Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?29177

Sexarbeit

Ab heute: Bis zu 50.000 Euro Strafe für bezahlten Sex ohne Kondom

Am 1. Juli ist das umstrittene Prostituiertenschutzgesetz in Kraft getreten. Alle Sexarbeiter müssen ihre Dienstleistungen bei Behörden anmelden und einen "Huren-Pass" mit Foto bei sich führen.


Auch wer sich für Geld nur einen blasen lässt, muss sich nun einen Gummi überziehen (Bild: COC Nederland)

Wer Dienstleistungen eines Sexarbeiters in Anspruch nimmt, muss ab sofort immer ein Kondom benutzen. Verstöße können nach dem neuen Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG, PDF), das am 1. Juli in Kraft getreten ist, als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Die Kondompflicht für Freier gilt nicht nur für Vaginal- und Analverkehr, sondern auch für oralen Sex. "Der Begriff des Kondoms impliziert die Anwendung am Körper des Mannes und zielt in erster Linie auf ein verantwortungsbewusstes Verhalten des Mannes ab; männliche Kunden und männliche Prostituierte sind folglich beim Geschlechtsverkehr im Rahmen der Kundenbeziehung stets verpflichtet, ein Kondom zu verwenden", heißt es in der Begründung zu Paragraf 32 des Gesetzes. Bußgelder sind jedoch nur für Freier vorgesehen.

Erstmals klare Regeln für legale Sexarbeit

Mit dem Prostituiertenschutzgesetz will die Bundesregierung Sexarbeiter vor Zwangsprostitution, Menschenhandel und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen schützen. Gleichzeitig werden alle Männer und Frauen, die auf diese Weise Geld verdienen, allerdings gezwungen, ihre Tätigkeit bei mehreren Behörden anzumelden und an einer jährlichen Gesundheitsberatung teilzunehmen. Bei ihrer Arbeit müssen sie zukünftig einen Ausweis mit Foto bei sich führen. Auf diese "Anmeldebescheinung" ist vermerkt, dass sie "Prostituierte" sind. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 1.000 Euro.

Obwohl das Gesetz bereits im Juli vergangenen Jahres vom Bundestag beschlossen wurde, scheint sich die Umsetzung teilweise zu verzögern. So soll die Software für das Anmeldeverfahren nach Auskunft der Bundesdruckerei wohl erst im August zur Verfügung stehen. Unklar ist auch der zusätzliche Personalbedarf in den zuständigen Ämtern. Die Hamburger Sozialbehörde rechnet mit einem Start erst im Oktober. Das Gesetz hatte allerdings eh eine Übergangsfrist bis Ende des Jahres für jene Sexarbeiter vorgesehen, die bereits vor dem 1. Juli in der Prostitution tätig waren.

Scharfe Kritik von Sexarbeitern und Aids-Hilfe


Protest gegen das ProstSchG am Freitag in Dresden (Bild: Bündnis "Sexarbeit ist Arbeit. Respekt!")

Von Sexarbeiter-Organisationen wird das Prostituiertenschutzgesetz strikt abgelehnt. "Dieses Gesetz schützt Sexarbeiter*innen nicht, sondern kontrolliert und bevormundet sie", heißt es in einer Pressemitteilung des Bündnisses "Sexarbeit ist Arbeit. Respekt!" vom Freitag. "Wir wollen Rechte statt Einschränkungen der Grundrechte", erklärte Sprecherin Stephanie Klee. "Wir fordern Arbeitsrechte und ein Ende der Stigmatisierung von Sexarbeit". Das Bündnis veranstaltete am 30. Juni in mehreren deutschen Städten Kundgebungen gegen das ProstSchG.

Auch die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) hatte mehrfach vor einer Kondom-, Melde- und Beratungspflicht für Sexarbeiter gewarnt (queer.de berichtete). Diese Regelungen seien kontraproduktiv, weil sie "Scheinsicherheit statt wirksamer Lösungsansätze" böten, so DAH-Vorstandsmitglied Manuel Izdebski. "Zwangsprostitution wird das Gesetz nicht verhindern, der HIV-Prävention und der Gesundheitsvorsorge wird es schaden." (cw)



#1 SebiAnonym
  • 01.07.2017, 14:43h
  • Ganz schlechte Idee.

