Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?29225

Krönung eines persönlichen Kampfes

Johannes Kahrs kündigt Hochzeit an

Im kommenden Jahr ist der SPD-Bundestagsabgeordnete 25 Jahre mit seinem Partner Christoph zusammen – zum Jubiläum geht's zum Standesamt.


Johannes Kahrs bei einer Rede im Deutschen Bundestag. Der Hamburger SPD-Politiker ist seit 1998 stets direkt gewähltes Mitglied des Parlaments (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Nach Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Schleswig-Holsteins Sozialminister Heiner Garg (FDP) hat mit dem Bundestagsabgeordneten Joahnnes Kahrs (SPD) ein weiterer homosexueller Politiker angekündigt, die Ehe für alle auch persönlich in Anspruch nehmen zu wollen. Den Beschluss habe er am Tag nach der historischen Abstimmung vom 30. Juni gefasst, verriet der 53-Jährige der "Berliner Zeitung".

Kahrs ist mit seinem Partner Christoph seit vielen Jahren liiert. "Wir wollen heiraten, wenn wir im kommenden Jahr 25 Jahre zusammen sind. Dann trauen wir uns", sagte der SPD-Politiker. Kinder seien kein Thema, auch wenn der Weg zur gemeinschaftlichen Adoption nun frei ist. "Wir haben viele Patenkinder", so der Abgeordnete aus Hamburg.

Kahrs zu Merkel: "Vielen Dank für nichts!"

Johannes Kahrs gehörte zu den wichtigsten Kämpfern in der SPD für die Ehe für alle – und zu den besten Rednern zum Thema im Deutschen Bundestag. Immer wieder hatte er im Plenum seine Frustration über die Blockadehaltung der Union kundgetan. Im vergangenen Jahr warf er Bundeskanzlerin Merkel vor, "aus strategischen Gründen" Schwule und Lesben zu diskriminieren, "weil sie den konservativen Rand ihrer Partei und Wähler bei Laune halten möchte" (queer.de berichtete). Im Mai kritisierte er in einem Interview, dass die CDU-Vorsitzende Homophobie unterstütze (queer.de berichtete).

Auch bei der historischen Abstimmung am 30. Juni verzichtete Kahrs auf den von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) angemahnten "Respekt" für die Diskriminierer und hielt zwar eine wütende, aber die ehrlichste Rede zur Ehe für alle.

Direktlink | Wutrede zur Ehe für alle: Johannes Kahrs am 30. Juni 2017 im Bundestag

"Immer war es die CDU/CSU, die in jeder Frage die Gleichstellung von Lesben und Schwulen blockiert hat", erinnerte der SPD-Politiker an die Diskussionen der letzten Jahre – und griff dabei die Bundeskanzlerin direkt an: "Frau Merkel, es war erbärmlich, er war peinlich. Seit 2005 haben Sie die Diskriminierung von Lesben und Schwulen hier unterstützt und nichts dafür getan, dass es zu einer Gleichstellung kommt." Kahrs redete sich weiter in Rage: "Dieses ganze Verschwurbeln, es steht mir bis hier. Wir haben die Gleichstellung verdient!" Zur Kanzlerin meinte er schließlich: "Vielen Dank für nichts!"

Johannes Kahrs ist seit 1998 stets direkt gewähltes Mitglied des Bundestages. Auch bei der Wahl im September tritt er wieder im Wahlkreis Hamburg-Mitte an (queer.de berichtete). Der 53-Jährige ist haushaltspolitischer Sprecher und Beauftragter der SPD-Fraktion für die Belange von Schwulen und Lesben. Er ist darüber hinaus Mitglied des Ältestenrates und Sprecher des konservativen "Seeheimer Kreises" der Sozialdemokraten. (mize)



#1 Simon HAnonym
  • 08.07.2017, 09:32h
  • Herzlichen Glückwunsch.

    Ich fand Johannes Kahrs' Rede bei der Eheöffnungs-Debatte übrigens phantastisch. Wenn eine Partei wie die CDU/CSU über Jahre hinweg Gleichstellung blockiert und nicht mal eine Diskussion darüber zulässt, darf man nicht nur demütig den Bückling machen und dankbar dafür sein, wenn sich mal ein bisschen was ändert.

    Sondern dann muss man auch mal klare, deutliche Worte finden, die ganz offen kritisieren, was angerichtet wurde und wird.

