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Kommentare zu:
Die erste Briefmarke für die Homosexuellenbewegung


#1 Paulus46Anonym
#2 AchilleusProfil
#3 tti3_alliance
#4 Casimir van OpstalAnonym
#5 VögelchenAnonym
  • 15.07.2017, 20:06h
  • In Finnland feiert ein Briefmarkenset einen offen schwulen Künstler praktisch schon als Nationalheiligtum, und auch die Fetischdarstellungen verhindern nicht, dass diese Marken zu den meistverkauften überhaupt werden.

    Die erste "schwule" Briefmarke in Deutschland zeigt einen Mann, der bei aller respektablen politischen Leistung nicht einmal offen schwul lebte. Und das wird vermutlich kaum jemand außerhalb der Community wahrnehmen.
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#6 Abdul-Zahir BoutrosAnonym
  • 15.07.2017, 20:17h
  • Antwort auf #4 von Casimir van Opstal
  • Danke für die Mitteilung, werter Freund!

    Den 17. Oktober 2017 werde ich mir in meinem iPhone markieren, als Festtag, und zum Gedächtnis.

    Schön auch, dass man die sehr lesenswerten Bücher von Winckemann einfach so im Internet herunterladen kann.

    de.wikisource.org/wiki/Johann_Joachim_Winckelmann

    Da muss man nicht mal etwas bezahlen, ausser den 70 Cent für die Briefmarke natürlich.

    Winckelmann lebte offen schwul. Als Mann, als Wissenschaftler, und als Bürger.

    (Magnus Hirschfeld trat als Sachverständiger in Homosexuellenprozessen auf und lebte eben gerade NICHT offen schwul. Das gilt auch für seine Bücher, die vorgeben, von einem am Thema interessierten Heterosexuellen verfasst worden zu sein.)
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#7 Patroklos
#8 orchidellaProfil
  • 15.07.2017, 22:01hPaderborn
  • Weiß die AfD schon von dieser Ungeheuerlicheit? Gauland &Co. sind doch auf der dringenden Suche nach Wahlkampfthemen, nachdem die Hetze gegen Geflüchtete nicht mehr zündet...
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#9 Leonie VogtAnonym
#10 JuppAnonym
  • 15.07.2017, 23:44h
  • Die Themen für Sondermarken und Sondermünzen gehen nach Proporz.
    Die Religionszugehörigkeit wiegt viel.

    Ich war mehrmals in der Jury für Münzen. Das zweite Kriterium sind die Gewinnaussichten bei Sammlern.

    Politisches Kalkül und Kommerz. Da sollte Mann sich nichts vormachen.

    Bei Schäuble gibt es wenig Toleranz für Schwule.
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#11 Barnaba FiorentinoAnonym
  • 16.07.2017, 01:14h
  • Etwas seltsam ist ja, dass das alles in der Wikipedia steht, aber leider nicht in der deutschen.

    Wie bei Nietzsche auch sind es wohl wieder einmal die Italiener, die den Deutschen erklären müssen, das sie einst die griechische Liebe zu neuem Leben erweckten.

    Il lavoro compiuto dallo storico dell'arte tedesco Johann Joachim Winckelmann ha avuto una grande influenza sulla formazione degli ideali classici nel XVIII secolo, ed è anche un punto di partenza frequente per le storie della letteratura gay tedesca.

    it.wikipedia.org/wiki/Amore_greco#Neoclassicismo

    Also ich möchte mich jetzt nicht näher darauf einlassen was hier auf Queer.de so unter "letteratura gay tedesca" verstranden werden könnte, ein Italiener stellt sich darunter jedenfalls etwas ganz besonderes vor! Und er greift dabei, egal ob selber schwul oder nicht, natürlich zu einem Werk von Johann Joachim Winckelmann!

    Hier, lade Dir die Bücher runter, oder geh in die Pommesbude und kaufe sie Dir da! Die liegen überall rum, Du stolperst darüber!

    it.wikipedia.org/wiki/Johann_Joachim_Winckelmann#Bibliografi
    a


    it.wikisource.org/wiki/Autore:Johann_Joachim_Winckelmann

    Und jetzt dauert es 300 Jahre, bis die erste Winckelmann-Briefmarke in Deutschland erscheint, unglaublich.

