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Queer Refugees for Pride

Umfrage: Queere Flüchtlinge fühlen sich in Deutschland nicht sicher

Noch immer beklagen Flüchtlinge unsensibles und ungeschultes Personal – und kaum Schutz vor Diskriminierung und Gewalt in den Unterkünften.


Javid Nabijew (r.) mit Mitstreitern beim CSD in Düsseldorf im letzten Jahr. Beim Pride in der NRW-Landeshauptstadt an diesem Wochenende ist die Gruppe wieder dabei. (Bild: nb)

Schwule, bisexuelle, lesbische und transsexuelle Flüchtlinge finden in Deutschland zunächst nicht die Sicherheit und den Schutz, die sie sich erhofften. Das ergab nun erneut eine Umfrage unter queeren Refugees.

Durchgeführt hat sie der aus Aserbaidschan geflohene LGBTI-Aktivist Javid Nabijew, der die Gruppe "Queer Refugees for Pride" gegründet hat, mit der er sich an CSDs in ganz Deutschland beteiligt, um auf die Situation in den jeweiligen Herkunftsländern, aber auch hierzulande aufmerksam zu machen (queer.de berichtete).

An der Umfrage beteiligten sich 100 Flüchtlinge aus 23 Staaten, die in 13 Bundesländern untergebracht sind; 33 stammen etwa aus Syrien, 18 aus dem Irak, 12 aus Russland. Die anonym online sowie mit persönlichen Gesprächen durchgeführte Studie ist nicht repräsentativ, gut die Hälfte der Antwortenden leben wie Nabijew in NRW. Und dennoch zeigt sie Probleme auf, die auch andere Aktivisten und Gruppen teils schon seit Jahre beklagen.

56 Prozent erlebten Gewalt oder Diskriminierung

So scheint die Unterbringung weiter ein zentrales Problem: 48 Prozent der Flüchtlinge teilen sich eine Unterkunft mit anderen, die meisten von ihnen mit nicht-queeren Menschen und die Hälfte von ihnen mit Landsleuten. 65 Prozent der Flüchtlinge verstecken ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität; 53 Prozent zögerten, Kontakt zu Unterstützungsorganisationen aufzunehmen, da sie Angst hätten, Details über sich preis zu geben.

62 Prozent "fühlen sich nicht sicher in Deutschland". 55 Prozent der Flüchtlinge wurden eigenen Angaben zufolge verbal diskriminiert, 24 Prozent erlebten körperliche Gewalt. 15 Prozent gaben ab, online Diskriminierung erfahren zu haben, sechs Prozent erlebten sexuelle Gewalt. Mehrfachnennungen waren auch bei der Frage nach dem Ort der Diskriminierung und Gewalt möglich: 34 Prozent hatten in der Flüchtlingsunterkunft Probleme, 26 Prozent im Schlafraum, 31 Prozent im öffentlichen Bereich und 12 Prozent online.

Facebook / Queer Refugees for Pride | Eine Zusammenfassung der Ergebnisse als Video

Von 56 Flüchtlingen, die Diskriminierung oder Gewalt erlebt hatten, hätten nur 15 sich darüber beschwert bzw. eine Anzeige gestellt. Gründe dafür seien Angst vor den Behörden, aber auch Verzweiflung über sie: Den Flüchtlingen werde noch immer häufig geraten, einfach ihre sexuelle Orientierung zu verstecken, so Nabijew.

Eine zusätzliche Diskriminierung aufgrund sozialer Lage und Herkunft zeige sich daran, dass 36 Prozent der Befragten angeben, sie seien für Gegenleistungen um sexuelle Dienstleistungen gebeten worden – bei 26 Prozent sei zugleich ihr Status als Flüchtling bekannt gewesen. Schon häufiger hatten queere Flüchtlinge berichtet, dass ihnen manche Übernachtungsangebote mit einem sexuellen Hintergedanken gemacht wurden – die Queer Refugees for Pride berichten von einer Person, die nach einem solchen Fall Hilfe in einer Psychiatrie suchte. (nb)



#1 JustusAnonym
  • 26.05.2017, 11:38h
  • Das wundert mich überhaupt nicht:
    die sind hierhin gekommen, weil sie dachten, hier sicher zu sein. Aber dann erleben sie in den Flüchtlingsheimen als erstes Mobbing und Gewalt von homo- und transphoben anderen Flüchtlingen.

    Und anstatt dass der Täter dann aus dem Heim weg muss, müssen immer die Opfer weg.

    Das signalisiert einerseits dem Täter, dass er im Recht ist und die LGBTI die "Perversen" sind, die weg müssen. (Und diese Bestätigung dieses Verhaltens wird in Zukunft noch viel Probleme mit diesen Migranten verursachen.)

    Und andererseits signalisiert es den LGBTI-Flüchtlingen, dass es hier genauso ist wie dort, von wo sie geflogen sind: sie müssen sich verstecken oder sie werden Opfer von Gewalt. Und in dem Fall kommen dann die Täter ungeschoren davon und sie werden dafür bestraft.

