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Cybermobbing

Offener Brief einer HIV-positiven Transfrau an ihre Internet-Trolle

"Ihr Trolle mögt mich verletzen, aber ihr werdet mich niemals unterkriegen", schreibt die britische Aktivistin Juno Roche über ihren Umgang mit dem alltäglichen Hass im Netz und mit Diskriminierung.


Juno Roche ist eine britische Autorin und Transaktivistin (Bild: BBC)

Dieser Text erschien zuerst auf
REFINERY29
Ich bin eine Frau, die zufällig transgender und zufällig HIV-positiv ist. Ich habe die Hälfte meines Lebens mit dieser Infektion verbracht, und ich habe mich damit arrangiert. Als ich die Diagnose bekam, habe ich mich dazu entschlossen um mein Leben zu kämpfen – koste es, was es wolle. Ich wollte nicht sterben. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen, aber die Diagnose hat definitiv mein Leben und die Art, wie ich es führe, verändert. Die Infektion wurde bei mir festgestellt, als ich im ersten Jahr an der Uni war, zu einer Zeit, in der HIV noch als Vorstufe von Aids galt und die Berichterstattung darüber in den Medien vor allem in Form von Aufnahmen von Gräbern stattfand.

Es war eine Zeit voller Angst. Die Ärzte sagten mir, dass ich höchstwahrscheinlich sterben werde – so war das damals tatsächlich – die Uni riet mir, das Studium abzubrechen, und die Leute in meinem Umfeld zogen sich zurück. Ich änderte meine Ernährung, versuchte ernsthaft, mich von jeglichen illegalen Substanzen fernzuhalten und begann zu joggen. Ich kämpfte gegen die körperlichen Symptome und schaffte es irgendwie solange durchzuhalten, bis neue Medikamente auf den Markt kamen, die mir und all den anderen, denen ihr Tod bereits vorausgesagt worden war, helfen konnten.

Die doppelte Vorverurteilung

In all der Zeit musste ich aber nicht nur gegen das Virus selbst, sondern auch immer wieder gegen die Vorverurteilung im Bezug auf meine Erkrankung ankämpfen, vor allem weil ich HIV-positiv und transgender bin. Von Zahn- bis Hausärzten, von Arbeitgebern bis Versicherungsgesellschaften – überall erfuhr ich Ablehnung, wurde nur unzureichend behandelt und verurteilt, und immer wieder wurde mir das Gefühl vermittelt, dass ich es einfach nicht wert war, wie jeder andere behandelt zu werden. Ich trage das Stigma mit mir herum, nicht wie die anderen zu sein. Obwohl ich selbst mein Leben und meine Gesundheit zu schätzen wusste, schien es als hielte der Rest der Welt verbissen daran fest, meine Krankheit als etwas Unmoralisches zu sehen. Als etwas Giftiges. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens damit kämpfen müssen, und es hat mich müde gemacht, aber es hat mir auch gezeigt, was es heißt, wirklich an seine Grenzen zu gehen.

Wider aller Umstände habe ich es geschafft und mich von Leuten, die mich verurteilt, gemieden und jeglicher Intimität mit mir aus dem Weg gegangen sind, nicht unterkriegen lassen. Als mich die Leute beschimpften – versucht mal als Transgenderfrau, die HIV-positiv ist, zu daten – habe ich nicht aufgegeben und versucht, ihre Worte nicht an mich heranzulassen und meine "Das Glas ist halb voll"-Einstellung, die ich auch im Bezug aufs Daten vertrat, beizubehalten. Wenn die Leute mir rieten "Sag niemandem, dass du transgender bist, auch nicht, dass du HIV-positiv bist, und erst recht nicht, dass du beides bist", hielt ich tapfer den Kopf hoch und die Augen nach vorn gerichtet und selbst, wenn mir die Tränen kamen, erwiderte ich ihnen: "Das gehört aber zu meinen Leben."