    Man schaue sich bitte nur einmal die italienische Winckelmann-Seite auf Wikipedia an:

    it.wikipedia.org/wiki/Johann_Joachim_Winckelmann

    Sogar mit Übersetzungen! La superiorità dell'arte greca! Nobile semplicità e quieta grandezza!

    In der deutschen Wikipedia hingehen: Gähnen und Grunzen.

    Und nun möchten deutsche Homosexuelle (angeblich) jemand anderen zu ihrem Leitstern erklären, der sie von der Antike in die Moderne geleitet haben soll. Diesen Herrn Hirschfeld. Darf ich mal fragen, wer sie überhaupt gefragt hat? Könnte man vielleicht mal eine Abstimmung dazu durchführen oder so?
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#12 Sara DresnerAnonym
  • 16.07.2017, 02:58h
  • Was uns leider verschwiegen wird: Magnus Hirschfeld vertrat auch eugenische Ideen und war Mitglied der Gesellschaft für Rassenhygiene.

    Pfui!
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#13 goddamn liberalAnonym
  • 16.07.2017, 10:05h
  • Antwort auf #11 von Barnaba Fiorentino
  • "Und nun möchten deutsche Homosexuelle (angeblich) jemand anderen zu ihrem Leitstern erklären, der sie von der Antike in die Moderne geleitet haben soll. Diesen Herrn Hirschfeld."

    Winckelmann war ein bedeutender Ästhet, Hirschfeld war ein politischer Mensch, der durch 'Wissenschaft zur Gerechtigkeit' kommen wollte.

    Wie politisch er war, zeigt sich am vernichtenden Hass seiner nazifaschistischen Gegner, die sein 'Institut für Sexualwissenschaft' kurz und klein schlugen. Hirschfeld war schon Anfang der 20er lebensgefährlich zusammengeschlagen worden.

    Der jüdische königlich-preußische Sanitätsrat und Sozi war gleich aus mehreren Gründen ein Hassobjekt der Reaktion.

    Sein größtes Verdienst war, dass er das Modell der Judenemanzipation auf unsere Minderheit übertragen hat.

    Das war erfolgreich.

    Wenn auch nicht in Deutschland.
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#14 goddamn liberalAnonym
#15 Fredegar MugwortAnonym
  • 16.07.2017, 10:55h
  • Antwort auf #11 von Barnaba Fiorentino
  • Ich bremse ungerne Ihren Enthusiasmus, im Gegenteil, ich möchte Ihn weiter befeuern! Auch in der englischen Wikipedia ist das so, nicht nur in Italien!

    Im Wikipedia Artikel "Greek Love" findet sich zum Thema "German Hellenism" folgendes:

    »The German term griechische Liebe ("Greek love") appears in German literature between 1750 and 1850, along with socratische Liebe ("Socratic love") and platonische Liebe ("Platonic love") in reference to male-male attractions. The work of the German art historian Johann Winckelmann was a major influence on the formation of classical ideals in the 18th century, and is also a frequent starting point for histories of gay German literature.«

    en.wikipedia.org/wiki/Greek_love#German_Hellenism

    Gänzlich unbekannt ist das Thema allerdings in Deutschland, dem einstigen Kernland des Deutschen Hellenismus.

    Da beschäftigt man sich lieber mit einem Eugeniker??

    -----

    Zitat Magnuns-Hischfeld-Wikipedia:

    Zwangssterilisation solle als eugenisch vorbeugende Maßnahme erlaubt sein können bei Menschen, die "geistig so verblödet sind, daß sie außer Stande sind über sich selbst zu verfügen".

    Mit so etwas sollen sich Leute identifizieren? Das soll ja wohl ein Scherz sein.

    -----

    Ich möchte festhalten: Auch ich bin nicht gefragt worden. Den Magnus-Hirschfeld-Kult hat jemand festgelegt, ohne mich zu fragen.