    Es läuft so viel schief momentan, dass die Flüchtlings-Integration schief gehen MUSS.
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#2 Ralph
  • 26.05.2017, 12:28h
  • Das ist sehr bitter für die Betroffenen und sagt nichts Gutes aus über die Handhabung des Asylrechts durch die zuständigen Behörden. Mein Eindruck ist, dass einfach alle Asylbewerber in einen Topf geworfen werden und dass dabei vor allem unterstellt wird, wer angibt, in der Heimat verfolgt worden zu sein, könne im Gastland nicht selbst zum Verfolger werden.

    Davon abgesehen fange auch ich langsam an, mich nicht mehr sicher zu fühlen. Das liegt einerseits an der erneut zunehmenden öffentlichen Hetze, andererseits an zunehmenden Gewalttaten. So bürgert es sich ein, dass Schwule dort angepöbelt oder zusammengeschlagen werden, wo auch ich öfter unterwegs bin. Das verleiht nicht gerade ein Gefühl persönlicher Sicherheit. Für Menschen, die zu uns gekommen sind, um gerade solchen Angriffen zu entgehen, muss es ein Schock sein, dass ihnen die auch hier drohen können. Voriges Jahr beim CSD München war eine Gruppe schwuler Flüchtlinge als eigene Paradenummer dabei. Später am Tag wurde ein als Queen aufgebrezelter Deutscher auf dem Nachhauseweg zusammengeschlagen. Wie das wohl auf Flüchtlinge wirkt, kann man sich denken.: "Hier sind ja nicht mal Deutsche sicher, wie viel weniger wir."
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#3 Pascas GoskerAnonym
  • 26.05.2017, 13:34h
  • Antwort auf #1 von Justus
  • Ich verstehe nicht, wieso Migranten, die LGBT, Juden, etc. ihr Lebensrecht absprechen nicht konsequent abgeschoben werden.

    Da braucht auch niemand was von Verfolgung, Schutz, etc. zu jammern, denn wer wirklich vor Hunger, Gewalt und Krieg flieht, will hier nicht plötzlich die Scharia oder was auch immer installieren.

    Wer nicht bereit ist, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu akzeptieren, kann hier nicht leben. Punkt. Gerade auch zum Schutz der Mehrheit der integrationswilligen Migranten.
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#4 LarsAnonym
  • 26.05.2017, 14:41h
  • Antwort auf #1 von Justus
  • "Und anstatt dass der Täter dann aus dem Heim weg muss, müssen immer die Opfer weg."

    Der Artikel sagt genau das Gegenteil: Die Flüchtlinge würden gern weg aus den Heimen und in andere Zusammenhänge, wo sie sich sicher fühlen (getrennt von ihren Landsleuten, aber auch nicht in den Fängen von unseriösen Maklern mit Hintergedanken). Aber sie trauen sich nicht diese Wünsche anzubringen und stoßen auf wenig Verständnis - nicht einmal hier in diesem Forum.

    Es schienen sich hier viel zu wenige mit der realen Situation an solchen Orten zu beschäftigen.

    Klingt ja gut: Alle "homophoben gewaltbereiten ausweisen." Das Problem ist aber: Wo kein Kläger, da kein Richter. Und viele Quere Flüchtlinge sind unter einem starken Druck, wissen zu wenig über ihre Rechte (und werden von den Behörden auch nicht genügend ermutigt) oder haben zu wenig Vertrauen, dass ihnen effektiv und schnell geholfen wird.

    Auch allen gewaltbereiten, antisemitischen und homophoben Deutschen müssen Grenzen gesetzt werden. Die kann man auch nicht alle ausweisen oder ohne Beweise für Straftaten ins Gefängnis stecken. Pauschalurteile nutzen nichts bei Menschen, die potenziell unter Mehrfachdiskriminierung leiden (als queere, als MigrantInnen, als bildungs- und sozialschwache Menschen).
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#5 RobinAnonym
  • 26.05.2017, 15:41h
  • Antwort auf #4 von Lars
  • Sie wollen aber auch nur weg aus den Heimen, weil weder das Heimpersonal noch die Behörden ihre Sicherheit dort gewährleisten können.

    Aber das Signal, was man ihnen damit gibt, lautet dennoch: "Auch hier seid ihr nur in einem LGBTI-Ghetto sicher und ansonsten dem Staat egal."

    Und die Homohasser prügeln weiter - völlig sanktionslos.
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#6 Markusbln11Anonym
  • 26.05.2017, 17:02h
  • Antwort auf #3 von Pascas Gosker
  • Nun sind wir doch ehrlich Derzeit werden eher lgbt-menschen abgeschoben als homophobe extremisten. Verkehrte welt.

    Und damit ist aus sicht des bundesamtes auch klar, wer im recht ist und wer nicht. Lgbt zurück nach aceh, indonesien algerien oder irak.

