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Selbstjustiz

Tschetschenische Community in Berlin: "Moralwächter" drohen Frauen und Schwulen mit Gewalt

Laut dem russischsprachigen Portal "Meduza" hat sich in der deutschen Hauptstadt eine Schlägertruppe etabliert, die bereits mehrere Frauen zur Einschüchterung verprügelt habe.


Montage der Flaggen von Tschetschenien und Berlin

Unter tschetschenischen Einwanderern und Flüchtlingen in Berlin kursiert ein Video, in dem Menschen, die sich nicht an vermeintliche "traditionelle" Moralvorstellungen halten, von einer Gruppe von Männern Gewalt angedroht wird. Das berichtet die russischsprachige Internet-Zeitung "Meduza" mit Sitz in Riga unter Berufung auf einen Journalisten in Berlin, der mit Angehörigen der Community sprach.

Demnach hätten viele der Tschetschenen in Berlin Anfang Mai ein Video über WhatsApp erhalten, in dem ein nicht zu sehender anonymer Mann sagt: "Assalam Alaikum, muslimische Brüder und Schwestern. Hier in Europa tun einige tschetschenische Frauen und Männer, die wie Frauen aussehen, schreckliche Dinge. Sie wissen das und ich weiß das, jeder kennt das. Deshalb machen wir diese Botschaft. Über 80 Menschen haben sich bisher zusamengefunden." Zu dem Text zeigt das Video ein Stockfoto eines maskierten Mannes, der eine Pistole drohend in Richtung Kamera hält.


Die Tugendwächter setzen auch bildlich auf Einschüterung. Das von ihnen zum Video verwendete Stockfoto wird unter anderem mit den Stichworten Verbrechen, Gefahr, Pistole, Ziel, Bedrohung oder Gewalt beworben.

In dem Video wird beklagt, dass viele Menschen ihre nationale-kulturelle Identität (Nokhchalla) ignorierten, wenn sie mit Personen anderer Nationalitäten anbandeln oder "den falschen Weg" wählen würden: "Tschetschenische Frauen und diese (verweiblichten) Wesen, die sich tschetschenische Männer nennen, wir werden sie alle 'korrigieren', bei jeder Gelegenheit. Wir haben auf den Koran geschworen. Das ist unsere Botschaft, damit ihr nicht sagt, wir hätten euch nicht gewarnt. Möge Allah uns Frieden bringen, lasst ihn uns zu Gerechtigkeit führen."

Aus Drohungen wurde bereits Gewalt

Die Gruppe habe allein in den letzten Wochen zwei junge Frauen in Berlin zusammengeschlagen, so "Meduza". Dates mit Nicht-Tschetschenen, Rauchen, Alkohol, der Besuch einer Diskothek oder eines Schwimmbads oder ein freizügiges Foto in einem Chat könnten alle als Begründung für Einschüchterungen und Gewalt herhalten.

Alle in Berlin lebenden Tschetschenen würden diese Gruppe kennen, berichtet das Portal. Es handle sich überwiegend um Anhänger des früheren, im ersten Tschetschenien-Krieg von Russland getöteten tschetschenischen Präsidenten Dschochar Dudajew, die sich mit den Anhängern des aktuellen, russlandnahen Präsidenten Ramsan Kadyrow geradezu einen Wettstreit lieferten, wer "traditioneller" sei.


Der Bericht von "Meduza" liegt bislang nur auf Russisch vor. Das Bild aus dem Jahr 2015 zeigt eine Flüchtlingsunterkunft in Berlin, in der auch Tschetschenen beherbergt werden

Die anonyme Gruppe verschärfe einen Konflikt um mit Gewalt durchgesetzte Moralvorstellungen, der sich in Berlin schon länger bemerkbar mache – die Zeitung liefert in dem Artikel mehrere Beispiele aus dem letzten Herbst zur Gewalt an Frauen durch die eigene Familie wie durch Fremde. Das Problem werde auch immer stärker, da sich Zuwanderung und Flucht aus Tschetschenien in Deutschland vor allem auf die Hauptstadt konzentriere, die Menschen so unter sich blieben und Gruppen eine Chance hätten, Druck auszuüben.

Zu Tschetschenien selbst hatten in den letzten Wochen Schlagzeilen dominiert, wonach Sicherheitskräfte hunderte Männer wegen angeblicher Homosexualität in außergesetzliche Gefängnisse verschleppten und dort folterten. Von "Meduza" in Berlin befragte Tschetschenen glauben die Meldungen über die Geheimgefängnisse nicht – sie glauben, Schwule würden direkt erschossen.

Quarteera: Behörden müssen Vorwürfe untersuchen

Der Verein für russischsprachige LGBTI in Deutschland, Quarteera, hat sich nach eigenen Recherchen zu dem Artikel "über die gewaltsamen Übergriffe und Morddrohungen in der tschetschenischen Diaspora in Deutschland" sehr besorgt gezeigt. "Mitten in Berlin begeht eine Gruppe als selbsternannte 'Moralpolizei' schwere Verbrechen. Bedroht sind tschetschenische Frauen, schwule und bisexuelle Männer sowie Trans*Menschen, die ihre nordkaukasische Heimat verlassen haben bzw. mussten, in der Hoffnung in Deutschland ihr Leben frei leben zu können. Nun werden sie hier wieder mit der Angst vor Verfolgung konfrontiert", sagte Wanja Kilber von Quarteera gegenüber queer.de.

