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Jetzt in der Queerfilmnacht

Nachdenkliches vom schwulen Partyschiff

Der Filmemacher Tristan Ferland Milewski geht in seiner Doku "Dream Boat" gemeinsam mit rund 3.000 homosexuellen Männern an Bord eines Kreuzfahrtschiffes.


Die Doku "Dream Boat" startet offiziell am 13. Juli im Kino und läuft bereits jetzt in der Queerfilmnacht (Bild: gebrueder beetz filmproduktion)

Mit seinem 1996 erstmals veröffentlichten Erlebnisbericht "Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich" schuf der Schriftsteller David Foster Wallace eine Art Blaupause für den zeitgenössischen Blick auf die Kreuzfahrtindustrie: Mit Sinn für Humor sowie einem feinen Gespür fürs Absurde lotet Wallace in seiner Reportage die Abgründe dieser immer populärer werdenden Urlaubsform aus – und kann der Kreuzfahrt bei aller entlarvenden Kritik doch nicht vollkommen ihre Verlockungen nehmen.

Den Reiz einer ganz speziellen Art von Seereise versucht nun der Regisseur Tristan Ferland Milewski zu ergründen. "Dream Boat", so der verheißungsvolle Titel von Milewskis Dokumentarfilm, begleitet rund 3.000 schwule Männer auf eine Kreuzfahrt durch den östlichen Atlantik. Erholung, Fitness und Partys stehen auf dem Programm, und zudem lockt die Aussicht, dass sich auf dem Schiff alle auf Augenhöhe und in familiärer Eintracht begegnen. Dass Mann vom anderen Ufer ist sowie die damit verbundenen Sorgen, werden auf hoher See unter Gleichgesinnten schließlich bedeutungslos.

Außenseiter auf dem schwulen Traumschiff

So scheint "Dream Boat" zunächst voll und ganz zu bestätigen, was schon die Werbung der Kreuzfahrtbetreiber verspricht: Unter der strahlenden Sonne feiern und faulenzen Männer aus aller Welt und unterschiedlichen Alters. Zwischen blauen Pools und üppigen Buffets formen sie einen fleischgewordenen Traum in knappen Höschen.

Ohne Scheu und durchaus fasziniert blickt die Kamera auf das Treiben, aber Milewski lässt sich nicht einfach bloß mitreißen. Der Filmemacher setzt gekonnt eigene Akzente, etwa durch den ironisierenden Soundtrack oder die Wahl seiner Protagonisten. Denn aus der letztlich recht gleichförmigen Masse an Feierwütigen mit Bart, Muskeln und Undercut pickt er einige Männer heraus und porträtiert sie fast schon als Außenseiter: Der Inder Dipankar etwa wirkt mit seinem runden Bauch wie ein Fremdkörper zwischen all den Sixpacks, während der hübsche Pole Marek Tiefgang vermisst und nicht immer auf sein Aussehen reduziert werden will.

Die Utopie demontiert sich von allein

"Dream Boat" ist keine ätzende Abrechnung, wie sie einst Wallace schrieb. Aber je länger man dieser Kreuzfahrt beiwohnt, umso heftiger gerät auch der mühevoll errichtete schöne Schein ins Wanken, mit dem die Tourismusindustrie Jahr für Jahr mehr Schwuppen zum Kauf eines Tickets verführt.

Die Utopie des schwulen Traumschiffs demontiert sich quasi von allein, Milewski muss hier niemanden denunzieren und spricht Themen wie Arbeitsbedingungen oder Umweltbelastung durch die Tourismusindustrie gar nicht erst an. Zur Verzweiflung treiben die Protagonisten schließlich die eigenen Ansprüche und Wünsche, die sich nicht so leicht über Bord werfen lassen: Jugendwahn, Körperkult sowie die Zerrissenheit zwischen frei verfügbarem Sex und romantischer Liebe sind Themen, mit denen sich wohl auch ausgesprochene Landratten und aufgeklärte Kreuzfahrtkritiker auseinandersetzen müssen.

Vimeo / gebrueder beetz filmproduktion | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Dream Boat. Dokumentarfilm. Deutschland 2017. Regie: Tristan Ferland Milewski. Laufzeit: 95 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Kinostart: 13. Juli 2017, bereits jetzt in der Queerfilmnacht
Galerie:
Dream Boat
10 Bilder


#1 UrlauberAnonym
  • 10.07.2017, 15:16h
  • "mit denen sich wohl auch ausgesprochene Landratten und aufgeklärte Kreuzfahrtkritiker auseinandersetzen müssen."

    ODER man hat einfach mal URLAUB und scheißt drauf!
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#2 schwuler NichtdtschrAnonym
#3 BobAachenProfil
#4 JuppAnonym
  • 11.07.2017, 10:55h
  • Ich war gestern in dem Film :

    Ein toller Film

    Geil, lustig, tiefsinnig werden die bewegenden Geschichten von verschiedenen Teilnehmern interessant und persönlich erzählt

    Ich bin begeistert

    Vom Rollstuhlfahrer bis zum HIV +
    Verschiedenste Gruppen und Nationalitäten sind auf dem Schiff anzutreffen - eben nicht nur die jung und schön Fraktion.
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#5 OrthogonalfrontAnonym
#6 sdkfhAnonym
#7 TagesweisheitAnonym
#8 feucht und schwüles KlimaAnonym
#9 schwuler NichtdtschrAnonym
#10 daVinci6667
  • 11.07.2017, 16:23h
  • Antwort auf #5 von Orthogonalfront
  • "jung sein ist auch nur rein körperlich von Vorteil."

    Ganz ehrlich, käme ein Feerich vorbei der mir 3 Wünsche frei gäbe, würde ich mir nur wünschen wieder Mitte 20 zu sein, wenn ich das Wissen und die Lebenserfahrung von heute bewahren könnte, ich trotzdem nur noch 10 Jahre bis zur Pensionierung arbeiten müsste, und nur wenn ich im Jahre 2017 jung sein könnte. Zurück damals, bei der damals noch viel ausgeprägteren Diskrimierung, Nö Nein Danke! Never ever.
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