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"Deutschlands dümmster Abgeordneter?"

CDU-Abgeordneter warnt: Ehe für alle gefährdet Deutschlands Zukunft

Unions-Politiker verbreiten im Jahr 2017 noch immer homophobe Vorurteile: Karl Schiewerling weckt etwa Ängste vor dem Aussterben der Deutschen, sollte die Ehe geöffnet werden.


Karl Schiewerling ist seit 2005 im Bundestag vertreten und seit 2009 sozialpolitischer Sprecher der Unionsfraktion (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Der aus Nordrhein-Westfalen stammende CDU-Bundestagsabgeordnete Karl Schiewerling hat als Reaktion auf eine Wähleranfrage erklärt, dass "wir" mit der Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben "auf lange Sicht unsere Zukunft verspielen können". Wie die Seite "Nollendorfblog" am Sonntag berichtete, hatte der Parlamentarier mit diesem Kommentar die Frage eines schwulen Wählers beantwortet, der wissen wollte, warum gegen ihn wegen seiner sexuellen Orientierung ein Ehe-Verbot bestehe.

Der sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion argumentierte zunächst, dass das Grundgesetz ein verschlüsseltes Ehe-Verbot für Schwule und Lesben enthalte: "Artikel 6 definiert die Ehe als Grundeinheit und Keimzelle der Familie und stellt sie damit über andere Partnerschaften, weil nur aus der Beziehung von Mann und Frau Leben weitergegeben wird und Zukunft entsteht." Er wolle diesen "Grundsatz" unbedingt beibehalten, "da er einen unersetzlichen Teil unserer sozialen und gesellschaftlichen Ordnung darstellt. Die Familie ist die grundlegende und damit wichtigste Einheit der Gesellschaft", so Schiewerling. Das angebliche Ehe-Verbot für gleichgeschlechtliche Paare wird immer wieder von Unionspolitikern angeführt, allerdings von Verfassungsrechtlern wie Friederike Wapler bezweifelt (queer.de berichtete).

Im Anschluss rechtfertigte der CDU-Politiker das Ehe-Verbot damit, dass nur so genügend Kinder geboren werden könnten: "Schon jetzt merken wir die demografischen Folgen einer Entwicklung, die die Kinder nicht mehr als das Deutschland von morgen sieht, sondern nur noch als optionale Addition zur Ehe und im schlimmsten Fall als Hindernis in der Karriereplanung oder als unpassend zum persönlichen Lebensstil", so Schiewerling anklagend. "Es ist meine tiefste Überzeugung, dass wir ohne den Fokus darauf nicht nur unsere wichtigsten Werte und Grundlagen verlieren werden, sondern auf lange Sicht unsere Zukunft verspielen können. Und deshalb bin ich gegen die Öffnung der 'Ehe für alle'." Der Abgeordnete beklagte außerdem: "Die gleichgeschlechtliche Ehe wäre eine Nivellierung aller Unterschiede zwischen Mann und Frau."

"Vielleicht hasst [Schiewerling] ja einfach nur Kinder."

Johannes Kram vom Nollendorfblog fragte als Reaktion auf die Antwort, ob Schiewerling "Deutschlands dümmster Bundestagsabgeordneter" sei, der offenbar "Todesangst" vor der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben habe. Mit Blick auf Regenbogenfamilien, in denen Kinder laut Schiewerlings Antwort diskriminiert werden müssten, erklärte Kram: "Vielleicht hasst er ja einfach nur Kinder."

Schiewerlin sitzt seit zwölf Jahren im Bundestag sitzt und gewann seinen Wahlkreis im Münsterland bei der letzten Wahl mit 56 Prozent der Stimmen. Bei der Wahl im Herbst tritt der 66-Jährige nicht erneut an. Der Politiker hatte sich bereits in der Vergangenheit gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben ausgesprochen und argumentiert, dass Kinder ein "Geschenk" für heterosexuelle Paare seien. So sagte er 2012 in einem Interview mit den "Westfälischen Nachrichten": "Kinder sind immer auf Vater und Mutter bezogen und angewiesen. Das lässt sich nicht wegdiskutieren oder durch guten Willen überspielen. Deswegen bin ich gegen ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Kinder sind immer ein Geschenk aus der Beziehung von Frau und Mann."

Im selben Jahr sprach sich Schiewerling auf dem CDU-Bundesparteitag gegen die – kurze Zeit später vom Bundesverfassungsgericht angeordnete – Gleichstellung im Steuerrecht aus. Es gehe um den "Schutz von Ehe und Familie", so rechtfertige Schiewerling damals die Ungleichbehandlung. Die christdemokratischen Delegierten lehnten daraufhin mit deutlicher Mehrheit die Teil-Gleichstellung von verpartnerten Schwulen und Lesben ab (queer.de berichtete). (dk)



#1 LachkrampfAnonym
  • 29.05.2017, 11:26h
  • Voll daneben!
    Oh Gott, das arme Deutschland wird geplagt von sich liebenden Menschen, die sich das Ja-Wort geben wollen. Wieviele von der LSBTTIQ sind das?

    Ich würde eher sagen, da beginnt einer eine Hetze, um möglichst CDU-Wählerstimmen zu erhaschen.
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#2 RobinAnonym
  • 29.05.2017, 11:32h
  • "Ehe für alle gefährdet Deutschlands Zukunft"

    ...und Selbstbefriedigung macht blind.

    Und die Erde ist eine Scheibe.