    So sinnvoll der Gebrauch von Kondomen auch ist, aber wenn selbst die Deutsche AIDS-Hilfe und Sexarbeiter-Organisationen davor warnen, sollte das doch schon bedenklich stimmen.

    Damit schützt man nicht Sexarbeiter, sondern treibt sie noch weiter in den Untergrund.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Homonklin44Profil
  • 01.07.2017, 15:24hTauroa Point
  • So gut das klingen mag, denke ich doch auch eher, dass jetzt der Preis für ungeschützten Sexualverkehr ziemlich ansteigen dürfte. Weil viele darauf beharren, es sei ohne Kondom geiler, besser, toller usw. Und sich die im Untergrund mit Prostituierten aus dem Menschenhandel arbeiten, dem sowieso entziehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 LinusAnonym
  • 01.07.2017, 15:31h
  • Alleine schon diese Registrierungs-Pflicht ist ja schon ein Skandal. Wo leben wir denn?

    Sollte die Zeit irgendwelcher Listen nicht vorbei sein? Egal ob rosa Listen, Stricher-Listen, Huren-Listen oder was auch immer...

    Was kommt als nächstes? Registrierungspflicht für Homosexuelle?

    Und dann dieser "Ausweis" zur Stigmatisierung. Was kommt da als nächstes? Müssen die Huren und Stricher den demnächst offen sichtbar am Revers tragen? Damit der brave Familienvater schon von weitem gewarnt wird und Abstand halten kann?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 LachhaftAnonym
  • 01.07.2017, 15:38h
  • Haha, selten so gelacht. Wieder ein typisches Maas-Gesetz

    Um dem Freier 50000 abzunehmen, müßte man erst mal wissen, woher. Oder machen Stricher und Nutten jetzt flächendeckend Ausweiskontrollen ihrer Kunden?

    Im Bundestag sitzen nur noch Idioten. Verachtung
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Eisenhower
  • 01.07.2017, 15:45h
  • Ausbeutung von Frauen, Asylbewerbern, Flüchtlingen; Menschenschmuggel, Bandenkriminalität...

    Es ist schon ganz gut, das all dem ein Riegel vorgeschoben wird.

    Ich fürchte, der ein oder andere pflegt zu romantische Vorstellungen zu dem Themenkomplex Prostituion.

    Hier wird an beiden Enden des Problems gearbeitet:

    Kunden müssen mit Bestrafung rechnen, wenn sie sich nicht an die Regel halten (und die Kondompflicht ist hier genauso ein Spassverderber wie die Warnhinweise auf Geldspielautomaten oder Zigarettenpackungen). Tatsächlich geht es nicht nur um HIV, sondern auch andere STDs wie Gonorrhoe oder Chlamydien: Erkrankungen, mit denen dann der Partner / die Partnerin des Klienten beglückt wird und die dort oft jahrelang unerkannt bleiben können.

    Anbieter von Sexdienstleistungen werden in die Pflicht genommen, so wie ein Strassenmusikant auch.

    Niemand wird in Deutschland zur Prostutution gezwungen. Zwangslagen (Suchtmittelkonsum, fehlender Aufenthaltsstatus, Schulden, zu kostspieliger Lebensstil) liegen im Verantwortungsbereich des Einzelnen. Prostitution ist da keine Lösung, Prostitution verschärft das Problem und sorgt für ein weiteres Abgleiten in ein kriminelles Milieu.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 PierreAnonym
  • 01.07.2017, 15:46h
  • Alle Fortschritte, die in jahrelanger, mühevoller Arbeit für (männl. & weibl.) Sex-Arbeiter erzielt wurden, werden mit einem Wisch zerstört.

    Da sieht man wieder mal, was dabei rauskommt, wenn Politiker in ihren Elfenbein-Türmen etwas entscheiden, ohne auch mal Experten gehört zu haben, die tagtäglich damit zu tun haben.

