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Klare Aussage in Kirchenzeitung

Schwedischer Premier: Priester sollten Homo-Paare trauen oder Job aufgeben

Stefan Löfven verglich die Arbeit der Priester mit der von Hebammen, die aus religiösen Gründen auch keine Mitwirkung an einer Abtreibung verweigern dürften.


Löfven wurde von der schwedischen Kirche getauft, bezeichnet sich aber als nicht aktiven Gläubigen. Er schätze Kirchen als Ort der Ruhe und der Zusammenkunft, sagte er der Kirchenzeitung. (Bild: Bengt Nyman / wikipedia)

Der schwedische Premierminister Stefan Löfven hat in einem Interview mit der wöchentlichen Zeitung der schwedischen Kirche eine Pflicht für Priester gefordert, schwule und lesbische Paare zu verheiraten.

Die Kirche sollte eine offene demokratische Organisation sein, die "für den gleichen Wert von Menschen" eintrete, forderte der Sozialdemokrat in der aktuellen Ausgabe von "Kyrkans Tidning". "Menschen, die sich gegenseitig lieben, sollten unabhängig ihres Geschlechts das gleiche Recht auf Ehe haben."

Schweden hatte die Ehe im Mai 2009 für schwule und lesbische Paare geöffnet. Rund fünf Monate später entschied die Synode der evangelisch-lutherischen Kirche mit deutlicher Mehrheit, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen (queer.de berichtete). Die von den übrigen großen Kirchen und Religionsgemeinschaften des Landes noch abgelehnte Zeremonie kann für die Paare eine standesamtliche Trauung ersetzen. Die Synode hatte aber beschlossen, dass Priester die Durchführung der Trauung aus Glaubensgründen verweigern dürfen.

Streit um Glaubensfreiheit

Löfven verglich Priester, die die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ablehnen, mit Hebammen, die sich weigern, Abtreibungen vorzunehmen. "Wenn du eine Hebamme bist, musst du in der Lage sein, eine Abtreibung durchzuführen, ansonsten solltest du dir einen anderen Beruf suchen. Das gilt auch für Priester, die keine Homosexuellen verheiraten möchten."

Der 59-jährige Politiker bezog sich damit auf den aktuellen Fall einer schwedischen Krankenschwester und Hebamme, die von mehreren Kliniken wegen ihrer Weigerung, an Abtreibungen mitzuwirken, im Bewerbungsverfahren abgelehnt worden war. Im Juni reichte sie Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein, nachdem sie vor einem schwedischen Arbeitsgericht mit Klagen wegen Diskriminierung aufgrund ihres Glaubens gescheitert war.


Löfven 2014 mit weiteren Vertretern der Sozialdemokraten 2014 beim CSD in Stockholm. Der Politiker ist verheiratet und zieht die beiden Kinder aus der früheren Ehe seiner Frau gemeinsam mit ihr auf.

Die Hebamme wird dabei von der US-Organisation "Alliance Defending Freedom" unterstützt, die auch in der Heimat vor Gericht für das Recht kämpft, andere aufgrund des eigenen Glaubens zu diskriminieren. So setzte sie sich etwa für die Standesbeamtin Kim Davis ein, die zwischenzeitlich ins Gefängnis musste, weil sie als in ihr Amt gewählte Staatsbeamtin sogar Angestellten verboten hatte, Trauscheine an Homo-Paare auszugeben, und dabei auch eine gerichtliche Anordnung ignorierte (queer.de berichtete). Vor allem in den USA wird ein erbitterter Kampf um eine Religionsfreiheit geführt, die aus der Glaubensfreiheit Ausnahmeregelungen im Geschäfts- und Arbeitsleben herleitet.

Die schwedische Kirche ist die ehemalige Staatskirche Schwedens, ihr gehören rund 63 Prozent der Bevölkerung an. Die Kirche wählte 2009 mit Eva Brunne in Stockholm die erste lesbische Bischöfin der Welt ins Amt, das sie noch heute ausführt. Ihre Lebenspartnerschaft mit einer Priesterin wurde von der Kirche gesegnet, das Paar zieht einen Sohn auf. (nb)



#1 Simon HAnonym
  • 26.06.2017, 14:46h
  • Ich selbst lege zwar keinen Wert auf den "Segen" irgendwelcher Pfaffen. Aber genauso muss das sein: auch Religionen stehen nicht über dem Gesetz und haben sich an dieselben Regeln zu halten wie alle anderen auch.

