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Kommentar

Und plötzlich können wir heiraten...

Niemand hat damit gerechnet, dass die Ehe für alle dann doch so schnell kommen wird. Der hektische Showdown ist ein großer Erfolg der LGBTI-Bewegung – und es gibt nur Gewinner, kommentiert Micha Schulze.


Dieses Jahr gibt es wohl einen ganz besonderen Grund zum Feiern: schwules Paar auf dem CSD (Bild: Guillaume Paumier / flickr)

Was für eine bewegte Zeit! Der Beschluss der Grünen, ohne Ehe-Öffnung im Bund nicht mitregieren zu wollen, hat immer neue Dominosteine zum Einsturz gebracht – selbst die, die Volker Beck gar nicht aufgestellt hat. Hätte jemand vor ein paar Tagen prophezeit, dass CDU und CSU die Abstimmung im Bundestag freigeben, er wäre wohl für verrückt erklärt worden.

Vermutlich noch in dieser Woche wird also die Ehe für alle in Deutschland beschlossen – ein Vierteljahrhundert nach der "Aktion Standesamt" und vier Jahre nach dem "100% Gleichstellung nur mit uns"-Versprechen der SPD. So überraschend, so absurd und leider auch so scheinheilig hat kein anderes der 22 Länder die Ehe für lesbische und schwule Paare geöffnet.

Lesben und Schwule sind in Deutschland eine Macht

Die sich überschlagenden Ereignisse sind ein großer Erfolg der LGBTI-Bewegung. Ohne den jahrelangen Kampf von Initiativen, Verbänden, Medien und Promis, ohne die Hunderttausenden Menschen, die jedes Jahr an CSD-Demonstrationen teilnehmen, ohne das Nachhaken von SPDqueer und LSU hätten die Regierungsparteien ihre Blockade fortgesetzt. Lesben und Schwule sind in Deutschland eine Macht!

Gewonnen haben jedoch alle: Die Grünen, die die Politlawine ausgelöst haben. Die SPD, die nach vier Jahren in der Großen Koalition unter Martin Schulz endlich ihren Mut zurückgefunden hat. Die Linke und die FDP, die seit Jahren die Ehe für alle fordern. Auch Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, die sehr geschickt ein für sie unangenehmes Thema abgeräumt hat.

Gewonnen hat die Demokratie, weil nun frei abgestimmt werden kann. Gewonnen haben die Menschenrechte, weil homo-, bi- und heterosexuelle Bürger bald gleichbehandelt werden. Gewonnen hat die Liebe.

Die großen Verlierer sind die Erzhomophoben in der Union, das sind die AfD und die Demo für alle. Wir stehen vor einem historischen Sieg, den wir ordentlich feiern müssen, auf den wir uns jedoch nicht ausruhen dürfen. Auch in der nächsten Legislaturperiode gibt es noch genug zu tun – angefangen von der überfälligen Reform des Transsexuellenrechts über wirksamere Antidiskriminierungsmaßnahmen bis zu einem Nationalen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie, der diesen Namen verdient.

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#1 krakalaAnonym
  • 27.06.2017, 18:49h
  • Ich bin elektrisiert! Ich kann kaum beschreiben wie ich mich gerade fühle. Und doch wage ich es kaum mich zu freuen. Diese Abstimmung darf NICHT scheitern!
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#2 Simon HAnonym
  • 27.06.2017, 18:55h
  • Ja, nach so langer Zeit und so vielen Rückschlägen und Enttäuschungen, geht das jetzt so schnell, dass man es noch gar nicht richtig realisiert.

    Das wird wohl erst die kommenden Tage kommen, dass man dieses historische Ereignis auch verarbeiten kann.

    Aber wie schon genug andere sagten:
    das haben wir vor allem den Grünen zu verdanken.

    Denn die haben stets den Druck aufrechterhalten und zuletzt sogar noch erhöht. Damit haben die Grünen alle Parteien unter Druck gesetzt.

    Und ohne die Aussagen der Kanzlerin, das zur Gewissensentscheidung zu machen, hätte die SPD sich auch nicht bewegt, sondern weiterhin hinter dem Koalitionsvertrag versteckt.

