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Die Oscar-gekrönte Schauspielerin starb wie jetzt bekannt wurde am Montag an einem Krebsleiden. Ihre größte Rolle: Mrs. Robinson.

Von Jan Gebauer

Sie wird wohl für immer als Mrs. Robinson in "Die Reifeprüfung" (1967, "The Graduate") in Erinnerung bleiben. "Es ist traurig, dass mich die Leute immer wieder darauf ansprechen, anstatt auf 'Ein Licht im Dunkel'", sagte Anne Bancroft einst in einem Interview über ihre berühmtesten Rollen. Für "The Miracle Worker" (1962), wie letztgenannter Film im Original heißt, gewann die Schauspielerin seinerzeit ihren einzigen Oscar. Ihre überragende Darstellung der Lehrerin Annie Sullivan, die das taubstumme Mädchen Helen Keller (Patty Duke) aus seiner Isolation befreit, ist auch heute noch ein Meilenstein des Hollywood-Kinos der 60er Jahre. Am Montag erlag die 1931 als Anna Maria Louise Italiano in der Bronx geborene Amerikanerin im Mount Sinai Hospital in New York einem Krebsleiden. Bei Schwulen war sie unter anderem für ihre glänzende Darstellung in "Das Kuckucksei" (Torch Song Trilogy) bekannt. Dort spielte sie eine jüdische Mutter, die große Probleme mit der Homosexualität ihres Sohnes (gespielt von Harvey Fierstein) hat und dies auch lautstark kundtut. Im Gegensatz zu dieser Rolle galt sie als sehr schwulenfreundlich. So spielte sie abermals eine Mutter eines homosexuellen Sohnes in "Familienfest und andere Schwierigkeiten" ("Home Of The Holidays", 1995) unter der Regie von Jodie Foster.

Fast vergessen ist ihre Darstellung einer Ärztin in John Fords letzter Regie-Arbeit "Sieben Frauen" ("Seven Women", 1965). Als resolute Vorgesetzte einer amerikanischen Frauen-Mission in China, die 1935 von mongolischen Horden überfallen und besetzt wird, kommen lesbische Anspielungen nicht zu kurz, wenngleich der Film eher offensichtlichen Rassismus und weniger ungelebte Sexualität transportiert. Anne Bancroft war in zweiter Ehe mit dem Schauspieler und Regisseur Mel Brooks verheiratet, in dessen Filmen sie auch mehrfach mitspielte ("Silent Movie", 1976, "Sein oder Nichtsein", 1983). Sie war ingesamt fünf Mal für den Oscar nominiert, zuletzt 1985 für "Agnes – Engel im Feuer" ("Agnes Of God") an der Seite von Jane Fonda und Meg Tilly. Ihr letzte Kinorolle war auch gleichzeitig ein weiterer Höhepunkt ihrer glänzenden und an großartigen Auftritten nicht armen Laufbahn: In "Heartbreakers" spielte sie als Gloria Vogel alias Barbara eine Heiratsschwindlerin, die versucht ihre eigene Kollegin und Freundin Sigourney Weaver aufs Kreuz zu legen. Danach spielte sie in dem TV-Drama "The Roman Spring Of Mrs. Stone" (2003, bisher nicht in Deutschland gesendet) an der Seite von Helen Mirren und Olivier Martinez und heimste dafür ihre siebte Emmy-Nominierung ein. Insgesamt verkörperte Anne Bancroft über 70 Rollen in Theater, Kino und Fernsehen.

8. Juni 2005