Mein Blut galt als so giftig wie Asbest im Gemäuer

Ich habe gelernt, mit der Diskriminierung und der Angst der anderen umzugehen. Als ich damals als Lehrerin arbeitete, hatte man mir nahegelegt, meine HIV-Infektion geheim zu halten, stellte diese doch ein unkalkulierbares Risiko dar. Mein Blut galt als so giftig wie Asbest im Gemäuer. "Behalte es für dich", sagten sie mir. "Lass nichts davon durchsickern." Die Nebeneffekte der Medikamente spülte ich vor der Arbeit regelmäßig in der Schultoilette herunter. Die besonders schlechten Tage verbrachte ich im Krankenhaus. Gewichtsabnahme bzw. -zunahme bedeutete entweder besonders gute oder besonders schlechte Stimmung, je nachdem ob sich ein Medikament als wirksam oder unwirksam herausstellte.

Als ich meinem Arbeitgeber mitteilte, dass ich auch weiterhin unterrichten wollte, legte man mir nahe, zu gehen – am besten durch die Hintertür – und mir eine kleine Auszeit zu nehmen. Man empfahl mir, mich zu verstecken.

Als ich meinem Hausarzt das erste Mal davon erzählte, dass ich transgender bin und durch eine Operation auch körperlich zur Frau werden wolle, lachte er mich tatsächlich aus und sagte: "In diesen harten Zeiten wird niemand die Kosten für eine geschlechtsangleichende Operation bei einer Person, die HIV-positiv ist, übernehmen." So etwas sollte jeder selbst entscheiden dürfen, aber Leute wie ich hatten nicht die Wahl. Man gab uns gerade genug Raum, um zu existieren. Zehn Jahre lang habe ich für mein Recht auf eine Operation gekämpft; ich habe mit meinem Hausarzt gesprochen, mit Privatkliniken in den USA und in Bangkok. Alle, in den zehn Jahren, sagten nein. Keine Versicherung wollte die Kosten für eine Operation an einem HIV-positiven Menschen übernehmen.

Ich habe damals bei 15 kosmetischen Chirurgen eine Brustoperation angefragt. Alle haben sie mich abgelehnt. Am Ende sah ich in den Spiegel und konnte eine Traurigkeit erkennen, die ich zuvor noch nie an mir bemerkt hatte. Ihre ablehnende Worte hatten sich unter meine Haut gefressen, und dort, wo eigentlich ein Paar Silikonimplantate hätten sein sollen, hatte sich das Stigma breit gemacht.

Dennoch richtete ich mich wieder auf, hielt den Kopf hoch und atmete tief ein und sagte mir selbst: "Mach einfach weiter Juno. Mach einfach weiter."

Eines Tages versuchte ich es bei einem anderen Chirurgen, erklärte dass ich transgender sei und eine Operations wolle. Diesmal hatte ich mich vorbereitet, hatte das Gesetz und meine Rechte studiert und war gewappnet – verständlicherweise. Aber es kam anders als befürchtet: Er sagte ja. Die Türen standen mir offen. Ich war willkommen.

Mit meiner Geschichte möchte ich anderen helfen

Ich erzähle meine wahre Geschichte. Ich versuche, sie so ehrlich wie möglich aufzuschreiben, auch wenn es unangenehm und schmerzhaft ist und sich anfühlt als wäre die Wunde noch immer ganz frisch. Ich schreibe sie auf, weil ich glaube, damit vielleicht anderen helfen zu können, die ebenso in den Vorurteilen anderer gefangen sind.

Ich hätte mir nach all den Schwierigkeiten, mit denen ich zu kämpfen hatte, jedoch niemals vorstellen können, dass ich mich selbst und meine Worte wenige Tage nach ihrer ersten Veröffentlichung vor sogenannten Internet-Trollen verteidigen müsste.

Ein Troll ist im ursprünglichen Sinne ein Wesen aus der skandinavischen Mythologie, eine buckelige Kreatur oder eine Art Riese, welcher unter einer Brücke lebt und darauf wartet, hervorzuspringen, sobald jemand vorbeikommt. Ein Troll macht sich seine Größe und Arglist zunutze, um andere anzugreifen, zu erschrecken und sie schließlich zu fressen. Der Mythos um Trolle hat durchaus etwas Kindliches und Kindisches an sich. Er ist brutal, stark vereinfacht und ebenso verhängnisvoll. Im Hinblick auf andere Mythen fehlt es ihm aber an erzählerischer Bedeutung. Trolle dienen häufig nur als Mittel, um der Geschichte einen gewissen Schrecken zu verleihen.

