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Gerichtsentscheidung

China: Opfer von Homo-"Heilung" erstmals entschädigt

Fast drei Wochen lang hielt eine Psychiatrie einen Schwulen gegen dessen Willen fest und versuchte, ihn zu "heilen".


Trotz der Warnung von Psychologenverbänden gibt es immer noch homophobe Ärzte, die versuchen, Schwule und Lesben zu "heilen"

Erstmals sind in China Ärzte wegen einer Zwangs-Konversionstherapie zu Schadensersatzzahlungen verurteilt worden. Wie die Nachrichtenagentur AP am Dienstag meldet, hat ein Gericht in der Millionenstadt Zhumadian eine psychiatrische Klinik dazu verurteilt, sich in Zeitungsanzeigen für die versuchte Homo-"Heilung" eines 38-jährigen Mannes zu entschuldigen. Außerdem sprach das Gericht dem Opfer eine Schadensersatzzahlung in Höhe von 5.000 Yuan (650 Euro) zu.

Der 38-Jährige hatte die Klinik verklagt, nachdem ihn seine Frau und andere Verwandte 2015 zwangsweise eingewiesen hatten. Die Psychiatrie diagnostizierte bei ihm eine "Störung der Sexualpräferenz" und hielt ihn 19 Tage lang fest. In dieser Zeit erhielt er Injektionen und wurde gezwungen, Medikamente einzunehmen.

Homosexualität seit 2001 keine Geisteskrankheit mehr

Bis 1997 war Homosexualität in China illegal, bis 2001 wurde die gleichgeschlechtliche Liebe als Geisteskrankheit eingestuft. Trotz der Streichung von der Krankheitsliste gibt es bis heute immer wieder Berichte, dass mutmaßliche Homosexuelle zwangsweise in Kliniken eingewiesen werden, um den Versuch zu unternehmen, ihre sexuelle Orientierung zu ändern. 2015 berichtete etwa der britische TV-Sender Channel Four über Elektroschock-"Therapien" an Homosexuellen (queer.de berichtete).

Homosexualität gilt in dem rund 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Land noch immer als Tabuthema. Laut einer aktuellen Umfrage traut sich nur ein Siebtel der Schwulen und Lesben, sich gegenüber ihrer Familie zu outen – die meisten, die es dennoch tun, berichten danach von Diskriminierungen.

Auch die autoritäre Regierung der Kommunistischen Partei versucht nach wie vor, gegen Homosexualität vorzugehen. So wurde erst vergangene Woche die Darstellung von Homosexualität in Online-Videos verboten (queer.de berichtete). Dennoch hat sich in den größeren Städten eine lebhafte LGBTI-Szene entwickelt, die sich immer lautstärker für ihre Rechte einsetzt.

Psychologen warnen bereits seit Jahren davor, dass Schwule und Lesben mit sogenannten Konversionstherapien in den Selbstmord getrieben werden können. So hat der Weltärztebund Homosexualität 2013 in einer Erklärung als "natürliche Variation menschlicher Sexualität ohne direkt daraus resultierende schädliche Auswirkungen" beschrieben. Schädlich für Schwule und Lesben seien lediglich "direkte und indirekte Diskriminierung, Stigmatisierung [und] die Ablehnung durch nahestehende Menschen und Mobbing" (queer.de berichtete). (dk)



#1 LinusAnonym
  • 04.07.2017, 14:51h
  • Sehr gut!

    Es ist längst wissenschaftlich bewiesen, dass solche angebliche "Homo-Heilung" schwerste psychische Schäden verursacht und bis zum Selbstmord führen kann.

    Deswegen wird sie in immer mehr Ländern verboten.

    Es wird Zeit, dass auch in Deutschland endlich ein Verbot dieser Gehirnwäsche kommt. Jetzt wo das Theme Ehe-Öffnung erledigt ist, sollten Parteien das zur Koalitionsbedingung machen. Hier geht es schließlich um Menschenleben!!
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#2 YannickAnonym
  • 04.07.2017, 15:42h
  • Antwort auf #1 von Linus
  • Ich wäre auch dafür, dass die Parteien, die bei Eheöffnung und Volladoption eine rote Linie gezogen haben, das auch bei anderen wichtigen Gleichstellungsthemen machen würden. Erst recht dort, wo es um Leib und Leben geht.