    Wenn es schutz für lgbt gibt, dann über die aktivitäten unserer community unterstützt von einer handvoll ganz grossen kommunen.
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#7 ursus
  • 26.05.2017, 17:08h
  • Antwort auf #5 von Robin
  • ich kann schon verstehen, was du mit dem "falschen signal" meinst. da ist sicher etwas dran.

    ich denke aber, dass es in der derzeitigen situation für die von gewalt betroffenen menschen rein pragmatisch die beste lösung ist, sie in andere räume zu bringen, wo sie wirklich sicher sind. das wären sie in den bisherigen großunterkünften nämlich auch dann noch lange nicht, wenn man ihre angreifer_innen dort herausnehmen würde. die angst, abermals angegriffen zu werden, hat sich für die opfer dann bereits mit diesem ort verknüpft, und die erwartung, dass sich ähnliches am selben ort wiederholen könnte, ist vermutlich leider nicht einmal unrealistisch.

    "Auch hier seid ihr nur in einem LGBTI-Ghetto sicher und ansonsten dem Staat egal."

    vielleicht stimmt das, und das ist sehr traurig. für menschen, die sowohl in der ursprünglichen heimat als auch während und nach der flucht queerfeindliche gewalt erleben mussten, kann es aber trotzdem vorrangig sein, sie in unterkünfte zu bringen, in denen sie vor weiteren übergriffen relativ sicher sein können und wo sie sogar eine spezielle unterstützung, beratung und bestenfalls sogar therapie erhalten können. ich würde das ausgerechnet in diesem fall nicht als "ghetto" abwerten wollen, sondern darin eher eine zielgerichtete hilfsmöglichkeit erkennen, die diesen menschen sehr zugute kommen kann.

    wenn ich mir vorstelle, als schwuler flüchtling in einem heim mit lauter unbekannten, größtenteils heterosexuellen menschen eine schwulenfeindliche attacke zu erleben und dann die wahl zu haben, in diesem heim zu bleiben oder in eine einrichtung mit anderen queeren menschen zu ziehen, dann müsste ich nicht lange überlegen, was ich mir für meine sicherheit und meine psychologische stabilisierung mehr wünschen würde.

    ich würde die pragmatische und notwendige hilfe für die betroffenen als sehr viel wichtiger einstufen als das "signal", das man setzt, indem man sie aus den gewöhnlichen unterkünften herausnimmt.
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#8 LarsAnonym
  • 26.05.2017, 17:27h
  • Antwort auf #6 von Markusbln11
  • Das ist auch verallgemeinernd. Selbst katholische Bischöfe (queer.de berichtete) haben schon vor Wochen auf das Thema aufmerksam gemacht.

    Das Problem in den Flüchtlingsheimen sind ert einmal die mangelnde Privatsphäre, die Isolation und das Zusammenhocken von Menschen, die sich in ihren Heimatländern nicht so nahe auf die Pelle rücken würden: Sprich Männer und Frauen, politische und soziale "Gegner", etc.

    Dann fehlt es sicher auch an geschulten Beamten und Personal, die schon im Vorfeld Konflikte erkennen und auf Belange von Frauen und queeren Menschen sensibel reagieren.

    Nur nach einem starken Staat zu rufen, der die Probleme mit Polizeimaßnahmen löst, reicht mir nicht aus. Es braucht einen klugen Staat, kluge Leute und auch engagierte Hilfskräfte in und außerhalb der Heime, um die Situation in den Flüchtlingsunterkünften zu verbessern.

    Das Problem sind nicht ein paar marodierende Salafisten oder Fanatiker in Heimen, es ist struktureller Natur.
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#9 seb1983
  • 26.05.2017, 22:22h
  • Was passiert eigentlich wenn diejenigen die jetzt in den Flüchtlingsheimen Schwule terrorisieren aus den Heimen ausziehen und mir dann auf der Straße begegnen, bevorzugt in Gruppen...
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#10 LarsAnonym
  • 26.05.2017, 23:10h
  • Antwort auf #9 von seb1983
  • Die Gruppen von homophoben Flüchtlingen, die nichts anderes zu tun haben, als auf Jagd auf Schwule oder wahlweise nach deutschen Frauen zu gehen, sind eine Angstfantasie mit der man der überwiegenden Mehrheit der Flüchtlinge Unrecht tut und ihnen mit diesem Generalverdacht das Ankommen in Deutschland zusätzlich erschwert. Die meisten Flüchtlinge haben genug zu tun, um zu überleben, hier anzukommen, Bürokratie, Traumata, den Verlust der Heimat und Enttäuschungen über falsche Illusionen zu verarbeiten etc.

    Aber da Du es wissen willst: Es gilt hierzulande für alle gleiches Recht: Für die Rowdy-, Nazi-Gang genauso wie für alle anderen. Wer sich belegbar daneben benimmt, kriminell handelt und sich organisiert, muss die Gesetze kennen lernen. Da fallen mir aber viele ein, auf die das zutrifft - auch Deutsche.
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