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Mr. Barihunks im Interview

Opernsänger als Sexobjekte

Ein schwuler Opernfan gründete vor zehn Jahren das Blog "Barihunks". Kevin Clarke sprach mit ihm über den Wandel in der Opernwelt, die Wichtigkeit des Aussehens für die Karriere und Sänger, die Schwanzfotos schicken.


Der kalifornische Opernsänger und Schauspieler Zachary Gordin in einem Fotoshooting für einen Barihunks-Charity-Kalender. Der Betreiber des homoerotischen Blogs bleibt anonym und nennt sich nur Mr. Barihunks (Bild: Bradford Rogne)

Du hast dein Blog Barihunks vor zehn Jahren begonnen. Es widmet sich knackig gebauten Baritonen, die eine sexy, sportive und jugendliche Version von Oper vermitteln. Was hat dich damals inspiriert, solch ein Blog zu starten?

Die Idee entstand während eines Gesprächs zwischen einem Freund in New York und mir in San Francisco. Zufällig hatten wir beide gerade Dmitry Hvorostovsky und Mariusz Kwiecien in unterschiedlichen Aufführungen gesehen und unterhielten uns darüber. Die Regisseurin Francesca Zambello hatte kurz davor den Begriff "Barihunk" in Umlauf gebracht, bezogen auf Nathan Gunn, der in ihrer Produktion von Bizets "Perlenfischern" mit nacktem Oberköper und stattlichem Brustumfang aufgetreten war.

Direktlink | Nathan Gunn gilt als erster Barihunk der Opernwelt

Mein Bekannter und ich machten darüber Witze und sagten, es wäre doch amüsant eine Art "Tribute Blog" für solche Sänger zu kreieren. Wir dachten, das würde vielleicht eine Handvoll Leute interessieren. Aber innerhalb weniger Wochen hatten wir so viel Traffic auf unserer Website, dass uns klar wurde, dass wir da offensichtlich einen Nerv getroffen hatten.

Gab es schon vorher etwas Vergleichbares, oder seid ihr etwas Neues in der Welt der klassischen Musik und Oper?

Mir ist nichts bekannt. Mich selbst haben die verschiedenen "bitchy" Opernblogs total abgestoßen, weil ich finde, Oper braucht eine positivere und unterhaltsamere Plattform. Wir haben deshalb sofort ein Mission Statement online gestellt. Da heißt es: "Keep opera positive! No bitchiness allowed! This industry is tough enough." (Gestaltet die Opernwelt positiv! Keine bösartigen Kommentare erlaubt! Dieses Geschäft ist hart genug.)

Seither gab's einige Nachahmer, zum Beispiel die Seite "Sexy Sopranos". Aber die hat es nie geschafft, sich durchzusetzen. Es handelt sich um etwas Einzigartiges, wenn's um einen hinreißend attraktiven Mann mit tiefer Stimme geht, der einige der schönsten Musikstücke singt, die jemals komponiert wurden. Das lässt sich schwer übertragen oder kopieren. (lacht)

Vielen ist nicht klar, dass wir unsere Seite auch nutzen, um Geld zu sammeln, damit wir junge Künstler und neue Kompositionen für Baritone oder Bässe unterstützen können. Wir tun das über den Verkauf von Barihunk-Kalendern und über T-Shirts. Unser Ziel ist es, eine wahrhaft positive Kraft in der Opernwelt zu sein.

Es gibt den berühmten Spruch: "Die Oper ist nicht zu Ende bis die fette Frau singt!" (Was sich auf Wagners "Tristan und Isolde" bezieht.) Viele Menschen assoziieren Oper eher nicht mit gut gebauten Sängern oder Sängerinnen. Aber du präsentierst eine nicht enden wollende Legion genau solcher Künstler. Wo kommen die alle auf einmal her? Hat sich 2007 etwas radikal verändert, das es früher nicht gab?