    Ich möchte förmlich dagegen protestieren, als Schwuler mit einem Eugeniker in Verbindung gebracht zu werden.
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#16 Masun Faruq GergesAnonym
  • 16.07.2017, 11:32h
  • Nur mal zur Info: Es gibt kein "Drittes Geschlecht". Das ist eine biologistische Irrlehre. Es ist schlichtweg falsch.

    Hirschfeld wirft Zwitter, Transvestiten, Tunten und Stricher in einen Topf, und macht daraus eine Rotlicht-Reportage aus dem Nachtleben der Berliner Halbwelt.

    magnus-hirschfeld.de/publikationen/schriftenreihe-der-mhg/ba
    nd-5/


    Homosexualität ist keine biologische Kategorie. Sie ist eine Nuance der Empfindung, der Zuneigung, und der Liebe.
  • Antworten » | Direktlink »
#17 goddamn liberalAnonym
#18 goddamn liberalAnonym
  • 16.07.2017, 11:55h
  • Antwort auf #15 von Fredegar Mugwort
  • "Ich möchte förmlich dagegen protestieren, als Schwuler mit einem Eugeniker in Verbindung gebracht zu werden."

    Ich auch nicht.

    Aber ich werde gerne mit einem antirassist. Demokraten, frühen polit. Kämpfer gegen den Par. 175 und NS-Opfer in Verbindung gebracht. Ich habe überdies auch nichts gegen deutsche Juden (im Gegenteil!)

    Bei allem Respekt vor dem bedeutenden unpolitischen Kunstgelehrten Winckelmann:

    Ich werde ungern mit Fürstendienern und Konvertiten zum Katholizimus, der Wurzel allen homophoben Übels in Europa, in Verbindung gebracht.
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#19 Matthias WeberAnonym
#20 TheDadProfil
#21 orchidellaProfil
  • 16.07.2017, 14:46hPaderborn
  • Antwort auf #12 von Sara Dresner
  • «Was uns leider verschwiegen wird: Magnus Hirschfeld vertrat auch eugenische Ideen und war Mitglied der Gesellschaft für Rassenhygiene.

    Pfui!»

    Eugenik war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein weit verbreitetes Denkschema und hatte auch unter den damaligen Linken Anhänger wie J.M.Keynes, G.B.Shaw und Harold Laski. Der eugenisch begründete Minority Report of the Poor Law von 1909 zur Neuausrichtung der britischen Armenpolitik verstand sich als Grundlage einer groß angelegten Sozialreform und fand Eingang in das Gründungsprogramm der Labour Party.
    In Deutschland versuchte der Mediziner Alfred Grotjahn eine «sozialistische Eugenik» zu etablieren. goddamn liberal hat in seinem Beitrag schon darauf hingewiesen, dass es in den skandinavischen Ländern, die in den 1920er Jahren großenteils sozialdemokratisch regiert wurden, eugenisch indizierte Zwangssterilisationen gab.

    Es wäre es ungerecht, die eugenischen Positionen, die Hirschfeld zweifellos vertreten hat, mit den völkischen und später nationalsozialistischen Konzepten der Rassenhygiene gleichzusetzen. Im Gegenteil, nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten setzte er sich als einer der ersten aus Deutschland exilierten Wissenschaftler kritisch mit den Rasseideologien des 19. und 20. Jahrhunderts auseinander.

    Es wäre allerdings verkehrt, sich Hirschfeld als einen analytischen Denker wie Sigmund Freud vorzustellen, er ersetzte oft wissenschaftliche Beweisführung durch anekdotische Evidenz und war - aus heutiger Sicht - naiv biologistisch und fortschrittsgläubig, mehr ein Sammler von Kuriositäten aller Art, Aktivist und Popularisierer (im Sinne einer aufklärerischen Sexualpädagogik).

    Wenn Hirschfeld heutzutage geehrt wird, dann weniger wegen seines (umfangreichen, aber methodisch angreifbaren) wissenschaftlichen Oeuvres, sondern als Vorkämpfer gegen die Diskriminerung und Pönalisierung von Sexualitäten, die von den heteronormativen Mustern abweichen.
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#22 TheDadProfil
  • 16.07.2017, 14:46hHannover
  • Antwort auf #16 von Masun Faruq Gerges
  • ""Abdul-Zahir Boutros""..