    Und ich schließe mich dem Schlusssatz von Johannes Kahrs im vollen Umfang an:

    "Frau Merkel, vielen Dank für NICHTS."
  • Antworten » | Direktlink »
#2 SanottheEhemaliges Profil
  • 08.07.2017, 09:40h
  • Recht hatte er.
    Für mich die einzige Rede der ganzen Debatte, die mich beeindruckt hat.

    Dafür hat er sich einen offiziellen Tadel eingefangen. Einen Tadel dafür, schlicht die Wahrheit gesagt zu haben und die Realität nicht mit verlogenem Respekts-Gesäusel weichgespült zu haben.

    Erbärmlich.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 landerneauAnonym
#4 stephan
  • 08.07.2017, 10:10h
  • "... hielt zwar eine wütende, aber die ehrlichste Rede zur Ehe für alle."

    Das ist wohl wahr! Lammerts Gelaber vom Respekt war zudem völlig daneben, denn wer kann schon Respekt davor haben, dass Menschen andere Menschen diskriminieren und ihnen gleiche Rechte verwehren ... über Jahrzehnte! Lammerts völlige Ignoranz zeigte sich dann auch noch einmal nach der Bekanntgabe des Abstimmungsverhältnisses am 30. Juni, als er den Konfettiregen um Volker Beck in die Nähe von Albernheit rückte. Wer diesen Glücksmoment nach so vielen Jahren K(r)Kampf und bei diesem persönlichen Thema nicht nachvollziehen kann, dem scheint menschlich doch sehr viel zu fehlen!

    Ja, was die Hochzeitstermine angeht, so versuchen wohl nun manche von uns, bedeutende Termine der Partnerschaft aufzugreifen und an den jeweiligen Jahrestagen zu heiraten. (Wenn die Politik und Verwaltung jetzt schnell sind, schaffen wir das Anfang Oktober zum 26. Jahrestag auch noch ... obwohl in unseren Ringen der Tag der Standesamtaktion 19.08.1992 steht.) Ich freue mich für Johannes Kahrs und seinen Mann, für jedes einzelne Paar, dass nun heiraten kann und natürlich für unserer ganzes Land!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 goddamn liberalAnonym
  • 08.07.2017, 10:25h
  • Antwort auf #2 von Sanotthe
  • Auch meine herzliche Gratulation!

    Die traurige Wahrheit hinter dem Tadel für Johannes Kahrs ist:

    Viele erwarten hierzulande klammheimlich Dankbarkeit dafür, dass sie uns am Leben lassen.

    Es wird Unterwürfigkeit erwartet und klare Kante im Kampf für selbstverständliche Bürgerrechte nimmt man übel.

    Das betrifft nicht nur uns, das betrifft auch die Hauptopfergruppe des NS-Terrors:

    meedia.de/2017/06/22/die-antisemitismus-doku-bei-maischberge
    r-ein-debakel-fuer-den-wdr-auf-allen-ebenen/


    Selbst in Sachen Antisemitismus muss man hierzulande immer hübsch brav bleiben.

    Frage von Wolffsohn an Schönenborn (WDR):

    "Sollte eine Doku über Antisemitismus nicht projüdisch sein?"

    Antwort des WDR-Funktionärs:

    "Sie sollte promenschlich sein."

    Klingt gut, ist es aber nicht.

    Jüdische Deutsche, z. B. aus der Familie Wolffsohns, wurden von den Nazis ermordet, weil sie Juden waren.

    Nicht, weil sie Menschen waren.

    Antisemitismus in Filzlatschen halt.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Simon HAnonym
  • 08.07.2017, 10:39h
  • Antwort auf #4 von stephan
  • Dass Lammert "Respekt" für die Gegner der Eheöffnung gefordert hat, war doch klar, da er selbst auch dazu zählt und dagegen gestimmt hat.

    Aber für Diskriminierung, Vorurteile und Hass darf es niemals Respekt oder auch nur Tolerierung geben. Wer andere Menschen diskriminieren will, hat keinen Respekt verdient und darf ihn auch nicht bekommen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 SorryAnonym
  • 08.07.2017, 11:24h
  • Es verhält sich einfach so, wie es die schwarzen Amerikaner bis und nach ihrer offiziellen Gleichstellung auch erlebt haben und weiterhin erleben müssen.
    Der wirkliche Respekt ihnen gegenüber fehlt weiterhin in weiten Kreisen der US -Amerikanischen Gesellschaft.
    Weshalb sollte jemand denjenigen Respekt zollen, die ihn verachten, diskriminieren und weiterhin wegschauen wenn Schwarze ungebracht werden.
    So und nicht anders verhält es sich aus unserer Sicht mit den Gegnern der Gleichstellung.
    Warum sollte ich jemanden respektieren der mich als minderwertig ansieht?

