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Historischer Beschluss

Die Homo-Lobby wird euch weiter nerven!

Die beschlossene Ehe für alle ist Grund zu großer Freude – sie war nach über 25 Jahren Kampf aber überfällig. Die LGBTI-Bewegung ist damit noch lange nicht am Ziel, kommentiert Micha Schulze.


Die Schilder können in den Keller, auf die Straße müssen wir aber weiterhin (Bild: LSVD Berlin-Brandenburg)

Vergast, verpönt, verheiratet – Deutschland ist im Umgang mit seinen homosexuellen Bürgern zweifelsfrei enorm vorangekommen. Nach der (Teil-)Rehabilitierung der "175er" feiern wir heute den zweiten historischen Tag innerhalb einer guten Woche. Lesben und Schwule werden rechtlich nicht mehr anders behandelt als die heterosexuelle Mehrheit, wir sind so gleich wie es das Grundgesetz vorsieht. Unsere Menschenrechte werden endlich anerkannt.

Mit der Ehe für alle wird Homophobie in der Bundesrepublik nicht plötzlich verschwinden, vielleicht gibt sie den Beverfoerdes und Kelles sogar neuen Auftrieb. Aber das Ende des Eheverbots für Lesben und Schwule ist eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz sexueller Vielfalt, weil die Gleichbehandlung nun, man verzeihe mir das Wort, zur deutschen Leitkultur gehört. Die Ehe für alle erleichtert jungen Menschen das Coming-out, rettet sogar Leben, wie Studien zeigen, und weist die Homohasser in ihre Schranken. Ob am Stammtisch, in der Kirche, in der Flüchtlingsunterkunft oder im Parlament.

Die Gleichbehandlung hat viel zu lange gedauert

Der heutige Beschluss des Deutschen Bundestags ist deshalb ein Grund zu großer Freude und ein riesiger Erfolg für die LGBTI-Bewegung. Vor Dankbarkeit müssen wir den Politikern 25 Jahre nach der "Aktion Standesamt" aber nicht wirklich um den Hals fallen. Viel zu lange hat die Gleichbehandlung gedauert, zu peinlich war der Eiertanz der SPD in der Großen Koalition, zu wenig überzeugend das Verplappern der Kanzlerin auf dem "Brigitte"-Sofa, zu ärgerlich der Versuch einer letzten Blockade aus der Union. Selbst den Grünen, die die Ehe-Lawine ausgelöst haben, waren in Hessen und Baden-Württemberg Koalitionsverträge wichtiger als unsere Menschenrechte. Zur Ehe für alle kam es jetzt nicht aus Einsicht und tiefer Überzeugung, sondern aus wahltaktischen Gründen und einer Kette glücklicher Zufälle.

Wer glaubt oder hofft, dass die Homo-Lobby nun am Ziel ist und verstummt, der irrt gewaltig. Die Ehe für alle wird die LGBTI-Bewegung vielmehr beflügeln, ihre Forderungen gegenüber dem Deutschen Bundestag noch selbstbewusster zu vertreten – vor allem diejenigen Forderungen, die von der Ehe für alle bislang in den Hintergrund gedrängt wurden.

An einem umfassenden Diskriminierungsschutz im Grundgesetz auch aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität führt nun kein Weg mehr vorbei. Die Lücken im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz gehören geschlossen. Der Nationale Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie, den Union und SPD trotz Vereinbarung im Koalitionsvertrag vergeigt haben, muss mit Leben gefüllt, das Trauerspiel um die Reform des diskriminierenden Transsexuellengesetzes endlich beendet werden.

International überzeugend für LGBTI-Rechte eintreten

Mit der Ehe für alle kann Deutschland nun auch in der Außen- und Entwicklungspolitik überzeugend für LGBTI-Rechte eintreten und hätte die Chance, die Lücke zu füllen, die die USA unter Präsident Trump hinterlässt. Länder, die Homosexualität bestrafen, sind keine "sicheren Drittstaaten", verfolgte LGBTI haben ein Recht auf Asyl.

Auch das Thema Rehabilitierung der Opfer des Paragrafen 175 ist noch lange nicht abgeschlossen. Es fehlt eine kollektive Entschädigung, die bei der betroffenen Generation ankommt, und auch die Abschaffung des diskriminierenden Schutzalters müssen wir weiter vom Bundestag einfordern. Ebenso rechtliche Absicherungen für Menschen, die sich für Lebensgemeinschaften jenseits der Zweierkiste entscheiden und dies wünschen.