    ""Danke für die Mitteilung, werter Freund!""..

    ""Barnaba Fiorentino""..

    ""Fredegar Mugwort""..

    ""Masun Faruq Gerges""..

    Dieser doch sehr auffällige "Zirkel kultur-interessierter Herren und Damen" die schon seit geraumer Zeit ihr Unwesen in diversen Threads treibt, und so eine Artikelbesprechung über eine DVD-Veröffentlichung in eine "Diskussion" über die billigte und beste Übersetzung eines Reclam-Heftchens derailt, sei an dieser Stelle mal gesagt :

    Ihr nervt schlichtweg..

    Wenn ihr ernsthafte Argumente vorzubringen hättet die gegen eine Briefmarke zu Ehren Magnus Hirschfelds sprächen, dann könntet ihr sie hier anbringen..

    Doch weder ist es zielführend einen Herrn Wickelmann als "würdigeren" Menschen anzuführen, noch anständig sich mit Pseudo-Argumenten bezüglich eines Engagements Hirschfelds im Rahmen der damaligen "Eugenik-Diskussion" zu Wort zu melden, ohne in der Lage zu sein dieses Engagement im Rahmen und Umfeld des "Wissenschaftlich Humanitären Komitees" auch nur annähernd vernünftig einzuordnen zu können..
  • Antworten » | Direktlink » | zu #16 springen »
#23 TheDadProfil
#24 orchidellaProfil
  • 16.07.2017, 15:17hPaderborn
  • Antwort auf #22 von TheDad
  • @TheDad:
    Diese Winckelmann-Euphorie kann ich auch nur schwer nachvollziehen. Winckelmanns Idealisierung der Antike und seine Begeisterung für in Stein gehauene griechische Knabenkörper in allen Ehren, aber von gelebter Homosexualität ist aus dessen Vita nichts bekannt. Das Konvolut schwülstiger Briefe an den gänzlich uninteressierten Baron Berg ist auch nur ein Indiz für Winckelmanns mutmaßliche sexuelle Präferenzen. Dass Winckelmann ein schwuler Märtyrer gewesen sein soll, ist eher literarischer Mythos als Realität.
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#25 Abdul-Zahir BoutrosAnonym
  • 16.07.2017, 15:49h
  • Antwort auf #19 von Matthias Weber
  • Hallo Matthias,

    ich denke schon. Reingeschaut habe ich da aber nicht, ich lese lieber die Wikisouce-Originalausgaben auf dem iPad.

    Max Kunze, der Herausgeber des Reclam-Hefts, ist der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, aber als solcher nicht ganz unumstritten.

    »Schlagzeilen machte ein Konflikt zwischen Präsident Max Kunze und Kritikern einer Ausstellung unter Führung von Stefan Lehmann. Lehmann warf Kunze vor, eine gefälschte Büste Alexanders des Großen aus dem Besitz des berüchtigten Antikenhändlers Robin Symes als Original ausgestellt und damit als alleinverantwortlicher Vorstand der Winckelmann-Gesellschaft mitverantwortlich zu sein, dass sie somit für den globalen Kunstmarkt 'geadelt' wurde. Der Konflikt, bei dem Lehmann von vielen Fachkollegen unterstützt wurde, gipfelte im Ausschluss Lehmanns aus der Winckelmann-Gesellschaft am Jahresende 2009, weshalb auch andere namhafte Wissenschaftler die Gesellschaft verlassen haben.«

    Mehr dazu hier:

    de.wikipedia.org/wiki/Max_Kunze

    Das ist eine etwas unfeine Geschichte, die man von aussen schwer beurteilen kann. Man sollte sich aber gut überlegen, ob man eine Textausgabe dieser Person nutzen möchte, oder ob man nicht besser zum Faksimile des Originals greift.

    Winckelmann ist im übrigen auch im Deutschen Textarchiv (DTA) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vertreten.

