Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?29003

Aufwertung von Truvada

WHO: PrEP ist ein "unentbehrliches Arzneimittel"

Medikamente zur Vorbegung einer HIV-Übertragung werden von der UN-Behörde aufgewertet. Wann werden die deutschen Krankenkassen für die Kosten aufkommen?


Die Zentrale der Weltgesundheitsorganisation liegt in Genf (Bild: United States Mission Geneva / flickr)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Dienstag bekannt gegeben, dass sie die sogenannte Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) mit bestimmten Wirkstoffen in die Liste der "unentbehrlichen Arzneimittel" aufgenommen hat. Damit gehört Tenofovir, das HIV-Negative vor einer Ansteckung schützt, zu der exklusiven Auswahl von Wirkstoffen, die nach Ansicht der WHO weltweit benötigt werden, um die dringlichsten Bedürfnisse der Bevölkerung zur medizinischen Versorgung zu befriedigen. Die Empfehlung gilt für den Wirkstoff alleine oder in Kombination mit Emtricitabin oder Lamivudin.

Die Liste hat zunächst keine rechtlichen Auswirkungen. Die WHO spricht mit der Aufnahme in die Liste aber die Empfehlung aus, dass diese Arzneimittel in allen Gesundheitssystemen der Welt in adäquater Menge, richtiger Dosierungsform, guter Qualität und zu einem für Patienten erschwinglichen Preis verfügbar sein sollten. Die Liste war erstmals 1977 von der WHO erstellt worden und wird alle zwei Jahre aktualisiert. Gegenwärtig enthält die Liste über 400 Arzneimittel, darunter bereits rund zwei Dutzend Wirkstoffe für die Kombinationstherapie bei einer HIV-Infektion.

PrEP erst seit zehn Monaten in der EU zugelassen

Bei der PrEP handelt es sich um eine vorbeugende Behandlung, die laut Studien die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung mit HIV praktisch auf Null senkt. Die Pille soll vor allem an Personen mit erhöhtem Risiko einer Ansteckung, darunter an schwule Männer mit häufig wechselnden Sexpartnern, ausgegeben werden. Die Europäische Kommission hatte erst im August die Einführung des Aids-Medikamentes Truvada als PrEP zugelassen (queer.de berichtete). Truvada enthält die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin und ist bereits ein etabliertes Medikament: Es wird in Europa seit 2005 bei HIV-Positiven eingesetzt, um die Ausbreitung des Virus im Körper zu hemmen.

In Deutschland kann das Medikament zwar zur Vorbeugung einer HIV-Infektion vom Arzt verschrieben werden, allerdings kommen die Krankenkassen bislang nicht für die Kosten auf. Da eine Monatsration mit über 800 Euro zu Buche schlägt, ist die PrEP für die meisten Menschen nicht erschwinglich. Aids-Aktivisten und -Organisationen, darunter die Deutsche Aids-Hilfe, fordern aber bereits seit längerem die Erstattung durch Krankenkassen, außerdem müsse der Produzent die Preise senken. Zugleich läuft in diesem Jahr der Patentschutz für Truvada ab, was die Produktion günstigerer Generika wahrscheinlich erscheinen lässt.

Erst im vergangenen Monat hat die Berliner SPD als erste Partei den Beschluss gefasst, dass die PrEP kostenlos an Männer mit häufig wechselnden Sexualpartnern ausgegeben werden müsse (queer.de berichtete). Auch in anderen Staaten gibt es eine derartige Debatte. Zuletzt hatten Norwegen und Belgien angekündigt, PrEP kostenlos an Menschen abzugeben, die ein hohes Risiko einer Infektion haben. (dk)



#1 RobinAnonym
  • 08.06.2017, 15:34h
  • Gut, dass die WHO das als "unentbehrliches Arzneimittel" bezeichnet.

    Das ist im Moment die stärkste Waffe, um die Ausbreitung des HI-Virus zu stoppen oder zumindest zu reduzieren.

    Das ist eine so wichtige Waffe im Kampf gegen HIV und AIDS. Auch die deutschen Krankenkassen müssen endlich die Kosten übernehmen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 JustusAnonym
  • 08.06.2017, 15:37h
  • Jetzt muss sich die schwarz-rote Bundesregierung endlich in dieser Frage bewegen.

    Den privaten Kassen kann man das vielleicht nicht vorschreiben, aber für die gesetzlichen Kassen kann man das durchaus in den Pflicht-Katalog übernehmen. (Und das würde auch auf die Privaten Druck ausüben, das ebenfalls zu erstatten.)

    PrEP hat seine Wirksamkeit eindrucksvoll bewiesen und es schützt nicht nur den Einzelnen, sondern schränkt auch die Epidemie ein.

