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Historische Entscheidung in Valletta

Maltas Parlament stimmt für die Ehe für alle

Nur drei Jahre nach der Einführung von Lebenspartnerschaften hat die katholisch geprägte Insel die komplette Gleichstellung homosexueller Paare beschlossen.


Am Abend erstrahlte der Sitz von Premierminister Joseph Muscat in Regenbogenfarben, während auf dem Platz tausende die Ehe-Öffnung feierten (Bild: FZL / twitter)

Das maltesische Einkammern-Parlament hat am Mittwochabend in dritter und letzter Lesung für die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare gestimmt. Für die Vorlage der Regierung stimmten 66 von 67 Abgeordneten, gegen sie nur ein Abgeordneter der konservativen Opposition: Edwin Vassallo erklärte vorab, er könne den Schritt nicht mit seinem Gewissen und Glauben vereinbaren.

Der seit 2013 amtierende Premierminister Joseph Muscat, dessen Labour-Partei auf 37 Sitze kommt, hatte die Ehe für alle nach der gewonnenen Parlamentswahl Anfang Juni als Priorität seiner Regierung behandelt und eine Umsetzung noch vor der Sommerpause versprochen (queer.de berichtete). Auch die einzige andere im Parlament vertretene Partei, die oppositionellen, zur christdemokratischen Europäischen Volkspartei gehörenden Nationalisten (30 Sitze), hatte vorab eine Zustimmung versprochen.

Als das Land 2014 eingetragene Lebenspartnerschaften einführte, hatten sich die Konservativen noch enthalten. In den Parlaments- und Ausschussberatungen der letzten zwei Wochen hatten sie versucht, einen anderen Weg der Ehe-Öffnung zu erzielen: Sie störten sich daran, dass Begriffe wie "Vater", "Mutter" oder "Ehemann" in diversen Gesetzen geschlechtsneutral formuliert werden sollen. So soll es zum Abschluss der standesamtlichen Zeremonie ab jetzt "Ihr seid nun Ehepartner" statt "Ihr seid nun Mann und Frau" heißen.

Die Regierungsmehrheit lehnte alle Änderungsanträge der Opposition ab. Eine Reform im Gesetzestext betrifft somit auch heterosexuelle Ehen: Die Partner dürfen über den Nachnamen frei entscheiden. So kann der Ehemann erstmals den Nachnamen der Ehefrau annehmen, auch Doppelnamen werden erstmals möglich.

Party und Entsetzen auf der Insel

Wie zur finalen Abstimmung zur Lebenspartnerschaft hatten die LGBTI-Organisationen des Landes, aber auch die Parteien zu einer Feier am Mittwochabend vor dem Sitz des Premierministers aufgerufen. "Falls Du Dir immer noch unsicher bist, denk dran, dass das ein 'Ich war dabei'-Moment wie wenige andere ist", twitterte etwa die Organisation MRGM. "Wir sehen uns später".

Today is the day! #Malta makes another leap forward with its #MarriageEquality Bill Parliament vote on Wed 12 July #ŻwieġIndaqs

Posted by Joseph Muscat on Dienstag, 11. Juli 2017
Facebook | Der Regierungschef Joseph Muscat bot in sozialen Netzwerken seit Tagen einen Countdown zur Ehe-Öffnung

Vor dem Parlament hatten am Dienstag 100 bis 150 überwiegend christlich motivierte Menschen gegen die Ehe-Öffnung demonstriert. Sie forderten auf Plakaten eine freie Gewissensabstimmung und die Beibehaltung von Begriffen wie Vater und Mutter. Ein Sprecher sagte, die Initiative sei ein "Angriff auf die traditionelle Ehe" aus "Mann, Frau, Kind und Gott".


Der Gegenprotest am Dienstag vor dem Parlament

Ein monatelanges Dauerfeuer gegen die Ehe-Öffnung war von der Katholischen Kirche gekommen: Erzbischof Charles Scicluna hatte bereits vor der ersten Lesung Gläubige dazu aufgerufen, für Politiker zu beten, dass diese "auf der Seite von Jesus" stehen blieben. "Ich kann beschließen, dass ein Johannisbrot und eine Orange nicht mehr mit ihrem Namen bezeichnet werden sollen", sagte er später in einer Predigt. "Aber ein Johannisbrot bleibt ein Johannisbrot und eine Orange bleibt eine Orange. Und die Ehe bleibt, was auch immer das Gesetz sagt, eine ewige Vereinigung exlusiv aus einem Mann und einer Frau."