    Geschichte der Kunst des Alterthums, zwei Bände, Dresden 1764

    Erster Band:

    www.deutschestextarchiv.de/winckelmann_kunstgeschichte01_176
    4


    Zweiter Band:

    www.deutschestextarchiv.de/winckelmann_kunstgeschichte02_176
    4


    Diese Bände kann man also ebenfalls sehr bequem am Bildschirm lesen, und zwar mit moderner Umschrift auf der rechten Bildschirmseite.
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#26 Daniela KrauseAnonym
  • 16.07.2017, 16:11h
  • Schäuble (!) knallt uns die Briefmarke eines Eugenikers vor den Latz (!!) und wir sollen dankbar sein dafür???

    Nein! Das sind wir nicht! Wir bedanken und nicht für Brotkrumen die man uns hinwirft!

    Ich werden mir den 17. Oktober 2017 markieren und mir einen Bogen mit zehn Winckelmann-Briefmarken bei meiner Poststelle abholen! Die erste LGBT-Briefmarke der Bundesrepublik Deutschland feiern!
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#27 Fiacre LaboissonnAnonym
#28 goddamn liberalAnonym
  • 16.07.2017, 17:26h
  • Antwort auf #26 von Daniela Krause
  • "Schäuble (!) knallt uns die Briefmarke eines Eugenikers vor den Latz (!!) und wir sollen dankbar sein dafür???"

    Wer ist denn dieses 'Wir'?

    Ich denke, die tatsächlichen und potenziellen Opfer des Par. 175, gegen den Hirschfeld als Mitglied der Hauptopfergruppe des NS-Terrors zeitlebens (gemeinsam mit Bebel und anderen) gekämpft hat, werden das sicher gut finden.

    Nichtbetroffene Antisemiten z. B. eher nicht.

    Ich finde es übrigens eigenartig und unhistorisch, Winckelmann gegen Hirschfeld ausspielen zu wollen und freue mich über Briefmarken für beide.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #26 springen »
#29 goddamn liberalAnonym
#30 goddamn liberalAnonym
  • 16.07.2017, 17:36h
  • Antwort auf #24 von orchidella
  • "aber von gelebter Homosexualität ist aus dessen Vita nichts bekannt."

    Es gibt wohl Augenzeugenberichte, nach denen er mit einem jungen Italiener in flagranti erwischt wurde und dann erklärte, er wolle das mit der griechischen Liebe mal praktisch ausprobieren.

    Da sind nette Anekdoten über einen Mann, ohne den es die Weimarer Klassik wohl so nicht gegeben hätte.

    Mit Sexualreform und sexueller Aufklärung, Kampf gegen das Sexualstrafrecht und organisierter Homosexuellenbewegung wie bei Ulrichs und Hirschfeld hat das aber nichts zu tun.

    Es ist übrigens kein Zufall, dass Oswalds Aufkärungsfilm 'Anders als die anderen' (1919) in Fragmenten in der ehem. Sowjetunion wieder auftauchte.

    de.wikipedia.org/wiki/Anders_als_die_Andern_(1919)

    Der Film mit Hirschfeld war der erste anti-homophobe Film überhaupt.

    Das war und ist hochpolitisch.

    Winckelmann war das nicht.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #24 springen »
#31 Patrick FleischerAnonym
  • 16.07.2017, 17:38h
  • Antwort auf #27 von Fiacre Laboissonn
  • Frag lieber mal sicherheitshalber vorher nach!! Stickworte: Griechische Liebe, Klassizismus und Deutscher Hellenismus!!

    Eigentl. sollte jede Filiale ein oder zwei Bögen jeder Marke bekommen.

    Aber kommt jmd. um 9 Uhr und kauft den Bogen, dann sind sie weg!! Es ist eine Sondermarke, die gibt es nur dies eine Mal.

    Leute sammeln das, verstehst Du??

    Hol sie Dir also besser am Ausgabetag.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #27 springen »
#32 Marko ZimmermanAnonym
#33 Leon GoldschmidtAnonym
#34 Stephan BeilAnonym
#35 Jonas PfeifferAnonym
  • 16.07.2017, 20:21h
  • Antwort auf #34 von Stephan Beil
  • Danke für den Link, lieber Freund.