Ja, es hat sich etwas verändert, und zwar aufgrund von Fernseh- und Kinoübertragungen oder sonstigen Live-Streams von Opernaufführungen. Dadurch ist das Aussehen der Sänger immer wichtiger geworden. Mir hat mal ein Sänger gesagt: "Dadurch, dass ich auf deiner Website bin, habe ich einen Vorsprung gegenüber anderen. Wenn zehn von uns zu einem Don-Giovanni-Vorsingen kommen und wir alle ungefähr gleich gut sind, ich aber mit nacktem Oberkörper oder in Nahaufnahme besser aussehe, bekomme ich im Fall einer geplanten Fernsehübertragung oder DVD-Aufzeichnung vermutlich den Job." Es geht Regisseuren heute um Künstler, die sowohl stimmlich als auch körperlich überzeugen können. Das bedauern manche, aber rückgängig machen kann man es wohl nicht mehr.

Ansonsten gab es natürlich schon immer sexy Sänger in der Oper, seit dem 17. und 18. Jahrhundert. Man denke nur an die berühmten Kastraten: das waren Ikonen, die von den weiblichen (und männlichen) Zuschauern angehimmelt und wie Popstars zelebriert wurden. Auch für ihr extravagantes Aussehen. Im 20. Jahrhundert gab es ebenfalls viele historische Barihunks, die man auf Youtube bewundern kann. Ich nenne sie gern "Historical Hunks", denen wir auf unserem Blog eine eigene Rubrik gewidmet haben und die wir regelmäßig featuren.

Zu diesen Sängern gehören Gérard Souzay, Justino Diaz, Theodor Upmann, Paul Robeson (der auch berühmte Nacktaufnahmen gemacht hat!), Ettore Bastianini, Mario Sereni und der deutsche Roland Hermann. Was Stimme und Ausstehen angeht, so ist Ettore Bastianini für mich der sexyste Sänger, der jemals auf einer Opernbühne gestanden hat.


Burihunk Duncan Rock


Warum sind ausgerechnet Baritone so körperlich fit, und was ist mit den Tenören und Bässen?

Unser Mission Statement auf der Website lautet: "Wir wollen Baritone und Bassstimmen promoten, besonders aufstrebende Talente." Das heißt wir lieben Bässe und widmen ihnen sehr viel Platz. Was Tenöre angeht – oder "Hunkentenors", wie sie manchmal scherzhaft genannt werden – so überlasse ich es jemand anderem, ihnen eine Webplattform zu geben. (lacht)

Manchmal schummeln wir allerdings schon den ein oder anderen Tenor in unsere Kalender und auf unserem Blog rein. Das Foto von Tenor Glenn Seven Allen ist zweifellos eines der aufregendsten Bilder im diesjährigen Barihunk-Kalender. Es gab übrigens mal eine Hunkentenor-Website, da ging allerdings ziemlich schnell das Licht wieder aus.

Grundsätzlich glaube ich, dass Baritone eine besondere Ausstrahlung haben. Der Komponist Ricky Ian Gordon sagte mal über Baritone, es sei die Stimme des "all American man". Sowohl er als auch der schwule US-Komponist Jake Heggie schreiben alle ihre Opernhauptrollen für Baritone. Der exklusive Anspruch von Tenören auf die Hauptrolle ist ein Phänomen der Vergangenheit. Baritone und Bässe sind heute regelmäßig Zentrum der Stücke und Sympathieträger, nicht mehr nur die bösen Brunnenvergifter.

Um nochmal auf die Bässe zurückzukommen: Ich finde, dass einige der sexysten Sänger auf unserer Webseite Bässe sind, zum Beispiel Malte Roesner aus Deutschland. Er ist die Nummer sieben der am meisten angeschauten Sänger auf unserer Seite und regelmäßig in unseren Kalendern.

Wie wählst du die Barihunks aus, die du vorstellst? Wie bekommst du die Fotos?

Mir werden täglich Bilder zugeschickt, ebenso Barihunk-Hinweise. Dafür bin ich sehr dankbar. Als wir mit dem Blog anfingen, musste ich mir die Inhalte recht mühsam zusammensammeln. Inzwischen quillt mein Postfach über. Die Zuschriften kommen aus ganz unterschiedlichen Ecken. Manche Absender sind vorhersehbar: Sänger schicken selbst etwas oder ihre Kollegen, Boyfriends oder Freundinnen, Verlobte, die Marketingsabteilungen von Opernhäusern und Agenten.