Ich frage mich, ob die Leute, die sich selbst als Troll und ihr Verhalten als Trollen bezeichnen, sich auch selbst als kindisch, gefühllos und dazu fähig begreifen, verheerende Tiefschläge zu verpassen wie ein unhandlicher, hölzerner, überdimensionaler Schlagstock. Als die Leute mich in der Vergangenheit abgelehnt haben, ging es häufig um Kraft und Kraftlosigkeit. Ich wurde als kraftlos angesehen, während sie selbst die Macht hatten. Sie haben über mich gelacht.

Welche Absicht steckt dahinter?

Als die Trolle mich online angegriffen haben, weil ich transgender bin, weil ich Mutter sein wollte, weil ich über meine Vagina sprach, weil ich eine Drogenvergangenheit hatte und weil ich HIV-positiv bin, habe ich mich oft gefragt, welche Absicht dahinter steckte.

Versuchen sie, die Worte aus mir herauszuprügeln?

Versuchen sie, mir den Freiraum, für den ich lange und hart gekämpft hatte, wieder wegzunehmen?

Versuchen sie mir zu sagen, dass meine Geschichte nur eine Lüge sein muss und dass sie die alten Verhältnisse wiederherstellen wollten, die mich ausschlossen und an den Rand der Gesellschaft drängten?

Versuchen sie das Gleiche zu tun wie der mythologische Troll? Versuchen sie mir Angst zu machen vor Dingen, die ich nicht beeinflussen und kontrollieren kann?

Oder versuchen sie einfach alles und jeden loszuwerden, der nicht in ihre Vorstellung von der Welt passte?

Ich habe nie behauptet, genau wie du zu sein, lieber Troll. Ich habe unsere Unterschiede lebhaft erfahren. Ich verstehe nur nicht, warum auch manche Frauen versuchen, durch patriarchisch durchtränkte Aggression Menschen wie mich aus diesem kreativen Raum zu vertreiben. Ihr habt mich verrückt genannt, ich würde spinnen, ich wäre geistesgestört, ein Mann, ein abgefucktes Mann-Frau-Zwischending. Eine Person, die niemandem etwas beibringen könnte, die nicht mal in der Nähe eines Kindes sein sollte, die sich Illusionen macht, die eine Gefahr für alles darstellt, was eine Gesellschaft ausmacht: Ob für Männer, Frauen, Kinder, Weiblichkeit, Männlichkeit, Feminismus.

Ich bin in einem ziemlich rauen Umfeld aufgewachsen. Bildung war mein Ausweg, Worte verschafften mir Freiheit, und durch den Feminismus der Siebzigejahre, der von einem kleinen, runden, weißen Fernseher ausgestrahlt wurde, erfuhr ich das erste Mal Wahrheit in einer Welt, in der ich mich so alleine fühlte. Mein Selbstbild wurde von jenen Frauen auf dem Bildschirm geprägt, von denen mein Vater, in all seiner zerbrechlichen Männlichkeit, so erschüttert war. Wenn ich heute darüber nachdenke, dass mein Dasein als das komplette Gegenteil dessen gesehen wird, macht mich das sehr traurig.

Ihr Trolle mögt mich verletzen, aber ihr werdet mich niemals unterkriegen.

Aus dem Englischen übersetzt von Anna Hackbarth.



#1 RobinAnonym
  • 15.06.2017, 09:45h
  • Solches Mobbing muss beendet werden. Notfalls mit Strafen.

    Mobbing mag manche Menschen stärker machen, aber viele andere macht es kaputt und ruiniert ihre Gesundheit oder treibt sie gar in den Tod.

    Das muss endlich ein Ende haben.
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#2 KottirottiAnonym
  • 15.06.2017, 10:35h
  • Antwort auf #1 von Robin
  • Dann geh´ doch mal als Hilfskraft in irgendeine Berliner Realschule und sieh dir an, was da wirklich täglich abgeht. Und danach kannst du mir mal verraten, ob und wie du die ganzen Kinder einsperren willst, die andere Kinder täglich schikanieren, demütigen, misshandeln bepöbeln, fertig machen und malträtieren! Nicht dieses ständig nachplappernde Geschrei nach härteren Gesetzen, lächerlich. Hast du den Heiko Maas eigentlich mal live gesehen? Da kriegen die 12 jährigen aber sofort richtig Angst, wenn sie den sehen!
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#3 JustusAnonym
  • 15.06.2017, 10:54h
  • Ob diese Frau mal als Mann geboren wurde und ob sie eine Krankheit hat oder nicht, hat auf das Leben anderer Menschen null Einfluss.