    Mögen wir hoffen, dass unser kleines, aber feines Steckepferd des Briefmarkensammels auch unter den "jüngeren Semestern" wieder Aufmerksamkeit und Anklang erfährt.

    Aber bitte nicht vergessen: Briefmarken sind nur Postwertzeichen (wenn auch mit erheblichem Sammlerwert), und Winckelmann hat nur auf etwas verwiesen, was heute viel grösser, kräftiger und realer vor unseren Augen steht, als das zu Winckelmanns Zeiten möglich war.

    Wer die Griechische Liebe sucht, findet sie heute. Aber man kann sich auch leichter verirren auf der Suche nach ihr.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #34 springen »
#36 orchidellaProfil
  • 16.07.2017, 21:07hPaderborn
  • Antwort auf #30 von goddamn liberal
  • Du hast Recht, Casanova kolportiert einen solchen Vorfall, der sich 1760 in Winckelmanns Arbeitszimmer beim Kardinal Albani zugetragen haben soll, wo dieser als vatikanischer Bibliothekar die Aufgabe hatte, antike Texte zu entziffern. Winckelmann bestritt Casanova zufolge aber energisch «Päderast» zu sein und deklarierte die Begegnung mit dem jungen Mann als eine Art «Selbstversuch». Ist nur die Frage wie glaubhaft diese Anekdote des überaus phantasiebegabten Casanova ist, aber das bleibt der Spekulation vorbehalten. «Griechische Liebe» - ob nun ausgelebt oder nicht - ist wohl der passende Terminus - das gesellschaftliche Konstrukt der «Homosexualität» gab es zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht.

    Dass sich W. gern mit jungen Männern umgab, ist jedenfalls unbestreitbar und wird von ihm selbst in einigen Briefen wie auch (sehr dezent) in Goethes Nachruf auf ihn erwähnt.

    Ich bezweifele allerdings, dass für die Entscheidung, eine Sondermarke «300. Geburtstag Johann Joachim Winckelmann» in Auftrag zu geben, dessen - wie auch immer geartete sexuelle Ausrichtung irgendeine Rolle gespielt hat. Zeitgleich wird wohl eine 20 Euro-Gedenkmünze in Umlauf gebracht (noch eine Option sich mit Winckelmann-Memorabilia einzudecken), und in der amtlichen Begründung geht es schlicht schlicht um dessen wissenschaftliche Verdienste: «Die Münze würdigt Johann Joachim Winckelmann (1717 - 1768), den Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und der Kunstgeschichte.»

    www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen
    /Briefmarken/2016/11/2016-11-30-pm32.html


    Zum Trost für den leidenschaftlichen Winckelmann-Verehrer und Hirschfeld-Verächter, der in diesem Thread unter wechselnden Aliuds ein ausgedehntes Selbstgespräch führt, ein Hinweis:

    Es war jener Hirschfeld, der nach Italien zu den Gräbern Winckelmanns, Platens und Ulrichs pilgerte, die er wohl als Vorväter der Schwulenbewegung betrachtete, und seine Eindrücke 1909 literarisch zu einem Gedicht («Drei Gräber in fernem Land») verarbeitete.
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#37 goddamn liberalAnonym
  • 16.07.2017, 21:38h
  • Antwort auf #36 von orchidella
  • "Es war jener Hirschfeld, der nach Italien zu den Gräbern Winckelmanns, Platens und Ulrichs pilgerte, die er wohl als Vorväter der Schwulenbewegung betrachtete, und seine Eindrücke 1909 literarisch zu einem Gedicht («Drei Gräber in fernem Land») verarbeitete."

    Danke für den Hinweis!

    Wusste ich nicht.

    Was ich aber weiß, dass unsere deutschen Juden die Vorhut des deutschen Bildungsbürgertum waren und seine Ehre retteten, als die anderen im braunen Sumpf versanken.
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#38 Abdul-Sattar TalalAnonym
  • 16.07.2017, 21:40h
  • Antwort auf #36 von orchidella
  • Man könnte auch bezweifeln, dass Hirschfelds « sexuelle Ausrichtung » eine entscheidender Impuls für die Auswahl war, denn die war Hirschfeld - im Gegenzug zu Johann Joachim Winckelmann - als Homosexuellen-Experte in Homosexuellen-Prozessen genötigt zu verheimlichen.

