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KLuST-Krise

Cologne Pride rettet sich über den Sommer

Nach einer weiteren Mitgliederversammlung steht fest: Das CSD-Straßenfest Anfang Juli kann stattfinden. Danach sieht man weiter.


Der Kölner CSD soll in diesem Jahr mit drei Tagen Straßenfest vom 7. bis 9. Juli stattfinden, mit der zuletzt unabhängig organisierten Demonstration am Sonntag

Wäre man zynisch, könnte man nach diesem Abend in Köln sagen: Der Cologne Pride ist selbst zur Selbstauflösung zu unfähig. Geht man etwas optimistischer an die Sache, so hat der CSD gerade noch die Kurve gekriegt, mit teils frischem Wind das Straßenfest in wenigen Wochen auszurichten und damit vielleicht neue Weichen für die Zukunft zu stellen. Vielleicht wird das Fest aber auch nur der letzte Halt einer zu langen Reise.

Das entscheidet sich nun im Herbst, nachdem am Montag bei der zweiten Mitgliederversammlung innerhalb weniger Wochen des Kölner Lesben- und Schwulentags, dem bisherigen Ausrichter des CSD, ein Antrag zur Auflösung des Vereins wieder von der Tagesordnung genommen wurde. Was aber auch nicht deswegen geschah, weil über den Fortbestand des Vereins Einigkeit herrschen würde, sondern weil festgestellt wurde, dass ein Beschluss zur Auflösung wohl anfechtbar oder unzulässig wäre – der Antrag war nicht als eigener Tagesordnungspunkt in der Einladung angegeben. Eine bewusste Sabotage des aktuellen Vorstands, vermuteten übrigens nicht wenige im Podium.


Die Debatte über die Auflösung des KLuST wurde am Montag verschoben, aber nicht aufgehoben. Ob eine Auflösung auch eine Absage des CSD in wenigen Wochen zur Folge gehabt hätte, war auch eine umstrittenem und ungeklärte Frage des Abends. Foto: nb

Dieser Vorstand machte sich weiter unbeliebt durch die erneute Nicht-Beantwortung zahlreicher Fragen aus dem Publikum, darunter auch einige, die ihm schriftlich seit der letzten Mitgliederversammlung vorlagen. Der Abend bot unglaubliche Rededuelle zwischen den Mitgliedern dieses Vorstands (unter froher zusätzlicher Beteiligung früherer Vorstände). Es gab auch Unklarheit, ob und wann welche Vorstände bei der letzten Mitgliederversammlung zurückgetreten sind – und auch, ob das zu dem Zeitpunkt rechtlich einen Unterschied machte. Selbst AfD-Parteitage waren zuletzt geordneter und harmonischer.

Eine Entlastung bekam der Vorstand jedenfalls nicht, alles andere hätte angesichts der letzten Wochen auch verwundert.

Kölner Chaos-Wochen

Diese bereits sensationelle Vorgeschichte sei noch einmal kurz zusammengefasst: Mitte Februar hatte der KLuST einen Insolvenzantrag gestellt, wegen Überschuldung und in Absprache mit einem im letzten Dezember von der MV eingesetzten Lenkungsausschuss (queer.de berichtete). Aus diesem heraus wurde auch ein Notbündnis aus Verbänden und Vereinen vorgestellt, das den CSD im Rahmen einer neuen gemeinnützigen GmbH ausrichten sollte. Neue Menschen nahmen engagiert die Arbeit auf, mit neuem Logo, Motto und gar Namen: der Cologne Pride sollte und musste wieder CSD heißen.


Das jetzt wieder aktuelle CSD-Motto "Nie wieder" vor wenigen Wochen beim Einsatz zum AfD-Bundesparteitag in Köln. Bild: ColognePride / facebook

Ende März zog der bisherige KLuST-Vorstand jedoch überraschend den Insolvenzantrag zurück und gab nach Wochen des Schweigens an, den CSD doch selbst veranstalten zu wollen und dazu bereits neue Verträge eingegangen zu sein, die neben der Durchführung des Fests auch einer langfristigen Entschuldung dienen. Der Lenkungsausschuss hatte dazu in einer Stellungnahme erneut betont, dass er in dieser Konstellation die aktuelle Ausrichtung des Fests gefährdet sehe, auch für die Zukunft müsse sich ein neuer Vorstand vor allem mit den Problemen und Schulden der Verangenheit befassen. Einzelne Details dazu bietet der queer.de-Bericht "Cologne Pride: Chaos und Klüngel statt Neustart?" von Anfang April.

