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"Du Scheißtranse"

55-jährige Transfrau von Jugendlichen in Kölner Innenstadt attackiert

Mit transphoben Sprüchen attackierten vier Jungs eine Transfrau und versuchten, sie auf einer belebten Einkaufsstraße zu bestehlen. Die Frau beklagte, dass ihr zunächst niemand zur Hilfe gekommen sei.


Die Kölner Polizei erhielt von dem Opfer viel Lob

Vier männliche Jugendliche haben am Dienstagabend in der Kölner Innenstadt die 55-jährige Transfrau Michaela Dudley angegriffen, transphob beschimpft und versucht, ihre Geldbörse zu entwenden. Die Buchautorin und Übersetzerin aus Schleswig-Holstein, die beruflich regelmäßig in die Domstadt kommt, verfolgte die mutmaßlichen Täter, die schließlich von der Polizei gestellt werden konnten.

Der Vorfall ereignete sich gegen 19.45 Uhr in der Shoppingmeile Breite Straße. Die einen Tag später noch spürbar mitgenommene Angegriffene erklärte gegenüber queer.de, sie sei von vier gebrochen Deutsch sprechenden Jugendlichen beleidigt und am Gesäß begrapscht worden. Einer der Jungen habe versucht, ihre Geldbörse mit den Worten "Was hast du da, du Scheißtranse?" zu entwenden.

Die Täter hätten schließlich die Flucht ergriffen; die 55-Jährige, die derzeit für den Halbmarathon trainiert und daher körperlich fit ist, habe dann die Verfolgung zu Fuß aufgenommen und sie nach einigen Minuten stellen können. Es sei dann zu einem Handgemenge gekommen, in dessen Verlauf die Frau von den Jugendlichen zu Boden gestoßen wurde. Sie stand auf und wehrte sich mit ihrem Regenschirm. Schließlich griff die herbeigerufene Polizei ein und nahm auf der Wache die Personalien der Jungen auf.

Laut der Kölner Polizei konnten die Personalien von drei der Jugendlichen festgestellt werden. Es habe sich um zwei 14-Jährige und einen 15-Jährigen gehandelt. Sie seien später in eine Jugendunterkunft gebracht worden.

"Ich habe eigentlich Zivilcourage erwartet"


Michaela Dudley ist noch immer mitgenommen vom Übergriff in der Kölner City (Bild: privat)

Dudley beklagte auch, dass sie auf der belebten Einkaufsstraße von Passanten keine Hilfe erhalten habe, obwohl sie lautstark auf den Überfall aufmerksam gemacht habe: "Ich habe eigentlich Zivilcourage erwartet", sagte die 55-Jährige. Stattdessen sei sie lediglich begafft worden. Erst am Ende habe ein Passant die Polizei alarmiert.

Vom Personal eines italienischen Restaurants sei sie ebenfalls beschimpft worden, weil sie die Gäste gestört habe – ihr wurde außerdem vorgeworfen, wegen ihrer weiblichen Kleidung den Angriff provoziert zu haben. Ein großes Lob sprach Dudley hingegen für die Polizei aus, die sie als "mir gegenüber sehr aufmerksam und aufgeschlossen" bezeichnete.

Besonders schockierend sei gewesen, dass sich der Vorfall nur zwei Tage nach dem Cologne Pride ereignet habe. "Für Lesben, Schwule und Transgenderpersonen sind solche Vorfälle in Köln leider zunehmend Alltag; man ist Freiwild, wenn nicht gerade CSD ist", so ihr Fazit. (dk)



#1 schwuler NichtdtschrAnonym
  • 12.07.2017, 17:21h
  • Frau Dudley, hoffentlich hat Sie die Gewalt nicht allzu sehr mitgenommen, und Sie koennen sich bald vom Vorfall gaenzlich erholen. Mindestens scheint die Polizei in Deutschland korrekt zu handeln.
    Herzlichen Gruss
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#2 Freche_BubisAnonym
  • 12.07.2017, 18:31h
  • Das sind dann die Jugendlichen, die zu heulen beginnen, wenn der Lehrer oder Ausbilder ein schlechtes Zeugnis ausstellt, bzw. wenn die Eltern ein Partybesuch verbieten!

    Alles Gute an die 55 jährige.
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#3 tineAnonym
  • 12.07.2017, 18:39h
  • Liebe Frau Dudley, ich hoffe, Sie haben sich ein bisschen regenerieren können. Chapeau vor Ihrem Mut und Ihrer eigenen Courage, die sicherlich Schlimmeres verhindert hat. Traurig und unvorstellbar, dass Passanten Hilfeleistung verweigern, wenn ein Mensch ganz offensichtlich in Not ist und um Hilfe bittet. Ich hoffe, dass Ihnen zukünftig derartig negative Erlebnisse erspart bleiben. Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen
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#4 tti3_allianceProfil
  • 12.07.2017, 19:03hWashington State
  • .
    Ist Köln eigentlich grundsätzlich sicher zu besuchen?

