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Kommentare zu:
Die erste Briefmarke für die Homosexuellenbewegung


#31 Patrick FleischerAnonym
  • 16.07.2017, 17:38h
  • Antwort auf #27 von Fiacre Laboissonn
  • Frag lieber mal sicherheitshalber vorher nach!! Stickworte: Griechische Liebe, Klassizismus und Deutscher Hellenismus!!

    Eigentl. sollte jede Filiale ein oder zwei Bögen jeder Marke bekommen.

    Aber kommt jmd. um 9 Uhr und kauft den Bogen, dann sind sie weg!! Es ist eine Sondermarke, die gibt es nur dies eine Mal.

    Leute sammeln das, verstehst Du??

    Hol sie Dir also besser am Ausgabetag.
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#32 Marko ZimmermanAnonym
#33 Leon GoldschmidtAnonym
#34 Stephan BeilAnonym
#35 Jonas PfeifferAnonym
  • 16.07.2017, 20:21h
  • Antwort auf #34 von Stephan Beil
  • Danke für den Link, lieber Freund.

    Mögen wir hoffen, dass unser kleines, aber feines Steckepferd des Briefmarkensammels auch unter den "jüngeren Semestern" wieder Aufmerksamkeit und Anklang erfährt.

    Aber bitte nicht vergessen: Briefmarken sind nur Postwertzeichen (wenn auch mit erheblichem Sammlerwert), und Winckelmann hat nur auf etwas verwiesen, was heute viel grösser, kräftiger und realer vor unseren Augen steht, als das zu Winckelmanns Zeiten möglich war.

    Wer die Griechische Liebe sucht, findet sie heute. Aber man kann sich auch leichter verirren auf der Suche nach ihr.
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#36 orchidellaProfil
  • 16.07.2017, 21:07hPaderborn
  • Antwort auf #30 von goddamn liberal
  • Du hast Recht, Casanova kolportiert einen solchen Vorfall, der sich 1760 in Winckelmanns Arbeitszimmer beim Kardinal Albani zugetragen haben soll, wo dieser als vatikanischer Bibliothekar die Aufgabe hatte, antike Texte zu entziffern. Winckelmann bestritt Casanova zufolge aber energisch «Päderast» zu sein und deklarierte die Begegnung mit dem jungen Mann als eine Art «Selbstversuch». Ist nur die Frage wie glaubhaft diese Anekdote des überaus phantasiebegabten Casanova ist, aber das bleibt der Spekulation vorbehalten. «Griechische Liebe» - ob nun ausgelebt oder nicht - ist wohl der passende Terminus - das gesellschaftliche Konstrukt der «Homosexualität» gab es zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht.

    Dass sich W. gern mit jungen Männern umgab, ist jedenfalls unbestreitbar und wird von ihm selbst in einigen Briefen wie auch (sehr dezent) in Goethes Nachruf auf ihn erwähnt.

    Ich bezweifele allerdings, dass für die Entscheidung, eine Sondermarke «300. Geburtstag Johann Joachim Winckelmann» in Auftrag zu geben, dessen - wie auch immer geartete sexuelle Ausrichtung irgendeine Rolle gespielt hat. Zeitgleich wird wohl eine 20 Euro-Gedenkmünze in Umlauf gebracht (noch eine Option sich mit Winckelmann-Memorabilia einzudecken), und in der amtlichen Begründung geht es schlicht schlicht um dessen wissenschaftliche Verdienste: «Die Münze würdigt Johann Joachim Winckelmann (1717 - 1768), den Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und der Kunstgeschichte.»

    www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen
    /Briefmarken/2016/11/2016-11-30-pm32.html


    Zum Trost für den leidenschaftlichen Winckelmann-Verehrer und Hirschfeld-Verächter, der in diesem Thread unter wechselnden Aliuds ein ausgedehntes Selbstgespräch führt, ein Hinweis:

    Es war jener Hirschfeld, der nach Italien zu den Gräbern Winckelmanns, Platens und Ulrichs pilgerte, die er wohl als Vorväter der Schwulenbewegung betrachtete, und seine Eindrücke 1909 literarisch zu einem Gedicht («Drei Gräber in fernem Land») verarbeitete.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #30 springen »
#37 goddamn liberalAnonym
  • 16.07.2017, 21:38h
  • Antwort auf #36 von orchidella
  • "Es war jener Hirschfeld, der nach Italien zu den Gräbern Winckelmanns, Platens und Ulrichs pilgerte, die er wohl als Vorväter der Schwulenbewegung betrachtete, und seine Eindrücke 1909 literarisch zu einem Gedicht («Drei Gräber in fernem Land») verarbeitete."

    Danke für den Hinweis!

    Wusste ich nicht.

    Was ich aber weiß, dass unsere deutschen Juden die Vorhut des deutschen Bildungsbürgertum waren und seine Ehre retteten, als die anderen im braunen Sumpf versanken.
  • Antworten » | Direktlink » | zu #36 springen »
#38 Abdul-Sattar TalalAnonym
  • 16.07.2017, 21:40h
  • Antwort auf #36 von orchidella
  • Man könnte auch bezweifeln, dass Hirschfelds « sexuelle Ausrichtung » eine entscheidender Impuls für die Auswahl war, denn die war Hirschfeld - im Gegenzug zu Johann Joachim Winckelmann - als Homosexuellen-Experte in Homosexuellen-Prozessen genötigt zu verheimlichen.

