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Aufbruch in der Ukraine

Kiew: Friedlicher CSD trotz Drohungen und Gegenprotest

Trotz massiver Einschüchterungen durch Nationalisten demonstrierten mehrere tausende Menschen für LGBTI-Rechte, darunter eine Delegation aus München.


Noch kommt der Pride auf mehr Polizisten denn auf Teilnehmer (Bild: Alex Kokcharov / twitter)

Mehrere tausend Menschen, nach Angaben der Polizei rund 2.500 und wohl etwas weniger als erhofft aber mehr als im Vorjahr, haben am frühen Sonntagmorgen beim CSD in Kiew für die Rechte von LGBTI demonstriert. Tausende Polizisten mehr schützten den rund einstündigen "Marsch für Gleichberechtigung" durch die Innenstadt. Das Motto: "Die Ukraine ist ein Land für alle" – es geht noch um Grundsätze.

Direktlink | Eindrücke des Tages von Euronews

Um die ganze Demonstration, an der erstmals auch ein Wagen mit Dragqueens teilnahm, herum hatten Polizisten zum Schutz eine Kette gebildet. Vor einer Gegendemonstration von Nationalisten mit vielleicht 100 Teilnehmern, die den CSD blockieren wollten, bog die Pride-Demo einfach vorab in eine andere Straße ab, um später zur ursprünglichen Route zurückzukehren.

Twitter / apostrophe_ua | Der Beginn der Demo von oben

Am durch noch mehr Polizisten und Gitter weiträumig abgesperrten Platz, an dem die Demo endete, waren den Livebildern zufolge keine Nationalisten mehr zu sehen. Einige Bürger beschwerten sich über die Absperrung, die auch einen U-Bahnhof betraf, von dem aus die CSD-Teilnehmer sicher aus der Innenstadt eskortiert wurden.

Teilnehmer von CSD und Gegendemo mussten zuvor durch umfassende Kontrollen, den Nationalisten wurden laut Polizei eine Menge Reizgasbehälter, Eier und Farbsprüher abgenommen. Vor CSD-Beginn hatten die rechten Protestler einige hetzende Äußerungen gegenüber den Medien abgegeben und auf eine Regenbogenflagge mit Füßen eingetreten und diese angezündet; ob die Flagge einem Pride-Teilnehmer entrissen wurde, wie einige Medien schrieben, oder zu dem Zweck mitgeführt wurde, wie andere schrieben, ist unklar. Während mehrere Gegendemonstranten festgenommen wurden, konzentrierte sich die Berichterstattung der Medien, auch in Live-Videos, schnell auf den CSD und die friedlichen Botschaften seiner Teilnehmer.


Mal wieder musste eine Regenbogenflagge dran glauben

Noch am Samstag hatten mehrere LGBTI-Organisationen Drohungen per E-Mail von mutmaßlichen Nationalisten erhalten: "Wir werden euch alle finden", man habe alle Daten der Veranstalter. Die Webseite der Gay Alliance wurde gehackt und durch eine Bildmontage mit erhängten Schwulen und eine "Kriegserklärung" ersetzt, die Gewalt gegen alle Pride-Teilnehmer androhte: Die Abhaltung wäre ein "tragischer Fehler". Die Polizei ermittelt.


Die Warnung, wie sie auf der gekaperten Webseite präsentiert und in E-Mails an Pride-Verantwortliche geschickt wurde

Wie in den letzten Jahren war zum CSD wieder eine Delegation aus München zu Gast, darunter die grüne Stadträtin Lydia Dietrich. Die Gruppe berichtet über ihre Erlebnisse während der gesamten Pride-Woche in einem Blog. Auch von der deutsch-russischen Gruppe Quarteera waren mehrere Teilnehmer angereist. Mehrere Botschafter, darunter der kanadische und die britische, nahmen am Sonntag an der Demo teil; die Pride-Woche zuvor hatten mehrere Botschaften unterstützt, darunter die deutsche. Bereits eine Eröffnungsveranstaltung war vor einigen Tagen von einem kleinen Gegenprotest begleitet worden, bei dem ebenfalls eine Regenbogenflagge verbrannt wurde; auch hier schützte die Polizei die Durchführung des Pride.