Das Beste sind allerdings die Zuschriften von Müttern! Es vergeht kein Monat, wo sich nicht mindestens eine Mutter bei mir meldet, meist mit einer Nachricht wie: 'Ich weiß, dass ich voreingenommen bin, aber ich finde mein Sohn ist wirklich gutaussehend und definitiv ein Barihunk.' Mit einer Mutter bin ich regelmäßig in Kontakt, sie schickt mir jeden Monat ein Update zur Karriere ihres Sohns. Ich bewundere sie dafür sehr. Denn was ist schöner als die Liebe und der Stolz einer Mutter für ihren Sohn?


Burihunk Justin Hopkins

Aus welchen Regionen kommen die Zuschriften?

Etwa 80 Prozent der Einsendungen stammen aus den USA, gefolgt von Deutschland, Kanada, Australien und Großbritannien. Leider bekommen wir sehr wenig Post aus Lateinamerika, was ich persönlich bedaure, da ich ein großer Fan von Latino-Männern bin. (lacht)

Du lebst als schwuler Mann mit einem anderen Mann zusammen. Wie stark beeinflusst deine Homosexualität deine Faszination für Baritone? Und glaubst du, heterosexuelle Opernliebhaber wären auch auf die Idee gekommen, ein vergleichbares Blog zu starten?

Das ist eine faszinierende Frage. Intuitiv würde ich antworten, dass meine sexuelle Orientierung natürlich sehr viel damit zu tun hatte, die Seite zu starten. Allerdings hat sich meine Wahrnehmung diesbezüglich etwas verändert, denn ich habe inzwischen viel von den heterosexuellen Barihunks gelernt über Selbstwertschätzung und Fitness. Einige Sänger wie Keith Miller und Kasey Yeargain haben später selbst Fitness-Webseiten und Sportgeschäfte eröffnet, die nichts mit Homosexualität zu tun haben. Aber ich würde schon sagen, dass der Blog Barihunks zuerst da sein musste, um diese Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Gibt's ein weibliches Äquivalent zu Barihunks?

Für mich sind Mezzosoprane die weibliche Antwort. Es gibt tausende sexy Mezzos auf den Bühnen dieser Welt. Wir haben bei uns mal Joyce DiDonato als "Ehren-Barihunk" vorgestellt, mit einem entsprechenden T-Shirt. Sie ist aktuell auf DVD zu erleben mit dem Barihunk Jan Rekeszus, im Dokumentarfilm "Die Florence Foster Jenkins Story" von Regisseur Ralf Pleger. Da singt dann unser Ehren-Barihunk Joyce mit dem jungen Barihunk Jan ein Duett: "Like a Bird." Das ist wirklich toll. Sonst gibt's noch die junge Mezzosopranistin Laura Krumm, die nicht nur sexy ist, sondern eine der verführerischsten Stimmen besitzt, die ich in Jahren gehört habe.

Ist es ein Akt der schwulen Emanzipation, dass wir heute so offen unsere Faszination für attraktive Sänger aussprechen und diskutieren können, ohne uns dafür schämen zu müssen? Und wie reagieren die Sänger auf solche Bewunderung?

Ich würde es nicht unbedingt als Gay Liberation bezeichnen. Regisseure habe ihre Vorliebe für attraktive und oft sogar nackte Sänger auf der Opernbühne zu einem ziemlich regelmäßigen Phänomen gemacht, besonders in Deutschland. Die meisten Sänger lieben es, bewundert zu werden. Schließlich erwartet jeder, der sich auf eine Bühne stellt, Wertschätzung und Bewunderung.

Neulich hat mich ein Gespräch mit einem Barihunk überrascht, den ich bei meinem Deutschlandbesuch traf. Er sagte zu mir: "Ich habe nichts dagegen, auf der Bühne angehimmelt zu werden, wenn ich da ohne Hemd mit nacktem Oberkörper stehe. Aber es ist mir unangenehm, so für einen Kalender zu posieren." Wenn man ihn wie ein "Beefcake" bewundern würde, sagte er, dann würde er sich wie eine Frau fühlen, die man zum reinen "Sexobjekt" degradiert, nur weil sie attraktiv ist, unter völliger Ausblendung ihrer sonstigen Eigenschaften.


Burihunk Jan Rekeszus (Bild: Dennis König Photographie)

Typischerweise waren "Operntunten" der Vergangenheit – wie sie Wayne Koestenbaum in seinem Buch "The Queen's Throat" oder Terrence McNally im Theaterstück "The Lisbon Traviata" beschreiben – Anbeter von Sopranen wie Maria Callas oder Renata Tebaldi. Bist du mit deinen Baritonen der nächste Schritt in der queeren Opern-Evolution?