    Wir müssen uns freuen über jeden gesetzlichen Schritt in Richtung offizielle Gleichstellung.
    Grund zur Dankbarkeit besteht in keiner Weise.
    Vollständigcin den Köpfen der Menscheit gleichgestellt werden wir vielleicht nie sein.
    Wir werden uns unser ganzes queeres Leben daran erinnern müssen, dass der Kampf nie zu Ende geht.
    Erst wenn jeder Vater sich über einen schwulen Sohn freut wie über einen Hetero, jedes Schulmädchen genauso gerne mit einer lesbischen Mitschülerin befreundet ist, wenn die Transgender Frau keine vetstörten Blicke mehr suf sich zieht etc. pp. könnte man darüber nachdenken, dass wir es geschafft haben...
  • Antworten » | Direktlink »
#8 habemus_plemplem
  • 08.07.2017, 11:42h
  • Wenn Herr Kahrs die aktive Unterstützung seiner Partei endlich einmal hinter sich weiß, wenigstens im denkbar spätesten, entscheidenden Moment der Legislaturperiode, dann haben seine Worte endlich das Gewicht, das sie verdienen. Seine Reden zu dem Thema erschienen mir zwar immer engagiert und authentisch, auch und gerade in ihrer Emotionalität, aber wenn seine eigenen Parteigenossen sich regelmäßig daran beteiligen, das Thema zu vertagen, wenn von seiner Parteispitze keine verbindlichen Aussagen kommen und wenn sich gar nicht erkennen lässt, dass seine Partei seine Forderungen mit demselben Nachdruck teilt, dann wirkten die Reden trotz allem nicht glaubwürdig. Selbst der größte Wutausbruch konnte an Merkel und Kauder einfach abperlen, wenn die beiden sich sicher sein konnten, dass sie von SPD-Fraktion und Parteiführung keine Kosequenzen zu befürchten hatten. Insofern tat mir Herr Kahrs ein bisschen leid, denn er wirkte wie ein frustrierter Hinterbänkler, den man nicht weiter ernst nehmen muss. Mangelnde aktive Unterstützung durch den Rest seiner Partei gehörte auch immer zu meinen Kritikpunkten, wenn ich mal SPD-Abgeordneten schrieb. Und natürlich konnte man irgendwann den Verdacht entwickeln, all diese Reden seien doch nur inszeniert, um LGBTI-Wähler_innen bei Laune zu halten.

    In der gezeigten Sitzung war das einmal wohltuend anders und ich schätze, den offiziellen Tadel kann sich Herr Kahrs als schöne Trophäe mit nach Hause nehmen. Würde ich mir einrahmen.

    Wer hat diesen Tadel eigentlich vergeben? Herr Lammert? Der die ELP im Grundgesetz festzementieren wollte, um die Ehe "für immer" vor Schwulen und Lesben zu schützen? Und der andererseits mal indirekt damit gedroht hat, die ELP wieder zurückzunehmen, wenn sich Schwule und Lesben nicht endlich mal mit ihr zufrieden geben und weiter mit Forderungen nerven? Kann man ja alles hier im Archiv nachlesen. Ob er wohl weiß, wie man Respekt überhaupt buchstabiert...?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Patroklos
  • 08.07.2017, 11:49h
  • Auf die Standesämter wird viel Arbeit zukommen und auf Bayern darf man dabei ganz besonders gespannt sein!
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Alhusayn Nasuh AntarAnonym
  • 08.07.2017, 12:15h
  • Wenn man auf Fernsehen, Auto und vor allen Dingen Alkohol verzichtet, und wenn man seinem Freund seit 25 Jahren ein treuer, fürsorglicher Gefährte ist, dann kann man unter Umständen auch ab und zu mal herumpoltern, so wie Johannes Kahrs.

    Ich würde mir sehr wünschen, meine Mitkommentatoren würden sich Johannes Kahrs auch in der individuellen Lebensführung zum Vorbild nehmen, und nicht nur bei der Verwendung von Rowdy-Ausdrücken, und bei der Inszenierung von Krawalle.

    Schade dass Kahrs Mitglied der SPD ist und sich dadurch nicht stärker engagieren und einbringen kann. Aber, davon unabhängig, auch von mir alles Gute zur anstehenden Hochzreit!
  • Antworten » | Direktlink »