    Das betrifft nur ihr Leben und das Leben ihres Partners oder ihrer Partnerin.

    Wieso fühlen sich dann also manche Menschen berufen, ihr Leben kommentieren zu müssen und sich ein Urteil darüber anzumaßen? Oder sie gar zu mobben.

    Das betrifft diese Leute doch gar nicht, also hat es ihnen auch egal zu sein.
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#4 OrthogonalfrontAnonym
  • 15.06.2017, 11:18h
  • Eine die so hart und letztlich erfolgreich im Real Life gekämpft hat, sollte solche Internet-Trolle einfach ignorieren. Das ist ein sinnloser Kampf an völlig falscher Stelle, der den Trollen nur exakt das gibt, was sie wollen. Stattdessen sollte sie sich fragen, was sie bei einem "Sieg" über die Trolle überhaupt erreichen würde. Die Antwort: Außer einer gewissen kurzweiligen Befriedigung überhaupt gar nichts. Sozusagen exakt das was die Trolle wollen, nur umgekehrt. Lieber weiter im Real Life für die gute Sache und das eigene Wohl kämpfen und das Internet immer dann links liegen lassen, wenn es einem keinen Spaß mehr macht.
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#5 PositivAnonym
  • 15.06.2017, 12:25h
  • Das ist ein starkes Statement und das darf gerne auch mal an diejenigen gerichtet sein, die sich mit ihrem «shitstorm» im Internet angeblich so sicher fühlen. Sie sehen die Person nicht, die sie angreifen, sie haben keinen Auge-zu-Auge Kontakt und das scheint denen angeblich Macht zu verleihen und all ihren eigenen Frust auf eine Person zu richten, die zum Beispiel ein Facebook-Profil hat. Und wenn sie dann zusätzlich noch Eigenschaften besitzt, die von vielen immer noch nicht akzeptiert werden können, dann wird sie erst recht von solchen «shitstorms» regelrecht überfallen.

    Das ist wirklich etwas, wo man sich kräftig dagegen stellen muss, deshalb finde ich den Text ihres Briefes eine gute und wichtige Antwort.
    Ich denke, ignorieren wäre in diesem Fall wie es die Frau im Artikel erlebte, nicht richtig. Denn sie erlebte einen Angriff, der ihre Grenzen überschritten hat. Und wenn Grenzen überschritten werden, muss deutlich gesprochen werden.
    Somit ist ihr Brief an die Angreifer die passende Antwort.
    Man darf sich nicht alles gefallen lassen und jeder muss überlegen, an welchem Punkt die Grenzen überschritten sind und wann die Würde des Menschen angegriffen ist.

    Bei der Frau im Artikel wurde ihre Würde massiv angegriffen, also kam ihre Antwort per Brief.
    Das ist ein Zeichen von Stärke und gleichzeitig macht es diejenigen schuldig, die angegriffen haben - und das ist lobenswert. Wer angreift, macht sich schuldig!

    Das erinnert mich an manche Artikel hier, wo sich entweder Kommentatoren gegenseitig angriffen, oder wo die Person angegriffen wurde, um die es im Artikel ging!
    Eine Politikerin, die sich für uns einsetzte, wurde angegriffen - um sie ging es im Artikel.
    Eine Prälatin wurde mit viel Kritik überhäuft, die sich ebenso für uns einsetzt, und zusätzlich wurde die Kommentatorin kritisiert, weil sie verstanden hatte, dass sich die Prälatin gegen Diskriminierung stellt.
    Dann wurden zwei Kommentatorinnen wiederholt in ihrer Würde angegriffen.
    Die eine behielt ihren Nicknamen, die andere meldete sich ab und schreibt nun anonym.

    Ich denke, auch hier, müssen die primitiven Kommentare aufhören. Die Beleidigungen, die Erniedrigungen, die derbe Sprache, das fast mundtot machen, weil jemand anders denkt, oder eine andere Sichtweise zu einem Thema hat.

