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Indonesien

Zwei Männer wegen Homosexualität zu 85 Stockhieben verurteilt

Die Provinz Aceh macht ernst: Zwei mutmaßliche Schwule müssen wegen ihrer Homosexualität eine brutale Folterstrafe über sich ergehen lassen.


Die Folterstrafe wird in Aceh in der Öffentlichkeit durchgeführt

Ein Schariagericht hat am Mittwoch – am Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie – im indonesischen Banda Aceh einen 20- und einen 23-Jährigen zu je 85 Stockhieben verurteilt, weil die Männer ein schwules Liebespaar sein sollen. Damit führte erstmals das 2015 in der erzkonservativen Provinz Aceh eingeführte Verbot von Homosexualität zu einer Verurteilung. Beide Männer sollen in Haft bleiben, bis die Folterstrafe am 23. Mai von einem maskierten Beamten durchgeführt wird. Dieser wird als "Algojo" (Henker) bezeichnet.

Nach einem Bericht der BBC weinte einer der Angeklagten bei der Urteilsverkündung. Der andere habe das Gericht um eine mildere Strafe gebeten.

Urteil noch über der Forderung der Staatsanwaltschaft

Das Gericht ging mit dem Urteil sogar noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Sie hatte vergangene Woche 80 Stockhiebe gefordert und keine Haft bis zur Umsetzung des Urteils verlangt (queer.de berichtete).

Als Maximalstrafe sind nach dem neuen Gesetz auf sexuelle Aktivitäten unter Männern bis zu 100 Stockhiebe vorgesehen. Das Scharia-Gesetz gilt nur für Muslime. In Aceh tritt das aber praktisch auf die gesamte Bevölkerung zu: Nach offiziellen Angaben gehören über 98 Prozent der Bewohner muslimischen Glaubensgemeinschaften an.

Die Beschuldigten waren vor gut einem Monat verhaftet worden, nachdem ein homophober Mob in ihre Wohnung eingedrungen war und sie offenbar im Bett erwischt hatte (queer.de berichtete). Im Internet ist ein verwackeltes Video veröffentlicht worden, das die beiden verzweifelten "Täter" zeigen soll.

Zwar ist im Rest von Indonesien Homosexualität offiziell nicht verboten. Allerdings hat sich in letzter Zeit die Situation von LGBTI im gesamten Land verschlechtert: Im letzten Jahr warnte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch etwa, dass ein "nie dagewesener Angriff" auf LGBTI-Rechte im 250 Millionen Einwohner zählenden Land stattgefunden habe (queer.de berichtete). So hätten Regierungsvertreter Stimmung gegen LGBTI geschürt, etwa Verteidigungsminister Ryamizard Ryacudu, der meinte, dass die Akzeptanz Homosexueller schlimmer sei als ein Atomkrieg (queer.de berichtete). Daher müssten Schwule und Lesben mit "einer Art moderner Kriegsführung" bekämpft werden.

Im Januar kritisierte das Europäische Parlament die "wachsende Intoleranz" in Indonesien und forderte, "die Rechte von LGBTI-Personen nicht noch weiter zu beschneiden" (queer.de berichtete). (dk)



#1 SebiAnonym
#2 equisportProfil
  • 17.05.2017, 12:58hOberderdingen-Flehingen
  • Hey, Hallo und Servus,

    Liebe Redaktion - zum Himmel nochmal - kann denn hier niemand versuchen tätig zu werden?
    Amnesty International oder Human Rights etc.
    Ihr habt doch mit Sicherheit Kontakte zu diesen Menschenrechtsorganisationen und auch wenn es bis zum 23.05. nicht mehr sehr viel Zeit ist so könnte doch wenigstens vehement versucht werden dagegen zu gehen um einen Zeitaufschub der Vollstreckung zu erlangen und dann weiter damit zu verhandeln.
    Es geht hier um zwei blutjunge Menschen - die werden dadurch physisch wie psychisch zerstört!
    Es ist doch wirklich belastend davon zu wissen - zeitgleich nicht zu wissen wie man irgendetwas dagegen tun könnte.
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#3 Paulus46Anonym
  • 17.05.2017, 12:59h
  • Indonesien galt viele Jahre lang nach der Unabhängigkeit und der Nachwirkung der niederländischen Kolonialzeit als eines der wenigen "halbwegs" noch liberal einstufbaren islamisch geprägten Staaten der Welt. Aber auch dort hat die zunehmende Radikalisierung und Politisierung des Islams, wie wir sie nunmehr seit den 1979 (Iranische Revolution) erleben, ihre negativen Folgen. Indonesien "rutscht" ab.

