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Zu schwul für die Flugbereitschaft

Die Homo-Angst der Bundeswehr

Das Verteidigungsministerium rechtfertigt die teure Stornierung von Zimmern in einem "heterofreundlichen" Hotel mit der Gefahr unseriöser Berichterstattung.


Nicht nur von außen ein ganz normales Hotel: Das "Two Hotel Berlin by Axel" im bürgerlichen Wilmersdorf hat 86 Zimmer – und keinen Darkroom (Bild: Axel Hotels)

Der Fall sorgte im Februar für einigen Wirbel: Am Tag der Anreise hatte die in Köln ansässige Flugbereitschaft der Bundeswehr elf für zwei Nächte gebuchte Zimmer im Berliner "Two Hotel" storniert, nachdem sie herausfand, dass sich das Haus vorwiegend an schwule Reisende richtet. Die Homo-Panik der Crew eines Airbus A-319 kostete den Steuerzahler rund 6.000 Euro an Stornogebühren (queer.de berichtete).

Bereits im März wollte der Bundestagsabgeordnete Alexander Neu (Die Linke) in einem Brief (PDF) an Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wissen, wie es zu diesem peinlichen Vorfall kommen konnte. Im Mai erhielt er eine Antwort (PDF) von ihrem parlamentarischen Staatssekretär Markus Grübel (CDU).

Das "Schamgefühl" der Crew verletzt


Teile der Crew der Flugbereitschaft störten sich u.a. an diesem Buchungsbutton auf der Hotel-Website (Bild: Axel Hotels)

Das zuständige Ministerium kann ein Fehlverhalten oder Homophobie bei der Flugbereitschaft nicht erkennen: "Die Darstellung des Hotels auf der eigenen Website berührte das Schamgefühl von Teilen der Crew, für die es gebucht war", heißt es in Grübels Schreiben an Neu. "Das Hotel stellt hier Szenen in Sauna, Whirlpool, Dusche etc. mit leicht bekleideten Männern dar."

Dies habe man leider zu spät entdeckt, so der Staatssekretär. Gebucht worden sei über booking.com: "Auf den unterschiedlichen Buchungsportalen ist die Zielgruppenausrichtung nur schwer bis gar nicht wahrnehmbar." Die Crew sei zudem irrtümlich von einer kostenlosen Stornierungsmöglichkeit ausgegangen.

Der verantwortliche Mitarbeiter der Flugbereitschaft, die in der Vergangenheit Gegenstand negativer Presseberichte gewesen sei, habe mit der Zimmerstornierung gar Schaden von der Bundeswehr abwenden wollen, erklärte Grübel: "Er bezog in seine Entscheidungsfindung sowohl die Gefahr von möglichen medialen und unseriösen Berichterstattungen, die dem Ansehen der Bundeswehr erheblich schaden könnten, als auch aus Fürsorgegründen den Schutz der Privatsphäre der Besatzungsmitglieder ein."

Die Stornierung sei "nicht in Zusammenhang mit Anerkennung oder Ablehnung unterschiedlicher sexueller Orientierung oder Lebensmodelle zu sehen", schrieb der Staatssekretär weiter. Und versprach: "Es wurden geeignete Maßnahmen unternommen, um vergleichbare Fälle künftig zu vermeiden."

Für Neu ist die Antwort "ausweichend bis scheinheilig bis entlarvend"

Alexander Neu zeigte sich von der Antwort des Ministeriums enttäuscht. Sie bewege sich "leider im Spektrum ausweichend bis scheinheilig bis entlarvend", erklärte der Linken-Politiker gegenüber queer.de.

Das "Two Hotel" gehört zur Gruppe der Axel Hotels, die 2003 ihr erstes Haus in Barcelona eröffnete und die als Erfinderin des Begriffs "heterofreundlich" gilt. "Ein Ort für Gays, aber offen für alle", heißt es auf der Homepage über die Philosophie: "Axel Hotels ist eine Hotelgruppe, die sich Homosexuellen verschrieben hat. Aber in erster Linie sind die Hotels freie und tolerante Orte der Begegnung, wo die Vielfalt und der Respekt geschätzt und gelebt werden und zwei Männer genauso anzutreffen sind wie zwei Frauen oder Mann und Frau. Menschen ohne Vorurteile werden bei uns willkommen geheißen, respektiert und geschätzt." (mize)



#1 GenialAnonym
  • 21.06.2017, 18:34h
  • Hahahaha... daran kann ich mich erinnern :-D
    Schon ziemlich blöd, wenn sie nur so tun, als seien sie tolerant. Da kommen sie irgendwann auf's Glatteis und - schwupps, liegen sie auf dem Boden.

    Meine Güte, als ob das Buchen einiger Zimmer in diesem Hotel ein Problem sei!
    Ach Gottchen, ein paar Bilder von sehr unbekleideten Männern in der Sauna. Seit wann gibt es Saunen, in die man nur bekleidet gehen darf?? Ja, schon klar, sie wollten das bei der Buchung nicht sehen.
    Dann ist es ja gut, dass es diese Bilder auf der Homepage gibt - damit alle Homo-Allergiker, möchte-gern Tolerante, und Prüde rechtzeitig entscheiden können, ob sie sich «das antun wollen.»
    ---> ich rolle mit den Augen.

