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Gräueltät in Bagdad

Irak: Entsetzen über brutalen Mord an jungem Schauspieler

Karar Noshi könnte wegen seines Aussehens getötet worden sein, spekulieren Medien im In- und Ausland – manche vermuten die gezielte Tötung vermeintlicher Homosexueller als Motiv.


Auf vielen Bildern bei Facebook zeigte sich Karar Noshi mit langem Haar und auffälliger, gestylter Kleidung (Bild: Facebook)

In irakischen Medien sorgt seit Tagen ein brutaler Mord an einem jungen Zivilisten für eine Debatte über den Einfluss gewalttätiger Milizen. Karar Noshi, Kunststudent, Model und Schauspieler, war am Wochenende in seiner Heimatstadt Bagdad getötet worden.

Zwei Tage nach seinem Verschwinden war der Leichnam Noshis auf der Palästina-Straße gefunden worden, eine mehrspurige Straße mit einigen Geschäften im Osten der Hauptstadt. Der Körper des Mannes wies zahlreiche Einstiche sowie Hinweise auf Folter auf. Die Hintergründe der Tat sind bislang nicht bekannt.

Noshi, der auch für eine Satiresendung arbeitete, hatte auf Facebook tausende Follower, nachdem sich Bilder von ihm als Model verbreitet hatten. Er postete dort viele Bilder von sich, aber auch Aussagen zu einer modernen Gesellschaft im Einklang mit dem von ihm gelebten muslimischen Glauben. Auf Spott, er sei der "Schönheitskönig von Irak", antworte er, die wahren Schönheitskönige des Landes seien "alle jungen Männer, die mit all ihrer Ehre kämpfen, die Nation zu verteidigen".

Bekämpft weil er anders war


Noshi zeigte sich in vielen Einträgen bei Facebook als gläubig

Entgegen manchen Medienberichten ist nichts über Noshis sexuelle Orientierung bekannt. Schlagzeilen, er habe sterben müssen, weil er "zu schwul" ausgesehen habe, entstanden zuerst in ausländischen Medien. Abwegig ist der Gedanke allerdings auch nicht.

So äußerten Freunde des Mannes durchaus, dass er wegen seines ungewöhnlichen und modischen Aussehens ermordet worden sein könnte. Zuletzt sei er in sozialen Netzwerken heftigst angegriffen und bedroht worden, auch weil das Gerücht auftauchte, er würde an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen – was er abgestritten hatte.

Die zahlreichen Bilder auf Facebook zeigten seine Arbeit vor der Kamera, auf die er stolz sei, schrieb Noshi auf Facebook. "Ich schätze meine persönliche Freiheit, mir ein einzigartiges äußeres Erscheinungsbild zu schaffen. Ich schweige zu den den schimpfenden Reaktionen, die zweifellos das Niveau ihrer Autoren widerspiegeln."

Homo- und Transsexuelle seit Jahren auf Todeslisten von Milizen


Mit diesem Bild brüsteten sich Milizen mit dem Tod eines vermeintlichen Schwulen im Jahr 2012

Irakische Medien und Freunde des Schauspielers vermuten, dass er von lokalen schiitischen Milizen ermordet wurde – nicht vom "Islamischen Staat", wie vor allem einige deutsche Boulevardmedien behaupteten, sondern von Gruppen, mit denen die Regierung teilweise gegen den IS ankämpft. Die Terrororganisation hatte in den von ihr eingenommenen Gebieten im Irak und Syrien in den letzten Jahren dutzende Menschen wegen angeblicher Homosexualität getötet und oft Aufnahmen der Hinrichtungen verbreitet (queer.de berichtete).

Allerdings hatten auch die Milizen im Irak seit 2006 Homo- und Transsexuelle ermordet, wobei sie das oft einfach an Kleidung oder Frisur der Opfer festmachten – 2012 machten so in vielen Medien Berichte über eine Mordwelle an "Emos" die Runde (queer.de berichtete), die wohl auch non-konforme Jugendliche traf, aber nach einer Untersuchung der BBC und von Menschenrechtsorganisationen wohl klar auf Homosexuelle und auch Transpersonen zielte. Opfer wurden teilweise gefoltert und zur Tötung von Hochhäusern gestürzt oder mit Betonsteinen erschlagen (queer.de berichtete).

In Vierteln tauchten damals öffentliche "Todeslisten" auf mit Namen von Menschen, denen angeraten wurde, ihr Verhalten zu ändern – ansonsten müssten sie sterben. Neben fanatischen Milizen seien auch Polizei und Militär an den Säuberungen beteiligt gewesen, so die BBC. Die Organisation Human Rights Watch vermutet, dass nach einer ähnlichen Flugblätter-Kampagne im Jahr 2009 bis zu mehrere hundert Schwule ermordet wurden (queer.de berichtete).

