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Kommentare zu:
Die erste Briefmarke für die Homosexuellenbewegung


#21 orchidellaProfil
  • 16.07.2017, 14:46hPaderborn
  • Antwort auf #12 von Sara Dresner
  • «Was uns leider verschwiegen wird: Magnus Hirschfeld vertrat auch eugenische Ideen und war Mitglied der Gesellschaft für Rassenhygiene.

    Pfui!»

    Eugenik war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein weit verbreitetes Denkschema und hatte auch unter den damaligen Linken Anhänger wie J.M.Keynes, G.B.Shaw und Harold Laski. Der eugenisch begründete Minority Report of the Poor Law von 1909 zur Neuausrichtung der britischen Armenpolitik verstand sich als Grundlage einer groß angelegten Sozialreform und fand Eingang in das Gründungsprogramm der Labour Party.
    In Deutschland versuchte der Mediziner Alfred Grotjahn eine «sozialistische Eugenik» zu etablieren. goddamn liberal hat in seinem Beitrag schon darauf hingewiesen, dass es in den skandinavischen Ländern, die in den 1920er Jahren großenteils sozialdemokratisch regiert wurden, eugenisch indizierte Zwangssterilisationen gab.

    Es wäre es ungerecht, die eugenischen Positionen, die Hirschfeld zweifellos vertreten hat, mit den völkischen und später nationalsozialistischen Konzepten der Rassenhygiene gleichzusetzen. Im Gegenteil, nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten setzte er sich als einer der ersten aus Deutschland exilierten Wissenschaftler kritisch mit den Rasseideologien des 19. und 20. Jahrhunderts auseinander.

    Es wäre allerdings verkehrt, sich Hirschfeld als einen analytischen Denker wie Sigmund Freud vorzustellen, er ersetzte oft wissenschaftliche Beweisführung durch anekdotische Evidenz und war - aus heutiger Sicht - naiv biologistisch und fortschrittsgläubig, mehr ein Sammler von Kuriositäten aller Art, Aktivist und Popularisierer (im Sinne einer aufklärerischen Sexualpädagogik).

    Wenn Hirschfeld heutzutage geehrt wird, dann weniger wegen seines (umfangreichen, aber methodisch angreifbaren) wissenschaftlichen Oeuvres, sondern als Vorkämpfer gegen die Diskriminerung und Pönalisierung von Sexualitäten, die von den heteronormativen Mustern abweichen.
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#22 TheDadProfil
  • 16.07.2017, 14:46hHannover
  • Antwort auf #16 von Masun Faruq Gerges
  • ""Abdul-Zahir Boutros""..

    ""Danke für die Mitteilung, werter Freund!""..

    ""Barnaba Fiorentino""..

    ""Fredegar Mugwort""..

    ""Masun Faruq Gerges""..

    Dieser doch sehr auffällige "Zirkel kultur-interessierter Herren und Damen" die schon seit geraumer Zeit ihr Unwesen in diversen Threads treibt, und so eine Artikelbesprechung über eine DVD-Veröffentlichung in eine "Diskussion" über die billigte und beste Übersetzung eines Reclam-Heftchens derailt, sei an dieser Stelle mal gesagt :

    Ihr nervt schlichtweg..

    Wenn ihr ernsthafte Argumente vorzubringen hättet die gegen eine Briefmarke zu Ehren Magnus Hirschfelds sprächen, dann könntet ihr sie hier anbringen..

    Doch weder ist es zielführend einen Herrn Wickelmann als "würdigeren" Menschen anzuführen, noch anständig sich mit Pseudo-Argumenten bezüglich eines Engagements Hirschfelds im Rahmen der damaligen "Eugenik-Diskussion" zu Wort zu melden, ohne in der Lage zu sein dieses Engagement im Rahmen und Umfeld des "Wissenschaftlich Humanitären Komitees" auch nur annähernd vernünftig einzuordnen zu können..
  • Antworten » | Direktlink » | zu #16 springen »
#23 TheDadProfil
#24 orchidellaProfil
  • 16.07.2017, 15:17hPaderborn
  • Antwort auf #22 von TheDad
  • @TheDad:
    Diese Winckelmann-Euphorie kann ich auch nur schwer nachvollziehen. Winckelmanns Idealisierung der Antike und seine Begeisterung für in Stein gehauene griechische Knabenkörper in allen Ehren, aber von gelebter Homosexualität ist aus dessen Vita nichts bekannt. Das Konvolut schwülstiger Briefe an den gänzlich uninteressierten Baron Berg ist auch nur ein Indiz für Winckelmanns mutmaßliche sexuelle Präferenzen. Dass Winckelmann ein schwuler Märtyrer gewesen sein soll, ist eher literarischer Mythos als Realität.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #22 springen »
#25 Abdul-Zahir BoutrosAnonym
  • 16.07.2017, 15:49h
  • Antwort auf #19 von Matthias Weber
  • Hallo Matthias,

    ich denke schon. Reingeschaut habe ich da aber nicht, ich lese lieber die Wikisouce-Originalausgaben auf dem iPad.