    «Book here», das ist genial :-D Nicht weiter oben und auch nicht weiter unten, sondern: genau hier.
    An das Hotel: gibt es die book here Seite auch in weiblicher Form? Wobei - da fällt mir ein: es sind immer noch mehr Männer in der Bundeswehr als Frauen.
    Ok, ist gebongt.

    Mir gefällt das Hotel mit seinem Konzept. Wenn ich Hotelfachfrau wäre, würde ich dort sehr gerne arbeiten und mich garantiert wohlfühlen :-)

    Für die Bundeswehr ist das aber ein schlechtes Zeugnis, muss man schon sagen. «Ups,» die Bundeswehr stutzt: «erst hinterher ist klar, wo man gebucht hat.»
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    Also, an alle außerhalb der Community:
    Es wird doch überall gepredigt, die Homosexuellen müssten sich nicht outen und es sei nicht nötig, diesbezüglich etwas zu sagen, denn: es seien ja alle sowieso tolerant.
    Tja, diese Situation im Artikel zeigt überdeutlich, dass einige Homosexualität ganz und gar nicht als normal betrachten, sonst hätte es die Stornierung nicht gegeben!
    Und dass erst hinterher gezeigt wird, wo man gebucht hat, entspricht in diesem Fall einem guten Stil. Zusätzlich hält sich das Hotel an das Prinzip, dass sexuelle Orientierung keine Rolle spielt und das entspricht dem AGG.

    Das Hotel erhält von mir fünf Sterne und die Bundeswehr hat hier verloren und schlechten Stil bewiesen!
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#2 Svetlana LAnonym
  • 21.06.2017, 19:17h
  • "Die Stornierung sei "nicht in Zusammenhang mit Anerkennung oder Ablehnung unterschiedlicher sexueller Orientierung oder Lebensmodelle zu sehen", schrieb der Staatssekretär weiter."

    Na, dann hätte man dort doch problemlos einschecken können. Ich hoffe nur, dass im Fall der Fälle das Schamgefühl nicht die Einsatzbereitschaft gefährdet!
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#3 Patroklos
#4 GenialAnonym
#5 MarkusMZAnonym
  • 21.06.2017, 20:24h
  • Antwort auf #2 von Svetlana L
  • ... und dann kriegt ein "seriöser" BILD-Zeitungsreporter das mit und titelt mit "Orgien der Bundeswehr in Homo-Hotel" und schon ist die Kacke wieder am Dampfen; Dazu dann noch ein Bild des Booking-Buttons etc ...

    Also ich kann es sogar irgendwo verstehen. Denn wie man's dreht und wendet - irgendwer wird immer versuchen der Bundeswehr an den Karren zu pissen. Und hier gleich die Homophobie-Keule zu schwingen finde ich schon etwas übertrieben ...

    Mich hat die Story einfach nur amüsiert. Schade um die 6000,- Euro. Würde das Axel-Hotel die Stornogebühren jetzt gemeinnützig spenden, hätten sogar alle was davon.
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#6 wiking77
#7 AnonAnonym
  • 21.06.2017, 20:48h
  • Nackte Männer, enges Zusammenleben von Männern und sich unterordnen gehören doch zur Bundeswehr dazu. Warum bestehen derartige Männerdömänen so sehr auf ihre überheterosexuelle Schaumännlichkeit? Was nützt es? Wem nützt es?
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#8 Dont_talk_aboutProfil
  • 21.06.2017, 21:11hFrankfurt
  • Antwort auf #7 von Anon
  • Bei Dienstreisen ist es niemandem zuzumuten in so einem sexualisierten Hotel zu übernachten. Privat kann das jeder machen wie er will.

    Man sollte auch keine Betriebsausflüge in heterosexuelle FKK-Wellnessbordelle machen, obwohl man da eine schöne Zeit verbringen kann ohne mit den Sexdienstleisterinnen in direkten Kontakt zu kommen.

    Die Bundeswehr hat mit vielen Skandalen zu kämpfen. Dieser ist jedoch sicher keiner
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#9 Flieder07Anonym
  • 21.06.2017, 21:29h
  • Ich war 1980 bei der Bundeswehr, da gab es auch Homophobie, kein Soldat hat sich daran gestört. Hätten die gewusst das ich Schwul bin, wäre ich wahrscheinlixh fristlos unehrenhaft entlassen worden. Wer heute als Homosexueller zum Bund geht oder ist, der weis das es Homophobie gibt, bis zu einem gewissen Punkt kann man nicht mehr damit leben und dann sollte man gehen oder den Mut haben dies öffentlich zu machen. Es wird noch Jahre dauern bis Homosexulle als vollwertiger Mensch bei der Bundewehr anerkannt werden.
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#10 Dont_talk_aboutProfil