Der Verein stehe mit zwei Betroffenen in Kontakt. "Wir fordern die Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft auf, Untersuchungen einzuleiten und die Fälle aufzudecken und danach auch das BAMF sowie die Öffentlichkeit über die Ergebnisse zu informieren", so Kilber.

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#1 PeerAnonym
  • 24.05.2017, 15:55h
  • Jetzt schwappt es auch schon nach Deutschland rüber.

    Das passiert, wenn man denkt, das sei ja weit weg und würde hier niemanden interessieren...

    Sehen Union und SPD jetzt immer noch "keinen Handlungsbedarf"?
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#2 FennekAnonym
  • 24.05.2017, 16:06h
  • Wenn der Staat uns nicht mehr beschützen kann oder will, müssen wir uns eben selbst schützen.

    Es gibt schon in immer mehr Gegenden Deutschlands No-Go-Areas, wo ich nur noch mit mehreren und mit Pfefferspray reingehen würde. Vielleicht brauchen wir auch eine Art PINK PATROL.

    Ich wünschte, das wäre alles nicht nötig, aber wenn es um unsere Gesundheit und unser Leben geht und es anders eben leider nicht mehr möglich ist...
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#3 SchonLängerAnonym
#4 JustusAnonym
  • 24.05.2017, 16:19h
  • Antwort auf #3 von SchonLänger
  • Wieso werden solche Subjekte, die keinen Schutz suchen, sondern nur hierhinkommen, um Hass, Angst und Gewalt zu verbreiten, nicht ausgewiesen?

    Die sollten lebenslanges Einreiseverbot in die EU haben.

    Aber dafür muss die EU natürlich auch endlich mal ihre Außengrenzen besser schützen. Kann Sie das nicht, muss man eben wieder die Binnengrenzen schützen. Das wäre teurer und wäre das Ende der EU...
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#5 EisenhowerAnonym
  • 24.05.2017, 16:23h
  • Bürger und Menschenrechte müssen Menschen dort einfordern, wo sie leben. Auch wenn das schwer ist.

    In Deutschland hat es lange gedauert, bis wir dort ankamen, wo wir heute stehen. Das kann man anderen Ländern nicht einfach abnehmen.
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#6 SchonLängerAnonym
  • 24.05.2017, 16:29h
  • Antwort auf #4 von Justus
  • Diese Frage stelle ich mich angesichts der untragbaren Situation auch. Aber dass auf die Regierung diesbezüglich wenig Verlass ist bzw. zu wenig Konsequenz folgt, ist nichts Unbekanntes.
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#7 GeschichtsbewusstseinAnonym
  • 24.05.2017, 16:38h
  • Antwort auf #5 von Eisenhower
  • "In Deutschland hat es lange gedauert, bis wir dort ankamen, wo wir heute stehen"

    Dir ist klar, dass es die Aliierten waren, die Deutschland wieder auf ein einigermaßen demokratisches Gleis gesetzt haben, oder? Auch wenn die Situation nicht direkt vergleichbar ist: Manchmal ist ein Schubs von außen unerlässlich. Oder auch mehrere.
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#8 niccinicciAnonym
  • 24.05.2017, 17:14h
  • da haben wir ja in berlin mit rot2grün richtig kompetente fachleute dafür. da werden bestimmt erstmal ein paar sozialarbeiter zu gruppengesprächen eingestellt. in münchen undenkbar. berlin kann nicht nur flughafen, sondern scheint auch anziehungspunkt für sämtliche kriminelle aktionen zu sein. aber bitte auf keinen fall videoüberwachung, dadurch könnten täter schneller gefasst werden. rot2grün und innere sicherheit passt einfach nicht zusammen!
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#9 demokratProfil
  • 24.05.2017, 17:23hDüsseldorf
  • Bei diesen "Moralwächtern" handelt es sich um eine Mischung aus Faschisten (tschetschenische Frauen sollten nur mit tschetschenischen Männern anbandeln), islamischen Religioten und Kriminellen.

    Die Antifa ist bei jeder AfD-Kundgebung als Gegner dabei, aber warum tun die in diesem Fall nichts gegen diese faschistischen Umtriebe ?

    Das sind aber auch die Kehrseiten der "No border - No nation"-Ideologie und der damit verbundenen offenen Grenzen für alle.

    Wir kommen leider nicht umhin wieder unsere Binnengrenzen zu schützen.

    Das regt mich auf:
    LGBTI-Flüchtlinge werden abgewiesen, während solch faschistische Kriminellen wie diese selbsternannten "Moralwächter" tun und lassen dürfen was sie wollen.

    Um eins klarzustellen:
    Die Mehrheit der hier lebenden Migranten ist anständig und will hier in Frieden leben und arbeiten.
    Aber wann endlich fängt man an die kriminelle Minderheit konsequent abzuschieben ?
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#10 Pascal GoskerAnonym
  • 24.05.2017, 17:35h
  • Bisher haben Union und SPD immer weggesehen, wenn es um zunehmende homo- und transphobe Gewalt ging.

    Wenn sie das angesichts der jüngsten Erkenntnisse weiter so machen, muss ich davon ausgehen, dass sie das so befürworten...
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