    Von welchem Planeten kommt dieser Typ eigentlich?
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#3 LachkrampfAnonym
  • 29.05.2017, 11:32h
  • Und was ist eigentlich mit den Hetero-Paaren, die kinderlos sind? Und die Alleinerziehenden?
    Kindern geht es in gleichgeschlechtlichen Beziehungen genauso gut - und das sage ich aus Berufserfahrung! :-)
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#4 HeckmeckAnonym
  • 29.05.2017, 11:43h
  • Schön, dass hier auch mal über die berichtet wird, die die wahren Verhinderer der Eheöffnung sind.
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#5 AFD-WatchAnonym
  • 29.05.2017, 11:45h
  • Hat er das eigentlich schon seiner kinderlosen Chefin erzählt? Oder ist das wieder mal ein Tabu? Warum eigentlich?
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#6 LogikAnonym
  • 29.05.2017, 11:46h
  • " [...] weil nur aus der Beziehung von Mann und Frau Leben weitergegeben wird und Zukunft entsteht."

    Will er denn auch zeugungsunfähigen Menschen und Menschen ab einem gewissen Alter die Ehe verbieten? Und was ist mit Menschen, die zwar Kinder bekommen könnten, sich aber bewusst dagegen entscheiden (was mich in diesem rückwärts gewandten Land nicht wundert)? Und was ist mit gleichgeschlechtlichen Paaren, die (z.B. aus früheren Beziehungen, durch Adoption, etc.) Kinder haben? Dürfen die dann wohl wieder heiraten?

    Oder hat er es einfach nicht so mit Logik und er hofft, dass das nicht auffällt, damit er ungehindert seinen Hass verbreiten kann...
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#7 panzernashorn
  • 29.05.2017, 11:53h
  • Das ist schon keine reine Dummheit mehr, sondern pure Boshaftigkeit - wohl gepaart mit Religiotie.

    Solche Typen gehören ins Altersheim, aber nicht in die Politik.
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#8 JustusAnonym
  • 29.05.2017, 12:04h
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    CDU-Abgeordneter warnt: Ehe für alle gefährdet Deutschlands Zukunft
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    Und wieso haben dann alle Staaten, die GLBTI gleichgestellt haben, davon profitiert?

    Nicht nur gesellschaftlich und kulturell, sondern auch wirtschaftlich!

    Der fährt die altbekannte Strategie, die auch alle Religionen nützen:
    einfach mal was behaupten, ohne den geringsten Beweis zu haben. Irgendwas wird schon hängen bleiben... Man muss nur genug Ängste und Zweifel wecken und die düstersten Horror-Szenarien ausmalen, dann schaltet das Gehirn aus und man braucht keine Beweise mehr.
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#9 FinnAnonym
  • 29.05.2017, 12:06h
  • Und wenn man dann bedenkt, dass die SPD dieser Partei die Mehrheiten sichert, damit sie weiter ungestört hetzen, unterdrücken und den Bürgern ihre Rechte vorenthalten können...
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#10 Paulus46Anonym
  • 29.05.2017, 12:10h
  • Antwort auf #7 von panzernashorn
  • Wenn dieser rechtsreaktionäre Politiker Recht hätte. müßten die USA, Neuseeland, Kanada, Kolumbien, Brasilien, Argentinien oder Südafrika derzeit am Austerben sein und dem "Untergang" geweiht sein, weil in jenen Ländern die Ehe für alle bereits erreicht wurde. Das Gegenteil ist dort aber der Fall.

    Zweitens selbst wenn es zu einem Rückgang der Bevölkerungsanzahl kommen würde, hätte ich nichts dagegen, denn sowohl in Deutschland leben nach meinem Empfinden auf der kleinen Fläche mit rund 82 Millionen Menschen zu viele Menschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg mußten Millionen Menschen aus Schlesien, Pommern und Ostpreussen nach West/Mitteldeutschland fliehen und seit jener Zeit haben wir eine viel zu hohe Bevölkerungsdichte und mußten häßliche Hochhausplattenwohnsiedlungen bauen, damit die Menschen überhaupt wohnen konnten...schöner Wohnen sieht aber sicherlich anders aus.

    Drittens haben wir auf diesem Planeten eine katastrophale Bevölkerungsexplosion, die jetzt schon bei 7 bis 8 Milliarden Menschen liegt und wodurch die Resourcen der Erde (Regenwald; Fische im Meer) ausgebeutet werden und wir dadurch ein Artensterben der Tiere/Pflanzen in ungeahntem Ausmaß erleben. Bis 2100 steigt die Anzahl der Menschen laut UNO auf bis zu 11 Milliarden Menschen dann an, das ist leider jetzt schon absehbar. Weniger Kinder und weniger Geburten auf der Welt wäre eher zu begrüßen.

    Viertens aber der CDU-Politiker hat natürlich nicht einmal Recht, dass mit der Ehe für alle es weniger Kinder gibt, denn gerade die Ehe für alle schafft die Rechtssicherheit für gleichgeschlechtliche Paare und sie können dann adoptieren und soweit auch die Leihmutterschaft erlaubt würde, ebenso viel stärker Kinder erziehen, als es ihnen bisher verwehrt ist. Die Ehe für alle führt also zu mehr Kindern, da bisher viele der homosexuellen Paare kinderlos bleiben, weil die rechtlichen Hürden zu hoch sind, um eine Familie zu bilden.

    Fünftens der CDU-Politiker solte sich besser mit seinem Kollegen Jens Spahn unterhalten, der auch aus dem Münsterland stammt, und die Ehe für alle fordert.
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