Vollständig ist diese Liste noch lange nicht, liebe Abgeordnete, wir werden euch weiter nerven! Ehe ist nicht alles!



#1 Simon HAnonym
  • 30.06.2017, 09:24h
  • Volle Zustimmung!

    Heute ist ein Tag zum Feiern.

    Morgen und übermorgen auch noch.

    Aber wir müssen jetzt die Dynamik nutzen, um die anderen, genauso wichtigen Punkte anzugehen.

    Z.B.:

    - Erweiterung Art. 3 GG

    - Verbot von sog. "Homo-Heilungs-Therapien" (hier geht es schließlich um Menschenleben)

    - Streichung der Ausnahmen und Schließen der Lücken im AGG

    - umfassende Reform des Transsexuellen-Gesetzes

    - Verbot von Zwangs-Operationen an Intersexuellen

    - mehr Aufklärung an Schulen

    - nationaler Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie

    - etc.

    - etc.

    - etc.

    Man sieht ja, was alles machbar ist, wenn man hartnäckig bleibt und auf dem Richtigen besteht (und das zur Koalitionsbedingung macht).

    So muss das weitergehen!
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#2 EisenhowerProfil
  • 30.06.2017, 09:30hMarseille
  • Kaum ist die Abstimmung vorbei, kommt schon die nächste Wunschtüte...

    Was immer man sich an neuen Zielen für die Lesben- und Schwulenbewegung ausdenkt: Nichts wird mehr so konsensfähig sein, wie der Wunsch nach Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.

    Die meisten Wunschziele stehen auch nur noch sehr locker im Zusammenhang mit dem Lebensthema Homosexualität. Wer sich für solche Themen interessiert, kann sich ja Mitstreiter in einer politischen Partei suchen.

    Die staatliche Ungleichbehandlung von Lesben und Schwulen ist Geschichte.

    Jetzt wird es wohl weniger um politische Forderungen an den Staat gehen. Lesben und Schwule werden sich selber einige Fragen stellen müssen, und einige davon werden unangenehm sein.

    Wie gehen wir miteinander um? Interessieren wir uns überhaupt für einander? Kommen wir neu zusammen? Oder gehen wir auseinander?

    Das ist nach meiner Auffassung viel wichtiger, als künstlich einen Zusammenhalt durch neue Forderungen zu konstruieren.
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#3 Simon HAnonym
  • 30.06.2017, 09:34h
  • Antwort auf #2 von Eisenhower
  • Das ist keine "Wunschtüte", sondern das sind die Forderungen, die neben Eheöffnung und Volladoption seit Jahrzehnten gestellt werden!!

    Und da es auch da um Diskriminierungen oder sogar um Gesundheit und Leben von Menschen geht, sind alle diese Punkte unumgänglich und nicht verhandelbar!!
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#4 ziggyAnonym
  • 30.06.2017, 09:36h
  • Danke Volker Beck! Welch fulminanter Abschluss seiner Zeit im Bundestag! Ohne Menschen wie ihn, die sich trotz starkem Gegenwinds und Spott unermüdlich engagieren, hätten wir heute nichts zu feiern.
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#5 JasperAnonym
  • 30.06.2017, 09:36h
  • Eheöffnung und Volladoption waren zwei wichtige Punkte.

    Aber jetzt werden wir auch weiterhin für die anderen wichtigen Punkte kämpfen.

    We are unstoppable...
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#6 Svetlana LAnonym
  • 30.06.2017, 09:46h
  • Antwort auf #2 von Eisenhower
  • "...Kaum ist die Abstimmung vorbei, kommt schon die nächste Wunschtüte..."

