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Umfrage

Österreich: Deutliche Mehrheit für Ehe für alle

In Österreich ist die Gleichstellung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht zwar vor der Wahl im Herbst gescheitert, eine deutliche Mehrheit der Bürger unterstützt aber die Ehe für alle – sogar unter FPÖ-Anhängern gibt es eine relative Mehrheit.


Wird Österreich der Entscheidung Deutschlands folgen und Schwule und Lesben im Ehe-Recht gleichstellen? (Bild: jamescridland / flickr / by 2.0)

Laut einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage des Nachrichtenmagazins "Österreich" wünscht sich die Mehrheit der Bevölkerung zwischen Dornbirn und Eisenstadt die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben. Demnach unterstützen derzeit 59 Prozent der Österreicher die Ehe für alle, nur 25 Prozent lehnen sie ab. 16 Prozent der Befragten machten keine Angaben. Die Umfrage wurde zwischen dem 4. und 6. Juli durchgeführt, also nach der historischen Entscheidung des Deutschen Bundestages, die Ehe zu öffnen (queer.de berichtete).

Bei den Anhängern der Parteien gibt es große Unterschiede: Am meisten unterstützen die Fans der liberalen NEOS die Ehe-Öffnung – 79 Prozent der NEOS-Wähler sprachen sich dafür aus, nur sieben Prozent wollten am Ehe-Verbot festhalten. Auch bei den Grünen (73 Prozent), der sozialdemokratischen SPÖ (71 Prozent) und der konservativen ÖVP-"Liste Sebastian Kurz" (55 Prozent) gab es eine Mehrheit für die Ehe-Öffnung – obwohl sich Spitzenkandidat Sebastian Kurz erst vergangenen Monat in einem TV-Interview gegen die Ehe für alle ausgesprochen hat (queer.de berichtete).

Am schwersten tun sich die Wähler der rechtspopulistischen FPÖ: Lediglich 46 Prozent der Partei-Anhänger sprachen sich für die Ehe für alle aus. Eine ablehnende Haltung haben 37 Prozent. Die Zahlen sind jedoch überraschend für eine Partei, die eine Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben kategorisch ablehnt und sich mit Homophobie einen Namen gemacht hat; so hatte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache Homosexualität als "Krankheit" bezeichnet.

Junge und Frauen sind Ehe-für-alle-Fans

Zudem zeigt die Umfrage, dass insbesondere jüngere Wähler und Frauen die Ehe für alle unterstützen. Bei den unter 30-Jährigen liegt die Zustimmungsrate bei 77 Prozent, bei den über 50-Jährigen sinkt sie auf 52 Prozent. Groß ist auch der Unterschied zwischen Männern (51 Prozent) und Frauen (68 Prozent).

In den letzten Monaten gab es in Österreich eine Debatte um die Ehe für alle. Allerdings verhinderte eine Ablehnungsfront aus ÖVP, FPÖ und der Partei "Team Stronach" die Gleichstellung – die drei Parteien verfügen derzeit über 95 der 183 Sitze im Nationalrat. Befürworter der Ehe für alle hoffen auf ein gutes Abschneiden der LGBTI-freundlichen Parteien bei der nächsten Nationalratswahl am 15. Oktober. SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern versprach beim Vienna Pride vergangenen Monat, sich für die Ehe-Öffnung einzusetzen (queer.de berichtete).

In Österreich dürfen Schwule und Lesben seit 2010 ihre Partnerschaften eintragen lassen. Wie in Deutschland enthielt das Gesetz zunächst weit mehr Pflichten als Rechte, wurde jedoch in den letzten Jahren mehr und mehr angeglichen. So entschied der österreichische Verfassungsgerichtshof bereits 2015, dass das Adoptionsverbot für verpartnerte Paare gegen die Bundesverfassung verstößt (queer.de berichtete). (dk)



#1 OrthogonalfrontAnonym
  • 10.07.2017, 11:06h
  • "nur 25 Prozent lehnen sie ab"

    Erschreckend, dass immer noch ein Viertel (!) der Bevölkerung etwas ablehnt was absolut nichts mit ihnen zu tun hat, aber einen ganzen Teil der Gesellschaft sehr glücklich machen würde. Das ist Homophobie und sonst gar nichts.
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#2 Patroklos
  • 10.07.2017, 11:08h
  • Bei den FPÖ-Anhängern findet die "Ehe für Alle" eine relative Mehrheit - finde den Fehler!
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#3 Simon HAnonym
  • 10.07.2017, 11:16h
  • Wie lange will die österreichische Regierung noch den Willen des Volkssouveräns ignorieren?