    Und vielleicht gibt es dann irgendwann sogar eine simple Impfung oder eine Heilung. Beides wäre natürlich das Ziel.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 ursus
  • 08.06.2017, 15:39h
  • "Es soll vor allem an Personen mit erhöhtem Risiko einer Ansteckung, darunter an schwule Männer mit häufig wechselnden Sexpartnern, ausgegeben werden."

    der vollständigkeit haber sei ergänzt, dass "häufig wechselnde sexpartner" nicht das eigentliche risiko darstellen, sondern dass es bei der zielgruppe darum geht, dass sie bei reger sexueller aktivität gleichzeitig häufig auf das kondom verzichten.

    man infiziert sich nicht wegen der anzahl der partner, sondern wegen unsafem sex. das wird ja gern mal "missverstanden", um das eigene risiko kleinzureden, deshalb diese anmerkung.

    die aufwertung der PrEP durch die WHO freut mich.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 theoAnonym
  • 08.06.2017, 16:01h
  • Wieso sollen die gesetzliche Krankenkasse das zahlen, wenn es so viel günstiger ist einfach ein Kondom zu benutzen?

    Ich kann diese ganze bareback Szene einfach nicht verstehen...
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Julian SAnonym
  • 08.06.2017, 16:03h
  • Es ist nicht nur moralisch verwerflich, Menschen diesen Schutz vor einer tödlichen Krankheit zu verwehren, sondern es ist auch wirtschaftlich unsinnig.

    Denn die Kosten, die dem Gesundheitssystem durch die jahrzehntelange Therapie HIV-Positiver entstehen, sind viel höher als die Finanzierung dieser vorbeugenden Pille.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 LietzenburgerAnonym
  • 08.06.2017, 16:13h
  • Antwort auf #1 von Robin
  • Die Krankenkassen bzw. die Allgemeinheit muss gar nichts! ...Der billigste Schutz bleibt das Gummi! Nur weil unersättliche Barebackschwule meinen sie müssen die ,,Ladungen,, zählen können am Abend??? Hier in Berlin wird man schon schief angesehen wenn man ein Gummi auspackt! Schlimm wie selbstverständlich Schwule meinen das die Kassen gefälligst alles zahlen müssen....
  • Antworten » | Direktlink »
#7 ExUrsaMajorAnonym
  • 08.06.2017, 16:37h
  • Antwort auf #6 von Lietzenburger
  • ...und ewig grüßt das Murmeltier...
    Hier mal wieder mein ausführlicher Kommentar zu diesem Thema:

    www.queer.de/detail.php?article_id=26747&antwort_zeigen=
    ja#cc418447


    PreP IST eine effektive Form der Prävention - so wie Kondome in manchen Fällen effektiv sind. Und in manchen Fällen eben deutlich effektiver als Kondome - siehe mein oben verlinkter Kommentar.

    Die Preisbindung läuft in Kürze aus; Generika wird es für deutlich weniger als 10% des Originalpreises geben. Wenn die Kassen rein mathematisch herausfinden werden, dass sie für PreP incl. regelmäßiger medizinischer Präventions-Betreuung einen Bruchteil der Kosten aufwenden müssen, die sie bei einer HIV-Infektion aufwenden müssten, ist die Sache sowieso geritzt. Das hat mit unersättlichem Ausnutzen des Solidarsystems rein gar nichts zu tun, sondern ein reines Gebot der Vernunft.

    Aber Manche hier sind natürlich schlauer als die Expert_innen der WHO. Schon klar.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 HZ 362Anonym
  • 08.06.2017, 16:40h
  • Vor gerade mal 10 Jahren, als ich dringendst HIV Medikamente benötigte, wurden mir diese ein dreiviertel Jahr vorenthalten.
    Und heute bekommen Gesunde Menschen HIV Medikamente die für Kranke vorgesehen sind.
    Warum behandelt man nicht sofort alle Menschen die sich mit HIV angesteckt haben mit Medikamenten und wartet nicht bis die Helferzellen Zahl und 300 fällt?
    Das verstehe ich einfach nicht!
  • Antworten » | Direktlink »
#9 ursus
  • 08.06.2017, 16:44h
  • Antwort auf #6 von Lietzenburger
  • und natürlich meldet sich jedesmal wieder jemand zu wort, der wegen "könnte, sollte, müsste" lieber mehr geld in die behandlung erfolgter infektionen stecken möchte als in deren erfolgreiche (aber eben auch nicht kostenlose) prävention.

    ziemlich irrational.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 ursus
  • 08.06.2017, 16:47h
  • Antwort auf #8 von HZ 362
  • "Warum behandelt man nicht sofort alle Menschen die sich mit HIV angesteckt haben mit Medikamenten und wartet nicht bis die Helferzellen Zahl und 300 fällt?"

    so weit ich weiß, geht der trend deutlich dahin, die behandlung wesentlich früher zu beginnen als man das noch vor zehn jahren empfohlen hat. das hat mit den nebenwirkungsärmeren medikamenten zu tun, aber auch damit, dass man die therapie heute als eine präventionsmaßnahme sieht.

    das alles hat mit dem einsatz der PrEP aber eher wenig zu tun.
  • Antworten » | Direktlink »