Ich gestehe, dass ich auch als typischer Diven-Anbeter angefangen habe: der absolute Klassiker eines schwulen Mannes, der starke, leidenschaftliche, überlebensgroßefemmes fatales bewunderte. Heute finde ich das ein bisschen passé. Was ich am Barihunks-Phänomen liebe, ist dass es sowohl Männern als auch Frauen anspricht, schwule genauso wie heterosexuelle.

Da viele der Fotos, die du postest, stark homoerotisch sind, frage ich mich: Sind die meisten deiner Besucher nicht schwule Männer?

Soweit sich das statistisch klären lässt, haben wir eine 50/50-Verteilung zwischen Männern und Frauen. Viele unsere heterosexuellen männlichen Follower sind besessen von Fitness, Ernährung und Training. Wir hatten mehrere Artikel über Sänger, die von "Bari-Chunks" zu "Bari-Hunks" mutierten, also von übergewichtigen Sängern zu körperlich extrem fitten Männern. Diese Artikel hatten zehnmal so viel Traffic wie unsere sonstigen Posts. Die meisten Reaktionen, die wir auf diese Artikel bekamen, stammten von Heteromännern, die uns dankten, dass wir sie inspiriert hätten, sich ebenfalls in Form zu bringen und damit ihr Selbstwertgefühl zu steigern.

Gab's auch mal homophobes Feedback?

Eigentlich so gut wie nie. Wir hatten nur einen Sänger, der uns bat, ein Foto zu entfernen, weil es seine religiösen Überzeugungen verletzte.

Wir hatten mal eine Reihe von "Barihunk Lunches", wo wir eine Gruppe von Sängern mit tiefen Stimmen versammelten, um beim Mittagessen über alle möglichen Dinge mit Fans zu diskutieren. Dabei fiel mir auf, wie unkompliziert schwule und heterosexuelle Männer miteinander auskommen können. Die zogen sich gegenseitig auf, warfen sich sexuelle Witze und Anspielungen an die Köpfe. Ich glaube, da hat sich ein echter Generationswechsel vollzogen. Für viele Opernsänger spielt die sexuelle Orientierung keine Rolle mehr. In der Hinsicht ist das Operngeschäft – meiner Meinung nach – der Restgesellschaft um Jahre voraus.

Bedient der Opernbetrieb die Bedürfnisse heterosexueller Frauen adäquat?

Mir gefällt am Blog Barihunks, dass es Frauen die Gelegenheit gibt, nicht nur über die Körper von Sängern zu sprechen, sondern sie offen anzuhimmeln und das lautstark zu verkünden. Einige der provokativsten Kommentare und Emails stammen von Frauen – und die wissen sehr genau, was ihnen gefällt! Auffallender Weise werden Heterofrauen und Schwule von total unterschiedlichen Sängern angezogen. Frauen fahren völlig ab auf Baritone wie Nathan Gunn und Thomas Hampson. Bei Schwulen hält sich die Begeisterung bei diesen Herren eher in Grenzen. Was amüsant zu beobachten ist. (lacht)

Wenn man sich ein typisches Opernpublikum anschaut, so besteht es hauptsächlich aus Schwulen und Frauen. Beide Gruppen lieben attraktive Männer mit kraftvollen, tiefen, männlichen Stimmen. Davon kann es nie genug geben! Und mich freut es sehr, dass im Opernbetrieb – auch mit Hilfe meines Blogs – das Image von fitten, virilen Männern ein neuer Standard geworden ist, der das alte Stereotyp ersetzt hat von übergewichtigen Wagner-Sopranen mit behornten Helmen und Speeren in der Hand.

Wo leben die Leute, die deine Website besuchen?

Da, von wo auch die meisten Zuschriften kommen. Aber wir haben stark ansteigende Zahlen in Russland und Osteuropa.


Burihunk Xavier Edgardo


Du hast mal erzählt, dass einer deiner erfolgreichsten Posts ein rothaariger Sänger war. Warum sind ausgerechnet rote Haare bei Baritonen interessant?