    Deshalb tausend Dank den Grünen...
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#3 EisenhowerProfil
  • 27.06.2017, 18:58hMarseille
  • Ein ganz besonderer Dank noch an die lesbischen, schwulen und heterosexuellen Mitstreiter in den Unionsparteien CDU und CSU, die diese Entwicklung erst ermöglicht haben.

    Ihr habt Euch nicht entmutigen lassen, seid für Eure Überzeugungen eingetreten, auch wenn es manchmal schwer war. Die Geschichte wird Euch Recht geben. Danke!
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#4 ursus
#5 Julian SAnonym
#6 JasperAnonym
  • 27.06.2017, 19:12h
  • Ich möchte mal aus einem Beitrag von jemandem zu einem anderen Thread zitieren, welche Baustellen nach der Eheöffnung als nächstes angegangen werden müssen. Denn es bleiben ja noch andere Diskriminierungen, die jetzt auch möglichst schnell thematisiert werden sollten.

    --------------------------------------------------
    - Art. 3 GG:
    da müssen endlich die Merkmale "sexuelle Identität" und "sexuelle Orientierung" aufgenommen werden. Dass da andere Merkmale explizit genannt werden, aber das absichtlich fehlt, ist diskriminierend.

    - AGG:
    da müssen die Ausnahmen für kirchliche Arbeitgeber entfernt werden. Es kann nicht sein, dass z.B. eine lesbische Putzfrau aus einem Kindergarten entlassen wird, nur weil der in katholischer Trägerschaft ist (zumal die Kirche bei sowas nur ihren Namen gibt, aber der Staat das finanziert).

    Auch die Kirche steht nicht über dem Gesetz und ein Anti-Diskriminierungs-Gesetz, das manchen Gruppen explizit Diskriminierung erlaubt, hat den Namen nicht verdient und ist eine Pervertierung der Idee.

    - Verbot sog. "Homoheilungs-Therapien":
    es ist erwiesen, dass diese Gehirnwäschen schwerste psychische Schäden verursachen und bis zum Selbstmord führen können. Das gehört schnellstmöglich verboten (wie in immer mehr anderen Staaten auch). Hier geht es um Menschenleben!!

    - generelles Asylrecht für LGBTI-Flüchtlinge:
    die darf man nicht mehr in die Verfolgung zurückschicken oder deren Schicksal vom Wohl eines Sachbearbeiters abhängig machen.

    - Reform des Transsexuellengesetzes und der Regeln zu Intersexualität.
    ------------------------------------------------

    Fazit:

    Wer unsere Stimmen bekommen möchte, muss sich auch diesen Themen widmen. Gerade jetzt, wo das Thema Eheöffnung glücklicherweise bald vom Tisch sein wird.
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#7 ThorinAnonym
  • 27.06.2017, 19:15h
  • Antwort auf #5 von Julian S
  • So viel haben die Grünen jetzt auch nicht bewegt, Andere spielen auch eine große Rolle! Lasst doch bitte diese subtile Wahlwerbung hier bleiben, liebe Grünenmitglieder. Ich sage nur Hartz 4, Afghanistan etc...
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#8 EisenhowerProfil
  • 27.06.2017, 19:16hMarseille
  • Antwort auf #5 von Julian S
  • Es ist mir nicht bekannt, dass die 6 1/2 Prozent-Partei der Grünen momentan irgendetwas im Deutschen Bundestag beschliessen könnte.

    Dafür benötigt man Mehrheiten, auch im bürgerlichen Lager.

    Aber wir wollen nicht kleinlich sein an solch einem Tag, sondern gemeinsam mit allen Vertretern demokratisch-rechtsstaatlicher Parteien gemeinsam feiern.
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#9 OutAndProud
#10 AnonymAnonym
  • 27.06.2017, 19:17h
  • Den Grünen gehört wohl kaum ein Dank. Und denen wurde die aktuelle Scheißregel ja beschlossen.
    Und überhaupt, was soll denn der Namensschwindel mit "Ehe für alle"? Wir wollen zu dritt zusamen leben und so für uns einstehen.
    Das nun zur Abstimmung anstsehenede Gesetz erinnert mich mehr an katholische Hirnwichserei. Bürrgerliche zweierkiste, wie peinlich ist das denn?
    Öfffnet endlich die "Ehe" für alle Partnerschaftsmodelle.
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