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Ryan O'Callaghan

Früherer NFL-Star outet sich als schwul

Ryan O'Callaghan plante als Footballprofi bereits Selbstmord, weil er mit dem Versteckspiel nicht klar kam. Eine Psychologin rettete schließlich sein Leben.


Ryan O'Callaghan bei einem offiziellen Bild im Trikot der Kansas City Chiefs (Bild: NFL)

Der frühere American-Football-Spieler Ryan O'Callaghan hat sich in einem am Dienstag veröffentlichten Porträt im Portal "Outsports" geoutet. Der 33-Jährige beschrieb, wie er sich als Schwuler im Sport isoliert gefühlt und sogar über Selbstmord nachgedacht habe. Mit seinem Coming-out wolle er nun anderen helfen, die eine ähnliches Versteckspiel durchmachen müssten wie er.

"Niemand denkt, der große Footballspieler ist schwul. Aus diesem Grund ist ein Footballteam ein guter Ort, um sich zu verstecken", so der 2,01 Meter große Sportler, der zwischen 2006 und 2011 für die beiden Spitzenclubs New England Patriots und Kansas City Chiefs auf dem Spielfeld stand.

Über die Jahre habe er viele negative Kommentare von Freunden und Familie über Homosexuelle gehört. "Wenn man ein schwuler Heranwachsender ist und jemanden 'Schwuchtel' sagen hört, dann denkt man natürlich, dass man in den Augen dieser Person ebenfalls eine Schwuchtel ist", erklärte O'Callaghan. "Die Leute müssen aber verstehen, dass wir überall sind. Wir sind eure Söhne, wir sind eure Töchter, wir sind eure Mitspieler, eure Nachbarn. Um ehrlich zu sein, manchmal sind wir auch eure Ehemänner oder Ehefrauen. Ihr wisst es nur noch nicht."

Er selbst habe in der Highschool angefangen zu spielen, weil seine Freunde auch im Team waren. Außerdem arbeitete sein Vater als Footballschiedsrichter. Ferner sagte er, dass sich während seiner Collegezeit der Macho-Sport dafür eignete, nicht als schwul verdächtigt zu werden. "Und dann habe ich die NFL als Weg gesehen, meine Sexualität zu verstecken und am Leben zu bleiben", sagte O'Callaghan.

Ein Abschiedsbrief war bereits geschrieben

Für das Versteckspiel zahlte er einen hohen Preis: So habe er am Ende seiner NFL-Karriere vor sechs Jahren Tabletten missbraucht; zeitweise habe er 400 Dollar pro Tag für verschreibungspflichtige Schmerzmittel ausgegeben. Zudem habe er für 70.000 Dollar auf seinem Anwesen eine Hütte bauen lassen – mit dem Ziel, sich dort das Leben zu nehmen. In der Hütte habe er mehrere Waffen gelagert, auch einen Abschiedsbrief hatte er bereits verfasst. "Ich habe angefangen, all mein Geld auszugeben, damit ich mich in eine Lage bringe, dass es unmöglich – oder zumindest extrem schwer – wird, den Suizid nicht zu vollziehen." Er habe auch den Kontakt zu seiner Familie und seinen Freunden praktisch abgebrochen. Im Interview sagte O'Callaghan, er habe sich schlicht nicht vorstellen können, als offen schwuler Mann zu leben.

Geholfen habe ihm am Ende insbesondere eine Psychologin, die für die NFL arbeitete und auf Tablettenmissbrauch spezialisiert war. Sie hatte bereits vorher schwule NFL-Spieler betreut und war die erste Person, mit der O'Callaghan über seine Homosexualität sprach und die ihn überzeugte, sich gegenüber dem Chef der Kansas City Chiefs zu outen. Dieser sagte seinem Spieler sogleich seine Unterstützung zu. Am Ende habe er sich schließlich auch gegenüber Freunden und Familie geoutet und war überrascht, wie locker und offen sie damit umgegangen seien.

Direktlink | Ryan O'Callaghan berichtet von seiner Reise

Die NFL gilt derzeit wie die meisten populären Teamsportarten als Bastion der Heterosexualität. In der Profiliga war erstmals 2014 ein offen schwuler Spieler verpflichtet worden: Damals engagierten die St. Louis Rams Michael Sam, der sich zuvor im College geoutet hatte (queer.de berichtete). Sam konnte sich allerdings nicht in der Liga durchsetzen.

Wie sehr Homosexualität in der Sportart noch als Makel gesehen wird, zeigte sich in einem Gerichtsverfahren vom März: Dem Ex-Spieler Kordell Stewart wurden drei Millionen Dollar zugesprochen, weil ihn ein Blogger "beschuldigt" hatte, schwul zu sein (queer.de berichtete). (dk)



#1 PierreAnonym
  • 21.06.2017, 11:30h
  • "Ryan O'Callaghan plante als Footballprofi bereits Selbstmord, weil er mit dem Versteckspiel nicht klar kam. "

    Genau das ist das Problem:
    wenn man sich ständig selbst verleugnet, ständig ein Versteckspiel spielt und immer latente Angst vor Enttarnung hat, kann das langfristig nicht ohne Folgen bleiben.