Noch heute komme es zu solchen Morden, berichtet die von einem aus dem Irak nach Schweden geflohenen Aktivisten gegründete Organisation IraQueer. Im Januar seien sieben Menschen aus mutmaßlich ähnlichen Gründen wie Karar getötet worden, sagte Amir Ashour dem US-Magazin "Daily Beast". Gerüchten zufolge hätten sie auf einer "Todesliste" mit 100 Namen gestanden.

Die Probleme der LGBT-Community würden mit dem Fall des "Islamischen Staates" nicht enden, befürchtet Ashour: "Der größte Gegner von LGBT ist die Regierung selbst. Sie bieten uns nicht nur keinen Schutz, sondern sie beteiligen sich an der Verletzung unserer Rechte." Der Staat arbeite mit mörderischen Milizen zusammen und unternehme keine Schritte, Menschen zur Verantwortung zu ziehen, die Homo- und Transsexuelle töteten.



#1 GronkelAnonym
  • 07.07.2017, 14:23h
  • Aus dem Artikel:

    "Die Probleme der LGBT-Community würden mit dem Fall des "Islamischen Staates" nicht enden, befürchtet Ashour: "Der größte Gegner von LGBT ist die Regierung selbst. Sie bieten uns nicht nur keinen Schutz, sondern sie beteiligen sich an der Verletzung unserer Rechte.""

    Bitte was? Das größte Problem ist erstmal der Mörder und seine Motive selbst. Wenn die Regierung es unterstützt sind sie dem Mörder gleichzusetzen.

    Wie er aber richtig sagt, mit dem Fall des islamischen Staates werden die Probleme nicht enden, sondern ganz im Gegenteil noch weiter in die Welt hinausgetragen. Ein Großteil der islamistischen Kämpfer des IS kommen ja aus anderen Ländern. Aus der EU kommen tausende, dorthin werden sie auch wieder, mit noch weiteren, zurück kehren.
    Kontrollen gibts ja nicht.
    Wir können uns noch auf einiges gefasst machen.
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#2 KettuAnonym
  • 07.07.2017, 14:56h
  • www.youtube.com/watch?v=K1Olz9Oa4Kc

    Vielfältige Angstauslöser

    Wenn größere Probleme des alltäglichen Lebens auftauchen, wie Krankheit, Hochwasser, Dürre, Missernte, Unfall und Krieg wird Hilfe an Orten oder bei Personen besonderer Kraft gesucht. Das Leben bringt natürlich noch eine Reihe anderer Probleme mit sich, die Ängste auslösen können, wie z. B. die Angst vor bösen Geistern.

    Eine Person, die z. B. blaue Augen und langes blondes Haar hat, kann die Ursache für ein Unglück sein, weil durch sie böse Geister auf etwas Wertvolles aufmerksam werden, was die Geister dann zerstören wollen.

    www.orientdienst.de/muslime/minikurs/aengste_im_volksislam/
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#3 SebiAnonym
#4 Homonklin44Profil
  • 07.07.2017, 16:45hTauroa Point
  • Antwort auf #2 von Kettu
  • Ich weiß zwar ungefähr, dass das einfach ein Problem einer nie ergänzten Aufklärung in den Ländern ist, aber diese Leute könnten sich auch mal die Mühe machen, Geisterglauben und Ähnliches aus einem realistischen Blickwinkel zu sehen. Ob gebleicht blond oder natürlich, es kommen in fast jedem Volk Menschen vor, die anders aussehen, als die Masse.

    Komischerweise wird Hilfe aus Europa und USA ect. gern angenommen, wenn Dürrekatastrophen, Missernten, Erdbeben, Hunger und Kriege dort stattfinden, und das, obwohl die in den Ländern, aus denen das Geld fließt, anders aussehen und anders leben. Die "bösen Geister" sind bestechlich.

    Wenn diese "bösen Geister" mehr Einfluss haben, als Allah selbst, wirtft das ein seltsames Licht auf den Islam des Volkes.
    wenn Menschen ermordet und gefoltert werden, damit nur die Religion wieder stimmt, ist das ein Armseligkeitszeugnis ohne Maß.
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#5 JasperAnonym
  • 07.07.2017, 16:57h
  • Schlimm.

    Was muss im Kopf solcher Fanatiker schief laufen, dass sie andere nicht einfach ihr Leben leben lassen und meinen, jedem der nicht ihr Leben imitiert, ermorden zu müssen.