    Ich will gar nicht mal bestreiten, dass das gut gemeint war. Aber "gut gemeint" ist eben noch lange nicht "gut gemacht". Und einige der größten Katastrophen sind geschehen, weil irgendwer es vielleicht mal gut gemeint hat, aber die Sache nicht gründlich durchdacht hat.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 PierreAnonym
  • 01.07.2017, 15:52h
  • Antwort auf #5 von Eisenhower
  • Natürlich muss etwas gegen Zwangs-Prostitution getan werden.

    Aber das erreicht man mit diesem Gesetz gerade nicht.

    Im Gegenteil:
    das treibt Zwangs-Prostituierte noch mehr in den Untergrund.

    Und gleichzeitig werden die freiwilligen Sexarbeiter/-innen und ihre Kunden stigmatisiert. Stigmatisierung brigt aber gar nichts!

    Denn an Prostitution oder deren Inanspruchnahme ist nichts "Pfui", "Bäh" oder sonstwas. Das versucht diese religiöse Sexualmoral, die es bis in staatliche Organe geschafft hat, so darzustellen, aber erst mal ist da nichts verwerfliches dran.

    Menschen, die keine Beziehung haben (egal aus welchen Gründen, es gibt tausende Gründe) haben auch sexuelle Bedürfnisse. Und dann dafür zu zahlen ist nicht verwerflich.

    Wie gesagt:
    Zwangs-Prostitution und Menschenhandel müssen bekämpft werden, aber dieses Gesetz erreicht das exakte Gegenteil.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 PfuiAnonym
  • 01.07.2017, 15:58h
  • Also Blasen mit Kondom ist ja wohl unterirdisch.
    Dann kann man es auch ganz lassen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Julian SAnonym
  • 01.07.2017, 16:04h
  • Antwort auf #6 von Pierre
  • Ich glaube gar nicht mal, dass das eigentlich gut gemeint war und nur schlecht gemacht ist.

    Ich glaube, dass das auch schlecht gemeint war. Die erzkonservative Union würde am liebsten Prostitution ganz verbieten. Es gibt ja durchaus auch in Europa mehrere Länder, wo das der Fall ist.

    Da das hierzulande nicht durchsetzbar ist, versuchen sie in vielen kleinen Schritten (ist ja nicht die erste Gängelung des Sex-Gewerbes) Prostituierte und ihre Kunden immer mehr zu gängeln, zu stigmatisieren und an den Rand der Illegalität oder sogar darüber hinaus zu treiben.

    Und um das zu rechtfertigen wird dann scheinheilig der Kampf gegen organisierte Kriminalität, Zwangsprostitution, etc. angeführt, wogegen dieses Gesetz aber rein gar nichts bringt.

    Und das, was wirklich gegen Zwangsprostitution, organisierte Kriminalität, etc. helfen würde (z.B. mehr Personal für Polizei und Staatsanwaltschaften) wird NICHT gemacht, weil das zu teuer ist.

    Stattdessen gängelt man dann die legalen Prostituierten und ihre Kunden und behauptet auch noch, das würde Zwangsprostitution verhindern.

    So werden Wähler verarscht.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Rosa SoliAnonym
  • 01.07.2017, 16:11h
  • Das Gesetz ist in weiten Teilen ein "Showgesetz", das beschlossen wurde, um Moralapostel zu befriedigen. Es löst nicht eines der genannten Probleme, schon gar nicht Menschenhandel.

    Und wie soll denn die Kondompflicht kontrolliert werden? Stürmen da plötzlich Mitarbeiter des Ordnungsamtes das Puffbett und fordern den Freier auf, seinen Schwanz aus der Muschi zu ziehen, damit sie sehen können, ob auch ein Gummi drüber ist? Das ist Nonsens!

    Es wird genau das passieren, was oben bereits beschrieben wurde: Die Huren und die Stricher werden ihre Geschäfte künftig im Abseits erledigen, um die Bürokratie und die Gängelung zu umgehen. Dort werden sie alles andere als geschützt sein. Das Gesetz wird so das Gegenteil von dem erreichen, was es eigentlich bezwecken soll.
  • Antworten » | Direktlink »