    Manche Politiker vergessen, dass sie nicht gewählt wurden, um dann wie Sonnenkönige ungestört ihren Willen durchsetzen zu können, sondern um den Willen des Volkes umzusetzen!!

    Es wird Zeit...

    Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben... (und der Wähler...)
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#4 leERtASte_
  • 10.07.2017, 11:38h
  • Leider gibt es in Ö keine linke Mehrheit bzw lässt Sebastian Kurz auch nicht frei nach dem Gewissen in seiner ÖVP abstimmen. Beides hätte die Eheöffnung noch vor den Wahlen im Herbst gebracht.

    So liegt die Hoffnung weniger auf den Wahlen, denn die werden höchstwahrscheinlich eine ÖVP-FPÖ Regierung bringen, als auf dem Verfassungsgerichtshof. Eine Klage liegt liegt vor und wir können nur hoffen, dass sie durchgeht.
    Sonst wird es ziemlich sicher keine Eheöffnung vor der übernächsten Wahl geben.
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#5 JasperAnonym
  • 10.07.2017, 11:48h
  • Die volle Gleichstellung ist nicht nur für LGBTI eine zentrale Frage, sondern sie sollte es auch für Heteros sein:

    Solange LGBTI diskriminiert werden, ist eine Gesellschaft als Ganzes nicht frei. Und die Heteros müssen auch bedenken, dass vielleicht auch mal ihre Kinder oder Enkel davon betroffen sein werden.

    Und nicht zuletzt nützt die volle Gleichstellung einem Land auch wirtschaftlich. Wie groß muss der Hass mancher Politiker sein, wenn sie zur Durchsetzung ihrer persönlichen Vorurteile sogar dem ganzen Land schaden?!
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#6 GeorgFalkenhagenProfil
  • 10.07.2017, 11:56hBremen
  • Als deutsche Kämpfer für die Homorechte begrüßen mein Verlobter und eingetragener Lebenspartner Jörg diese Entwicklung auf das Außerordentlichste!

    So einen Anschluss Österreichs bzw. das"Heim ins Reich"-Procedere lieben wir im Angesichte unserer gaymeinsamen Vergangenheit. (nicht falsch verstehen, bin kein Nazi).

    Also, Brüder und Schwestern, auf in Kampf für die Menschenrechte!

    VENCEREMOS
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#7 MatsAnonym
  • 10.07.2017, 12:09h
  • Antwort auf #4 von leERtASte_
  • Natürlich ist der Verfassungsgerichtshof eine Chance und Hoffnung auf die Durchsetzung von Demokratie, Grundrechten und Rechtsstaat.

    Aber man sollte nicht resignieren und sich nur darauf verlassen. Man muss jetzt auch den Druck auf die Politik aufrechterhalten und sogar noch verstärken. Und vielleicht gelingt es ja auch, eine ÖVP/FPÖ-Regierung zu verhindern.
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#8 Mathias BachAnonym
  • 10.07.2017, 12:20h
  • Antwort auf #5 von Jasper
  • Danke für dieses glänzende Argument.

    Wer über Monate hier auf Queer.de mit grosser Mühe versucht hat, solchen Wortmeldungen zu entgehen ("Wie groß muss der Hass mancher Politiker sein??") um sich nicht allzusehr durch die Lektüre agitatorischer Fantasiebeiträge zu beschmutzen,findet so etwas also fortan in Nachrichten zu Österreich.

    Ich hoffe, in Österreich wird die "Ehe für Alle" bald erlaubt, oder Homosexualität wird verboten. Damit Ruhe herrscht.

    Die Leser eines Nachrichtenportals haben nämlich auch Rechte, und die halte ich in diesem Fall für vorrangig.
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#9 SebiAnonym
  • 10.07.2017, 13:02h
  • "Österreich: Deutliche Mehrheit für Ehe für alle"

    Ich finde es skandalös, den Willen der Bürger dermaßen zu missachten.

    Wer seine Bürger ignoriert und noch dazu einen Teil seiner Bürger wie Menschen 2. Klasse behandelt, hat es nicht verdient, ein Land zu regieren.
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#10 leERtASte_
  • 10.07.2017, 13:15h
  • Antwort auf #7 von Mats
  • Da hast du Recht. Darauf verlassen darf man sich auf keinen Fall. Ich würde die Chance auch nicht unbedingt höher als 50% sehen, dass der VfGH die Eheöffnung veranlasst.

    Und ja der Kampf für gleiche Rechte geht in jedem Fall weiter. Der Druck auf die nächste Regierung wird aufrecht bleiben, egal wer sie stellt.
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