Neben der Überschuldung und vielen offenen – und auch bis gestern nicht geklärten – Fragen aus der Kassenprüfung sorgte auch für Unruhe, dass der den Weiterbetrieb antreibende Vorstand, der auch für Budgetüberschreitungen und viele offene Fragen verantwortlich gemacht wurde, zugleich Angestellter bei einem Hauptschuldner war, mit dem der KLuST sich nun gegen den Rat des Lenkungsausschusses über Jahre weiter verpflichtet hatte. Dieser Vorstand wollte nach der MV vor wenigen Wochen noch im Amt bleiben, war dann aber vor rund einer Woche (mutmaßlich) zurückgetreten. Er scheint, nimmt man einige launige Auftritt vom Montag zum Maßstab, nicht sonderlich bereit zu einer Aufklärung seiner Amtszeit.

Neuer Vorstand vor Bewährungsprobe

Zu den Altlasten, die dem CSD zunächst erhalten bleiben, gehören auch die Schulden, 15.000 Euro wurde gestern als vorläufige aktuelle Zahl genannt. Auch könnte der CSD noch rückwirkend seine Gemeinnützigkeit verlieren. Dennoch gab es auch Fortschritte zu vermelden: Die aktuelle Planung für das Straßenfest, teilweise von Ehrenamtlern außerhalb des (auch ehrenamtlichen!) Vorstands übernommen, scheint gut voranzukommen, auch ein Großteil der Sponsoren ist wieder mit dabei. Selbst das Programmheft steht schon.

Auch fanden sich am Montag, grob zusammengefasst, eine Mischung aus diesen engagierten Ehrenamtlern und aus einigen früheren Vorständen bereit, einen neuen KLuST-Vorstand zu bilden. Einige interne Konflikte zwischen den Vorständen sind bereits ersichtlich – der nach einigen Jahren wieder in den Vorstand geholte Paradeleiter Jörg Kalitowitsch steht wegen der vom KLuST abgetrennten CSD-Demonstration samt eigener Buchführung vor allem in struktureller Kritik, gilt andererseits aber auch vielen Mitgliedern als einer der engagiertesten und kompetentesten CSD-Streiter.


Der mit großer Mehrheit gewählte neue KLuST-Vorstand: Patrick Gloe, Natalie Hagen, Dennis Herrmann, Martin Hommel, Jörg Kalitowitsch, Jens Pielhau, Martin Rätze, Uwe Weile und Ina Wolf (nicht im Bild). Foto: ColognePride / facebook

Vielleicht finden so auseinander gegangene Wege und Strukturen wieder zusammen, wenn sie denn weitergehen sollen. Mit den Erfahrungen der nächsten Wochen im Rücken steht der KLuST im Herbst auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung erneut vor der Frage, ob der CSD einen kompletten Neustart mit neuen Strukturen braucht oder mit neuem Personal weiterarbeiten kann. Diesen Neustart, das wurde gestern auch deutlich, wünscht man sich vor allem auch inhaltlich: Man möge doch bitte wieder mehr durch Schlagzeilen zu Politik- und Szenethemen auffallen als durch welche zu Klüngel, Streitigkeiten und Chaos.

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#1 MitcherAnonym
  • 23.05.2017, 19:51h
  • "Eine Entlastung bekam der Vorstand jedenfalls nicht, alles andere hätte angesichts der letzten Wochen auch verwundert."

    Das ist ja schon mal eine gute Nachricht!

    Noch besser ist aber der Artikel selber. Danke für die kritische Berichterstattung zum Thema.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 EisenhowerAnonym
  • 23.05.2017, 20:44h
  • Mit einem anständigen CDU-Kassenwart wäre das wohl nicht passiert. Jeder Kleingärtnerverein schafft es, sich so jemanden an Land zu ziehen.

