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GLAAD-Studie

Zu wenig LGBTI-Sichtbarkeit in Hollywood-Filmen

In Blockbustern sind sexuelle und geschlechtliche Minderheiten immer noch unterrepräsentiert – und wenn sie gezeigt werden, dann oft nur als Klischee.


Benedict Cumberbatch als "All" in "Zoolander 2": LGBTI-Aktivisten beklagen, dass insbesondere Transpersonen höchstens als Klischees dargestellt werden (Bild: Paramount Pictures)

Die LGBTI-Organisation GLAAD beklagt in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung "2017 Studio Responsibility Index", dass Schwule, Lesben, Bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen in Hollywood-Blockbustern zu wenig sichtbar sind.

Für ihren jährlichen Bericht hatten die LGBTI-Aktivisten die 125 erfolgreichsten für den Massengeschmack produzierten Streifen aus dem Jahr 2016 untersucht. Das Ergebnis: In nur 23 dieser Filme kommen LGBTI-Figuren vor. Das entspricht einem Anteil von 18 Prozent; im Vergleich zum Vorjahr gab es praktisch keine Veränderung.

In Filmen, in denen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten vorkommen, würden diese meist nur eine winzige Nebenrolle spielen: So seien sie in knapp der Hälfte dieser Filme weniger als eine(!) Minute zu sehen. Die meisten der dargestellten LGBTI seien schwule weiße Männer gewesen.

Besonders schlecht sei es um die Sichtbarkeit von Transpersonen bestellt: Mit "Zoolander 2" hatte nur einer der getesteten Filme überhaupt eine identifizierbare Transperson aufgeboten – Benedict Cumberbatch spielte in der Komödie eine androgyne Figur namens "All" (alle). "Diese Figur existierte wieder einmal nur für eine Pointe", heißt es in dem Bericht. All sei eine "cartoonhafte Darstellung einer non-binären Person, die nur existiert, um sich über Menschen mit nicht traditionellen Geschlechtsrollen lustig zu machen."

In anderen Filmen, in denen keine Transpersonen auftauchten, gebe es manchmal zudem "sogenannten Humor, der auf Trans-Panik basiert" – also wenn heterosexuelle Männer beispielsweise eine Frau für transsexuell halten und daraufhin Angst haben, dass sie von ihr angemacht werden. In mehreren Filmen wurde auch die Darstellung von "Gay Panic" beklagt.

Forderung: Hollywood-Filme sollen sich Beispiel an TV-Produktionen nehmen

GLAAD-Chefin Sarah Kate Ellis forderte die Hollywood-Studios auf, dem Vorbild von Fernsehproduktionen zu folgen, die in den letzten Jahren mehr komplexe LGBTI-Figuren gezeigt hätten. "So viele der populärsten TV-Sendungen sind stolz darauf, LGBTQ-Figuren und -Geschichten in ihre Produktionen einzuarbeiten. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Filmindustrie dem Beispiel folgt und die Vielfalt der Welt zeigt, in der die Zuschauer heutzutage leben. Sie müssen außerdem den almodischen Humor beenden, der immer noch in vielen Filmen vorkommt", so Ellis.

Als positives Beispiel nannte der GLAAD-Bericht das Drama "Moonlight", das allerdings in den USA nur einen "Limited Release" erlebte, also anders als Blockbuster nur in wenigen Kinos gezeigt wurde. Bei der Premiere im Oktober 2016 wurde "Moonlight" USA-weit nur in ganzen vier Kinos aufgeführt. Trotzdem konnte er den Oscar als bester Spielfilm gewinnen (queer.de berichtete).

Vergangenes Jahr hatte die USC-Journalistenhochschule bei einer Untersuchung von Hollywood-Blockbustern festgestellt, dass der LGBT-Anteil bei Filmfiguren bei unter einem Prozent liegt (queer.de berichtete). Auch andere Minderheiten seien unterrepräsentiert, hieß es in der Studie: "Egal, ob wir Geschlecht, Rasse, Ethnie, LGBT oder Behinderung betrachten, bei allem sehen wir ausgrenzende Kräfte am Werk, denen jeder zum Opfer fällt, der nicht heterosexuell, weiß und körperlich leistungsfähig ist", erklärte USC-Professorin Stacy Smith damals. (dk)



#1 SuperAnonym
  • 26.05.2017, 13:28h
  • Auf Dauer ist es tatsächlich benachteiligend für LSBTTIQ. Die Überzal der Filme sind heteronorm. Das deckt aber nicht 100%ig die Wünsche des Publikums. Auch die Kinogänger/innen und DVD-Nutzer sind vielfältig.
    Also muss auch das Filmangebot vielfältig sein - auch in Bezug auf Filme mit homosexuellem Inhalt, ...etc.

    Momentan sieht es zum Beispiel in einer Stadt so aus, dass einmal im Monat die L-Filmnacht im CinemaXx präsentiert wird. Der Film ist vorgegeben und die Darsteller sind hetero. Meist enden diese Filme negativ - was einem auf Dauer suggeriert, homosexuelle Liebe würde nicht funktionieren!