Twitter / dilemmatix | Teilnehmer aus München, u.a. Lydia Dietrich (l.)

Vor wenigen Jahren noch war der CSD in der ukrainischen Hauptstadt noch unzureichend von der Polizei geschützt worden, es kam zu Ausschreitungen und verletzten Teilnehmern. Bürgermeister Vitali Klitschko hatte mehrfach von den Veranstaltern eine Absage aus Sicherheitsgründen gefordert. Auch unter internationalem Druck hatte sich die Zusammenarbeit zwischen CSD-Veranstaltern, Stadt und Polizei allerdings in den letzten Jahren verbessert.

Vor allem das letzte Jahr gilt als Wendepunkt: Nach massiven Drohungen des Rechten Sektors im Vorfeld hatten mehrere Menschenrechtsorganisationen zur Teilnahme am CSD aufgenommen, auch in sozialen Netzwerken wuchs die Unterstützung für den Pride. Letztlich nahmen tausende Menschen teil (queer.de berichtete).

"Froh, erleichtert!", schrieb Lydia Dietrich nach dem heutigen CSD auf Facebook. "Es geht voran in Kiew, jedes Jahr ein Stück mehr." (nb)

Twitter / RebHarms | Laut der ebenfalls teilnehmenden grünen Europapolitikerin Rebecca Harms führten Mütter von LGBTI-Kids die Demo an

As every year, Munich's LGBT-community sends a delegation to Kyiv. We do not travel on our own, we have our back…

Posted by Munich Kyiv Queer on Sonntag, 18. Juni 2017
Facebook / Munich Kyiv Queer | Die Delegation aus München hat am Mittag bei Facebook eine erste Galerie mit Eindrücken und Anmerkungen veröffentlicht



#1 Patroklos
  • 18.06.2017, 12:30h
  • Vielen Dank an die Sicherheitskräfte, daß sie diesen CSD vor dem Nationalistenpöbel geschützt hat!
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#2 SebiAnonym
  • 18.06.2017, 15:46h
  • Richtig so!

    Man darf sich niemals von Faschisten einschüchtern lassen und darf niemals seine Rechte aufgeben.
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#3 monchichiAnonym
  • 18.06.2017, 16:26h
  • haha..mit dieser armee an sicherheitskräften hätte dieser pride doch glatt in moskau einmarschieren können..es wird langsam heiss für putin..lange wird auch er nicht als frontmann der ost christen, den natürlichen druck gesellschaftlicher evolution standhalten können!
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#4 UkraineAnonym
  • 18.06.2017, 22:26h
  • Das ist, was uns von Russland unterscheidet und was diese ungebildeten Nazischwekne mit der russischen Politik gemeinsam haben. ;)
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#5 JadugharProfil
  • 19.06.2017, 08:09hHamburg
  • Durch das sehr große Aufgebot von Sicherheitskräften kann man erkennen, wie pöbelhaft, primitiv und gefährlich ein Großteil der Bevölkerung gegenüber Minderheiten ist. Das ist ein Bild der Schande.
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#6 Kostik1276Anonym
  • 19.06.2017, 08:59h
  • Antwort auf #5 von Jadughar
  • Es gab nur einige Hunderte teilweise gewaltbereite Neonazis in Stadzentrum, die Mehrheit der Bevölkerung blieb ehe gleichgültig gegenüber CSD. Es gab auch viele, die gesagt haben: liebe Schwule als Neonazis, wasfür Kiew ein Vortschritt ist. Deshalb kann man nicht sagen, das diese Neonazis die ganze oder Grossteil der Bevölkerung repräsentieren.
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#7 schwuler NichtdtschrAnonym
  • 19.06.2017, 13:34h
  • Es bedeutet wirklich ausserordentlichen Mut zeigen, bei einem Pride mitzumachen, bei dem sogar die (bewaffneten?) Sicherheitskraefte ihr Gesicht (aus Sicherheitsgruenden) vermummen muessen.
    Gruss
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