglichen Jungs-Storys derzeit kostenlos und ungekürzt in seinem Weblog weiter. Der Münchner Krimiautor Martin Arz wie auch Holger Siemann, Träger des Literaturpreises der schwulen Buchläden 2002 betreiben ebenfalls Eigen-PR und lassen per Textauszüge ihre Fans ein bisschen naschen.

Walter Foelske und Reinhard Knoppka hatten in den Neunziger Jahren einige Bücher bei etablierten Verlagen veröffentlichen können, derzeit suchen sie ihre Leser über den selbst gegründeten Trotzverlag. Die Romane gibt es nur als "Books On Demand", also einem Service, bei dem einzelne Exemplare über Laserdrucker erst nach einer Bestellung produziert werden. Das hält die Kosten niedrig, die Öffentlichkeitsarbeit für die Bücher bleibt aber bei den Autoren hängen. Entsprechend betreiben die beiden Kölner, die zusammen leben, ihre Webseite, gespickt mit vielen Leseproben.

Das deutsche Urheberrecht regelt genau, was mit Werken passiert, deren Autoren bereits eine Weile tot sind. In der Regel sind 70 Jahre nach dem Ableben die Werke frei verfügbar. Das macht sich das Projekt Gutenberg zunutze. Frei verfügbare Romane werden online und kostenlos zum Lesen bereit gestellt. Was als Hobby begann, ist heute eine bei Spiegel Online untergebrachte Sammlung von 80.000 Dateien mit 420.000 Textseiten. Unter den Klassikern tummeln sich auch einige wichtige Autoren, die entweder selbst homosexuell oder aber für die schwule Literaturgeschichte von Bedeutung waren. So finden sich in der Sammlung Herman Bang, Stefan George, Alexander von Humboldt, August von Platen, William Shakespeare und Oscar Wilde. Auch Thomas Mann ist bereits vermerkt mit dem Zauberberg, doch der Klassiker wird erst im Jahr 2026 frei gegeben. Für englischsprachige Literatur gibt es ein Gutenberg-Projekt in den USA. Dort finden sich unter anderem Oscar Wildes Werke im Original.

1. Juni 2005