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Deutscher Bundestag

Bernd Fabritius: Ich stimme für die Ehe für alle

Der CSU-Abgeordnete kündigte in einem Interview an, zusammen mit der Opposition für die Gleichstellung lesbischer und schwuler Paare zu stimmen.


Bernd Fabritius ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. Ein Jahr später wurde er – als Nachfolger von Erika Steinbach – zum Präsident des Bundes der Vertriebenen gewählt (Bild: Pressefoto)

Wenn der Deutsche Bundestag über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche abstimmen würde, gäbe es auch (mindestens) eine Ja-Stimme aus der CSU. "Ich würde aus Überzeugung dafür stimmen", erklärte der christsoziale Abgeordnete Bernd Fabritius in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der "Bayerischen Staatszeitung".

Der 52-Jährige lebt selbst in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft und ist mit seiner sexuellen Orientierung recht offen umgegangen (queer.de berichtete). So saß sein Lebenspartner bei der ersten Sitzung nach Fabritius' Wahl Ende 2013 auf der Tribüne im Bundestag. Er besuchte auch zusammen mit LSU-Aktivisten den CSD in Tel Aviv. Im "Handbuch des Deutschen Bundestages" ist angegeben, dass er in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt. Ende April gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des bayerischen Landesverbands der Schwulen und Lesben in der Union (LSU) (queer.de berichtete).

"Kein einziger Hetero wird plötzlich einen anderen Mann heiraten"

"Ich kann die Argumente der Gegner zum Teil nachvollziehen, teile sie aber nicht", erklärte Fabritius in dem Interview. "Man schützt das Institut der Ehe nicht dadurch, dass man Schwulen und Lesben das Heiraten verbietet. Es besteht doch keinerlei Konkurrenzsituation. Es wird doch kein einziger Hetero plötzlich einen anderen Mann heiraten, nur weil er es darf."

Ob der Deutsche Bundestag noch vor der Wahl im September über die Ehe-Öffnung abstimmen wird, ist unklar: Union und SPD blockieren im Rechtsausschuss teilweise seit Jahren entsprechende Gesetzentwürfe von Bundesrat, Grünen und Linken. Die Oppositionsparteien versuchen derzeit mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, eine Abstimmung im Plenum zu erzwingen (queer.de berichtete).

Sollte sich keine Mehrheit für die Ehe für alle finden, schlug der CSU-Politiker als "Kompromiss" eine Änderung des Personenstandsrechts vor: "Egal, ob zwei Menschen verpartnert oder im klassischen Sinn verheiratet sind – sie sollen beim Punkt Familienstand immer angeben können, dass sie 'verheiratet' sind", so Fabritius. 'Wer etwa auf die Frage nach dem Personenstand 'verpartnert' angeben muss, der legt damit gleichzeitig seine sexuelle Orientierung offen – das wollen viele Menschen aber nicht, auch aus Angst vor Diskriminierung."

Die Forderung nach Änderung des Personenstandsrechts hatte sich die CSU bereits im November 2016 in ihrem neuen Grundsatzprogramm zu eigen gemacht (queer.de berichtete). In der Koalition oder im Parlament wurde sie in dieser Frage allerdings nicht aktiv.

Sein bestes Überzeugungsargument ist sein Mann

Mit seinem offenen Umfang mit der eigenen Homosexualität will Bernd Fabritius seine Parteifreunde letztlich von der Ehe für alle überzeugen: "Ich zeige meinen Kollegen, dass meine Lebenspartnerschaft einer klassischen Ehe entspricht", sagte er der "Bayerischen Staatszeitung". "Ich nehme meinen Partner zu gesellschaftlichen Einladungen grundsätzlich mit – da bin ich einer der wenigen Abgeordneten. Dass Partner mitkommen, ist ja nicht die Regel. Wir wollen aber bewusst so viel wie möglich gemeinsam machen."

Vor zwei Jahren hatten sich bereits die beiden CSU-Bundestagsabgeordneten Gudrun Zollner und Dagmar Wöhrl für die Ehe für alle ausgesprochen (queer.de berichtete). (cw)



#1 Patroklos
#2 goddamn liberalAnonym
#3 AnnoymAnonym
#4 Julian SAnonym
  • 14.06.2017, 19:31h
  • Zumindest dieser eine CSU-Abgeordnete hat mehr Anstand und Rückgrat als alle SPD-Abgeordneten zusammen...

    Die SPD'ler geben ihr verfassungsmäßiges Grundrecht auf Freies Mandat freiwillig auf und verstecken sich lieber hinter einer angeblichen Koalitionsdisziplin.
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#5 Flieder07Anonym
  • 14.06.2017, 20:30h
  • So ein Dummes gesäusel, entweder # Ehe für alle# oder garnichts. Aber so ein zwischending darf es einfach nicht geben. Einfach nur Dumm was dieser CSU Typ da von sich gibt.
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#6 RobinAnonym
  • 14.06.2017, 20:42h
  • Antwort auf #4 von Julian S
  • Tja, die Leute mit Anstand, für die das "S" in SPD noch eine Bedeutung hatte, haben die SPD doch spätestens unter "Genosse der Bosse" Gerhard Schröder verlassen.

    Oder allerspätestens, als die SPD ernsthaft einen Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten gekürt hat.

