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Bulgarien

Rechtsextremisten bedrohen CSD Sofia

In der bulgarischen Hauptstadt weht den Pride-Organisatoren ein scharfer Wind entgegen.


Teilnehmer beim CSD in der bulgarischen Hauptstadt im Jahr 2016 (Bild: Sofia Pride)

Bei dem am Samstag stattfindenden Pride-Marsch in der bulgarischen Hauptstadt Sofia werden Übergriffe von Rechtsextremisten befürchtet. Die Bürgerrechtsorganisation "Human Rights Watch" warnt etwa vor der Neo-Nazi-Gruppe "Nationaler Widerstand", die für Samstag eine Protestaktion am selben Ort, an dem der CSD stattfindet, und zur selben Zeit angekündigt hat.

In einer Videobotschaft hat Blagowest Asenow, der Chef des "Nationalen Widerstandes", seine Anhänger aufgerufen, mit "Besen und Schaufeln" bewaffnet zum Sofia Pride zu kommen, "um Sofia vom Müll zu befreien". Die Organisation setzt sich laut ihrer Facebook-Seite dafür ein, "fremde Ideologien" zu bekämpfen – dazu zählten neben der liberalen Demokratie auch "die Propaganda für Unzucht" und "das Parasitentum der Minderheiten".

Das LGBTI-Portal "All Out" hat daher in Zusammenarbeit mit der kontinentalen CSD-Dachorganisation "European Pride Organisers Association" (EPOA) eine Petition an Sofias Bürgermeisterin Jordanka Fandakowa gestartet. Die konservative Politikerin wird darin aufgefordert, gegen Gewalt aufzurufen, den CSD zu schützen und selbst mitzumarschieren.

Direktlink | Eindrücke vom Sofia Pride 2016

Auch europäische Politiker zeigten sich besorgt: So erklärte Guy Verhofstadt, der frühere Premierminister Belgiens und gegenwärtige Fraktionschef der Liberalen im Europäischen Parlament: "Ich rufe die bulgarischen Behörden und die Bürgermeisterin von Sofia auf, alle Menschen, die dieses Wochenende am Sofia-Pride-Marsch teilnehmen wollen, zu schützen. Rechtsextreme Gewalt gegen die LGBTI-Community hat in der Europäischen Union des Jahres 2017 keinen Platz."

"Hassrede wird in in unserer Gesellschaft immer populärer"

Der liberale bulgarische EU-Abgeordnete Ilhan Kjutschjuk ergänzte, dass sein Heimatland "unter die Kontrolle einer extrem nationalistischen Regierung" gefallen sei. "Hassrede wird in in unserer Gesellschaft immer populärer." Dass nun der CSD gefährdet sei, sei keine Überraschung, da Wolen Siderow – der Anführer der rechtspopulistischen Fraktion "Vereinigte Parioten", die als Juniorpartner gemeinsam mit den Konservativen das Land regiert – Homosexuelle als "abnormal" bezeichnet.

Unterstützung für den CSD hat unter anderem die US-Botschaft in Sofia angekündigt. Die Auslandsvertretung teilte mit, dass Demokratie "dann am stärksten ist, wenn alle Menschen frei und ohne Angst vor Gewalt und Diskriminierung leben können. Allerdings werden LGBTI noch immer angegriffen und schikaniert".

Der CSD von Sofia feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Zwischenfällen und aggressiven Gegendemonstrationen von Rechtsextremisten oder Aktivisten der homofeindlichen bulgarisch-orthodoxen Kirche.

Angesichts der größeren Kosten für den Schutz der CSD-Besucher bittet das Organisationskomitee um Spenden. "Trotz der Hasskampagne gegen den Pride setzt sich das Komitee dafür ein, eine stolze und positive Jubiläumsveranstaltung auf die Beine zu stellen", so die Veranstalter. (dk)



#1 FrageAnonym
  • 07.06.2017, 17:51h
  • Wird das Organisationskommittee in Sofia nicht von der Stadt unterstützt? Wenn Gewalt gegen den CSD droht, muss die Stadt doch reagieren.
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#2 Markusbln11Anonym
  • 07.06.2017, 18:51h
  • In der EU ist die freiheit, für sein anliegen zu demonstrieren, ein elementares grundrecht.