Ich verfolge die Statistiken meiner Seite ziemlich genau und wähle entsprechend aus, was ich poste und was nicht. Es gibt offensichtlich bestimmte "Typen", die besonders leidenschaftliche Gefolgschaft hervorrufen. Rothaarige Sänger fallen in diese Kategorie. Außerdem haarige Männer, glattrasierte Männer, asiatische Sänger und Sänger im Anzug.

Wie viele asiatische Barihunks gibt es denn – und wie sieht's mit Schwarzen, Arabern oder sonstigen ethnischen Gruppen aus?

Ich bin mir bewusst, wie wichtig Diversity ist, und ich probiere, diese so viel wie möglich abzubilden auf unserer Seite. Wir hatten viele Artikel über afro-amerikanische und asiatische Sänger. Arabische Baritone scheint es nicht zu geben. Wenn jemand einen kennt, würde ich mich über eine Nachricht freuen!

Besprechen deine Besucher eigentlich nur körperliche Vorzüge oder auch stimmliche Leistungen?

Man kann keinen Opernblog betreiben und nicht über Stimmen sprechen. Es geht schon zuallererst um die Stimmen.

Was hat sich seit 2007, als du angefangen hast mit deinem Blog, im Operngeschäft verändert?

Der gravierendste Wandel ist die Zugänglichkeit von Oper. Ich sitze jetzt in Kalifornien und beantworte deine Fragen für queer.de, während auf meinem Laptop eine Übertragung von Rossinis "Semiramide" aus Frankreich läuft. Das Barihunk-Phänomen ist direkt damit verbunden, dass viele Menschen ihre Opern heute auf TV-Bildschirmen, Laptops und im Kino konsumieren. Oper hat sich zu einer "visuellen Medienkunstform" verwandelt, während es früher mehr eine Live-Kunstform war, wo man Sänger im Theater bewunderte, die nicht über Mikrofon und via Kamera wirken mussten.

Die Art und Weise, wie du Sänger präsentierst, hat etwas Popkulturelles, fast wie eine "Bravo" für Opernfans. Wieso sehen klassische deutsche Opernmagazine wie "Opernwelt" im Vergleich so altbacken aus?

Ein Grund für unseren Erfolg ist, dass Barihunks definitiv nicht altbacken aussehen. Außerdem nehmen wir uns selbst nicht zu ernst, respektieren aber trotzdem die Kunstform. Und wir versuchen, immer informativ zu sein. Das entspricht nicht dem, was ich in Deutschland sehe in Bezug auf die Vermarktung von Oper. Da stehen oft 80-jährige Dirigenten oder uralte Regisseure im Vordergrund, während man in den USA und in Kanada viel mehr Sänger im Fokus hat. Große US-Opernmagazine wie "Opera News" präsentieren Sänger in Hollywood-artigen Fotostrecken und mit Glamour-Titelseiten. Und sie bringen oft junge, attraktive, aufstrebende Talente. Wenn ich deutschsprachige oder überhaupt europäische Opernmagazine aufschlage, habe ich oft das Gefühl, ich müsste erst mal den Staub von den Seiten wegblasen.

Was war die unangemessenste Barihunk-Email, die du je bekommen hast?

O Gott! (lacht) Es gab da einen britischen Bariton, der ziemlich berühmt ist, der mir dauernd Fotos von seinem Schwanz schickte. Ich weiß nicht, ob das ein Witz sein sollte oder nicht. Aber er behauptete felsenfest, er würde das tun, weil er unbedingt auf unsere Website kommen wollte. Dabei posten wir nie Nacktfotos, nur wenn sie in Zusammenhang mit einer Opernaufführung stehen.

Außerdem bekomme ich manchmal "Rachefotos". Das ist verstörend, und ich toleriere das auch nicht. Mir hat mal eine Sopran-Sängerin eine ganze Reihe von Nacktbildern von ihrem Ex geschickt, einem veritablen Barihunk. Sie wollte, dass ich die Aufnahmen veröffentliche. Ich habe ihr gerichtliche Schritte angedroht und letztlich einen Brief meines Anwalts geschickt. Denn solches Material zu versenden, ist unpassend, und es zu posten, ist gesetzeswidrig!


Und noch einmal Burihunk Nathan Gunn

Würde es dich stören, wenn ein Barihunk Pornos dreht? Und wie offen ist der Opernbetrieb bezüglich Pornoausflügen von Künstlern?

