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Ein Zeitzeuge blickt zurück

Die vier wilden Jahre von ACT UP Deutschland

Ulrich Würdemann, damals selbst Aktivist, erinnert in seinem neuen Buch "Schweigen = Tod, Aktion = Leben" an ein wichtiges Kapitel deutscher Aids-Geschichte.


Das Coverfoto des Buches zeigt eine Protestaktion von ACT UP beim 3. Deutschen Aids-Kongress 1992 in Wiesbaden
  • 13. Juli 2017, 12:30h, noch kein Kommentar

Mit mediengängigen und öffentlichkeitswirksamen Aktionen sorgten auf dem Höhepunkt der Aids-Krise Ende der Achziger- und Anfang der Neunzigerjahre Aids-Aktionsgruppen für Aufmerksamkeit. Ziel dieser neuen Form des Aktivismus: Druck auf Politik, Medizin und Öffentlichkeit auszuüben, die Aids-Krise und vor allem die Situation von Menschen mit HIV und Aids ernster zu nehmen – und endlich zu handeln.

ACT UP entstand vor 30 Jahren in New York. Knapp drei Wochen nach der Gründung trat die Gruppe am 24. März 1987 mit einer Aktion auf der Wall Street gegen überzogene Medikamenten-Preise und für schnellere Verfügbarkeit erstmals öffentlich in Erscheinung.

13 Gruppen waren in Deutschland aktiv

In Deutschland wurde die erste Gruppe 1989 in Berlin gegründet. Weitere folgten schnell, bald gab es 13 ACT-UP-Gruppen in der Bundesrepublik. Doch bereits 1993 endete die "Blütezeit" der deutschen Gruppen im Wesentlichen.

Die-Ins, Straßenaktionen, Boykott, Dombesetzung, Aktionen des "zivilen Ungehorsams" – in den Aktionen von ACT UP manifestierte sich auch die Wut auf Ausgrenzung und Diskriminierung, auf Untätigkeit und Ignoranz. Menschen mit HIV und Aids wollten endlich selbst ihre Stimme erheben, wollten aktiv beteiligt werden.


ACT-UP-Graffiti auf einem Teil der Berliner Mauer, ausgestellt im Newseum in Washington, D.C. (Bild: Queerbubbles / wikipedia)

Wie und aus welchen Beweggründen heraus entstand ACT UP? Was waren die wesentlichen Aktionen und Aktionsformen? Warum endete ACT UP nach wenigen Jahren wieder? Ulrich Würdemann, damals selbst Aktivist, erinnert in seinem neuen Buch "Schweigen = Tod, Aktion = Leben" als Zeitzeuge an ein wichtiges Kapitel deutscher Aids-Geschichte.

Er lässt die Entstehung von ACT UP und die unterschiedlichen gesellschaftlichen Situationen zunächst in den USA, dann auch in Deutschland Revue passieren, erinnert an die große Bedeutung von Künstler-Gruppen wie Gran Fury für die optische Identität aber auch mediale Wirksamkeit der Aids-Aktionsgruppen. Im Mittelpunkt stehen die Aktionen von ACT UP, von Konferenz-Teilnahmen über den "Marlboro-Boykott" bis zur Aktion im Dom zu Fulda, von Pflegenotstand über Community-Beteiligung bis Medikamenten-Forschung.

"Schweigen = Tod, Aktion = Leben" erinnert an eine bedeutende Phase des politischen Aktivismus – die auch Inspiration für heutige Aktivisten sein kann. (cw/pm)

Infos zum Buch

Ulrich Würdemann: Schweigen = Tod, Aktion = Leben. ACT UP in Deutschland 1989 bis 1993. Herausgegeben von Thomas Michalak. Sachbuch. 174 Seiten. Softcover. epubli 2017. 14 €. ISBN: 978-3-7450-7683-7. Eine E-Book-Version im gleichen Verlag ist für 1,99 € erhältlich.