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Polizeimeldung

Mehrere junge Schwule ausgespäht, erpresst und bedroht

Staatsanwaltschaft und Polizei in Bremen ermitteln in mindestens zehn Fällen gegen einen 29-Jährigen, der mit Fakeprofilen Dutzende Straftaten verübt haben soll.


Polizeiautos in Bremen (Bild: tragesessel4350_off_duty / flickr)

Unter der Überschrift "Umfangreiche Ermittlungen nach homophoben Straftaten" berichtet die Bremer Polizei am Montag von einer einzigartigen Verbrechensserie, der vor allem junge Schwule zum Opfer fielen.

Demnach ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei in mindestens zehn Fällen gegen einen 29 Jahre alten Bremer. Ihm wird vorgeworfen, seinen Opfern über einen längeren Zeitraum nachgestellt, sie erpresst und bedroht zu haben.

Zu den Tatbeständen gehörten Internetbetrug, Nachstellung, Missbrauch von Notrufen, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, üble Nachrede, Nötigung, Fälschung beweiserheblicher Daten, Ausspähen von Daten, Bedrohung und räuberische Erpressung. Die Liste sei noch nicht abschließend, betont die Bremer Polizei.

Der mutmaßliche Täter gab sich als seine Opfer aus

Der mutmaßliche Täter agierte hauptsächlich über das Internet und benutzte speziell soziale Netzwerke. Er erstellte falsche Accounts, die unter anderem vortäuschten, von den verschiedenen Opfern selbst zu stammen. Auf diese Weise erhielt er Zugang zu Freundeskreisen, erlangte damit Informationen und konnte gezielt Nachrichten streuen. Teilweise gab er sich selbst als Opfer aus, um so das Vertrauen zu erlangen und um weitere Informationen zu gewinnen, die er für seine Taten missbrauchte.

Ziel war es stets, den jungen Schwulen Probleme zu bereiten und ihnen das Leben schwer zu machen. Einige wurden beispielsweise über das Internet geoutet. Ein damals 17 Jahre altes Opfer gab gegenüber Radio Bremen an, innerhalb eines halben Jahres mindestens fünftausend Mal von dem Stalker kontaktiert worden zu sein, etwa mit Facebook-Posts, Anrufen oder Whatsapp-Nachrichten. Der mutmaßliche Täter gab sogar eine Todesanzeige mit dem Namen des Jungen auf und ließ einen Trauerkranz an seine Schule schicken.

In anderen Fällen soll der 29-Jährige über Kleinanzeigen Tickets und Mobiltelefone im Namen seiner Opfer verkauft haben. Die Ware wurde nie geliefert, die jungen Männer bekamen dadurch große Probleme, da ihre Namen, Telefonnummern und teilweise auch ihre Adressen bei den betrügerischen Verkäufen angegeben wurden.

"Die Opfer haben große Beeinträchtigungen in ihren persönlichen Lebensumständen erfahren", heißt es in der Polizeimeldung. "Dabei haben sie u.a. ihre Rufnummern wechseln und sich mit Rechnungen und Inkassounternehmen auseinandersetzen müssen."

Die Ermittlungsakten umfassen nach Angaben von Radio Bremen mehrere hundert Seiten. Anklage gegen den 29-Jährigen wurde noch nicht erhoben. Der mutmaßliche Täter befindet sich weiter auf freiem Fuß.

Polizei geht von weiteren Opfer aus

Die Bremer Polizei vermutet, dass es weitere Betroffene geben könnte. In ihrer Mitteilung hebt sie hervor, dass nicht alle Opfer homophober Gewalt den Weg zur Polizei oder in die Öffentlichkeit finden, "weil Homosexuelle aus Angst vor Repressalien nicht selten ihre Identität zu verbergen versuchen". Dadurch könnten aber auch Wiederholungstaten "schwer verhindert werden, weil sich die Täter in Sicherheit wiegen und weitere Straftaten ohne Angst vor Strafverfolgung begehen können".


Sven Rottenberg ist seit 2015 Ansprechpartner der Bremer Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen

Seit 2015 können sich Opfer homo- und transphober Straftaten in Bremen an Sven Rottenberg als Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen wenden (queer.de berichtete). Er ist zu Bürozeiten per Email an Agl@polizei.bremen.de oder telefonisch unter (01522) 296 96 85 zu erreichen. (cw/pm)



#1 GeorgFalkenhagenProfil
  • 12.06.2017, 11:57hBremen
  • Und außerhalb der Bürozeiten stehen mein Mann und ich per Mail
    homorechte@web.de
    in Bremen zur Unterstützung bereit.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 RobinAnonym
  • 12.06.2017, 12:28h
  • Hoffentlich bekommt der eine saftige Strafe und die Opfer ihr gesamtes Geld zurück.