    Worte wie «angepisst, Schaum vor dem Mund, shit, ihr seit rechts, ihr seit links, du bist faschistisch, kacke, du bist dumm, ihr Weiße, Mädchen, Mädel, Weiber, ....etc., das ist keine Nettiquette.

    Und die Angriffe gegenüber Frauen, das Fernhalten von Informationen für Frauen, das Bevorzugen von Männerthemen, das bevorzugte Zeigen von Bildern mit Männern, stellt eine Benachteiligung und eine Diskriminierung gegenüber Frauen dar.

    Übrigens gibt es zu wenig Artikel für Transsexuelle, Transgender, Bisexuelle, etc.

    Es wäre schön, mehr Vielfalt zu zeigen, im ausgeglichenen Maß, ohne dass jemand zu kurz kommt!
    Als Beispiel: wenn es einen Artikel über Penisse gibt, dann darf es auch einen Artikel über Brüste geben.
    Wenn es einen Artikel über das Thema schwul sein gibt, dann darf es auch einen Artikel über lesbisch sein geben.
    Gibt es einen Artikel über Bisexuelle, dann darf es auch einen Artikel über Transsexuelle geben.

    Alles andere wäre sonst nur einseitig und wäre nicht mehr der LSBTTIQ Lobby entsprechend.
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#6 Homonklin44Profil
  • 15.06.2017, 14:08hTauroa Point
  • ""Oder versuchen sie einfach alles und jeden loszuwerden, der nicht in ihre Vorstellung von der Welt passte?""

    "Trolle" sind oft ganz im Geiste ärmliche Persönlichkeiten, die sich daran hoch ziehen, andere an deren vermeintlichen Schwachstellen zu packen, und sie herunter zu treten. Man kann sie mit Leuten gleichsetzen, die andere hänseln und mobben, und daraus eine Art Befriedigung ziehen. Sie begegnen einem leider ja auch in den eigenen Reihen, sobald man Eigenschaften preis gibt, die aus deren Sicht nicht richtig sind, nicht en vogue, oder aus dem präferierten Weltbild heraus ragen.
    Man nehme den auffälligen Umgang mit so genannten "Tunten" oder mit der Drag-Fraktion als Beispiel. Oder siehe Fetisch-Leute. Beziehungen mit hohem Altersunterschied ect. Man erscheint damit für "Trolle" unverständlich und gerne inakzeptabel, es ist dasselbe Problem weiter gereicht nach innen, das Homophobe und Transphobe internalisiert tragen, weswegen sie Menschen nicht als Menschen wahrnehmen, sondern an einigen ihrer Eigenschaften wertbemessen.

    ""Ich habe nie behauptet, genau wie du zu sein, lieber Troll. Ich habe unsere Unterschiede lebhaft erfahren. Ich verstehe nur nicht, warum auch manche Frauen versuchen, durch patriarchisch durchtränkte Aggression Menschen wie mich aus diesem kreativen Raum zu vertreiben. Ihr habt mich verrückt genannt, ich würde spinnen, ich wäre geistesgestört, ein Mann, ein abgefucktes Mann-Frau-Zwischending. Eine Person, die niemandem etwas beibringen könnte, die nicht mal in der Nähe eines Kindes sein sollte, die sich Illusionen macht, die eine Gefahr für alles darstellt, was eine Gesellschaft ausmacht: Ob für Männer, Frauen, Kinder, Weiblichkeit, Männlichkeit, Feminismus.""

    Weil das die Ängste sind, die solche Personen in Abwehrhaltungen werfen. In der Tat geht es doch zumeist um einfach gestrickte Geister, die mit ihrem begrenzten, ich-zentrierten Weltbild und dem Zuhalt daran ihre einzige Identitätsgröße verbinden. Unsicher in sich selbst, fühlen sie sich von Anderem bedroht, aus ihrer Weltvorstellung etwas abtreten zu müssen, würden sie wen mit andersartigen Eigenschaften einfach so akzeptieren, wie sie ist. Die fürchten sich praktisch immerzu vor dem Zusammenbruch dessen, was sie als Regelsystem ihrer Welt als Vertrautheit kennen.
    Zumindest versuche ich das als Erklärweg, es kann einer von Verschiedenen sein.

