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Zuschauer blieben weg

Kindertheaterstück über schwules Känguru abgesetzt

In Ulrich Hubs Stück "Ein Känguru wie du" geht es um Vorurteile, Toleranz und Freundschaft – in Baden-Baden wurde es von Eltern boykottiert.


Ein Känguru, das boxt, kann nicht schwul sein – denken zumindest die beiden Raubkatzen Pascha und Lucky (Bild: Jochen Klenk / Theater Baden-Baden)

Das Theater Baden-Baden hat das Theaterstück "Ein Känguru wie du", das sich an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren richtet, vorzeitig abgesetzt. In dem Stück geht es um das schwule boxende Känguru Django, das in einem Zirkus dafür sorgt, dass die Raubkatzen Pascha und Lucky ihre Vorurteile überwinden, und damit dem vermeintlich ebenfalls schwulen Dompteur die Show rettet.

Intendantin Nikola May bedauerte die Entscheidung. Lautstarke Protestaktionen habe es nicht gegeben, erklärte sie gegenüber dem SWR, die Zuschauer seien einfach weggeblieben. Das Portal badisches.de berichtete allerdings davon, dass Eltern bereits gekaufte Karten stornierten und Lehrer, die mit ihren Klassen ins Theater wollten, von manchen Müttern und Väter keine Erlaubnis erhielten. Auch sollen Kinder für den Tag des geplanten Theaterbesuchs krank gemeldet worden sein.

Homophobie im Elternbeirat


Das Buch zum Stück ist im Carlsen Verlag erschienen

Die Vorsitzende des Baden-Badener Gesamtelternbeirats Anemone Bippes äußerte Verständnis für die Absetzung: "Der Lebensrealität der Kinder ist eine andere", erklärte sie gegenüber dem SWR: "Ich kann es mir nicht vorstellen, dass achtjährige, zehnjährige Kinder Kontakt mit Homosexuellen haben."

"Ein Känguru wie du" basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Ulrich Hub. Der in Berlin lebende Autor ist von den Reaktionen nicht überrascht: "Die meisten Theater sind gar nicht so mutig, es überhaupt auf den Spielplan zu nehmen. Es gibt eben doch noch viele Vorbehalte." Dem Theater Baden-Baden sei kein Vorwurf zu machen, so Hub. "Schließlich wurde das Stück auf den Spielplan gesetzt und aufgeführt – aber vor leeren Zuschauerreihen zu spielen macht wenig Sinn."

Immerhin: Bei den Theatertagen in Ulm wird die Inszenierung am 5. Juli noch zweimal zu sehen sein. "Das Stück wurde vom Theater Baden-Baden ausgewählt, weil sie sich damit präsentieren wollen", erklärte Daniel Grünauer vom Theater Ulm gegenüber dem SWR. "Und wir gehen davon aus, dass es ihnen wichtig ist, deshalb schicken sie es nach Ulm. Und wenn es Diskussionen geben sollte, dann freuen wir uns und wollen sie auch führen."

Anders als in Baden-Baden lief das Stück, das 2015 mit dem Preis der Jugendjury der Mülheimer Theatertage ausgezeichnet wurde, in Köln sehr erfolgreich. Im Comedia Kindertheater stehen im November weitere Aufführungen von "Ein Känguru wie du" auf dem Programm. (cw)

Direktlink | Guter SWR-Bericht über die Absetzung des Stücks

 Update  05.07.: Stellungnahme von Anemone Bippes

Anemone Bippes, die Vorsitzende des Baden-Badener Gesamtelternbeirats, wirft dem SWR vor, das gesendete Zitat aus dem Zusammenhang gerissen zu haben. Wir veröffentichen im Folgenden ihre Stellungnahme:

"Wer Toleranz und Fairness für sich einfordert, der sollte auch tolerant und fair sein. Der SWR kam nach Baden-Baden, um die ganz große schwulenfeindliche Geschichte abzudrehen und stellte schnell fest, dass daraus nichts wird.

Um dann doch noch mit einem Beitrag nach Stuttgart zurückfahren zu können, wurden die Interviews extrem gekürzt und – wie in meinem Fall – auch noch in einen falschen Zusammenhang gestellt.

Dass Queer dann auch noch eine Schippe draufgesetzt hat, ist nicht in Ordnung. Meine Position ist hinlänglich bekannt. Ich habe das Theaterstück zusammen mit Lehrern und Eltern öffentlich verteidigt.