    Der Täter kann nur froh sein, dass nicht eines seiner Opfer vor Verzweiflung Selbstmord begangen hat. Dann hätte er auch noch ein Menschenleben auf dem Gewissen...
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Paulus46Anonym
  • 12.06.2017, 12:42h
  • Antwort auf #1 von GeorgFalkenhagen
  • Es ist zwar erfreulich, das auch in Bremen es einen Ansprechpartner für homophob motivierte Straftaten bei der Polizei gibt.

    Aber werden auch so wie in Berlin die homophob motivierten Straftaten in den Polizeiberichten veröffentlicht ? Soweit ich informiert bin, ist dies nicht der Fall. Zwar dürfte die Zahl in Bremen geringer als in Berlin sein, das ist schon klar, aber auch wenn es weinger Fälle sein dürften, wäre es richtig, wenn dies in Bremen bei der Polizei genauso wie in Berlin gehandhabt wird.
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#4 JustusAnonym
  • 12.06.2017, 12:59h
  • Ich kann nur jedem empfehlen, sich nicht erpressen zu lassen. Für nichts und von niemandem. Das ist ein Fass ohne Boden - wenn man einmal darauf eingeht, wird es immer mehr...

    Auf sowas sollte man niemals eingehen. Und notfalls sollte man zur Polizei gehen und Anzeige erstatten.
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#5 Homonklin44Profil
  • 12.06.2017, 13:18hTauroa Point
  • Kann man nicht anhand der versendeten Mails den Geräte-Standort des verwendeten Computers nach tracen? Weiß leider nicht, wie das mit der Mobile-Technik so läuft, was da überhaupt protokolliert wird. Evtl. könnte man das ungefähre Bewegungsmuster von dem Typ herausfinden.

    Man kann wirklich froh sein, dass sowas keinen der jungen Opfer in die Verzweiflung getrieben hat. Kann durchaus Richtung Suizidgedanken treiben, sowas.

    Solange die Angst vor Repressalien oder einem Outing, wenn man zur Polizei geht, in Deutschland begründet bleibt, wird sich an dem Faktor aber wenig ändern. Dafür müssten Schwule erst mal grundsätzlich wie richtige Menschen behandelt und respektiert sein, ebenso wie ihr Privatleben, und wie sie es sich aussuchen, dies zu gestalten.
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#6 Gpeterjoachim
  • 12.06.2017, 14:23h
  • Der Täter läuft also frei herum!
    Bedeutet, dass er zunächst einmal so weiter machen kann.
    Schlimm für die bisher Betroffenen und Opfer.
    Ich meine, dass es keine "Selbstjustiz" ist sondern eher Schutz vor weiteren Straftaten wenn der Name dieses Täters veröffentlicht wird.
    Es muss jedem - auch Nachahmern -bewusst gemacht werden, dass er seines Lebens nicht mehr froh wird wohin er auch zieht!
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#7 ollinaieProfil
  • 12.06.2017, 15:23hSeligenstadt
  • Was geht in so einem kranken Hirn blos vor?

    Hat der keine anderen Hobbys oder Freunde?
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#8 AdagioAnonym
  • 12.06.2017, 17:26h
  • Antwort auf #6 von Gpeterjoachim
  • Unser Rechtssystem funktioniert zum Glück noch immer so, dass die Schuld eines vermeintlichen Täters erst RECHTSKRÄFTIG festzustellen ist, bevor man "vorwarnen" darf. Immer wieder spannend zu sehen, wie schnell Menschen zivilisatorische Grundsätze über Bord werfen.
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#9 GlasKindAnonym
  • 12.06.2017, 17:27h
  • Eigentlich traurig, dass es für Homosexuelle noch einen extra Ansprechpartner geben muss.
    Ich hoffe der Typ bekommt ne harte Strafe.
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#10 TheDad
  • 12.06.2017, 20:12h
  • Antwort auf #3 von Paulus46
  • ""Aber werden auch so wie in Berlin die homophob motivierten Straftaten in den Polizeiberichten veröffentlicht ?""..

    Der Artikel oben ist ein deutliches Zeichen dafür daß sich die Presse-Arbeit der Bremer Polizei ändert..

    Das kann man dann auch mal zur Kenntnis nehmen !
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