    Bei vielen als "Trolle" Auffälligen habe ich auch einfach nur den Eindruck, es sind strunzdumme, saudämliche Charaktere, oder dressierte Kapuziner-Äffchen, denen irgend ein kloppenhohler Muhackl beigebracht hat, bestimmte Wörter und Satzbausteine einzutippen!

    Einen großen Anteil nimmt leider auch der Zeitgeist mit seiner Auslegung der Normbegriffe und dem Hang dazu, jeden und alles zu diagnostizieren, zu pathologisieren, und die natürliche Vielfalt in optimal und minderklassig einzuordnen. Das wiederum befeuert begrenzte Weltbilder bei denen, die sowieso kein Interesse daran haben, mal über Tellerränder zu schauen.

    HIV hat in der Vorstellung etlicher Menschen immer noch eine Stellung, die dem Aussatz oder der Beulenpest nahe gereicht. Auch die Mediziner sind von der Angst vor einer Übertragung während ihrer Arbeit nicht zwingend ausgenommen.
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#7 AmurPrideProfil
  • 15.06.2017, 15:13hKöln
  • Antwort auf #2 von Kottirotti
  • Hallo Kottirotti.

    Ich bin mir nicht sicher ob Robin in seiner Forderung nach Bestrafung in erster Linie an Kinder gedacht hat. Ich vermute eher er bezog sich auf die im Artikel angesprochenen Trolle, die höchstwahrscheinlich ja größtenteils erwachsen sein dürften.

    Aber mal davon völlig abgesehen davon:
    Ich finde sehr wohl, das auch das mobbing von Jugendlichen bestraft werden sollte!
    Denn wer als Jugendlicher für das mobbing keine Sanktionen erfährt, wird als Erwachsener dann erst recht nicht davon ablassen wollen, oder?

    Und als 16 jähriger offen schwul lebender Emo erlebe ich genau das, was Du so zutreffend beschreibst, fast täglich. Zwar nicht nur in der Schule, aber besonders dort. Und mobbing in der Schule empfinde ich als besonders schlimm! Denn ich muss jeden verdammten Tag wieder hin und mich meinen Peinigern aus's neue stellen.
    An "guten" Tagen gelingt es mir meine Peiniger mit meiner Mischung aus verbaler Schlagfertigkeit und Humor ins Abseits zu stellen und so die "neutralen" Mitschüler auf meine Seite zu ziehen.
    An "schlechten" Tagen geht meine ganze Kraft dafür drauf meine Peiniger nicht merken zu lassen wie sehr mich ihr Hass und ihre Hetze verletzen.

    Und ich bin echt dankbar dafür, das ich inzwischen in meiner Klasse voll akzeptiert und integriert bin. Wer weiß schon, ob sich die Lehrer ohne mein outing jemals dazu aufgerafft hätten sich ernsthaft mit dem Thema mobbing und sexuelle Orientierung zu beschäftigen. Aber durch ihre und durch die Hilfe von SCHLAU.de habe ich inzwischen an meiner Schule eine ganze Menge an Sympathisanten und Unterstützern gefunden, die mich an meinen "schlechten" Tagen verteidigen und auffangen.

    Ganz genauso wie die Autorin Juno Roche empfinde ich mich als richtig, genau so wie ich bin! Ich habe das gleiche Recht hier zu sein, wie alle anderen. Und wer mit mir nicht klar kommt, der hat eben Pech gehabt. Sein Problem und sein Verlust! Soll er doch weggehen, denn ich werde bleiben!

    Trotz aller Gefahren, Verletzungen und Hass bin ich zutiefst davon überzeugt, dass ich, wenn ich schwul, authentisch und glücklich leben will, mich nicht verstecken darf! Daher war Wegducken, Verstecken oder gar hetero-normativen Erwartungshaltungen zu entsprechen, sehr schnell keine ernsthafte Option für mich! Mobbing hin oder her!
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#8 Trans*guyAnonym
#9 BeißreflexAnonym
#10 KeokiAnonym
  • 15.06.2017, 21:16h
  • Respekt! Dazu gehört ein sehr gutes Selbstvertrauen in einer solchen Situation an die Öffentlichkeit zu gehen.
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