    Erstens hat man ja gesehen, wie schnell sich Dinge (bei allen Parteien) ändern können, wenn man sie nur zur Koalitionsbedingung macht.

    Und zweitens sollte es gerade bei Grundrechten keine Kompromisse geben. Die sollten eh nicht verhandelbar sein.

    Jetzt wo das Thema Eheöffnung durch ist, müssen sich die Parteien anderes einfallen lassen, wenn sie unsere Stimmen bekommen wollen.
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#3 Torben IversenAnonym
  • 04.07.2017, 15:54h
  • Antwort auf #1 von Linus
  • Ich spreche mich mangels Relevanz gegen ein solches Verbot aus.

    Es gibt heute schon genügend Strafrechtsbestände (Körperverletzung etc), die den Sachverhalt hinreichend abdecken.

    Es gilt zwei Fälle zu unterscheiden.

    Erstens, ein Erwachsener begibt sich freiwillig in eine solche Therapie. Da wird man nichts tun können. Denn es gibt Scharlatanerie zur Genüge, die wird auch nicht verboten.

    Zweitens, Eltern stecken einen Minderjährigen in eine solche Therapie. Dagegen kann vorgegangen werden, notfalls muss sich der Jugendliche an Lehrer und Jugendamt wenden.

    Ich sehe überhaupt keinen Grund, Dinge zu verbieten, die man gar nicht legal durchführen kann (bei Kindern und Jugendlichen), oder die ein mündiger Bürger mit Einwilligung an sich durchführen lässt.
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#4 ursus
  • 04.07.2017, 17:23h
  • Antwort auf #3 von Torben Iversen
  • und die realitätsverleugnung geht weiter. jugendliche, die von eltern, ärzten oder kirchengemeinden (oder allen zusammen) in eine potentiell lebensbedrohliche pseudo-therapie gedrängt werden, müssen sich halt nur selber schützen und hilfe suchen... alles klar.

    immerhin können wir hier schön beobachten, wie weltfremd und zynisch unionswähler ticken. danke für die erneute demonstration.
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#5 YannickAnonym
  • 04.07.2017, 18:20h
  • Antwort auf #3 von Torben Iversen
  • Jugendliche werden von ihren Eltern dazu gezwungen. Und Eltern, die mit ihren Kindern so umgehen, haben das Kind schon so eingeschüchtert, dass es sich garantiert nicht an Hilfsstellen wendet, sondern das über sich ergehen lässt oder vielleicht sogar wirklich denkt, es sei krank und würde nun geheilt.
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#6 Torben IversenAnonym
  • 04.07.2017, 18:37h
  • Antwort auf #4 von ursus
  • Es ist heute bereits verboten.

    Wenn Du einen solchen Fall kennst, solltest Du ihn dem Jugendamt oder den Strafverfolgungsbehörden melden. Das geht persönlich, telefonisch, oder über Web-Formulare.
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#7 Julian SAnonym
#8 TheDudeEhemaliges Profil
  • 04.07.2017, 19:22h
  • Während eines Aufenthaltes 2012 in einer psychosomatischen Reha in Bad Kreuznach sprach die Therapeutin auch immer von meiner "komischen Neigung", die ja für einen Großteil meines damaligen schlechten Zustandes verantwortlich war.
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#9 ursus
#10 Mamdouh Hanbal KouriAnonym
  • 04.07.2017, 19:37h
  • Fürchtet Euch nicht.

    Hier ist die Stellungnahme der Bundesregierung:

    »Die Bundesregierung vertritt im Einklang mit dem Weltärztebund und der Bundesärztekammer (BÄK) die Auffassung, dass Homosexualität keine Krankheit ist und daher auch keiner Behandlung bedarf. Ärztinnen und Ärzte und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind gegenüber ihren Patientinnen und Patienten grundsätzlich rechtlich verpflichtet, eine den fachlichen Standards entsprechende Behandlung zu erbringen. Werden Therapien angeboten, die geeignet sind, betroffene Menschen zu schädigen, sind gegebenenfalls die Ärztekammern oder Approbationsbehörden gefordert, im Einzelfall berufsrechtliche Schritte einzuleiten; gegebenenfalls müssen auch die Strafverfolgungsbehörden tätig werden.«

    Quelle: Drucksache 18/11334 Deutscher Bundestag

    dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/113/1811334.pdf

    Wer redet Euch denn solche Schauermärchen ein? Das würde mich noch interessieren.
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