    Es ist natürlich auch sehr bedauerlich, dass Winckelmann keine biologistischen Theorien postulierte.

    Denn das ist gewiß sehr interessant. Man kann sich ja einmal dazu einlesen:

    de.wikipedia.org/wiki/Eugenik


    Interessant ist daraus vielleicht der folgende Passus:

    Der französische Philosoph Michel Foucault betonte den Charakter von Eugenik, Rassenhygiene und Bevölkerungspolitik als neue Machttechnik, die er als Biopolitik bezeichnete. Die Anfangsgründe dieser neuen Machttechnik sah Foucault bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Aufkommen des Bürgertums und dessen intensiver Beschäftigung mit der Sexualität, die zunehmend staatlichen Regelungen unterworfen wird.

    Und da wären wir auch sogleich bei den Broschüren des Herrn Hirschfeld, die Voyeurismus und niedere Instinkte ganz bewusst ansprachen. Und heute ist Hirschfeld ein Big Player staatlicher Machtpolitik.

    Es steht aber jedem frei, sich die Briefmarke zu kaufen, die er haben will.

    Man hat ja nun die Auswahl. Zunächst die Winckelmann-Marke, und dann, irgendwann im kommenden Jahr, die andere Briefmarke.

    Vielleicht möchte man ja einen Eugeniker auf einen zärtlich verfassten Liebesbrief kleben? Viel Erfolg!
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#39 Alexander MehlerAnonym
  • 16.07.2017, 22:27h
  • Antwort auf #38 von Abdul-Sattar Talal
  • Ich würde mittlerweile nur Winckelmann auf einen Liebesbrief kleben wollen.

    Danke im übrigen für Ihren durchdachten und anregenden Beitrag. Ich wußte zuvor nur wenig über Winckelmann, aber Dank Orchidella und Ihnen, und Dank der vielen anderen geistreichen Beiträge kann ich mir nun ein genaueres Bild machen.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #38 springen »
#40 orchidellaProfil
  • 17.07.2017, 01:22hPaderborn
  • Antwort auf #38 von Abdul-Sattar Talal
  • Sorry, aber das alles, was Sie hier schreiben, ist reichlich wirr.

    1. «Dass Hirschfelds « sexuelle Ausrichtung » eine entscheidender Impuls für die Auswahl war» haben weder ich noch sonst wer behauptet. Hirschfeld wird als Vorkämpfer der ersten deutschen Schwulenbewegung gewürdigt, die 1933 vom NS-Regime ausgelöscht wurde. Was denn sonst?

    2. Warum sollte Hirschfeld «als Homosexuellen-Experte in Homosexuellen-Prozessen genötigt» gewesen sein, seine eigene Homosexualität «zu verheimlichen»? In der Tat war Hirschfeld 1907 bis 1909 als sexualforensischer Sachverständiger in zwei spektakulären Gerichtsverfahren tätig (Moltke gegen Harden; Mordfall Mattonet, in dem es um die Erpressung und Tötung eines Homosexuellen ging). In beiden Fällen wurde Hirschfeld wegen seiner Expertise als kompetenter Sexualwissenschaftler hinzugezogen. Welche Rolle hätte da die Frage spielen sollen, ob er selbst homosexuell ist oder nicht?

    Okay, Magnus Hirschfeld hat sich nie geoutet, trotz langjähriger Partnerschaften mit verschiedenen Männern. Aber ist das angesichts der Strafandrohung durch den § 175 so verwunderlich? Karl Giese, der 1949 das WHK neu gründete, konnte sich wegen seiner offen gelebten Homosexualität an der Uni Ffm nicht habilitieren, musste 1958 nach Hamburg ausweichen, wo er erst 1965 Professor wurde (und sein Institut für Sexualforschung in die Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf eingegliedert wurde).