Unsere Botschaft: Man kann nie früh genug damit beginnen, jungen Menschen Toleranz zu vermitteln. Gott sei Dank ist unsere Welt bunt und nicht schwarz-weiß. Ich habe Kinder – auch im Grundschulalter. Seit vielen Jahren – lange bevor unsere Kinder auf die Welt kamen – zählt ein schwules Paar zu unseren besten Freunden.

Sie haben mich auf den Queer-Artikel angesprochen und mich zu dieser Stellungnahme ermuntert. Sie wissen darum, dass wir unsere Kinder im Wissen darum, dass die Welt bunt ist, zu toleranten Menschen erziehen, die ihre Mitmenschen ganz selbstverständlich nehmen, wie sie sind."



#1 Ralph
  • 26.06.2017, 12:37h
  • Die Dame kann sich nicht vorstellen, dass acht- bis zehnjährige Kinder Kontakt zu Homosexuellen haben, das sei nicht Teil von deren Lebenswirklichkeit. Sind Dummheit und Ignoranz Voraussetzungen, Elternbeiratsvorsitzende zu werden? Kinder jeden Alters haben jederzeit und überall Kontakt zu Homosexuellen, nämlich zu lesbischen Klassenkameradinnen und schwulen Klassenkameraden. An einer Grundschule mit 500 oder 1000 Kindern sind das mindestens 25 bzw. 50 Homosexuelle, denen sie jeden Schultag nahe sind. Nicht zu vergessen die schwulen und lesbischen Kinder selbst, denen durch diesen Boykott schon jetzt eingetrommelt wird, dass sie abartig seien und deshalb aus der Lebenswirklichkeit ihrer Mitschüler(innen) auszuschließen. Bravo für diese erzieherische Meisterleistung!
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#2 BobAachenProfil
  • 26.06.2017, 12:48hAachen
  • Ha, schwule Kängurus, wo gibt es denn so was? Blödsinn. Hunde können schwul sein, Affen können schwul sein, ein Schwan kann schwul sein, aber ein Känguru? Völlig unrealistisch. Der Autor war wohl nie in Australien? Da sind doch schwule Kängurus verboten.
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#3 userer
  • 26.06.2017, 12:56h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • Dummheit und Ignoranz sind zwar keine Voraussetzungen, Elternbeiratsvorsitzende zu werden, aber mir scheint, diese Eigenschaften sind Voraussetzungen, Christin und Mitglied der CDU zu sein:

    www.tobiaswald.de/zweitkandidatin-dr-anemone-bippes/

    Ich finde es erscheckend, dass diese Christen ihren Kindern beibringen zu lügen und zu betrügen - willkürliche Krankmeldung der Kinder, also religionsideologische Instrumentalisierung des Nachwuchses - anstatt ihre Kinder etwas über Menschenrechte spielerisch lernen zu lassen.
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#4 BildungAnonym
  • 26.06.2017, 12:57h
  • Man sollte meinen, dass Eltern dankbar sein sollten, wenn ihren Kindern Werte wie Menschlichkeit, Toleranz und Vielfalt vermittelt werden.

    Aber in Baden-Württemberg ticken die Uhren anders. Dort herrscht der Geist des Rosa Winkels immer noch...

    Ich kann nur hoffen, dass das Stück in zivilisierteren Gegenden Deutschland nochmal eine Chance bekommt.
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#5 SorryAnonym
  • 26.06.2017, 13:00h
  • "Die Vorsitzende des Baden-Badener Gesamtelternbeirats Anemone Bippes äußerte Verständnis für die Absetzung: "Der Lebensrealität der Kinder ist eine andere", erklärte sie gegenüber dem SWR: "Ich kann es mir nicht vorstellen, dass achtjährige, zehnjährige Kinder Kontakt mit Homosexuellen haben."

    Unglaublich wie blöd und ignorant diese Person ist.
    Nicht nur die zahlreichen homosexuellen Altersgenossen, wie Ralph schon zurecht schreibt, werden völlig ausgeblendet sondern auch völlig normale inner- und innerfamiliäre Kontakte mit LGBT Geschwistern Onkel Tanten und Freunden.
    Meine beiden Patenkinder, zahlreiche Söhne und Töchter meiner Verwandten und Freunde sind mit mir und meinem Partner als offen schwul lebende "Vorbilder" und Ansprechpartner groß geworden und haben garantiert alle ein besseres Verständnis von Lebensrealität als es sich diese Prulla überhaupt in Ihrer kleingeistigen Weltsicht vorstellen kann.
    Ich habe übrigens mit 12 gewusst, dass ich schwul bin und wäre sehr froh gewesen, wären ich und meine Klassenkameraden durch sinnvolle Aufkärung wie den angesprochenen Film etwas vorbereiteter gewesen.