Ein Land im Wandel

Fast 90 Prozent der rund 445.000 Maltesen gehören der katholischen Kirche an. Bis 1973 standen homosexuelle Handlungen auf der Insel noch unter Strafe. Scheidung war bis 2011 illegal, Abtreibung ist es immer noch. 2016 gab es erstmals mehr Eheeintragungen auf Standesämtern als in Kirchen.


Die Skyline von Valletta

In den letzten Jahren hatte sich das Land im Ranking von ILGA Europe an die Spitze der LGBTI-freundlichsten Länder in Europa gesetzt, u.a. bietet die Insel inzwischen eines der fortschrittlichsten Transsexuellengesetze der Welt und ein komplettes – und einstimmg beschlossenes – Verbot von "Therapien" zur "Heilung" von Lesben und Schwulen. (nb)



#1 lucdfProfil
  • 12.07.2017, 20:57hköln
  • Tolle Nachricht! Jetzt wünsche ich mir, dass die Schweiz und Österreich ähnlich entscheiden und nicht 20 Jahre warten.
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#2 Paulus46Anonym
#3 Patroklos
#4 Homonklin44Profil
  • 13.07.2017, 03:26hTauroa Point
  • Malta ist ein vorbildlich fortschrittliches Land, was die ethische Entwicklung angeht. Das geht da offenbar trotz der katholischen Prägung gut voran. Die bigotten Gegenstimmen gibt es natürlich auch da. Einen gewissen Prozentsatz notorischer Weltverkleinerer muss man wohl überall dulden.

    Doch die Mehrheit hat ein offenes Herz. und stellt Menschlichkeit über Privates wie Glaube. Da könnten sich manch andere Länder wohl ein Beispiel dran nehmen.

    Solcher Fortschritt macht ein Land auch als Urlaubsland attraktiv.

    Würde doch die katholische Kirche über ihre eigenen Veerfehlungen im pädosexuellen Bereich so sehr wettern, wie sie gegen die Ehe und die Liebe zwischen konsensfähigen Erwachsenen wettert.
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#5 JogoleinProfil
  • 13.07.2017, 07:52hAalen
  • Eine Gegenstimme in einem erzkatholischen Land (fast 90% der Malteser sind katholisch) wie Malta. Da kann man nur sagen: Es geht doch! und: Ein Armutszeugnis für Deutschland, wo selbst nach der Entscheidung noch geschachert wird, wie auf einem orientalischen Basar.

    Herzlichen Glückwunsch auf die wunderschönen maltesischen Inseln!
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#6 Panther65Profil
  • 13.07.2017, 07:55hKlagenfurt am Wörthersee
  • Großartige Entscheidung!
    ich hoffe, den Österreichern gelingt es auch in naher Zukunft, die Ehe für alle erreichen
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#7 MarcAnonym
  • 13.07.2017, 10:01h
  • Glückwunsch nach Malta zu dem Beschluss und zu diesem geradlinigen Regierungschef!

    Deutschland wird wohl das einzige Land bleiben, in dem nach positivem Parlamentsbeschluss als erstes die/der Regierungschef/in vor die Kameras hechtet, um zu verkünden, dass und warum sie/er mit "Nein!" gestimmt hat...
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#8 SanottheProfil
  • 13.07.2017, 12:44hRhüffel-Ostend
  • ...meanwhile in Germany:

    alles grau in grau.

    Kein Regierungsgebäude erstrahlt in Regenbogenfarben - es gibt die üblichen Streitereien zum Aufhängen von Regenbogenfahnen anlässlich der CSDs - kein_e führende_r Politiker_in hält eine Rede darüber, was die Ehe für Alle hinsichtlich der Erlangung fundamentaler Menschenrechte für eine freiheitliche Gesellschaft als Ganzes bedeutet -

    und der Bundespräsident hat das Gesetz wohl auch immer noch nicht unterzeichnet.

    Im Land des ewigen "ja, aber..." bleibt einem die Freude fast vollständig im Halse stecken.

    Deutschland halt.

    derzaunfink.wordpress.com/2017/07/03/im-land-des-ewigen-ja-a
    ber/
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#9 MariposaAnonym
  • 13.07.2017, 14:56h
  • Antwort auf #7 von Marc
  • Grau in grau halt - so wie zum Beispiel der jüngste ESC-Beitrag aus Germanien...... Aber immerhin ist es schon beschlossen und ich denke, daß Steinmeier nach seinem Urlaub das Gesetz unterzeichnen wird. Hier dauert es immer länger. man gewöhnt sich langsam daran.
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#10 MariposaAnonym
  • 13.07.2017, 14:59h
  • Woher weiß dieser aufgeblasene Erzbischof, auf welcher Seite denn Jesus steht/stehen würde ???? Der soll sich erstmal um die Skandale in seinem Laden kümmern....
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