    3. «Dass Winckelmann keine biologistischen Theorien postulierte» ist nicht «bedauerlich», sondern die Fragestellung selbst ist abstrus: Eugenik kam als Paradigma erst in er zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und ist im Übrigen von Winckelmanns kunstgeschichtlicher Profession denkbar weit entfernt. Dagegen gehörte die Konfrontation mit eugenischen Ansätzen zu Hirschfelds Lebzeiten zum beruflichen Alltag eines Sexualmediziners.

    4. «Heute ist Hirschfeld ein Big Player staatlicher Machtpolitik» - steile These mit verschwörungstheoretischem Potential, aber völlig an der Realität vorbei, weil die Eugenik nach den schrecklichen Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Rassenhygiene politisch immer mehr an Bedeutung verloren hat, abgesehen von einigen AfD-«Vordenkern» wie Thilo Sarrazin, dessen «Argumente» allerdings nicht einmal den einfachsten wissenschaftlichen Standards standhalten. Und sich die Sexualwissenschaft längst von Hirschfelds biologischen Formeln gelöst und fachlich weiterentwickelt hat.

    5. «Broschüren des Herrn Hirschfeld, die Voyeurismus und niedere Instinkte ganz bewusst ansprachen»: dieser Jargon ist erschreckend nah am moralisierenden Tonfall der NS-Kampfpresse, die Hirschfeld als «Apostel der Unzucht» (Der Stürmer) und «Schnüffler im Schlick der Pornographie» diffamierten. Das bedarf keines weiteren Kommentars.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #38 springen »
#41 goddamn liberalAnonym
  • 17.07.2017, 07:57h
  • Antwort auf #38 von Abdul-Sattar Talal
  • "Der französische Philosoph Michel Foucault betonte den Charakter von Eugenik, Rassenhygiene und Bevölkerungspolitik als neue Machttechnik, die er als Biopolitik bezeichnete. "

    Zwischen Foucault und Hirschfeld gibt es einen wesentlichen Unterschied:

    Hirschfeld war politisch wach gegenüber dem Faschismus.

    Der idiotische Foucault trieb sich 78/79 in Teheran herum, verherrlichte den klerikal-reaktionären Aufstand als Revolte, als schon eindeutig absehbar war, dass Tausende Schwule in die Blutmühle der Mullahs geraten würden (genauso wie Abertausende Progressive auch).

    Hirschfeld war da klüger als die meisten Betroffenen und ging schon 1931 ins Exil.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #38 springen »
#42 TheDadProfil
  • 17.07.2017, 10:57hHannover
  • Antwort auf #40 von orchidella
  • ""Welche Rolle hätte da die Frage spielen sollen, ob er selbst homosexuell ist oder nicht?""..

    Gefälligkeits-Gutachten..

    Die permanente Unterstellung die dem "gewöhnlichem Homosexuellen" überall begegnet..
    Was man aber auch anderen Gutachtern gerne mal unterstellt wenn es darum geht die Reputation des Gutachters Infrage zu stellen, weil anders ein Gutachten seitens der Staatsanwaltschaften nicht zu entkräften ist..

    Man unterstellt damit den Gutachtern schlichtweg die "gemeinsame Sache" mit dem Angeklagten, und negiert damit wissenschaftliche Erkenntnisse..
  • Antworten » | Direktlink » | zu #40 springen »
#43 Robert BartholAnonym
  • 17.07.2017, 11:04h
  • Antwort auf #38 von Abdul-Sattar Talal
  • »Und heute ist Hirschfeld ein Big Player staatlicher Machtpolitik.«

    Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) ist eine mit 11,61 Millionen Euro (Stand: 31. Dezember 2015) ausgestattete Stiftung mit Sitz in Berlin, deren Ziele und Aufgaben es sind, an den Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld zu erinnern, Bildungs- und Forschungsprojekte zu fördern und zu initiieren und einer gesellschaftlichen Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Personen (Abkürzung: LSBTTIQ) in Deutschland entgegenzuwirken.

    de.wikipedia.org/wiki/Bundesstiftung_Magnus_Hirschfeld

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