    Max Kunze, der Herausgeber des Reclam-Hefts, ist der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, aber als solcher nicht ganz unumstritten.

    »Schlagzeilen machte ein Konflikt zwischen Präsident Max Kunze und Kritikern einer Ausstellung unter Führung von Stefan Lehmann. Lehmann warf Kunze vor, eine gefälschte Büste Alexanders des Großen aus dem Besitz des berüchtigten Antikenhändlers Robin Symes als Original ausgestellt und damit als alleinverantwortlicher Vorstand der Winckelmann-Gesellschaft mitverantwortlich zu sein, dass sie somit für den globalen Kunstmarkt 'geadelt' wurde. Der Konflikt, bei dem Lehmann von vielen Fachkollegen unterstützt wurde, gipfelte im Ausschluss Lehmanns aus der Winckelmann-Gesellschaft am Jahresende 2009, weshalb auch andere namhafte Wissenschaftler die Gesellschaft verlassen haben.«

    Mehr dazu hier:

    de.wikipedia.org/wiki/Max_Kunze

    Das ist eine etwas unfeine Geschichte, die man von aussen schwer beurteilen kann. Man sollte sich aber gut überlegen, ob man eine Textausgabe dieser Person nutzen möchte, oder ob man nicht besser zum Faksimile des Originals greift.

    Winckelmann ist im übrigen auch im Deutschen Textarchiv (DTA) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vertreten.

    Geschichte der Kunst des Alterthums, zwei Bände, Dresden 1764

    Erster Band:

    www.deutschestextarchiv.de/winckelmann_kunstgeschichte01_176
    4


    Zweiter Band:

    www.deutschestextarchiv.de/winckelmann_kunstgeschichte02_176
    4


    Diese Bände kann man also ebenfalls sehr bequem am Bildschirm lesen, und zwar mit moderner Umschrift auf der rechten Bildschirmseite.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #19 springen »
#26 Daniela KrauseAnonym
  • 16.07.2017, 16:11h
  • Schäuble (!) knallt uns die Briefmarke eines Eugenikers vor den Latz (!!) und wir sollen dankbar sein dafür???

    Nein! Das sind wir nicht! Wir bedanken und nicht für Brotkrumen die man uns hinwirft!

    Ich werden mir den 17. Oktober 2017 markieren und mir einen Bogen mit zehn Winckelmann-Briefmarken bei meiner Poststelle abholen! Die erste LGBT-Briefmarke der Bundesrepublik Deutschland feiern!
  • Antworten » | Direktlink »
#27 Fiacre LaboissonnAnonym
#28 goddamn liberalAnonym
  • 16.07.2017, 17:26h
  • Antwort auf #26 von Daniela Krause
  • "Schäuble (!) knallt uns die Briefmarke eines Eugenikers vor den Latz (!!) und wir sollen dankbar sein dafür???"

    Wer ist denn dieses 'Wir'?

    Ich denke, die tatsächlichen und potenziellen Opfer des Par. 175, gegen den Hirschfeld als Mitglied der Hauptopfergruppe des NS-Terrors zeitlebens (gemeinsam mit Bebel und anderen) gekämpft hat, werden das sicher gut finden.

    Nichtbetroffene Antisemiten z. B. eher nicht.

    Ich finde es übrigens eigenartig und unhistorisch, Winckelmann gegen Hirschfeld ausspielen zu wollen und freue mich über Briefmarken für beide.
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#29 goddamn liberalAnonym
#30 goddamn liberalAnonym
  • 16.07.2017, 17:36h
  • Antwort auf #24 von orchidella
  • "aber von gelebter Homosexualität ist aus dessen Vita nichts bekannt."

    Es gibt wohl Augenzeugenberichte, nach denen er mit einem jungen Italiener in flagranti erwischt wurde und dann erklärte, er wolle das mit der griechischen Liebe mal praktisch ausprobieren.

    Da sind nette Anekdoten über einen Mann, ohne den es die Weimarer Klassik wohl so nicht gegeben hätte.

    Mit Sexualreform und sexueller Aufklärung, Kampf gegen das Sexualstrafrecht und organisierter Homosexuellenbewegung wie bei Ulrichs und Hirschfeld hat das aber nichts zu tun.

    Es ist übrigens kein Zufall, dass Oswalds Aufkärungsfilm 'Anders als die anderen' (1919) in Fragmenten in der ehem. Sowjetunion wieder auftauchte.

    de.wikipedia.org/wiki/Anders_als_die_Andern_(1919)

    Der Film mit Hirschfeld war der erste anti-homophobe Film überhaupt.

    Das war und ist hochpolitisch.

    Winckelmann war das nicht.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #24 springen »

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