    Soviel zum Thema Lebensrealität.
    Menschen mit so einer verbohrten und egozentrischen Denke wie diese Person dürfen keinerlei Funktion im Bildungssystem bekleiden.
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#6 AFD-WatchAnonym
  • 26.06.2017, 13:15h
  • Antwort auf #3 von userer
  • Noch erschreckender ist es, dass es wohl dieselben besorgten Eltern sind, die was von "Islamisierung" schreien und sich darüber empören, wenn andere Schulkinder einer anderen Religion sich aus religiösen Gründen ebenfalls vom Unterricht abmelden (egal, wie man nun dazu steht).
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#7 Svetlana LAnonym
  • 26.06.2017, 13:15h
  • "Ich kann es mir nicht vorstellen, dass achtjährige, zehnjährige Kinder Kontakt mit Homosexuellen haben."

    Stimmt ja, in Familien mit acht- bzw. zehnjährigen Kindern gibt es auch keine Geschwister, Onkel und Tanten, die homosexuell sein können. Völlig ausgeschlossen!
    Was für ein sinnfreie und dämliche Arroganz!

    Müsste man bei solchen Alibi-Krankmeldungen nicht eigentlich die Schulaufsicht einschalten?
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#8 BibbeleskäsAnonym
  • 26.06.2017, 13:17h
  • Antwort auf #5 von Sorry
  • Die Dame ist ja auch ein bedauerlicher Fall von Blödheit, der wohl auch familiär weiter gegeben wird.

    "Anemone Bibbes" ist bereits als Name so kurios, das er sich gut für Comedians eignen würde. Das frau so geschlagen etwas "eigen" wurde, ist nachvollziehbar.

    Und das Ganze dann noch im CDU-Muff der schwäbischen Kleinstadt, was kann man da erwarten? Studiert und gemuttert, ansonsten nicht viel von der Welt mit bekommen.









    P.S. Ich weiß, dass Baden-Baden im badischen Teil BaWüs liegt - aber über die Bezeichnung "Schwabe" ärgern sich die Badenser immer noch auf's heftigste! ;-)
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#9 SanottheProfil
  • 26.06.2017, 13:36hRhüffel-Ostend
  • Da ist sie wieder - die klassische und immer noch effektivste Herrschaftstechnik Nr. 1:

    das Unsichtbar machen.

    Getarnt hinter mangelnder Vorstellungskraft, wird verneint, was nicht sein darf: der Kontakt von Kindern zu Homosexuellen.

    Ausgeblendet, unsichtbar und damit zunichte gemacht werden nicht nur queere Kinder selbst, sondern queere Menschen in ihrem gesamten Lebensumfeld, übrigens auch inclusive queerer Lehrpersonen. All diese Menschen darf es einfach nicht geben, schon gar nicht im Lebensumfeld von Kindern. Es gilt, all diese Menschen komplett verschwinden zu lassen.

    Rechtsradikale und -populistische Kreise sprechen so gern von Indoktrinierung durch Bildung. Selbstverständlich lassen sie auch hier komplett verschwinden, dass ihr eigenes Verhalten die schlimmste Indoktrinierung ist - nämlich die Negierung und somit totale soziale Vernichtung von Millionen von Menschen, die entweder nicht so sein dürfen sollen, wie sie nun mal sind, oder am besten eben doch gleich völlig ausgemerzt werden sollen (und ich verwende dieses Wort hier sehr bewusst).

    Wir alle müssen uns immer wieder gegen diese Versuche, unsichtbar gemacht, ja vernichtet zu werden, zur Wehr setzen. Auch wenn's Maul aufmachen anstrengender ist, als die Klappe zu halten.

    Nur: wenn wir die Klappe halten, laufen wir unseren Metzgern wie "Heidi" freudestrahlend und mit offenen Armen in die Falle.

    Wenn wir die Klappe halten, sind wir mit schuldig. Und nicht nur am eigenen sozialen Tod, sondern auch an dem nachkommender Generationen.

    Ich will dafür einst nicht verantwortlich gemacht werden. Ich werde kämpfen, so lange ich nur kann.
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#10 gaymeanslifeAnonym