Na ja, es gab die Oper von Gordon Beeferman, "The Enchanted Organ: A Porn Opera". Mit einer Figur namens Avery Dick. Sie wurde in New York aufgeführt. In den Niederlanden gab es kürzlich eine Opernproduktion von Sjaron Minailo in der Kunsthal Rotterdam, der Titel war "Pornographia". Wenn es für solche Themen ein Publikum gibt, wird so etwas auch aufgeführt.

Ich kenne einen Sänger, der ernsthaft darüber nachgedacht hat, sein Einkommen mit Pornos aufzubessern. Er war aber weise genug, sich dagegen zu entscheiden. Ich glaube, es hätte seiner Opernkarriere geschadet. Mir ist auch ein Amateurvideo eines Barihunks bekannt, das die Runde gemacht hat und ziemlich ernste Probleme für den Agenten kreierte. Der Sänger hat sich wegen dieses Videos fast ein wichtiges Rollendebüt an einem großen Haus verscherzt.

Wird's mal ein Buch geben über deine Zeit als Mr. Barihunks – wo all solche Insider-Geschichten vorkommen?

Ich glaube nicht, dass so ein Buch jemanden interessieren würde. Aber ich denke ernsthaft darüber nach, die Webseite zu schließen und das Ganze in eine Stiftung umzuwandeln, die junge Künstler und Komponisten fördert.

Hast du eine Lieblingskomposition für Bariton?

Ich liebe es besonders, wenn zwei tiefe Stimmen zusammen singen, zum Beispiel das Duett Attila-Ezio "Tardo per gli anni" aus Verdis "Attila". Oder das Duett zwischen König Philip und dem Großinquisitor aus Verdis "Don Carlos". Was Solo-Arien angeht, habe ich eine Schwäche für Don Giovannis Serenade "Deh, vieni alla finestra", gesungen von Mariusz Kwiecien oder Dmitry Hvorostovksy. Dann wären da noch Wotans Abschied und Hamlets Trinklied, gesungen von Stéphane Degout oder Simon Keenlyside.

Aus dem zeitgenössischen Repertoire ist mein Lieblingsstück Clint Borzonis Lied "Stufen", mit einem Text von Hermann Hesse, gesungen von Marco Vassalli.

Direktlink | Das zeitgenössische Lieblingsstück von Mr. Barihunks



#1 Gpeterjoachim
  • 15.06.2017, 17:16h
  • Eine fabelhafte Idee!!!
    Und vielleicht ein Anstoß für junge Menschen sich über Personen für die Opernwelt zu interessieren und zu "sehen", dass es nicht nur Schlager und sonstige "moderne" Musik und Stars gibt sondern auch herrliche Opern und zauberhafte Stimmen !
    Es wäre schön wenn sich daraus junge Menschen zusammen finden die ihre Liebe zur Oper entdecken und die Zukunft der Opernbühnen sichern.
    Ich bin zuversichtlich!
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#2 QuaelgeistAnonym
  • 17.06.2017, 00:49h
  • Besser nicht. Auf dem ersten Blick wirkt es gewiss nett. Aber in Zeiten von Trump sollte doch auch mal auf Bildung und Inhalte geschaut werden. Oper behandelt neben Wichsvorlagen immer auch die Grundfragen des Lebens wie Moral, Gewissen, Macht und Liebe. Wer ficken will, soll in die Sauna gehen.
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#3 Querdenker1987Anonym
  • 18.06.2017, 03:22h
  • Ich sehe das eher mit gemischten Gefühlen.

    Klar, die Typen sind toll anzuschauen. Keine Frage. Aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, ob man immer alle Bereiche der Gesellschaft immer so stark sexualisieren muss. Mein Eindruck ist, dass die Musik bei all diesem Körperkult fast schon zur Nebensache wird. In meinen Augen ist das manchmal einfach too much. Aber ich denke mal, in der heutigen Zeit wird eben nahe zu alles über das Motto "Sex sells" kommerzialisiert und vermarktet.

    Ich fände es besser, wenn sich die Sänger einfach auf das Wesentliche (Stimme und Gesang) kontrieren. Wenn ich geile Athleten mit Sixpack sehen möchte, kann ich mir auch Aktfotos oder einen Porno ansehen. Dafür würde ich nicht in die Oper gehen.
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