    Der Kinofilm «Freeheld» wurde in meiner Stadt nicht in den gängigen Kinos gezeigt, sondern «separat» und ich sah nirgendwo Werbeplakate. Überwiegend wurde der Film zu einer Uhrzeit ausgestrahlt, in der die meisten noch arbeiteten.

    Finde ich weder korrekt noch fair.
    Auch LSBTTIQ hat ein Anspruch auf Filme, die ihnen zusagen. Gedreht mit Schauspielern aus der LSBTTIQ! Gerne auch mal mit Happy End, denn es gibt genügend gleichgeschlechtliche Beziehungen, die funktionieren.

    Und speziell die Filmbranche hat die Möglichkeit, Themen aus der Gesellschaft aufzugreifen. Das ist ja das, wovon die Filmbranche erst lebt!
    In jeder größeren Stadt gibt es genug LSBTTIQ, so dass es sich auch lohnt, solche Filme zu produzieren und in den Kinos auszustrahlen.
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#2 Pascal GoskerAnonym
  • 26.05.2017, 13:28h
  • Mediale Sichtbarkeit (sowohl im fiktionalen als auch im nicht-fiktionalen Bereich) ist extrem wichtig und trägt oft mehr zur Akzeptanz bei als alle Appelle, Diskussionen, etc.

    Deshalb ist dieser Punkt extrem wichtig.

    Aber auch Sichtbarkeit im Alltag (auf der Straße, im Geschäft, in Kino, im Theater, an der Uni, etc.) ist extrem wichtig, damit jeder sieht, wie viele wir sind und dass auch wir Teil der Gesellschaft sind. Und dazu kann jeder einzelne von uns beitragen.
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#3 schwarzerkater
  • 26.05.2017, 14:29h
  • hollywood ist ein erster linie ein geschäft, um geld zu generieren.
    * wie wird denn das frauenbild in filmen/blockbustern wie in "gravity" oder "jurassic park" dargestellt? das sind keine wissenschaftlerinnen, die dort sprechen, sondern man hört dümmliches hausfrauengequake. frauen/hausfrauen, deren hauptaufgabe es zu sein scheint, cookies zu backen denn für mehr reicht deren hirnmasse nämlich nicht aus.
    ** wenn das frauenbild der hollywoodfilmindustrie 2017 noch so dargestellet werden darf, weil sich die amerikanische gesellschaft dagegen nicht wehrt, dann werden schwule etc. weiterhin auch nur als lächerlich-peinliche und unangenehme randfiguren in filmen zu sehen sein.
    hollywood eben, ganz in seiner tradition verwurzelt.
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#4 No_HousewifesAnonym
#5 Patroklos
#6 andreAnonym
  • 27.05.2017, 08:38h
  • Weiß nicht ob das nun unbedingt Hollywood sein muß. Betrifft wohl jeden Film, wo Schwule nicht als Klischee dargestellt werden. Jeder Kino-Betreiber wird sich schwer überlegen, ob er einen Nischenfilm zeigt und damit gewaltige Einbußen hat. Und LGBTI Filme werden immer Nischenfilme bleiben. Was nicht bedeutet, daß es schlechte Filme sind. In Zeiten von Netflix und Amazon, hat es eh schon jeder Kino-Betreiber schwer Leute ins Kino zu locken. Das Publikum, das diese Filme sehen will ist sehr begrenzt. Ausser, Weltstars haben eine Hauptrolle, oder, wie im Artikel genannt, als Klischee. Übrigens gibt es bei Netflix, jede Menge LGBTI Filme. Habe erst einen angeschaut. Der hieß "King Cobra". Handelte, natürlich vollkommen ungewöhnlich für die Szene, vom Leben eines Porno-Stars. Da hat sich der "Star" die Maske bestellt, damit sein Arsch gepudert wird. Kopfschüttel.
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#7 habemus_plemplem
  • 28.05.2017, 10:04h
  • Als schwuler Schauspieler würde ich ja ungern heterosexuelle Rollen spielen wollen. Zu dieser LGBTTIQ-Unsichtbarkeit im Film auch noch selbst beizutragen, das könnte ich mir für mich nicht vorstellen. Ich würde nicht zusammen mit vielen LGBTTIQ-Kolleg*innen einen heteronormativen Film produzieren wollen.

    Vielleicht sollte man als ersten Schritt im Abspann nicht nur einblenden, dass für die Produktion kein Tier zu Schaden kam, sondern auch, wie vielfältig die Crew zusammengesetzt ist. Da würden ja statistische Angaben reichen - natürlich soll sich niemand persönlich outen müssen. Vielleicht wäre das hilfreich, um im nächsten Schritt auch mehr Vielfalt in die Figuren zu bringen. Auf jeden Fall könnte es Zuschauer*innen ins Bewusstsein rufen, dass der Film nicht die gesellschaftliche Realität abbildet - noch nicht mal die Realität derer, die ihn gemacht haben.
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