    Es ist natürlich auch sehr bedauerlich, dass Winckelmann keine biologistischen Theorien postulierte.

    Denn das ist gewiß sehr interessant. Man kann sich ja einmal dazu einlesen:

    de.wikipedia.org/wiki/Eugenik


    Interessant ist daraus vielleicht der folgende Passus:

    Der französische Philosoph Michel Foucault betonte den Charakter von Eugenik, Rassenhygiene und Bevölkerungspolitik als neue Machttechnik, die er als Biopolitik bezeichnete. Die Anfangsgründe dieser neuen Machttechnik sah Foucault bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Aufkommen des Bürgertums und dessen intensiver Beschäftigung mit der Sexualität, die zunehmend staatlichen Regelungen unterworfen wird.

    Und da wären wir auch sogleich bei den Broschüren des Herrn Hirschfeld, die Voyeurismus und niedere Instinkte ganz bewusst ansprachen. Und heute ist Hirschfeld ein Big Player staatlicher Machtpolitik.

    Es steht aber jedem frei, sich die Briefmarke zu kaufen, die er haben will.

    Man hat ja nun die Auswahl. Zunächst die Winckelmann-Marke, und dann, irgendwann im kommenden Jahr, die andere Briefmarke.

    Vielleicht möchte man ja einen Eugeniker auf einen zärtlich verfassten Liebesbrief kleben? Viel Erfolg!
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#39 Alexander MehlerAnonym
  • 16.07.2017, 22:27h
  • Antwort auf #38 von Abdul-Sattar Talal
  • Ich würde mittlerweile nur Winckelmann auf einen Liebesbrief kleben wollen.

    Danke im übrigen für Ihren durchdachten und anregenden Beitrag. Ich wußte zuvor nur wenig über Winckelmann, aber Dank Orchidella und Ihnen, und Dank der vielen anderen geistreichen Beiträge kann ich mir nun ein genaueres Bild machen.
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#40 orchidellaProfil
  • 17.07.2017, 01:22hPaderborn
  • Antwort auf #38 von Abdul-Sattar Talal
  • Sorry, aber das alles, was Sie hier schreiben, ist reichlich wirr.

    1. «Dass Hirschfelds « sexuelle Ausrichtung » eine entscheidender Impuls für die Auswahl war» haben weder ich noch sonst wer behauptet. Hirschfeld wird als Vorkämpfer der ersten deutschen Schwulenbewegung gewürdigt, die 1933 vom NS-Regime ausgelöscht wurde. Was denn sonst?

    2. Warum sollte Hirschfeld «als Homosexuellen-Experte in Homosexuellen-Prozessen genötigt» gewesen sein, seine eigene Homosexualität «zu verheimlichen»? In der Tat war Hirschfeld 1907 bis 1909 als sexualforensischer Sachverständiger in zwei spektakulären Gerichtsverfahren tätig (Moltke gegen Harden; Mordfall Mattonet, in dem es um die Erpressung und Tötung eines Homosexuellen ging). In beiden Fällen wurde Hirschfeld wegen seiner Expertise als kompetenter Sexualwissenschaftler hinzugezogen. Welche Rolle hätte da die Frage spielen sollen, ob er selbst homosexuell ist oder nicht?

    Okay, Magnus Hirschfeld hat sich nie geoutet, trotz langjähriger Partnerschaften mit verschiedenen Männern. Aber ist das angesichts der Strafandrohung durch den § 175 so verwunderlich? Karl Giese, der 1949 das WHK neu gründete, konnte sich wegen seiner offen gelebten Homosexualität an der Uni Ffm nicht habilitieren, musste 1958 nach Hamburg ausweichen, wo er erst 1965 Professor wurde (und sein Institut für Sexualforschung in die Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf eingegliedert wurde).

    3. «Dass Winckelmann keine biologistischen Theorien postulierte» ist nicht «bedauerlich», sondern die Fragestellung selbst ist abstrus: Eugenik kam als Paradigma erst in er zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf und ist im Übrigen von Winckelmanns kunstgeschichtlicher Profession denkbar weit entfernt. Dagegen gehörte die Konfrontation mit eugenischen Ansätzen zu Hirschfelds Lebzeiten zum beruflichen Alltag eines Sexualmediziners.

    4. «Heute ist Hirschfeld ein Big Player staatlicher Machtpolitik» - steile These mit verschwörungstheoretischem Potential, aber völlig an der Realität vorbei, weil die Eugenik nach den schrecklichen Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Rassenhygiene politisch immer mehr an Bedeutung verloren hat, abgesehen von einigen AfD-«Vordenkern» wie Thilo Sarrazin, dessen «Argumente» allerdings nicht einmal den einfachsten wissenschaftlichen Standards standhalten. Und sich die Sexualwissenschaft längst von Hirschfelds biologischen Formeln gelöst und fachlich weiterentwickelt hat.

    5. «Broschüren des Herrn Hirschfeld, die Voyeurismus und niedere Instinkte ganz bewusst ansprachen»: dieser Jargon ist erschreckend nah am moralisierenden Tonfall der NS-Kampfpresse, die Hirschfeld als «Apostel der Unzucht» (Der Stürmer) und «Schnüffler im Schlick der Pornographie» diffamierten. Das bedarf keines weiteren Kommentars.
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