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HIV-Prävention

Auch Belgien übernimmt PrEP-Kosten

HIV-Negative können ab Sommer die Pillen zum Schutz vor einer Infektion erhalten, wenn ein Arzt die Behandlung für sinnvoll hält.


Das Medikament Truvada kann HIV-Negative davor schützen, sich mit dem Virus anzustecken

Die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block hat am Freitag angekündigt, dass Menschen mit einem erhöhten Risiko, sich mit HIV anzustecken, ab Juli die Kosten für eine Prophylaxe mit dem Medikament Truvada erstattet bekommen können.

Das Angebot richtet sich vor allem an schwule Männer und Menschen aus Subsahara-Afrika, wenn ein Arzt die tägliche Vorab-Behandlung in einer individuellen Entscheidung für sinnvoll hält. Die Betroffenen sollten dann nur einen Eigenbetrag von zwölf Euro pro Monat leisten müssen.

Die Ministerin plant dafür rund 1 Million Euro pro Jahr bis 2023 ein und hofft, dadurch bis zu 3.200 HIV-Infektionen zu verhindern. Derzeit infizieren sich in Belgien rund drei Personen pro Tag mit dem Virus.

Die Debatte zur PrEP ist kompliziert

Aids-Aktivisten werben bereits seit längerem für die Einführung von Medikamenten wie Truvada für die Nutzung als Präexpositions-Prophylaxe (PrEP). Täglich korrekt eingenommen, kann die Pille eine HIV-Infektion recht zuverlässig verhindern. Sie ist deshalb als Ergänzung zu bestehenden Präventionsstrategien interessant und betrifft eine überschaubare Gruppe von Menschen.

Die PrEP ist aber auch ein komplexes Politikum, weil die Kosten pro Monat derzeit noch rund 800 Euro betragen – einige Politiker beklagen die Kosten für die Allgemeinheit, Aktivisten kritisieren zugleich, dass Safer Sex nicht nur etwas für Reiche sein dürfe. Der Patentschutz für Truvada läuft vermutlich im Sommer ab, was zu günstigeren Generika und einfacheren Entscheidungen führen kann.


Maggie De Block von den Flämischen Liberalen und Demokraten hat als Gesundheitsministerin eine noch seltene Entscheidung getroffen. Sie gilt als eine der beliebtesten Politiker des Landes. Bild: Voka Kamer van Koophandel Limburg / flickr

Erst im April hatte Schottland bekannt gegeben, dass Menschen mit einem erhöhten Risiko einer Infektion die Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) kostenlos erhalten können (queer.de berichtete). Die Europäische Kommission hatte erst im August 2016 die Einführung des Aids-Medikamentes als PrEP zugelassen (queer.de berichtete), im Oktober beschloss Norwegen die kostenlose Abgabe unter bestimmten Bedingungen (queer.de berichtete).

Truvada, das die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin enthält, ist bereits ein etabliertes Medikament: Es wird in Europa seit 2005 bei HIV-Positiven eingesetzt, um die Ausbreitung des Virus im Körper zu hemmen. Eine korrekte Nutzung stoppt auch die Infektiosität anderen gegenüber. Außerdem kommt Truvada bei HIV-Negativen bereits als Post-Expositionsprophylaxe in Kombination mit einem anderen Medikament zur Nutzung: Es verhindert eine Infektion, wenn es binnen 24 Stunden nach einem Risikokontakt erstmals eingenommen wird.

In Deutschland ist das Medikament zwar zur Vorbeugung einer HIV-Infektion verordnungsfähig, allerdings kommen die Krankenkassen nicht für die Kosten auf. Die Deutsche Aids-Hilfe und weitere Gruppen fordern bereits seit längerem die Erstattung, außerdem müsse der Produzent die Preise senken. (nb)

Wöchentliche Umfrage

» Sollen die deutschen Krankenkassen Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern die PrEP bezahlen?
    Ergebnis der Umfrage vom 22.5.2017 bis 29.05.2017


#1 seb1983
  • 19.05.2017, 20:56h
  • Hersteller ist Gilead Sciences, gelistet im S&P500.
    Ein ehemaliger Vorsitzender und nach wie vor Großaktionär ist übrigens ein gewisser Donald Rumsfeld
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#2 andreAnonym
#3 PeerAnonym
  • 20.05.2017, 10:07h
  • Schön, dass auch Belgien das tut.

    Und wann ist das in Deutschland so weit? Okay, dafür müssen wohl erst mal Union und SPD aus der Regierung verschwinden...
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#4 ManuelAnonym
#5 Patroklos
  • 20.05.2017, 11:07h
  • Antwort auf #3 von Peer
  • Den Artikel nicht gelesen? Mit Sicherheit nicht, denn da steht nämlich:

    "In Deutschland ist das Medikament zwar zur Vorbeugung einer HIV-Infektion verordnungsfähig, allerdings kommen die Krankenkassen nicht für die Kosten auf."

    Es liegt also nicht an der Bundesregierung, sondern an den KRANKENKASSEN und deshalb solltest Du Dich gefälligst bei denen beschweren!
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#6 ManuelAnonym
  • 20.05.2017, 12:08h
  • Antwort auf #5 von Patroklos
  • Diese Verordnungsfähigkeit ist zwar zu einem gewissen Anteil Entscheidung der Krankenkassen (z.B. ob eine Kasse Akupunktur zahl oder nicht), aber auch die Regierung hat die sehr viel Einfluss drauf.

    Es wäre durchaus möglich, dass die Regierung die PrEP-Therapien zur Pflichtleistung aller Kassen erklärt.

    Aber wie andere schon sagten: das wird es unter Schwarz-Rot nicht geben. Denn die blockieren ja nicht nur die rechtliche Gleichstellung, sondern auch dort, wo es um die Leben von LGBTI geht - z.B. weigern die sich ja auch, die extrem gefährlichen "Homo-Heilungs"-Therapien zu verbieten.
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#7 SaferSexAnonym
#8 seb1983
  • 20.05.2017, 13:05h
  • Antwort auf #4 von Manuel
  • Bei Menschen die Medikamente brauchen ok
    Nur: Seit Jahren sorgen Pharma Unternehmen dafür dass immer mehr Menschen Pillen schlucken und freuen sich über deren ungesunden Lebensstil.

    Ein Großteil der Herz-Kreislauf und Blutdruck Erkrankungen wäre durch eine gesunde Lebensweise vermeidbar, entsprechende Ernährung, etwas Bewegung.
    Für mich ist es hierbei nicht viel anders, man muss sich nicht bareback jede Nacht durch Klappen und Darkrooms vögeln.
    Das widersprecht aber dem durch Industrie und Pharmakonzerne mit propagiertem Bild bei dem es für alles die entsprechenden Pillen und Tabletten gibt. Erst jahrelang Prep, und wenn dann doch mal schiefgegangen ist die HIV Kombitherapie, ein Leben lang treuer Kunde.... und dabei werden nebenbei Milliardenumsätze gemacht.

    Wenn sich dadurch ein paar Infektionen verhindern lassen ok, aber glücklicherweise bleibt es auch jedem selbst überlassen was er schlucken will und was nicht.
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#9 ursus
#10 gifiAnonym
  • 20.05.2017, 13:15h
  • 1 Million Euro pro Jahr? Das hieße, dass ganze 100 Menschen in den Genuss der PrEP kommen...
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