    Früher oder später verändert das die Psyche eines Menschen. Beim einen ist es dramatischer, beim anderen etwas weniger, aber ganz ohne negative Folgen geht das nicht.

    Deswegen kann ich jedem nur empfehlen, zu sich selbst zu stehen. Das muss nicht gleich mit 15 oder 16 sein, aber irgendwann sollte man das in Angriff nehmen.

    Ich selbst habe mich erst mit 24 geoutet und bereue heute jeden Tag, den ich gewartet habe.
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#2 JustusAnonym
  • 21.06.2017, 11:51h
  • "Ein Abschiedsbrief war bereits geschrieben"

    Was für eine perverse Welt, in der man als Schwuler überhaupt auf die Idee kommt, sich wegen seiner Gefühle das Leben nehmen zu müssen.

    Gut, dass er es nicht gemacht hat.

    Und gut, dass er diese Schmierenkomödie jetzt beendet hat.
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#3 VorsichtAnonym
  • 21.06.2017, 12:02h
  • Antwort auf #1 von Pierre
  • Nun ja, das Umfeld trägt seinen Anteil bei, ob sich jemand leicht oder schwer tut mit dem Outing.
    So wie im Artikel steht, äußerte sich seine Familie mit Vorurteilen, bevor er sich überhaupt geoutet hatte.
    Das hielt ihn erstmal vom Outing zurück. Vielleicht hatte ihn das abgeschreckt, vielleicht ist er sensibel, vielleicht wurden Homosexuelle in seinem Umfeld verbal lächerlich gemacht?
    Selbstverständlich ist das Outing wichtig und es ist auch wichtig, zu sich selbst zu stehen, aber jede Situation ist individuell. Manche haben es schwerer, manche leichter.
    Bei mir war es zum Glück leicht, was einerseits mit meiner Einstellung zu tun hat, andererseits aber auch mit der positiven Einstellung meiner Eltern. Wäre meine Mutter nicht so aufgeschlossen, hätte ich es deutlich schwerer gehabt!
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#4 VorsichtAnonym
#5 SebiAnonym
  • 21.06.2017, 12:14h
  • Antwort auf #2 von Justus
  • >>>>>>>>
    Was für eine perverse Welt, in der man als Schwuler überhaupt auf die Idee kommt, sich wegen seiner Gefühle das Leben nehmen zu müssen.
    <<<<<<<<<

    Und alle Parteien und Politiker, die (egal ob aus Überzeugung oder aus Opportunismus der eigenen Karriere wegen) rechtliche Gleichstellung, Diskriminierungsschutz und angemessene Aufklärung verhindern oder auch nur verzögern, sind mitschuldig an diesem Klima.

    Sie sorgen dafür, dass solche Menschen denken, Selbstmord wäre die einzige Lösung.

    Man kann ja über viele politische Themen unterschiedlicher Meinung sein. Aber bei Grundrechten und spätestens wenn es um Menschenleben geht, sollten zivilisierte Menschen sich einig sein.
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#6 o aus hAnonym
  • 21.06.2017, 12:33h
  • Eine Lebenskrise als Schmierenkomödie zu bezeichnen, finde ich genau so verachtend wie den Begriff Schwuchtel. Wer sich die existenzielle Angst nicht vorstellen kann, die manch einer vor dem eigenen Outing hat, halte an der Stelle bitte schlicht die Klappe, bevor mit solchen Wertungen der Druck noch erhöht wird.
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#7 schwarzerkater
  • 21.06.2017, 12:41h
  • Ryan O'Callaghan's Offenheit in dem Clip, in dem er über sein Outing spricht, macht ihn SEHR SYMPATHISCH. :-)
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#8 JustusAnonym
  • 21.06.2017, 13:11h
  • Antwort auf #6 von o aus h
  • Das ist vielleicht falsch rübergekommen:

    mit "Schmierenkomödie" meinte ich nicht, dass seine Lebenskrise das sei. Sondern ich meinte, dass er von der Gesellschaft gezwungen wurde, eine Schmierenkomödie vorzuspielen, die nicht seinem wahren Selbst enstspricht.

    Das ging nicht gegen ihn, sondern gegen die Leute, die ihn dazu gezwungen habe.

    Auch ich selbst habe mal Schmierenkomödien spielen müssen und habe sehr darunter gelitten (Frustesser) und leide unter den Folgen (starkes Übergewicht und damit verbundene körperliche und psychische Probleme) noch heute.
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#9 Patroklos
  • 21.06.2017, 17:33h
  • Danke an die Psychologin, daß der Mann noch am Leben ist und sein Coming-Out hat!
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#10 RobinAnonym
  • 21.06.2017, 19:34h
  • Der ist echt hübsch.

    Ich stehe auf etwas kräftigere Männer...

    Hoffentlich ist er vielen ein Vorbild, dass es immer eine Alternative zum Selbstmord gibt.
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