    Nein, diese Wunschtüte kommt jetzt nicht, sie war "schon immer" da - zum Glück ist sie mit dem heutigen Tag ein Stück weit leerer geworden. Danken möchte ich dem Linke-Abgeordneten Harald Petzold, der in seinem Redebeitrag explizit auf das TSG und den Nationalen Aktionsplan hingewiesen hat. Ich hoffe, dass diese Themen in der nächsten Legislaturperiode mit dem selben Elan angegangen werden, wie das die Eheöffnung gerade in den letzten Tagen erfahren hat.
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#7 AFD-WatchAnonym
  • 30.06.2017, 09:48h
  • Antwort auf #2 von Eisenhower
  • "Jetzt wird es wohl weniger um politische Forderungen an den Staat gehen. Lesben und Schwule werden sich selber einige Fragen stellen müssen, und einige davon werden unangenehm sein. "

    Du solltest dir mal die unangenehme Frage stellen, welche CDU/CSU-Politiker du überhaupt noch unterstützen willst.
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#8 TheDadProfil
  • 30.06.2017, 09:56hHannover
  • Antwort auf #2 von Eisenhower
  • ""Kaum ist die Abstimmung vorbei, kommt schon die nächste Wunschtüte...""..

    Willkommen in der Wirklichkeit gesellschaftlicher Realität !

    Denn kaum ist ein Thema endlich nach mehr als 25 Jahren der Debatte abgeräumt und auf dem Weg Gesetz zu werden, kommen die Leute aus der Deckung die unablässig behaupten
    "nun ist aber mal gut"
    weil sie immer noch nicht begriffen haben das
    Gleichstellung&Gleichberechtigung ALLER Bürger erst dann verwirklicht ist, wenn ALLE gesetzlichen Diskriminierungen abgeräumt sind..

    Denn erst dann ist es jedem Bürger möglich gegen dann immer noch auftretenden Diskriminierungen auch vor den Gerichten zu klagen, und sein Recht gegenüber dem Staat einzufordern !

    Das nennt sich Rechtsstaat..

    ""Was immer man sich an neuen Zielen für die Lesben- und Schwulenbewegung ausdenkt:""..

    Ziele sind nicht "ausgedacht" !

    Wer das denkt, verkennt die Realität in der Gesellschaft !
    Die realen Erfahrungen anderer Menschen unter dem Schlagwort
    "ausgedachte Ziele der Community"
    zusammenfassen zu können, der denkt sich wohl auch sein Leben aus..

    ""Die meisten Wunschziele stehen auch nur noch sehr locker im Zusammenhang mit dem Lebensthema Homosexualität.""..

    Auch hier :
    Willkommen im Leben..
    Es sind weder "Wunschziele", noch ist es notwendig diese Ziele mit der Sexualität zu verknüpfen um dann zu glauben, man hätte ja alles erreicht..
    Wer sich so wie Du hier äußert hat ebenfalls ein "Lebens-Thema", nämlich das des
    "ich will mich nie wieder damit befassen müssen weil mir der ganze Quatsch zu viel um Sexualität geht"..

    ""Die staatliche Ungleichbehandlung von Lesben und Schwulen ist Geschichte.""..

    Das der Bisexuellen, der Intersexuellen, der Transgender/Transgidenten/Transsexuellen dann auch ?

    Die Community ist schon sehr lange eine die nicht nur aus Schwulen&Lesben besteht..

    Wenn für Dich dann "alles abgeräumt" ist ?
    Auf Wiedersehen..
    Und viel Spaß auf Deiner Scholle der persönlichen Zufriedenheit..
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#9 MarcoAnonym
  • 30.06.2017, 09:59h
  • Ein historischer Tag !!

    Ein Sieg für Liebe und Freiheit !!

    Ein Sieg für Menschenrechte und Vernunft !!

    Ein Sieg für Demokratie und Rechtsstaat !!

    Danke SPD !!

    Danke Grüne !!

    Danke Linke !!

    Wir wissen sehr genau, dass wir das nur SPD, Grünen und Linkspartei zu verdanken haben und werden das niemals vergessen und diesen Parteien für immer dankbar sein.

    Und Danke auch an all die Leute, die oft seit Jahrzehnten dafür gekämpft haben (und es teilweise leider nicht mehr erleben). Alle die, die Briefe an Politiker und Parteien geschrieben haben, die Leserbriefe geschrieben haben, die sich in Diskussionen eingemischt haben, die bei Demos, Kundgebungen, Mahnwachen, Kiss-Ins, etc. aktiv geworden sind.

    Das mögen die unbekannten Helden im Hintergrund sein. Aber ihr Beitrag ist nicht weniger wichtig und auch ihnen ist unendlicher Dank sicher. Und auch sie und ihr Beitrag werden niemals vergessen werden.

    DANKE
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#10 OutAndProud