    Da sieht man wieder mal, was Religion anrichtet und wie sie Hass und Gewalt über die Welt bringt.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 EulenspiegelAnonym
  • 07.07.2017, 17:18h
  • Antwort auf #4 von Homonklin44
  • Das Problem ist, wenn man die Hadithen direkt liest sollen auch alle die "Das Verbrechen von Sodom und Gomorrah" ausgeübt haben, getötet werden.

    Z.b.

    islamfatwa.de/soziale-angelegenheiten/74-straftaten-a-urteil
    e/1328-zina-ehebruch-unzucht


    Was allerdings verboten ist, ist es jemand nur aufgrund der Vermutung praktizierter Homosexualität zu töten - dies ist klar verboten. Somit sind solche Lynchmorde kein Stück vom Islam, der als Ausrede dafür verwendet wird, gedeckt! Foltern ist sowieso nicht in Ordnung, es muß ein juristischer Nachweis mittels Zeugen stattfinden. Nur dann ist die Hinrichtung durch Steinigen oder von der Klippe stürzen gestattet.

    Offen gelebte Homosexualtät also ist für Strenggläubige tödlich - deswegen fallen viele Gläubige in Gewissensqualen wenn sie ihr inneres coming out haben.

    Die meisten islamischen Länder habe aber zum Glück aus der Kolonialzeit noch ein Strafgesetzbuch, das hier "nur" Gefängnis vorsieht.

    Es gab hier in Queer.de mal einen Bericht über Homosexualität im Gazastreifen, wer harte Kost mag kann den raussuchen.
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#7 Pascal GoskerAnonym
  • 07.07.2017, 17:46h
  • Und manche Naivlinge unterschätzen immer noch die Gefahr und behaupten steif und fest "Islam heißt Friede".

    Ja, auch im Namen anderer Religionen wird Hass und Gewalt verbreitet.

    Aber der Unterschied ist:
    die anderen Religionen verlieren immer mehr Anhänger. Aber beim Islam meinen immer noch viele, man könne sich zu dieser Religion bekennen und gleichzeitig so tun, als würde einen der Terror, der im Namen dieser Religion verübt wird, nicht angehen.

    Wenn es wirklich so ist, dass man diese Taten verurteilt, muss man auch mal darüber nachdenken, ob man sich noch zu einer Religion bekennen kann, in deren Namen solche Taten verübt werden und in deren "Heiliger Schrift" zu Gewalt aufgerufen wird.

    Genau deshalb bin ich aus der Katholischen Kirche ausgetreten und das erwarte ich auch von Anhängern anderer Religionen. Ansonsten ist die Mitgliedschaft stille Unterstützung.
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#8 Pascal GoskerAnonym
#9 AbartigAnonym
  • 07.07.2017, 19:41h
  • Was ist denn das? Leute töten, weil sie nicht der «Norm» entsprechen??
    Es gibt auch Hetero-Männer mit weichen Gesichtszügen - na und?
    Ich glaube, Teile der Welt haben die Zahl 1945 noch nicht überstanden! Sehr erschreckend.
    Es wird immer Menschen geben, die individuell sind, das lässt sich durch Tod nicht ändern - zum Glück.

    Wie wär's mit Akzeptanz??
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#10 goddamn liberalAnonym
  • 07.07.2017, 20:17h
  • Antwort auf #7 von Pascal Gosker
  • "Ansonsten ist die Mitgliedschaft stille Unterstützung."

    Der Austritt aus dem Islam ist gar nicht so einfach, weil es eine formale 'Mitgliedschaft' gar nicht gibt.

    Ich glaube, dass das Opfer tatsächlich Opfer seines westlichen und modernen Auftritts war.

    Zu dieser Modernität passt auch sein säkularer Nationalismus ganz gut.

    Gerade der ruft bei der frommen Reaktion Aggressionen hervor.

    Kleidung ist in der islamischen Welt seit dem 19. Jh, immer ein Politikum.

    Und ist es auch heute z. B. bei diesen strammen Kurden:

    www.middleeasteye.net/news/hipster-iraq-erbil-kurd-109351630
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    Es ist ein liberalistischer Irrtum, etwa von Naivlingen wie Jasper Prigge (Die Linke), dass der Schleier nur irgendeine religiöse Mode ist. Gerade als Nikap ist er ein reaktionär-politisches Statement gegen die Welt-Zivilisation und nichts anderes.

    www.eudot.eu/aus-reformen.html

    Das hat mit dem Kopftuch islamischer und christlicher Bäuerinnen nichts zu tun.
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