    Immer nur Schulden machen, da kann man mal sehen, wohin so etwas führt.
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#3 Patroklos
#4 SanottheEhemaliges Profil
#5 TheDadProfil
#6 Thom_ass1973
  • 23.05.2017, 22:19h
  • ICH finde es grandios, dass man sich dazu entschieden hat WEITERZUMACHEN und eben nicht durch die Auflösung des Vereins das "Mäntelchen des Schweigens und Vergessens" über die Fehler zu breiten.
    Außerdem finde ich die Möglichkeiten der Mitbestimmung im direkten Vergleich zwischen gGmbH und e.V. deutlich besser. Eine Ausrichtung des CSD´s durch eine GmbH und sei es auch eine gGmbH birgt ERHEBLICHE Risiken und nimmt letztlich jede Chance einer demokratischen Beteiligung des Einzelnen - beim Verein kann ICG Mitglied sein, bei der GmbH wird das nahezu unmöglich sein!!
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#8 TheDadProfil
#9 TheDadProfil
  • 23.05.2017, 23:34hHannover
  • Antwort auf #6 von Thom_ass1973
  • ""ICH finde es grandios, dass man sich dazu entschieden hat WEITERZUMACHEN und eben nicht durch die Auflösung des Vereins das "Mäntelchen des Schweigens und Vergessens" über die Fehler zu breiten.""..

    Der eingereichte Insolvenzantrag beim Amtsgericht hätte das "Mäntelchen des Schweigens" ja verhindert..

    ""Außerdem finde ich die Möglichkeiten der Mitbestimmung im direkten Vergleich zwischen gGmbH und e.V. deutlich besser. Eine Ausrichtung des CSD´s durch eine GmbH und sei es auch eine gGmbH birgt ERHEBLICHE Risiken und nimmt letztlich jede Chance einer demokratischen Beteiligung des Einzelnen - beim Verein kann ICG Mitglied sein, bei der GmbH wird das nahezu unmöglich sein!!""..

    Auf den ersten Blick macht das Sinn..

    Auf den zweiten Blick geht es aber in erster Linie nicht um Beteiligung einzelner Personen wie Dich und mich, sondern um Haftungsbeschränkungen..

    Bei einem eingetragenem Verein haftet zunächst der Verein mit dem Vereinsvermögen..
    Ist das aufgebraucht haften ALLE Mitglieder bis der Schaden ausgeglichen ist..
    Für eine Veranstaltung durch einen Verein ausgerichtet gibt es nämlich keine Versicherung die Einnahmeausfälle ersetzt..
    Die gibt es aber für Veranstaltungs-GmBHs, wobei die Haftung der GmBH auf 25.000 begrenzt wird, und bei einer gGmBH ergeben sich zusätzlich auch noch günstigere Steuer-Tarife..

    Die günstigste Variante wäre hier sogar die Gründung einer LTD-Gesellschaft nach Englischem Recht, denn diese Gesellschaften haben ein "faktisches Betriebsvermögen" von nur 3 Pfund Sterling, also etwa 3, 48 zur Zeit..
    Die Haftung dieser Gesellschaften ist stark begrenzt, wobei sich die Kreditfähigkeit durch das geringe Betriebskapital ebenfalls in sehr engen Grenzen bewegt..

    Die wahrscheinlich beste Möglichkeit ist es wenn ein Verein eine gGmBH gründet und führt..
    Der Einfluß bleibt über die Vereins-Statuten gewahrt, und die Haftung über die gGmBH begrenzt..
    Es sei denn es liegt ein vorsätzlicher Konkurs vor, dann greift das Gericht wieder auf das Vereins-Vermögen und die Vereins-Mitglieder zurück..

    Vereine haben einen Vorstand..
    GmBHs und gGmBHs haben einen Geschäftsführer, der ein Gehalt erhält, was Kosten verursacht..
    Inwieweit dem Geschäftsführer Prokura eingeräumt wird liegt in der Entscheidung des Eigentümers, dem Verein..
    Die Entscheidungen über die Durchführungen von Veranstaltungen liegen also weiterhin beim Verein und den Mitgliedern, denn der Geschäftsführer handelt im Auftrag des Eigentümers....
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#10 ollinaieProfil
  • 24.05.2017, 01:10hSeligenstadt
  • Antwort auf #9 von TheDad
  • " und gGmBHs haben einen Geschäftsführer, der ein Gehalt erhält, was Kosten verursacht.."

    Auch Vereine können Aufwandsentschädigungen, Sitzungsgeld, Dienstreisespesen u.s.w. an Vorstandsmitglieder und anderes Personal zahlen, wenn das so in der Satzung/Geschäftsordnung steht, auch bei gemeinnützigen Vereinen, solange die Leistung mit dem Vereinszweck in Einklang steht.

    Und im Gegenzug verbietet niemand einem Geschäftsführer einer gGmbH für 1,- / Monat zu Arbeiten.

    Dem Rest stimme ich zu, danke!
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