    Dieses grundrecht hat die staatsgewalt zu schützen. Auch durch die bulgarische.

    Oder feiert in Bulgarien noch immer die kommunistische unterdrückung andersdenkender fröhliche urstände. Nichts dazugelernt seit 1989.

    Das wäre nicht akzeptabel.
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#3 easykeyProfil
  • 07.06.2017, 19:44hLudwigsburg
  • Bulgarien ist sicherlich in seinen Grundfesten noch immer kommunistich geprägt. Allerdings sollte man als EU-Mitglied sich den allgemeinen Gepflogenheiten, Umgangsformen und Regeln stellen....und nicht nur das Geld nehmen und sonst "Knüppel aus dem Sack" spielen.
    Die rechtsradikalen Gruppen sind hingegen ja kein regionales Problem, aber hier sollte die Regierung ein klares Zeichen setzen und konsequent durchgreifen! Wenn diese jedoch diese "Eier" nicht haben, muss man diesen Umstand entsprechend laut diskutieren und solche Länder anprangern - was nicht heißt, dass man sich auf politische Reaktionen alleine verlässt - jeder Einzelne kann hierzu seinen Teil beitragen, ganz einfach durch sein Konsumverhalten. Europa kann nicht bis in alle Ewigkeit die ewig Gestrigen mit sich herumschleppen wenn es in unserer Sache weiter vorwärts gehen soll.
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#4 Paulus46Anonym
  • 07.06.2017, 19:58h
  • Antwort auf #2 von Markusbln11
  • Leider "ticken" in Osteuropa wie in Polen, in Litauen, in der Slowakei, in Rumänien, in Serbien, in Russland oder auch in Bulgarien "die Uhren" immer noch anders als im LGBT-freundlichen West-, Nord- und Südeuropa.

    Es ist gut, wenn die Queer und andere deutsche LGBT-Portale verstärkt über die Lage in Osteuropa berichten, denn das kann nur hilfreich sein.
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#5 Jaroslawa PiotrowskaAnonym
#6 Ivan SladkijAnonym
  • 07.06.2017, 22:06h
  • Antwort auf #4 von Paulus46
  • Was für dich aus der westdeutschen Provinz betrachtet wie ein einheitliches "Osteuropa" aussieht, ist ein vielschichtigerer Kulturraum, als es dir erscheint. Was diese Länder im Schwulenhass eint, ist nicht die Lage jenseits eines bestimmten Längengrades, sondern das rechtsradikale Christentum (ein Pleonasmus, ich weiß) vorwiegend orthodoxer (z.B. Bulgarien, Rumänien, Serbien), lutherischer (z.B. Lettland) und katholischer (z.B. Polen, Litauen) Ausrichtung.
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#7 Patroklos
  • 07.06.2017, 22:48h
  • In einer Videobotschaft hat Blagowest Asenow, der Chef des "Nationalen Widerstandes", seine Anhänger aufgerufen, mit "Besen und Schaufeln" bewaffnet zum Sofia Pride zu kommen, "um Sofia vom Müll zu befreien."

    Dann sollen die Menschen von Sofia dann auch das machen: die Stadt vom Abschaum des "nationalen Widerstandes" befreien!
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#8 Patroklos
#9 AlexAnonym
  • 08.06.2017, 00:49h
  • Die EU hat dieses Land vorschnell aufgenommen, dann sollen sie auch dafür sorgen, dass dort EU-Standards eingehalten werden und die Rede- und Versammlungsfreiheit gewährleistet wird.
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#10 Homonklin44Profil
  • 08.06.2017, 09:32hTauroa Point
  • Ein Problem, das da EU-technisch mit reitet, ist wohl der Umgang mit rechtsnational gestrigem Müll, und das Dulden dieser Ideologie. Die Nazis werden auch in anderen Mitgliedsstaaten geduldet und gewähren gelassen, man fragt sich, ob das der goldene Mittelweg sein kann. Fuchs im Hühnerhaus-Syndrom.
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