    Ich hoffe, dass der schwedische Premier seiner Aussage auch Taten folgen lässt. Man kann z.B. die Weigerung unter Strafe stellen.
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#2 MatsAnonym
  • 26.06.2017, 15:03h
  • Solche klaren Aussagen würde ich mir auch von deutschen Politikern wünschen.

    Aber hierzulande traut sich ja niemand an die übermächtige Kirche ran.

    Und viele Bürger halten diesen totalitären Hetz-Konzern mit seinen unmenschlichen Ansichten und seiner scheinheiligen Hetze auch noch für christlich.
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#3 FinnAnonym
  • 26.06.2017, 16:54h
  • "Priester sollten Homo-Paare trauen oder Job aufgeben"

    Da hofft er wohl vergebens.

    Die werden niemals freiwillig ihr Leben als Made im Speck aufgeben. Und die werden auch niemals freiwillig aufs Hetzen verzichten.

    Da muss man die schon gesetzlich zu zwingen.
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#4 Tommy0607Profil
  • 26.06.2017, 17:55hEtzbach
  • Richtige Meinung von ihm . Das sollte man auch in Deutschland einführen .Denn Christlichkeit heisst auch Menschlichkeit : Und keine Diskriminierung!
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#5 easykeyProfil
#6 Patroklos
#7 stephan
  • 26.06.2017, 20:58h
  • Wer sich zu schade ist seinen Job zu machen, sein 'Gewissen' vorschiebt - das allerdings bei der Bezahlung keinerlei Abstriche für nicht erfüllte Aufgaben vorschreibt, der sollte nicht nur seinen Job aufgeben, sondern rausgeschmissen werden!
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#8 Gpeterjoachim
  • 26.06.2017, 22:25h
  • Es ist alles eine Frage der Zeit.
    Ich kenne einige Katholische Priester die uns gerne "getraut" hätten aber das nicht "dürfen" weil sie sonst sofort mit Diszipliarmassnahmen rechnen müssen.
    Bedeutet Entfernung aus ihrer Gemeinde und Ihrem Amt.
    Das ist solange auch Kontraproduktiv wie die Deutsche Bischofskonferenz diese Linie vorgibt.
    Und da sind natürlich auch Bischöfe die auch in Rom eine harte Linie vertreten.
    In der Evangelischen Kirche gibt es ja Landeskirchen die ihren Pastoren freistellen auch Schwule und Lesben zu trauen.
    Letztlich werden sich auch die Kirchen den Veränderungen in der Gesellschaft nicht auf Dauer verschließen können.
    Vielleicht hilft auch dafür zu beten!
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#9 AlexAnonym
  • 27.06.2017, 12:20h
  • Gut gebrüllt, Löfven. (Kalauer beabsichtigt)

    Auch wenn man natürlich darüber streiten kann, inwiefern man die Aufgabenbereiche von Priestern mit denen von Hebammen vergleichen kann: Im Grundsatz hat er vollkommen Recht!

    Religionsfreiheit (oder das was sich manche Religiofaschisten darunter vorstellen) hat sich in einer säkularen Gesellschaft grundsätzlich den Menschenrechten (in diesem Falle dem auf Gleichberechtigung und -behandlung) unterzuordnen.
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#10 LasseJProfil
  • 11.08.2017, 18:03hBerlin
  • Meines Erachtens drückt sich der schwedische Premier um das eigentliche Problem herum: Nämlich dass in Schweden eine kirchliche Trauung die standesamtliche Trauung ersetzen kann und es mithin keine klare Trennung von Staat und Kirche gibt. Er darf und sollte sehr wohl damit drohen, das Sonderrecht der Kirche abzuschaffen, wenn sie sich in diesem Punkt nicht dem Staat unterordnet. Den Pfarrern aber in seiner Eigenschaft als Premier erklären zu wollen, wie sie ihren Glauben intepretieren, halte ich für falsch. Dann kann er gleich noch - wie es das in Frankeich schon als Forderung gibt - die staatliche Taufe einführen.
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