    Von den islamisch geprägten Staaten, die ich noch als passabel bewerte und die islamisch geprägt sind, gibt es nicht mehr viele auf der Welt:
    * Albanien
    * Türkei ("wird aber auch dort unter Erdogan immer schlimmer")
    * Tunesien
    * Marokko ("dort verbessert sich die Lage sogar langsam unter dem jungen Herscherpaar")
    * Ägypten ("tja sowohl als auch", aber eher nicht")
    * Bangladesch ("zu arm um LGBTIs Probleme zu bereiten"; die haben ganz ganz andere Sorgen)
    * Oman ("der Herrscher des Landes ist halbwegs moderat")
    * Mali ("aber viel zu arm die Bevölkerung)
    * Niger ("aber viel zu arm die Bevölkerung")
    * Jordanien ("modernes Herscherpaar")

    -----
    Viele islamisch dominierte Staaten sind regelrecht abgestürzt und sehr LGBT-feindlich mittleweile:
    * Afghanistan (Todesstrafe wo die Taliban herrscht)
    * Pakistan
    * Iran (Iranische Revolution 1979; Todesstrafe)
    * Syrien (Todesstrafe wo der IS ist; Assad auch nicht besser)
    * Algerien (mittlerweile derart von Muslimbrüdern und reaktionären Kräften unterwandert; war einst liberal, ist es aber nicht mehr)
    * Lybien (total zerstört, LGBTIs haben dort nichts zu lachen")
    * Sudan (Todesstrafe)
    * Jemen (Todesstrafe; Bürgerkrieg)
    * Saudi-Arabien (Todesstrafe, Wahabiten, sehr reaktionäre Koranauslegung: Frauen dürfen nicht einmal allein Auto fahren)
    * Malaysia (stürzt auch weiter ab; siehe Debatte um Oppsositionsführer)
    * Somalia (Bürgerkrieg, Todesstrafe)
    * Tschad (Haftsrafe neu erlassen)
    * Mauretanien (Todesstrafe)
    * Senegal (Haftstrafe)
    * Gambia (Haftstrafe)
    * Guinea (Haftstrafe)
    * Kosovo (lange Jahre Bürgerkrieg)
    * Tschetschenien in Russland (Radikalisierung; Verhaftungen)
    * Bahrein, Kuwait, Katar und Vereinigte Arabische Emirate ("alles sehr reiche Staaten, aber Haftstrafen)

    Ein islamisch geprägtes Land aber, das nur annähernd so LGBT-freundlich aufgestellt ist, wie Deutschland oder Frankreich oder Dänemark gibt es weltweit nicht !!!
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#4 RobinAnonym
  • 17.05.2017, 12:59h
  • Wieso wird bei solchen Vorgängen niemals die schwarz-rote Bundesregierung aktiv?

    Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung Deutschland hätte das durchaus Gewicht.

    Und wenn schon doe Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wegsehen, sollte doch zumindest der zuständige Außenminister Sigmar Gabriel deutliche Worte finden.

    Aber Union und SPD sind nicht nur unsere Rechte egal, sondern auch das Leben von LGBTI interessiert die keinen Pfifferling.
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#5 seb1983
#6 JadugharProfil
  • 17.05.2017, 13:40hHamburg
  • Wenn ich so etwas lese, gerade ich vor Zorn und Wut in extreme Weißglut. Da wünsche ich mir einen Putsch, wo dann religiöse Heterosexuelle für 5 Generationen absolutes Sexverbot erhalten und bei Verfehlung erhalten sie als Strafe eine Steinigung. Nur damit sie endlich begreifen, wie es ist, Homosexuellen gemäß ihrer Sexualität zu unterdrücken und als ausgleichende Gerechtigkeit.
    Wer weiterhin heterosexuellen Geschlechtsverkehr haben will, kann ja auswandern.
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#7 FredinbkkProfil
  • 17.05.2017, 14:50hBangkok
  • Antwort auf #4 von Robin
  • Und wenn schon die Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wegsehen, sollte doch zumindest der zuständige Außenminister Sigmar Gabriel deutliche Worte finden.

    wird er nicht....ist nicht im Interesse der deutschen Waffenindustrie ,Heckler&Koch und viele andre ,haben doch dort einen "Fetten" ABSATZMARKT.

    Auch die ASEAN-Staaten werden schweigen, weil die meisten ebenfals
    Dreck am Stecken haben im Bezug auf Menschenrechte ...

    die Aussagen sind immer die Gleichen,
    wir mischen uns nicht ein und ihr bei uns auch nicht....
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#8 Pascal GoskerAnonym
  • 17.05.2017, 14:55h
  • Antwort auf #7 von Fredinbkk
  • Ja, schon der Kriegstreiber Frank-Walter Steinmeier hat als Außenminister Waffengeschäfte über Menschenleben gestellt.

    Und Sigmar Gabriel ist ein würdiger Nachfolger.

    Richtig peinlich wird es aber dann, wenn die SPD auch noch rumlabert, dass man "Fluchtursachen bekämpfen" müsse. Obwohl sie die erst verursachen.

    Das beweist nur, wie dumm die SPD ihre Wähler hält.
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#9 Andreas VAnonym
  • 17.05.2017, 15:24h
  • Antwort auf #2 von equisport
  • Das meine ich jetzt nicht ironisch, aber wenn du was tun willst (was löblich ist), dann kontaktiere du doch Amnesty, das deutsche Außenministerium und wer sonst noch in Frage kommt und bitte sie daru, in dieser Sache aktiv zu werden. All diese Institutionen sind per Email und telefonisch erreichbar. Warum glaubst du, dass ein Queer.de-Redakteur da mehr Einfluss hat?
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#10 Viel Spaß dabeiAnonym