    Und Sigmar Gabriel, Martin Schulz, etc. stehen auch alle in derselben Tradition. Wer meint, dass Martin Schulz anders sei, möge sich erinnern, dass er seit 1999 dem Bundesvorstand und dem Parteipräsidium der SPD agehört. Egal ob Agenda 2010, Hartz IV, Öffnung des Wohnungsmarkts für Heuschrecken-Investoren, Waffenexporte an Diktatoren, etc. - der hat das alles mindestens mitabgesegnet oder teilweise sogar befürwortet. Und jetzt spielt der Wolf im Schafspelz und hat vor der Wahl Kreide gefressen...
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#7 GüntherkeksAnonym
  • 14.06.2017, 23:05h
  • Das brächte doch jetzt gar nichts. Allenfalls würde er damit seinen Platz bei der nächsten Wahl riskieren, wenn er den nicht schon verloren hat.
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#8 PositivAnonym
  • 14.06.2017, 23:32h
  • Das ist ein starkes Statement. Wenn es auch nur eine Person ist, aber diese Stimme zählt. Drücken wir die Daumen, dass noch weitere aus dem Bundestag der Ehe für alle zustimmen - schließlich lohnt es sich auch für alle.

    Ich bleibe weiterhin optimistisch, denn in den letzten zwei Monaten hat sich was getan: Prälatin Arnold in ihrem Grußwort und ihrem Einsatz, die Kirche in Berlin, die die Tore für moslemische LSBTTIQ öffnet, der Druck im Bundestag die Ehe für alle abzustimmen, und eine weitere Kirche, die sich zu pro-LSBTTIQ bekennt.

    Kleine Schritte, aber immerhin Schritte.
    Ich bin gespannt auf das Wahlergebnis im September - es sollte sich auch da zeigen, dass die Äußerungen ernst gemeint sind und die Bürger entsprechend wählen.
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#9 hrdztfzhzfdhfAnonym
  • 15.06.2017, 02:10h
  • Es ist Wahlkampf, da ist es doch offensichtlich Kalkül der Union ihre schwulen Masochisten zu missbrauchen und an die Front zu schicken um die Union "schwulenfreundlich" aussehen zu lassen.

    Wer als Schwuler in der CDU oder CSU ist, hat sowieso nicht alle Tassen im Schrank.

    Am Ende bringt es überhaupt nichts wenn ein paar wenige schwule Abgeordnete aus der Union für die Ehe für alle stimmen, solange Union und SPD mehrheitlich dagegen stimmen. Union und SPD haben weit mehr als zwei Drittel der Sitze im Bundestag.

    In meinen Augen ist die SPD hauptschuldig an der Blockade der Eheöffnung, da die SPD die Eheöffnung schon 2013 fest versprochen hatte, jetzt aber das genaue Gegenteil davon tut. Die Union ist eine religiöskonservative Partei und da überrascht es wenig, dass die Union gegen die Ehe für alle ist. Dass aber die SPD die rechtliche Diskriminierung duldet und beim Blockieren der Ehe für alle mitmacht, ist eine weitere enorme Beschädigung der angeblichen sozialdemokratischen Identität der SPD. Eigentlich wäre es die Aufgabe der SPD die Ehe für alle kompromisslos durchzusetzen. Doch sie tut es nicht. Ein Verstoß gegen Artikel 1, Artikel 3 und Artikel 38 des Grundgesetzes.

    Auch die Sache mit Hartz-IV war eine ähnlich enorme Beschädigung der SPD. Denn eigentlich sollte doch die SPD für die sozial Schwachen kämpfen, gemäß angeblicher sozialdemokratischer Identität. Doch Pustekuchen, die SPD unterstützt die Sanktionierung von Hartz-IV-Empfängern unter das Existenzminimum bei lächerlichen "Vergehen". Das Grundrecht der sozial Schwachen auf ein menschenwürdiges Existenzminimum ignoriert die SPD einfach. Ein Verstoß gegen Artikel 1 und Artikel 20 des Grundgesetzes. Das ganze Hartz-IV-System ist ein perverses System gegen die Schwächsten der Gesellschaft. Schröder hat damit sowohl seine Partei und die sozial Schwächsten kaputtgemacht. Am schlimmsten ist, dass die SPD den Fehler nicht wirklich einsehen will, sondern sich an geschönten Arbeitsmarktdaten ergötzt, die jedoch nicht die Realität widerspiegeln, weil die SPD im Bundestag viele Male für Gesetze gesorgt hat, die es der SPD erlauben die Arbeitsmarktdaten immer stärker zu schönen. Die SPD hat den Billiglohnsektor erst massiv ausgebaut, damit Millionen Menschen in die "Armut trotz Arbeit"-Falle geschickt und dann später einen mickrigen Mindestlohn eingeführt, der nichtmal für eine Rente über Mindestsicherung reicht. Das ist so wie wenn man jemandem ein ganzes Brot wegnimmt und dann im Rampenlicht demjenigen einen Krümel zurückgibt und sich dann als Wohltäter in Szene setzt. Einfach nur lächerlich.

    Die SPD ist für alle Menschen, die das Grundgesetz befürworten, unwählbar.
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#10 schwarzerkater
  • 15.06.2017, 06:18h
  • zu leicht vergessen politiker und wir "zuschauer", dass die parlamentarier im bundestag weder einer partei noch einer lobby verpflichtet sein sollen, sondern ihrem gewissen.
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