    Ist man in Köln nicht bereit Menschen zu helfen?

    Ist es Gewerbetreibenden und deren Angestellte - erlaubt - Opfer beschimpfen, statt Hilfe zu leisten?

    Ist die Köln'er Presse / Medien bereit sich dem Thema Transphobie und unterlassene Hilfeleistung zu stellen?

    .

    wordpress.com/post/transallianceproject.wordpress.com/13746
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#5 titusAnonym
  • 12.07.2017, 19:14h
  • Mich hat dieser Bericht sehr betroffen gemacht! Der aktuelle Vorfall macht leider drastisch klar, dass mit der "Ehe fürAlle" unsere Probleme, die Vorbehalte eines Teil der Gesellschaft gegenüber LGBT nicht eliminiert sind.
    Die rechtliche Gleichstellung alleine genügt nicht. Es bedarf Auklärung, Aufklärung, Aufklärung -nicht nur in den verschiedenen Ebenen unserer Gesellschaft, vor allen Dingen bei Jugendlichen, aber dagegen marschiert ja die "Demo für Alle", unbegreiflich.
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#6 FiniAnonym
  • 12.07.2017, 19:39h
  • Ich wurde auch schon aufgrund meiner Transsexualität abends in einer Fußgängerzone bedroht. Seitdem kleide ich mich möglichst unauffällig um nicht aufzufallen.
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#7 GinaAnonym
  • 12.07.2017, 20:42h
  • Hmm, echt traurig sowas zu hören.
    Allerdings kann ich es bis jetzt noch nicht bestätigen, das es so schlimm schon Ist, zumindestens ist es mir noch nicht passiert,wenn ich in Köln unterwegs bin. Selbst hier in Frankfurt kann ich recht unbehelligt mich bewegen. Kann aber auch vielleicht am Passing liegen.
    Mittlerweile bin ich auch der Meinung, das von seitens des Staates, viel härtere Strafen verhängt, bei verbalen und körperlichen Angriffen, werden sollten,gerade bei Jugendlichen.
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#8 Patroklos
  • 12.07.2017, 22:21h
  • Es ist erfreulich, daß die Kölner Polizei die Angreifer fassen konnte. Gleichzeitig ist es aber auch traurig, daß niemand Zivilcourage zeigte, da muß sich noch viel ändern!
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#9 Homonklin44Profil
  • 13.07.2017, 03:46hTauroa Point
  • Ich bin auch nicht der mutigste Typ Mensch und hatte schon selbst mehrfach auch mit potenziell homophober Gewalt Erfahrung, aber ich finde es doch sehr beschämend, dass der Frau niemand zu Hilfe kam. Nur 5 oder 10 beherzte Passanten hätte das gebraucht, und diese Jungen hätten ihre Übergriffigkeit eher eingestellt. Sind denn die Leute schon so gleichgültig geworden, oder will keiner mehr mit irgendwem etwas zu tun haben?

    Für die eigens aufgebrachte Beherrschung und Courage muss man Frau Dudley loben und den Hut vor ihr ziehen.

    Allmählich stünde es am gesellschaftlichen Bedarf, grundlegende Umgangsformen und den Respekt vor einander auch wieder den nachwachsenden Generationen zu vermitteln. Als Jugendliche waren 'wir' auch nicht perfekt und sicher manches Mal widerspenstig, aber gegenüber uns Unbekannten hätten 'wir' ein solches Verhalten nicht an den Tag gelegt.

    Ob solche "Scheißjugendlichen" was lernen würden, wenn man ihnen Playse und Smartphone einige Monate abnimmt? Früher hätten die den Hintern voll bekommen und jeden Morgen ab 5 Uhr den Stall gemistet, bis sie umgänglich werden. Taschengeld gestrichen, falls es das überhaupt gab. Hausarrest. Heute folgen kaum noch Strafen.
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#10 JunikäferAnonym
  • 13.07.2017, 07:31h
  • "Schließlich griff die herbeigerufene Polizei ein und nahm auf der Wache die Personalien der Jungen auf.

    Laut der Kölner Polizei konnten die Personalien von drei der Jugendlichen festgestellt werden. Es habe sich um zwei 14-Jährige und einen 15-Jährigen gehandelt. Sie seien später in eine Jugendunterkunft gebracht worden."

    Wie und das wars dann auch schon, ja?
    Da gibt es also noch nicht einmal mehr verantwortliche Erziehungsberechtigte, die entsprechend Druck bekommen, sich um ihre Brut zu kümmern?
    Hamburg ein mediales Drama - Köln, irgendwie auch scheißegal, was da Silvester 15/16 passiert ist.

    Leute, und dann wundert ihr euch noch, dass die AfD massenhaft Zulauf bekommt oder die Menschen mittlerweile anfangen sich zu bewaffnen?

    Das ist keine Kritik an der Kölner Polizei, mir ist bewusst, dass die effektiv gar nichts machen können, wenn die Gerichte nicht mitziehen.
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